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Mittwoch, 11. Oktober 2017, 05:57

MoB-Manöver in der Praxis

Das Thema MoB-Manöver beschäftigt mich, nicht zuletzt weil hier wieder über einen furchtbaren Unfall berichtet wurde.

Hintergrund ist, dass ich das Segeln vor Ewigkeiten mal gelernt habe. Vor ein paar Wochen bin ich dann für ein Wochenende auf dem Ijsselmeer mitgesegelt. Wir waren 4 Personen an Bord: ein erfahrener Skipper (und Eigner der Yacht, segelt seit Kindesbeinen), ein segelunerfahrener Motorbootfahrer, eine Landratte mit noch weniger Segelverständnis und ich (BR vor ca. 27 Jahren, seit dem fast nix mehr gesegelt). Wir hatten traumhaftes Wetter, wenig Wind (bis 3 Bft).

Der Skipper wies uns in das Funkgerät ein, das Starten des Motors, den Rettungskragen, die Badeleiter. Ich hätte sehr gerne ein paar MoB-Manöver unter Segel gefahren - halt so, wie ich es vor Ewigkeiten mal gelernt habe; leider hatte der Skipper keine Lust dazu. Er meinte, wir sollen bei MoB den Rettungskragen werfen, den Motor starten, die Schoten los werfen (Segel killen lassen) und den Überbordgegangenen unter Motor versuchen anzusteuern und über die Badeleiter am Heck aufnehmen. Wobei dieses Prozedere ja zur Anwendung kommen würde, wenn eben genau der Skipper über Bord gehen würde. Ich habe nicht viel dagegen gesagt, aber gut habe ich mich nicht dabei gefühlt. Ein Baum, der unkontrolliert hin und her schlägt, killende Segel...

Natürlich verstehe ich ihn, er wollte uns ein einfaches anfängerausführbares Schema zur Rettung an die Hand geben. Trotzdem war mir nicht so richtig wohl dabei; viel lieber hätte ich das Standard-Manöver eingeübt. An die Möglichkeit, dass vielleicht der Motor genau in dem Moment mal nicht angesprungen wäre habe ich da noch nicht mal gedacht. Das kam erst jetzt zuhause. Und man verdrängt ja auch gerne, warum sollte er auch gerade jetzt und bei dem super Wetter (ohne Weste) von Bord fliegen. Trotzdem ist das die ganze Zeit "mitgesegelt", das mir selbst auferlegte Gefühl von Verantwortung, das ich dann die einzige bin, die segeln kann (können müsste) und die ihn da raus holen müsste, wobei ich damit nicht das "aus dem Wasser ziehen" meine, das würde ich eh körperlich nicht schaffen.

Jetzt wurde ja viel in dem Trööt über die durchgefallene Praxisprüfung geschrieben über MoB-Manöver und dass man das Manöver auch anders fahren kann und im Wikipedia steht auch, das das normale Manöver mit Q-Wende und Aufschiesser oft gar nicht so praxisnah ist, weil sich das Boot doch recht weit vom MoB entfernt. Deswegen wollte ich mal fragen, wie ihr das in der Praxis auf einem Dickschiff handhabt, sollte es doch mal passieren. Und wie ihr ggf eine unerfahrene Crew "impft" was sie tun soll.
Gruß Knuddelinchen :thumb:

2

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:05

Zitat

Das Thema MoB-Manöver beschäftigt mich, nicht zuletzt weil hier wieder über einen furchtbaren Unfall berichtet wurde.

Hintergrund ist, dass ich das Segeln vor Ewigkeiten mal gelernt habe. Vor ein paar Wochen bin ich dann für ein Wochenende auf dem Ijsselmeer mitgesegelt. Wir waren 4 Personen an Bord: ein erfahrener Skipper (und Eigner der Yacht, segelt seit Kindesbeinen), ein segelunerfahrener Motorbootfahrer, eine Landratte mit noch weniger Segelverständnis und ich (BR vor ca. 27 Jahren, seit dem fast nix mehr gesegelt). Wir hatten traumhaftes Wetter, wenig Wind (bis 3 Bft).

