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Lars M

Salzbuckel

  • »Lars M« ist der Autor dieses Themas

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1

Freitag, 30. Juni 2017, 13:37

Rönne – Travemünde oder wie man 20 Stunden Ostwind nutzt

„Das ist ein Scheißboot!“ – Habe ich richtig gehört? Die Winde hatten kaum nachgelassen, ich war unter Segeln in den Hafen gefahren und bewegte mich langsam auf einen Heckpfahl zu, um dort kurz anzulegen, mein Boot klar zu machen und mir eine Box zu suchen. „Mit Außenborder, so einer hat mir mein Boot in Mönsklint zerkratzt!“
So ein Kotzbrocken! Ich bin es ja gewöhnt manchmal schräg angeschaut zu werden mit meiner neben all den weißen Plastikyachten fast wie ein Spielzeug wirkenden 50 Jahre alten, zugegeben etwas ungepflegten Dame mit ihrem schlanken Heck. Aber so direkt bin ich noch nie angemacht worden! Ich zurre die Segel fest, mache Leinen und Fender klar und suche mir mit dem AB eine Box an einem anderen Steg.
Der Wind soll über Nacht abflauen, auf Ost drehen und dann wieder kräftig zunehmen auf über 20 Knoten mit Böen um 35. Das will ich nutzen, um möglichst weit nach Westen zu fahren, vielleicht sogar nach Lübeck. So der Plan. Die folgenden Tage soll es wieder kräftig aus West wehen, wie schon all die Tage und Wochen zuvor. Außerdem solls Schietwetter geben. Das Zeitfenster muss ich einfach nutzen!
Um 04:30 verlasse ich den Hafen, die Sonne geht hinter Rönne auf und verschwindet nach einer kurzen Weile wieder in einer Wolkenschicht. Ein leiser Ostewind treibt mich langsam gegen den alten Schwell aus West von der Insel weg. Ein großer Holzschoner dröhnt unter Motor an mir vorbei und setzt ca anderthalb Meilen vor mir seine Segel. Weiter draußen sind zwei Segeldreiecke zu sehen - ich bin also nicht der einzige, der dieses Wetterfenster nutzen will um nach Westen zu kommen.
Nach zwei Stunden bin ich ca 5 Meilen von Rönne entfernt, langsam nimmt der Wind zu, er kommt direkt von achtern - ich luve etwas an und nach einer Weile fährt das Boot endlich 5 Knoten, eine Reisegeschwindigkeit, die mich rechnerisch in gut 30 Stunden nach Travemünde bringen würde. Die Sonne scheint und langsam hole ich den Schoner trotz seines Leichtwindsegels auf. Wind nimmt weiter zu, die Wellen werden größer, die Sonne scheint – so macht das Segeln Spaß mit 6-7 Knoten und die Wellen herunter auch mal 9. Fock ist nach Backbord ausgebaumt – Schmetterlingssegeln - ich liebe es!
Wind brist weiter auf, Kreidefelsen backbord achteraus, der Schoner – inzwischen achteraus -nimmt sein Hauptsegel weg und fällt zurück und kommt außer Sicht. Die ersten 51 Seemeilen sind geschafft – in neun Stunden… macht Wurzel aus 49 über sieben Knoten Schnitt! Was? Kann nicht sein… Wieso Wurzel? Ach nee, doch nur 5,5 Knoten – aber auch nicht schlecht!

Dornbusch querab. Boot surft jetzt die Wellen mit bis zu 10 Knoten herunter. Ich kann die Pinne praktisch gar mehr nicht los lassen, weil der Pinnenpilot viel zu gefährlich steuert. Als mir mal nach verschiedenen menschlichen Bedürfnissen ist, luve ich um 20 Grad an, halse und lasse den Pipi das Boot ein Weilchen steuern mit Fock im Windschatten des Groß. Was für ein Geschaukel! Ein Brecher steigt ein, Scheiße, alle Kissen nass! Ich halse zurück und gehe zurück an die Pinne. Wie anders, wenn ich das Boot unter voller Besegelung die Wellen herunter steuere und es immer wieder auf über 10 Knoten beschleunigt!

Lars M

Salzbuckel

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2

Freitag, 30. Juni 2017, 13:41

Darsser Ort querab. Ein Segeldreieck vor mir wird rasch kleiner. Es kam von Hiddensee. Wer kann so schnell segeln? Das war das fünfte Segelboot, das ich heute sehe, steuerbord schaukelt ein weiteres Schiff unter Motor Richtung Warnemünde. Warum setzen die ihre Segel nicht? Wow! Jetzt geht es sogar mit 12 Knoten die Welle herunter, und der Surf will gar nicht enden! 11,8 - 12 - 12,4 - 12,5 – 11,8 –das GPS aktualisiert immer wieder bis der Surf endet. Irre!

