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Windstärken

Windstärkentabelle

61

Freitag, 12. Juli 2019, 19:46

Hier hat ein Forumsmitglied sehr ausführlich sein Mann über Bord Erlebnis geschildert: Mein eigenes MOB……Ursachen Fehler Konsequenzen

Gruß Ralf

AluThomas

Leichtmatrose

Beiträge: 41

Schiffsname: Elao

Bootstyp: Cobelens 31

Heimathafen: Flevo Marina

Im Marktplatz: 1

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62

Freitag, 12. Juli 2019, 22:40

Wie von Rüm Hart
und spliss gebeten würde ich hier mal einen MOB Fall, an deren
Bergung wir beteiligt waren und meine Konsequenzen beschreiben.


Vor wenigen Wochen ereignete sich nahe Enkhuizen Folgendes:

Ein Paar (~ 60) war auf einer gecharterten Friendship 22 von Enkhuizen in Richtung
Stavoren aufgebrochen. Beide segelten schon seit einigen Jahren,
jedoch noch nie in eigener Verantwortung sondern bisher meistens als
Crew.

Der Wind kam aus
WSW, vermutlich etwa 3-4, die See war für die Bootsgröße relativ
hackig. Glücksfall 1: Es liefen relativ viele Boote zu einer
Mittwochs? Regatta aus.

Glücksfall 2: Die
beiden haben nach dem Auslaufen gesehen, dass die Crew auf einem
anderen Boot Westen angelegt hat, das hat die beiden veranlasst doch
auch die Westen anzuziehen.

Groß und Vorsegel
wurden gesetzt, und mit achterlichem Wind ging es in Richtung
Stavoren. Er hatte noch über so etwas wie einen Bullenstander
nachgedacht, auf Grund mangelnder Erfahrung und Unsicherheit, wie das
zu machen ist, hat er es aber gelassen. Beiden war die Gefahr einer
Patenthalse nicht bewusst genug.

Sie ist kurz unter
Deck, um die Sonnenbrille zu holen. Als sie wieder hoch kommt kommt
der Baum angerauscht und trifft sie am Kopf. Sie geht über Bord,
vermutlich kurzzeitig ohne Bewusstsein. Die relativ alte Weste bläst
sich auf, dreht den Kopf aber nicht unmittelbar über Wasser. Er
beobachtet die Situation, während er die Schoten los wirft. Da er
nach einigen Sekunden immer noch den Kopf der Frau unter Wasser sieht
springt er aus Panik hinterher. Auch seine Weste bläst sich auf.
Etwa zur gleichen Zeit schafft es die Frau aus eigener Kraft den Kopf
über Wasser zu bekommen. Beide sind bei Bewusstsein, können das
treibende Boot aber nicht erreichen.

Glücksfall 3: Ich
sehe etwas im Wasser und halte es zuerst für eine Fender über Bord
Übung, erkenne dann aber, dass die „Fender“ gelb sind.

Wir haben
glücklicherweise nur die Genua stehen, die nach wenigen Sekunden
eingerollt ist. Mit Motor geht es in die Richtung. Einen sehr nahe
passierenden Motorbootfahrer versuchen wir mit Rettungsring winkend
auch auf die Situation aufmerksam zu machen. Null Reaktion.

Fehler 1: Ich habe
ausgerechnet heute keine der beiden Funken eingeschaltet.


Ich gebe meiner Frau
Anweisung Bootshaken, Rettungsring und Badeleiter bereit zu machen.

Dank Adrenalin und
schlecht stoppendem Boot fahren wir an dem Mann vorbei, wir werfen
den Rettungsring. Fehler 2: Da ist keine Leine dran. Ausserdem habe
ich unsere Danbouy nicht ausgelöst.

Meine Frau stellt
mit dem Bootshaken eine Verbindung zur Frau her. Wir sind immer noch
zu schnell, so dass ich Fehler 3: mit Maschine aufstoppe, obwohl sie
gefährlich nahe an der Schraube sein könnte.