Der Skipper wies uns in das Funkgerät ein, das Starten des Motors, den Rettungskragen, die Badeleiter. Ich hätte sehr gerne ein paar MoB-Manöver unter Segel gefahren - halt so, wie ich es vor Ewigkeiten mal gelernt habe; leider hatte der Skipper keine Lust dazu. Er meinte, wir sollen bei MoB den Rettungskragen werfen, den Motor starten, die Schoten los werfen (Segel killen lassen) und den Überbordgegangenen unter Motor versuchen anzusteuern und über die Badeleiter am Heck aufnehmen. Wobei dieses Prozedere ja zur Anwendung kommen würde, wenn eben genau der Skipper über Bord gehen würde. Ich habe nicht viel dagegen gesagt, aber gut habe ich mich nicht dabei gefühlt. Ein Baum, der unkontrolliert hin und her schlägt, killende Segel...

Natürlich verstehe ich ihn, er wollte uns ein einfaches anfängerausführbares Schema zur Rettung an die Hand geben. Trotzdem war mir nicht so richtig wohl dabei; viel lieber hätte ich das Standard-Manöver eingeübt. An die Möglichkeit, dass vielleicht der Motor genau in dem Moment mal nicht angesprungen wäre habe ich da noch nicht mal gedacht. Das kam erst jetzt zuhause. Und man verdrängt ja auch gerne, warum sollte er auch gerade jetzt und bei dem super Wetter (ohne Weste) von Bord fliegen. Trotzdem ist das die ganze Zeit "mitgesegelt", das mir selbst auferlegte Gefühl von Verantwortung, das ich dann die einzige bin, die segeln kann (können müsste) und die ihn da raus holen müsste, wobei ich damit nicht das "aus dem Wasser ziehen" meine, das würde ich eh körperlich nicht schaffen.

Jetzt wurde ja viel in dem Trööt über die durchgefallene Praxisprüfung geschrieben über MoB-Manöver und dass man das Manöver auch anders fahren kann und im Wikipedia steht auch, das das normale Manöver mit Q-Wende und Aufschiesser oft gar nicht so praxisnah ist, weil sich das Boot doch recht weit vom MoB entfernt. Deswegen wollte ich mal fragen, wie ihr das in der Praxis auf einem Dickschiff handhabt, sollte es doch mal passieren. Und wie ihr ggf eine unerfahrene Crew "impft" was sie tun soll.
Wenn ich Tagesgäste an Bord auf dem IJsselmeer habe gibt es keine Sicherheitseinweisung. Beim Auto mache ich auch keine obwohl es da deutlich angebrachter wäre.

Bei längeren mehrtägigen Törns sieht das natürlich anders aus. Da allerdings sind die üblichen MOB Übungen für die Katz, da nicht umsetzbar. M.E. dienen sie nur zur Beruhigung der Crew mit der Folge, dass immer wieder schlimme Unglücke passieren, die schon fast programmiert sind.

Aus meiner Erfahrung funktioniert nur sofortiges Handeln. Hilfmittel sind Rescue Sling und eine Rettungstalje (mind. 6 fach), die permanent am Mast angeschlagen und somit einsatzbereit ist.

Und das sollte natürlich regelmäßig geübt werden.

Zum Unwohlsein an Bord auf dem IJsselmeer kann ich nur sagen: das gefährlichste am Segeln ist immer noch die Anreise zum Schiff mit dem PKW.
Handbreit - Ralf

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3

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:12

Ich glaube nicht, dass eine nicht eingespielte und erfahrene Crew bei etwas mehr Seegang und frischem Wind einen MOB unter vollen Segeln
in kurzer Zeit an Bord holen kann. Daher ist meine Anweisung grundsätzlich:
1. Rettungsinsel ins Wasser werfen (ist angebunden und zieht sich selbst auf) so bekommt der MOB die Chance, sich selber in Sicherheit bringen
2. Das Notwendige tun (funken und MOB ansteuern unter Motor und bergen)
im Zweifel geht man besser segeln

Kassebat

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4

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:23

Moin,

Ich weiß nicht, ob meine Mutter zum Beispiel das irgendwie hinbekommen würde :kopfkratz:

Einweisung lautet wie folgt.