102 Meilen geschafft. Für die letzten 51 Meilen habe ich genau 6,5 Stunden gebraucht, macht einen Schnitt von knapp 8 Knoten! Nicht schlecht für eine 50jährige Dame mit einer Rumpfgeschwindigkeit von 6,5! Langsam wird das steuern anstrengend. Ich wechsle ab und zu nach steuerbord und steuere mit links, aber von luv aus ist es komfortabler, weshalb ich das nie lange mache. 13,2 Knoten während des letzten Surfs! Klasse!

Warnemünde querab, Geschindigkeit immer noch gut, aber nicht mehr über 12 Knoten in den Wellen. Ich passiere das Fahrwasser, das Schiff der Küstenwache fällt zurück. Die Sonne geht unter. Wenns so weiter geht, erreiche ich Travemünde gegen 3 Uhr morgens! Das sagt jedenfalls mein GPS…

Wind nimmt weiter ab, Boot fährt immer noch zwischen 6-9 Knoten. Ein Blitzen über dem Land, Donnergrummeln. Ich reffe das Groß zweimal, lasse das Gewitter über mich hinweg ziehen, Starkregen… Mist, vielleicht doch besser irgendwo in den Hafen oder ankern?

Alles pitschnass. Viele Wolken, aber auch überall Sterne zu sehen. Ich fahre weiter. Die Lichtglocke von Wismar taucht an Backbord auf, fällt langsam zurück. Das Boot läuft 6-7 Knoten als wenns von irgendwas gezogen würde, denn der Wind scheint mir nicht mehr stark genug dafür zu sein. Wird eine Strömung sein oder… aber ich nehme den Wind nicht mehr so stark wahr wahr, weil meine Sinne abgestumpft sind? Die Wellen sind zu groß, als dass der PiPi mir die Arbeit abnehmen könnte. Müde bin ich nicht, doch ich merke jeden Muskel im Rücken und in den Schultern.

2:30 Uhr morgens. Großklützhöved querab. Wind schläft völlig ein. 17 Meilen bis Travemünde. Boot schaukelt wie blöde, Segel schlagen herum. Ich nehme sie herunter und verbringe die kommenden 2-3 Stunden überwiegend in der Koje, wo ich trotz des Geschaukels etwas schlafen kann. Zu Sonnenaufgang wieder etwas Wind und grandiose Nebelbänke über der Küste, die teilweise seltsame Schleifen bilden. Langsames segeln, wieder schaukeln. Ankern vor dem Strand, Brandung ohne Wind, dösen. Gegen 8 Uhr Motor an und 7 Meilen nach Travemünde. Mit Nordwind langsam in die Trave segeln. Gegen 11 Uhr an Brücke fest mit trockenen Segeln. Das war ja mal wieder was!

ESis

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3

Freitag, 30. Juni 2017, 14:03

Herzlichen Glückwunsch zu dem perfekten Turn!
Wer ständig zurück blickt, stolpert in die Zukunft.

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4

Freitag, 30. Juni 2017, 14:04

Hallo Lars, ein toller Ritt, hattest dir die Koje danach anschließend wirklich verdient. Gut gemacht. Wegen Rönne... Opa Motzkies gibts überall, einfach Ohren auf Durchzug, die haben keine Antwort verdient
LG
Jens ;)
Ich spüre den Wind unter den Flügeln, auf zu neuen Ufern

Kassebat

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5

Freitag, 30. Juni 2017, 14:08

Glückwunsch und Hut ab.

Super Törn
Handbreit
Torsten
__________________________________________________________________________________________
Winston Churchill wurde zu seiner Goldenen Hochzeit gefragt, ob er je an Scheidung gedacht hätte.
Antwort: An Scheidung nicht, aber öfter an Mord !

Spi40

Salzbuckel

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6

Freitag, 30. Juni 2017, 14:48

Kenne ich auch....von achtern mit Schmetterling und viel Wind, Schwert eingekurbelt segelt es sich einfach schön schnell. Die Surf's auf den Wellen sind einfach herrlich!

Super gemacht und ausgenutzt was es auszunutzen ging :thumb:
Gruß Torsten

kis
keep it simple

de-si

Kapitän

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7

Freitag, 30. Juni 2017, 14:51

Toller Törn :bravo:

8

Freitag, 30. Juni 2017, 15:02

Klasse! Kühn geplant und entschlossen umgesetzt! Wäre nur noch zu toppen von einer Hinfahrt nach Bornholm mit W 5-6. Man darf ja nochmal träumen.....
Watt mutt, dat mutt.

_andi_

Kapitän

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9

Freitag, 30. Juni 2017, 16:30

Lieben Dank für den Bericht! Ich hatte auch überlegt das Fenster zu nutzen, hab mich dann aber entgegen entschieden und statt dessen Kram im Inland erledigt.

Schön zu hören wie es dann wirklich war und das die Einschätzung das es gehen würde richtig war.