Sie erreicht die
Badeleiter, die nur Fehler 4: eine Stufe ins Wasser reicht. Ich
klettere ihr entgegen und es dauert einige Zeit, bis wir gemeinsam
wieder oben sind. Glück gehabt, dass Sie bei Bewusstsein war.

AluThomas

Leichtmatrose

Beiträge: 41

Schiffsname: Elao

Bootstyp: Cobelens 31

Heimathafen: Flevo Marina

Im Marktplatz: 1

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63

Freitag, 12. Juli 2019, 22:44

Es schien
augenscheinlich alles ok bei ihr, so dass wir wieder zu ihrem Mann
fahren wollen. Da war allerdings eine der niederländischen
Regattayachten schon näher dran. Wir haben uns also in Richtung Boot
auf gemacht.

Da unser Boot kein
Problem mit kleinen Kratzern hat bin ich einfach längsseits
gegangen, nach einiger Zeit haben wir geschafft eine Leinenverbindung
herzustellen.


Zwischendurch immer
wieder die Frau angesprochen, um sicher zu gehen, dass es ihr gut
geht. Wir haben Sie unter Deck gebracht, und eine Decke und Wasser
gegeben.

Ich konnte mit
langem Arm deren Vorsegel einrollen und dann kurz übersteigen, um
das Groß zu bergen. Zwischenzeitlich waren die Niederländer mit dem
geborgenen Mann in die Nähe gekommen. Und er wollte übersteigen und
ggf. das Boot zurück fahren. Da ich seinen Zustand nicht einschätzen
konnte habe ich das abgelehnt und gesagt, dass wir uns im
Compagnieshaven treffen.

Wir haben das Boot
abgefendert und Fehler5: längsseits zurück geschleppt. Ich dachte
es wäre nicht so weit, aber so konnten wir nur sehr langsam fahren
und es dauerte doch etwas bis wir da waren. Ein Fender ging verloren,
den hat eine große bunte „Nomad“ vermutlich eingesackt ;-)
Glücksfall: Wir wussten noch nicht, dass die Frau den Baum
abbekommen hatte. Sie hat auch eine komplett andere Geschichte
erzählt. Ihr Kreislauf blieb zum Glück stabil, somit war die lange
Fahrt kein Problem.


Fazit:

- Viel Glück
gehabt, einzige Schäden: eine kleine Beule am Kopf der Frau, ein
Fender weg und die Gummischeuerleiste der Friendship war etwas aus
dem Keder gezogen und die hatte ein paar kleine Kratzer.

- Ohne Westen hätten
wir trotz guten Verhältnissen die Personen im Wasser nicht gesehen.
→ Immer Weste tragen!

- Wir haben keine
Hilfe gerufen, da wir das Gefühl hatten alles im Griff zu haben. Im
Rückblick bin ich mir unsicher ob das sinnvoll war.

- Die Funken waren
aus. Wir konnten weder schnell einen Hilferuf absetzen noch mit dem
anderen Boot kommunizieren. Das wird uns nicht nochmal passieren.

- Wir haben jetzt
eine Schwimmleine am Rettungsring

- Wir werden Leinen
am Baum montieren, so dass sich ein Bullenstander schneller setzen
lässt.

- Es waren ca. 30 –
40 Segelboote im näheren Umkreis außer uns hatte nur ein weiteres
Boot den Vorfall mitbekommen! Also nicht auf andere verlassen.

- Schleppleine liegt
jetzt nicht mehr ganz so weit unten in der Backskiste.

- Für die Bergung
von bewusstlosen bzw. unsportlicheren Leute ist uns noch keine
passende Lösung eingefallen.

- Wir werden öfter
Fender über Bord üben, damit die Fahrmanöver passen. Damit das
realistisch ist sollte die Anfahrt etwas länger und mit ordentlich
Speed erfolgen.


Sorry für den
langen komisch formatierten Text, ich hoffe es kann für den einen oder anderen hilfreich
sein.