Schwimmwestenpflicht !!!
Rescue Sling über Bord
Den Knopf an der Funke (Handbedienteil in der Pflicht) unter der roten Klappe drücken
Segel loswerfen (Schoten und Fallen)
Motor an
zurück zur Schwimmweste mit dem MOB

Gott sei Dank habe ich das bis jetzt nicht gebraucht und die wichtigste Regel ist für mich, keiner kaspert dort rum, wo etwas passieren kann
es sei den es last sich gar nicht vermeiden (meine Entscheidung).

Die einzigen echten MOB-Fälle die ich bisher "begleiten" durfte fanden übrigens im Hafen statt.
Handbreit
Torsten
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Winston Churchill wurde zu seiner Goldenen Hochzeit gefragt, ob er je an Scheidung gedacht hätte.
Antwort: An Scheidung nicht, aber öfter an Mord !

5

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:29

Ich finde den Ansatz sehr gut, das MOB mit dem Motor zu fahren.
Solange der Motor funktioniert, kann ich das Boot damit deutlich einfacher manövrieren, aufstoppen, sogar zurücksetzen als per Segelantrieb.
Natürlich werden die Segel schlagen und ein wenig Psychoterror erzeugen. Aber sie werden auch beim Aufschießer / beinahe Aufschießer schlagen.
Wir haben vereinbart, den Motor in MOB Situationen immer sofort zu starten - einkuppeln ist eine andere Sache....
Da wir zu 95% nur zu zweit an Bord sind, ist derjenige an Bord dann Einhandsegler. Daran scheitert auch das sofortige Drücken der Distress Taste an der Funke - da muss man erst mal hinkommen.
Bei uns bleibt fast nur, die Segel loszuwerfen und unter Motor an den MOB heranzufahren.
Besondere Herausforderung wäre bei uns die Selbstwendefock. Sie wird neben dem Niedergang geschotet und ist maximal weit vom Rudergänger entfernt. Ein Quickstop wird nicht funktionieren, da die Fock übergeht....
Also - Motor an und flattern lassen.
Jan

Kassebat

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6

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:38

Daran scheitert auch das sofortige Drücken der Distress Taste an der Funke - da muss man erst mal hinkommen.


und das ist einer der Gründe, warum ich das zweite Handbedienteil zu meiner Funke in der Pflicht installiert habe
Handbreit
Torsten
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7

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:41

Wenn Du MOB üben möchtest kann ich Dir nur ein entsprechendes MOB Training, allerdings dann auch bei 5-6 Bft empfehlen. Übe es dann bis Du es perfekt beherscht. Dann kannst Du bei jedem anderen wieder ohne "Bauchschmerzen" mitsegeln.

Ich verstehe nicht warum Du mitsegelst, wenn Du mit bestimmten Sachen nicht einverstanden bist. Glaubst Du wir Skipper können alles perfekt und erfolgreich? Wenn Du der Meinung bist das Dir Wissen, Erfahrung, Übung und praktischen Können fehlen ist es verdammt noch einmal DEINE Sache, diesen Missstand anzugehen!
Gruß Torsten

kis
keep it simple

8

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:50

Daran scheitert auch das sofortige Drücken der Distress Taste an der Funke - da muss man erst mal hinkommen.


und das ist einer der Gründe, warum ich das zweite Handbedienteil zu meiner Funke in der Pflicht installiert habe
Auch bei uns gibt es ein drahtloses Handbedienteil. Problem ist der Ladezustand und der Ort, wo es auf Törn lagert.
Eine neues Gerät würde ich wohl mit drahtgebundenem Bedienteil nahe des Steuerrads kaufen / montieren.
Jan

wassergenug

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9

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:50

Er meinte, wir sollen bei MoB den Rettungskragen werfen, den Motor starten, die Schoten los werfen (Segel killen lassen) und den Überbordgegangenen unter Motor versuchen anzusteuern und über die Badeleiter am Heck aufnehmen.