10

Freitag, 30. Juni 2017, 16:52

Das war ja mal wieder was!
Kann man sagen ;)

Solche Törns fahre ich auch gern ausgebäumt und das erinnert mich wieder daran, dass das mit dem gegenwärtigen Schiff nicht mehr so leicht geht - der Spibaum ist leider etwas zu lang.
Wir bäumen daher meist nach Lee aus, halsen anschließend und lassen den Ausbäumer stehen. Beim Einnehmen umgekehrt.
Bisschen umständlich, aber solche Törns fährt man einhand oder zu zweit nicht mit dem Spi, jedenfalls wir nicht. So viel Konzentration geht auf Dauer nicht.
Ausgebäumt fährt sich der Kahn dagegen herrlich ruhig wie auf Schienen...

Beachtlicher Speed! Rechne damit, dass zumindest im 2. Teil der Strom auf Deiner Seite war. Zwischen Fehmarn und Gedser ist eigentlich immer Strom und der setzt meist mit dem Wind (zuweilen nach Starkwindperioden Rückschwappeffekt, dann auch gegenläufig).

Gruß
Andreas

Lars M

Salzbuckel

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11

Freitag, 30. Juni 2017, 17:15

Danke für die Rückmeldungen! Der Dauerregen jetzt.... gut jetzt nicht auf dem Boot zu hocken und das irgendwo abwarten zu müssen.

Ich habs vor allem deswegen gemacht ums mal gemacht zu haben - und ja genau.... schon weil es theoretisch auch andersherum gehen müsste!!! Das vorausgesagte Regenwetter hat mir die nötige Motivation verliehen - Richtung Bornholm wäre die Insel selbst der Anreiz. :)

Da war natürlich definitiv Strömung zu meinen Gunsten, ab Rügen hat das ordentlich mitgeschoben und mir sicher zusammen 10 Meilen oder mehr geschenkt.

PS: Fock nach Lee ausbaumen mache ich auch gern und oft. Das bringt was!

Kokopelli

Salzbuckel

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12

Freitag, 30. Juni 2017, 18:03

Große Klasse! Danke für den Bericht.

13

Freitag, 30. Juni 2017, 20:34

Respekt, toller Törn,
Jan

14

Freitag, 30. Juni 2017, 21:07

War schön zu lesen,danke! :good2:

15

Freitag, 30. Juni 2017, 21:38

Beeindruckend und interessant zu lesen, Hut ab.

Langer

Offizier

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16

Samstag, 1. Juli 2017, 00:29

toller Bericht, überlegte Durchführung, Gratulation.
Sönke

Lucky

Salzbuckel

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17

Samstag, 1. Juli 2017, 12:04

Sehr schön geschrieben!

Lars M

Salzbuckel

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18

Samstag, 1. Juli 2017, 12:32

Danke für die Rückmeldungen, hat sich das Schreiben gelohnt!

Hinweg ging übrigens über Salzhaff, Warnemünde, Darsser Ort (wo ich einen Tag eingeweht war), 5 Tage Neuendorf auf Hiddensee - Vorsicht Einhandsegler!!!! In die Hafenmeisterin nicht verlieben - die ist schon vergeben!!!! (Ist mir nicht gelungen...). Danach Stralsund, Peenemünde, Wollin, Dievenow - von da mit Halbwind und zwischenzeitlich bis zu 7 Windstärken 64 Meilen nach Bornholm. 1 Tag Christiansö, dann noch 5 Tage Bornholm. Meistens gab es viel Wind, im Osten offenbar mehr als im Westen.

GiNsPaCe

Seebär

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19

Samstag, 1. Juli 2017, 14:15

102 Meilen geschafft. Für die letzten 51 Meilen habe ich genau 6,5 Stunden gebraucht, macht einen Schnitt von knapp 8 Knoten! Nicht schlecht für eine 50jährige Dame mit einer Rumpfgeschwindigkeit von 6,5! Langsam wird das steuern anstrengend. Ich wechsle ab und zu nach steuerbord und steuere mit links, aber von luv aus ist es komfortabler, weshalb ich das nie lange mache. 13,2 Knoten während des letzten Surfs! Klasse!

Wieso sollten unsere alten Damen langsam sein ?? Unsere ist ja jetzt auch gute 42 Jahre... letzten Sonntag stand bei uns dann auch :
index.php?page=Attachment&attachmentID=214295

Ich denke wenn Wind weht sollte man unsere "alten" Damen nicht unterschätzen :D

Seebeer

Proviantmeister

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Rufzeichen: DA 7570

MMSI: 211 204 560

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20

Samstag, 1. Juli 2017, 14:47

:klatschen: :good2:

(manches geht einhand einfach besser, weil man niemand anderes fragen muss... (| :D )

Handbreit!
Werner
Navigo ergo sum! :wickie:

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