Thomas

64

Freitag, 12. Juli 2019, 23:16

Moin! Vielen Dank für die doch recht erhellenden Antworten zum Thema des Threads. Es bestätigt sich doch immer wieder die These: So dumm wie es manchmal kommt kann man gar nicht denken. Jedenfalls hab ich hier genug Infos ziehen können um mein "Sicherheitskonzept" zu überdenken. Danke dafür!
Osttief

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Das schönste am Segeln sind die Abende im Hafen...

Rüm Hart

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Schiffsname: Rüm Hart

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65

Samstag, 13. Juli 2019, 00:21

Thomas, dem Dank schließe ich mich an. Kurz und knackig das Geschehen geschildert, und man kann sich in eure Situation hineinversetzen.

Gruß, Manfred
Rüm Hart Blog: KLICK
Sirius Forum: KLONG

66

Samstag, 13. Juli 2019, 04:10

5.
Schrittgurte: Klingen theoretisch überzeugend, hat sicherlich mit Körperbau, Westentyp und Einstellung der Gurte zu tun. Für mich/meine Weste verzichtbar. Für andere nützlich bis hilfreich. Ich kenne jedoch Menschen, die sich gestört fühlen und die ihre Weste deshalb nicht konsequent tragen. Das soll nicht sein.


Ich habs beim Sicherheitstraining ausprobieren dürfen. Hatte die Weste schon nachgerüstet, und war heilfroh durch Nachstellen der Gurte die Weste in eine erträglichere Position bring zu können. Inzwischen habe ich mich umgestellt so dass ich beim Anlegen in die Gurte steige, statt sie nachträglich anzutüddeln. Gurte etwas lose eingestellt zum Tragen, und schon merkt man sie nicht mehr. Im Wasser kann man das schnell nach den Bedingungen nachregulieren.

Mein weiteres Fazit: eine Weste, die man nie ausprobiert hat, wird einem im Ernstfall u.U. unangenehm überraschen. Besser, wenn man das durch eine Test vorher im Griff hat.
~sx

pks

Lotse

Beiträge: 1 894

Wohnort: Mittelfranken

Bootstyp: ehemals: Conger - Friendship 25 HK - Compromis C999

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67

Samstag, 13. Juli 2019, 07:35

Sie erreicht die
Badeleiter, die nur Fehler 4: eine Stufe ins Wasser reicht. Ich
klettere ihr entgegen und es dauert einige Zeit, bis wir gemeinsam
wieder oben sind. Glück gehabt, dass Sie bei Bewusstsein war.

@AluThomas:
erst mal Beifall, ihr habt alles im allem prima reagiert

die zu kurze Badeleiter bzw. Rettungsleiter findet man an vielen Schiffen
wir sind mit unserer C999 auch 3 Jahre in Nord- und Ostsee rumgegurkt ohne das Ding einmal zu benutzen, erst beim Ankern im MM haben wir gemerkt dass das Teil zu kurz ist und von der Werft verlängern lassen

die Leiter sollte mindestens 1m unter Wasser reichen, dazu notfalls Aufstiegshilfen wenn das Ding weit unten angeschlagen ist
Peter

spliss

Hafensänger

Beiträge: 895

Wohnort: Berlin

Rufzeichen: DD3489

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68

Dienstag, 16. Juli 2019, 19:46

Bedanke mich bei @AluThomas: !

Wir waren da: https://www.fire-safety-training.de/Home.html

Und ich habe mich über meine (geliehene) Weste im Wasser schwarz geärgert. Ein Anlaß, eigene zu kaufen.

@88markus88: die neue hat eine Lifting-/ Buddy Loop. Die Idee mit der Zusatzleine ist aber gut, für alle, die das nicht haben.

Die neuen Westen haben auch ein quick release, falls man ans Messer nicht rankommt oder gar keines hat.

ahoi, spliss
Holt groß das Dicht !
Windvorhersage: 3 in Böen 2

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »spliss« (16. Juli 2019, 19:57)


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