Völlig korrekt so, meines Erachtens. Andere Möglichkeit - MoB-Taste drücken, Crashturn, Schoten erstmal sein lassen, mit Notbeidreher, dann mit Motor Richtung MoB, Grossschot lot. Wird aber langsam kompliziert...

viel lieber hätte ich das Standard-Manöver eingeübt.

Das Standardmanöver ist ein Manöverr, das in der Schulung Bootshandling einübt und demonstriert. Es ist nicht wirklich ein Rettungsmanöver....

das das normale Manöver mit Q-Wende und Aufschiesser oft gar nicht so praxisnah ist, weil sich das Boot doch recht weit vom MoB entfernt.

... eben wegen dem. Erstes Gebot beim MoB - schnellstmöglich Verbindung zum MoB herstellen und möglichst nicht vom MoB entfernen.

Deswegen wollte ich mal fragen, wie ihr das in der Praxis auf einem Dickschiff handhabt, sollte es doch mal passieren. Und wie ihr ggf eine unerfahrene Crew "impft" was sie tun soll

Eigentlich genau so wie beschrieben. Ich lasse den Beidreher üben, damit die Crew spürt was dann passiert, sowie Bootshandling unter Motor. Sowie die Nottasten auf Plotter und Funke.

Überleg mal - du brauchst ein ganzen Segelkurs, um eine Person den Standard-MoB beizubringen. Und da wird noch dazu den völlig falschen Eindruck vermittelt, es gehe darum, möglichst präzise unter Segel manövrieren zu können. Völlig falsch. Es geht darum, einen Menschenleben zu retten. MoB heisst akute Lebensgefahr.

Daher ist das nullte Gebot: erst gar nicht über Bord gehen. Das erste, was ich Gäste in Sachen MoB beibringe ist deshalb sitzenbleiben, nicht herumturnen sowie einpicken.

Gruss, Michael
Bekennende flaue Flunder :-)

10

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:56

Daher ist das nullte Gebot: erst gar nicht über Bord gehen. Das erste, was ich Gäste in Sachen MoB beibringe ist deshalb sitzenbleiben, nicht herumturnen sowie einpicken.
Das ist sehr wichtig - Gäste bekommen bei uns die Anweisung, im Cockpit zu bleiben und NICHT auf die Cockpitbänke zu steigen.
Unser Baum ist ca. 1,9m über dem Cockpit - passt meist gut.
Jan

Winterfalke

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11

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 08:08

Deswegen wollte ich mal fragen, wie ihr das in der Praxis auf einem Dickschiff handhabt, sollte es doch mal passieren.

Sehr wichtiges Thema, über das immer wieder gesprochen werden sollte. :good2:
Wir haben beim Trainings-/Prüfungstörn viel darüber gesprochen. Natürlich auch mit dem Prüfer.
Das klassische MOB-Manöver mit dem Aufschießer ist in einer erfahrenen Crew, in der alle dieses Manöver kennen und können sicher die erste Wahl. Aber die meisten von uns sind mit Familie und Freunden unterwegs. Ich persönlich unterscheide für mich und meine Crew 3 Situationen, die sich in den Folgehandlungen grundsätzlich unterscheiden.

Anmerkung: Das ist meine/unsere ganz persönliche Vorgehensweise, die wahrscheinlich nirgendwo geschult wird. Kritik also überflüssig.

MOB - Mann über Bord
KOB - Kind über Bord
SOB - Skipper über Bord

Die Manöver:

MOB Variante 1 -> Ist das klassische MOB-Manöver mit Aufschießer. z.B. Wenn der MOB eine Rettungsweste bereits an hat und/oder schwimmen kann.
MOB Variante 2 -> Sofort voll anluven in eine Q-Wende, mit back stehender Genua/Fock Beiliegen fahren, dem MOB zumindest ein Rettungsmittel zuwerfen, wenn möglich gleich bergen oder ggf. noch ein klassiches MOB-Manöver im Anschluß fahren (das dem MOB aber sagen bei der Rettungsmittelübergabe). Dieses Manöver haben wir sehr oft gefahren beim Prüfungstörn und der Prüfer war beeindruckt, wie schnell und präzise die Bergung erfolgt ist. Nennen wir es einfach mal das Q-Manöver ( @wassergenug: oder Crashturn?).

KOB - Das Worst-Case-Szenario. Hier ebenfalls sofort ein Q-Manöver, um schnellstmöglich zum Kind zu gelangen, welches hoffentlich eine Rettungsweste an hat. Ansonsten muss ein erwachsener Schwimmer mit dem Rettungsmittel mit über Bord und sofort hin zum Kind, welches hoffentlich noch an der Oberfläche ist. Wenn dies der Skipper selber ist, hat dieser hoffentlich vor bzw. unmittelbar nach dem Ablegen die Crew über das SOB-Manöver unterwiesen in Theorie und Praxis oder die EPIRB mitgenommen. (die 3x "hoffentlich" sprechen für sich...)

SOB - Da ich meist allein nur mit meiner Frau als Crew fahre, kennt sie die Tätigkeiten zum Skipper auffischen natürlich im Schlaf (schon in meinem eigenen Interesse).
1. Motor an (PiPi oder AP ggf. aus)!
2. Großschot dicht, Genuaschot und Großfall loswerfen (sind immer markiert)!
3. Zum Skipper tuckern, Rettungsmittel raus und Badeleiter runter!

Es gibt nun leider noch die Faktoren:
Panik: Da alle in solchen Situationen zum Skipper schauen - cool bleiben! Schon allein, um vollen kognitiven Zugriff auf´s Hirn zu haben und nicht selber noch Hektik und Unsicherheit zu verbreiten.
Bewusstlosigkeit (Patenthalse): Die POB muss extrem schnell geborgen werden, weswegen man hier das KOB-Manöver vorziehen wird.

Jede Gefahrensituation dieser Art ist sicher individuell und Schema F ist mal besser als gar nichts. Wichtiger als zu versuchen, einer unerfahrenen Crew ein schwieriges MOB-Manöver beizubringen ist es, die Crew auf mehrere Möglichkeiten vorzubereiten und zu trainieren. Schlimmstenfalls bleiben die Segel eben mit dichtgeholten Schoten stehen beim motoren zur POB wenn keine Hand frei oder keine Zeit ist. Hauptsache gerettet.
Mario Falko

Glück ist kein Ziel, sondern eine Reise.
:segeln:

wassergenug

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Mittwoch, 11. Oktober 2017, 09:04

@Winterfalke: ja, in etwa so.

Crashturn kommt daher, dass du den Beidreher in der ersten Runde vielleicht nicht schaffst, und deshalb weiterdrehst. Hauptsache, du bleibst vor Ort; alles anderes kann warten. Crashturn auch weil es krachen wird - und das ist völlig ok. Darauf ist Crew dann vorbereitet.

Mein Hauptprinzip: so einfach wie möglich, nicht wegbewegen - alles anderes ist zweitrangig, Material auch.

Das Prinzip habe ich nicht nur von ein paar sehr erfahrenen Hochseesegler, sondern auch von einem erfahrenen Fallschirmspringer-Kolleg.

Er hat mal erzählt, dass die Amis - trotz sehr ausgeklügeltes Notfallprozedere und sehr strenge Sicherheitsvorschriften - sehr viel mehr tödliche Unfälle als die Europäer hatten. Die genauere Analyse ergab dann, dass es wegen und nicht trotz dem ausgeklügelten Notfallprozedere war. Das amerikanische Prozedere war darauf ausgelegt, den Hauptschirm zu retten und damit zu landen, und hatte deshalb eine Reihe von Sachen zum Ausprobieren - mehrere falls-dies-dann-das Anweisungen. Während der Abarbeitung ist der Springer dann zu häufig auf dem Boden geprallt, weil er damit beschäftigt war, den Hauptschirm nach Schema X zu retten. Statt sein Leben. Das europäische (Schweizer?) System ist anders: Blick hoch - kann ich so landen? Wenn ja, weiterfliegen. Wenn nein, Hauptschirm abstossen und Notschirm auslösen.

Das Prinzip habe ich dann auf meinem MoB-Manöver übertragen. A) es geht um Leben retten, nicht irgendwelches Manöver und B) möglichst einfach, und Scheixxx aufs Material.

Ach ja - ich vergass den Rettungsring im ersten Post.

Gruss, Michael
Bekennende flaue Flunder :-)

Winterfalke

Salzbuckel

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Mittwoch, 11. Oktober 2017, 10:12

Ach ja - ich vergass den Rettungsring im ersten Post.

Das ist auch immer wieder so eine Sache auf Charteryachten. Der Rettungsring oder -Kragen, an dem ein langes, steifes Nylonseil befestigt ist. Entweder so, dass man es gar nicht aufgefitzt bekommt oder wenn doch, ist das Ende am Schiff befestigt, damit man es der POB vor der Nase weg zieht. Oder die Leine gerät beim Bergemanöver noch in die Schraube. Super! :kez_08: Wer denkt sich denn nur so etwas aus?
Mario Falko

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horstj

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14

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 10:21

Hallole,
"in der Praxis" heißt, mal einen 100kg Sack bei Welle über Bord werfen und dann bergen. Die Posts hier würden sich verändern...
Bootslog und Refitblog Jeanneau Microsail https://microsail.wordpress.com/

wassergenug

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Mittwoch, 11. Oktober 2017, 10:40

Ach ja - ich vergass den Rettungsring im ersten Post.

Das ist auch immer wieder so eine Sache auf Charteryachten. Der Rettungsring oder -Kragen, an dem ein langes, steifes Nylonseil befestigt ist. Entweder so, dass man es gar nicht aufgefitzt bekommt oder wenn doch, ist das Ende am Schiff befestigt, damit man es der POB vor der Nase weg zieht. Oder die Leine gerät beim Bergemanöver noch in die Schraube. Super! :kez_08: Wer denkt sich denn nur so etwas aus?

Eigentlich sollte es Schwimmleinen sein. Ich versuche mich daran zu erinnern, bei Bootsübergabe, dass ich die Verfilzung kontrolliere.

Von der Nase wegziehen? Erstes Gebot - in der Nähe bleiben, wenn nötig, Kreise segeln (Crashturn).

Die Posts hier würden sich verändern...

Nöh, Nulltes Gebot - erst nicht über Bord gehen.

Gruss, Michael
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Winterfalke

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Mittwoch, 11. Oktober 2017, 11:04

"in der Praxis" heißt, mal einen 100kg Sack bei Welle über Bord werfen und dann bergen.

Ein 100kg Sack schwimmt nicht. ;) Soviel zu "Praxis".

Eigentlich sollte es Schwimmleinen sein. Ich versuche mich daran zu erinnern, bei Bootsübergabe, dass ich die Verfilzung kontrolliere. Von der Nase wegziehen? Erstes Gebot - in der Nähe bleiben, wenn nötig, Kreise segeln (Crashturn).

Alternativ kann man die Leine vom Schiff lösen, damit die POB das Rettungsmittel bekommt. Die Leine ist schnell wieder eingefangen von Mutti mit dem Bootshaken auf dem Vorschiff.
Und dann gibt´s Fischstäbchen zum Mittag. :hunger:
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excos48

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17

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 11:09

Das ist auch immer wieder so eine Sache auf Charteryachten. Der Rettungsring oder -Kragen, an dem ein langes, steifes Nylonseil befestigt ist. Entweder so, dass man es gar nicht aufgefitzt bekommt oder wenn doch, ist das Ende am Schiff befestigt, damit man es der POB vor der Nase weg zieht. Oder die Leine gerät beim Bergemanöver noch in die Schraube. Super! :kez_08: Wer denkt sich denn nur so etwas aus?

Mir scheint du hast den Hintergrund dieses Rettungsmittels nicht ganz durchschaut :O
Ein solches Arrangement ist auch Standard auf allen Berufsschiffen und das lange Seil "kann" zwei Dinge ermöglichen.
1. Man fährt einen Kreis während das Seil ausläuft und der MOB gerät zwischen Boot und Rettungskragen und kann diesen so viel leichter erwischen...sprich der Kragen wird "zum MOB" gezogen.
2. Man schneidet das Seil rechtzeitig los (oder hat es erst garnicht am Boot befestigt) sodaß der Kragen langsamer abtreibt und/oder der MOB nicht ganz zu ihm hinschwimmen muss, sondern durch die Länge des Seils seine Chance den Kragen zu erreichen steigt. Ja, das setzt Bewusstsein des MOB voraus, funktioniert aber hervorragend.
Praktischerweise hat man zwei Rettungskragen mit Leine an Bord, eine ist am Boot fest, die andere nicht.

Gruss
excos48

Winterfalke

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18

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 11:16

Mir scheint du hast den Hintergrund dieses Rettungsmittels nicht ganz durchschaut

Aber zum Glück habe ich ja Dich und Du hast das ganz toll erklärt! :good2:
Mario Falko

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Mittwoch, 11. Oktober 2017, 11:19

Nöh, Nulltes Gebot - erst nicht über Bord gehen.

Mir ist eine Frage haften geblieben, die vor vielen Jahren unser Segellehrer im Verein stellte und die mir eben wieder einfiel, als von Fallschirmen die Rede war: "Habt Ihr schon mal einen Gebäudereiniger am Hochhaus gesehen, der einen Fallschirm trägt?" Die Antwort ist nein - denn die sind angeleint. Und der entsprechende zweite Lehrsatz heißt: Wer über Bord geht, ist tot.

DAS sind für mich die wichtigsten Punkte - obwohl ich bekennender Immer-Rettungswestenträger bin. Doch Rettungsweste, Lifesling, MOB-Manöver sind für mich die Ultima Ratio. Und ich war bei zu lange beim Rettungsdienst, um mir da noch Illusionen zu machen: Bist Du erst einmal im Wasser gelandet, sinken Deine Überlebens-Chancen schlagartig in den unteren einstelligen Prozentbereich.

Wir haben es einmal selbst mit Rettungstalje und sechs erfahrenen Leuten (Wind 6-7 Bft, See 2 m, Wasser 12 Grad) bei einer RND-Übung nicht geschafft, einen 90 Kilo schweren Unfalldarsteller in akzeptabler Zeit (Vorgabe 15 Minuten) an Bord einer Segelyacht zu bringen. Und zwar waagerecht, sodass ein unterkühltes Opfer einem nicht im Moment des Bergens wegsterben würde. Die anschließende HLW im Cockpit erwies sich bei starkem Seegang als praktisch unmöglich. Fazit: Der Mann wäre in einer Realsituation vermutlich gestorben.

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20

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 11:21

Ein 100kg Sack schwimmt nicht. ;) Soviel zu "Praxis".

Das stimmt so pauschal nicht. Die Massendichte, nicht die Masse an sich, entscheidet über die Schwimmfähigkeit. Die Massendichte lässt sich hervorragend mit Lufteinschlüssen manipulieren. Wir Segler nennen so was Rettungsweste :D

@horstj: hat aber schon recht. Es gibt zwei sehr schwierige Aufgaben. Den MoB wieder in Reichweite bringen. Und den MoB wieder ans Bord bringen. Es gehen etliche Toten auf der Rechnung des Nicht-Lösens der jeweiligen Aufgabe. ;(

Nulltes Gebot - nicht über Bord gehen.

Gruss, Michael
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