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PePeSail

Kapitän

Beiträge: 667

Schiffsname: Linguini

Bootstyp: Make 25

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41

Mittwoch, 27. Mai 2020, 10:21

Hallo Marco!

Die allererste Nachtfahrt einhand habe ich zweihand gemacht um, in irgendeiner möglichen Not, ein Backup zu haben. Mein Backup hat wunderbar durchgeschnorchelt während ich bis auf 4 X 25 min Powernappig wach geblieben bin. Kein Cola, RedBull oder gar Tabletten sondern ausreichend Flüssigkeit, Wasser und Tee. Als Tee eine Salbei-Lavendelmischung die unterstützt die Konzentration (sagt man). Hat gut geklappt.

42

Mittwoch, 27. Mai 2020, 11:47

Vorweg was mich anbetrifft: Nachtfahrten ja, Einhand auch, aber Einhand + Nacht bisher umgangen.

In ruhigen Gebieten, also Gebieten ohne nennenswerten Schiffsverkehr und einer Küste, der man wegen ihrer Ferne keinerlei Aufmerksameit schenken muss, kann man als Ruderwache problemlos mal ein Stündchen knacken. Wäre ein Schiff auf Kollisionskurs und würde es mit 10 kn fahren, dürfte es mit Einschlafen noch 1 h bis zum Rums entfernt sein. Viele fahren etwas schneller, aber man kann meistens weiter als 10 nml gucken. Lange musss man sich danach ja nicht wachhalten. Im Grunde Rüssel raus, Erkenntnislage updaten und weiterpennen.
Damit die Bedingungen auch so bleiben, lässt man sich elektrisch wecken, wenn man z.B. Fährlinien passiert. Bei bestimmten Fähren weiß man idealerweise, wann mi tdenen zu rechnen ist. Man hält sich von Hauptschiffahrtsrouten fern. Das gilt auch für eine Fahrt über die Biskaya, vor allem aber um die Bretagne, den Kanal und das VTG entlang der belgisch-holländischen Küste und entlang der Wattensee. Wenn man das alles beherzigt, fallen ein paar Regionen, eher schon Reviere raus, in denen man es mit dem Nachtsegeln besser lässt - vor allem, wenn man alleine fährt.
Einen anderen Tipp, den ich gerne weitergebe, abends mit Einbruch der Dunkelheit die Segelfläche entsprechend des zu Erwartenden + gehörigem Sicherheitszuschlag zu verringern. Das vermeidet, dass man nachts am Rigg rumfummeln muss. Das Risiko, dass dabei was schief geht ist erheblich größer, als dass ein 10 m breites Schiffchen oder ein 30 m breites Schiff dem eigenen Schiff mit sagen wir 12 m Angrifffsfläche auf einem 40 nml breiten Streifen eine Breitseite gibt.

Sofern man es besonders gewissenhaft vermeidet, schöne Stellen zu überspringen, kann das zum Gegenteil führen, dazu, dass man sich verzettelt. Kannte einen, der wollte immer mal eine Iberienrundreise machen, bekannte sich aber zu dem "der Urlaub fängt zuhause an" und schaffte es auf diese Weise jahrelang nicht über den Elsass hinaus. Irgendwann ging es, weil er die Strategie geändert hatte. Zum Segeln zurück kommt man erheblich besser voran, wenn man nicht allabendlich von seiner Route aus ein bis zwei Stunden zu einem Liegeplatz fährt, entsprechend spät, quasi immer nach Geschäftsschluss ankommt und morgens recht früh wieder entsprechend 1 bis 2 Stunden mit der Rückkehr zu der Route verplempert. Gegen einen Hafen, der direkt am Weg liegt, spricht natürlich nichts - vor allem dann nicht, wenn man dort frische Pflanzen zum eigenen Verzehr bekommt.


VG Chris

Winterfalke

Kap Hornier

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Bootstyp: gecharterte 30 - 40ft.

Heimathafen: Adria

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43

Mittwoch, 27. Mai 2020, 12:08

Guido Dwersteg

Guter Mann, aber wach habe ich den noch nie erlebt :-D

:D :gooost:

:rofl2:
Naja, aber es hat auch irgendwie funktioniert. :tongue:
Mario Falko

Glück ist kein Ziel, sondern eine Reise.
:segeln:

44

Mittwoch, 27. Mai 2020, 12:15

Wäre ein Schiff auf Kollisionskurs und würde es mit 10 kn fahren, dürfte es mit Einschlafen noch 1 h bis zum Rums entfernt sein. Viele fahren etwas schneller,
Du hast dabei Deine eigene Geschwindigkeit nicht berücksichtigt. Nehmen wir an Du segelst mit 7kn und der andere ist auch etwas schneller, dann halbiert sich die Stunde schon auf 30 Minuten.

Winterfalke

Kap Hornier

Beiträge: 11 333

Wohnort: Niederösterreich

Bootstyp: gecharterte 30 - 40ft.

Heimathafen: Adria

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45

Mittwoch, 27. Mai 2020, 12:29

Wäre ein Schiff auf Kollisionskurs und würde es mit 10 kn fahren, dürfte es mit Einschlafen noch 1 h bis zum Rums entfernt sein. Viele fahren etwas schneller,
Du hast dabei Deine eigene Geschwindigkeit nicht berücksichtigt. Nehmen wir an Du segelst mit 7kn und der andere ist auch etwas schneller, dann halbiert sich die Stunde schon auf 30 Minuten.

Ich habe irgendwo (wahrscheinlich hier im Forum) gelesen, dass man eben deswegen den Backwecker (eigentlich mehrere wegen der Redundanz) auf 15min stellen sollte. Beigelegen kann man vllt auch mal etwas länger wegdösen.
Mario Falko

Glück ist kein Ziel, sondern eine Reise.
:segeln:

grauwal

Lotse

Beiträge: 1 510

Schiffsname: lebhaft

Bootstyp: Aquanaut 1000

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46

Mittwoch, 27. Mai 2020, 12:35

........
..... problemlos mal ein Stündchen knacken.....Wäre ein Schiff auf Kollisionskurs und würde es mit 10 kn fahren, dürfte es mit Einschlafen noch 1 h bis zum Rums entfernt sein. .......
..... weiter als 10 nml gucken.
..... Erkenntnislage updaten und weiterpennen.
......eher schon Reviere raus, in denen man es mit dem Nachtsegeln besser lässt - vor allem, wenn man alleine fährt.
......Das vermeidet, dass man nachts am Rigg rumfummeln muss. .......


Ich möchte Dir nicht uneingeschränkt zustimmen, Chris.
Ein par Punkte...
- Bei einem "Stündchen" könnte es knapp werden. Zum einen wegen der Geschwindigkeit der potentiellen Gegner, die sind auch mit 20kn unterwegs und von 10 Meilen Sicht ist bei Dunkelheit nicht auszugehen. Bei besten Bedingungen sind 5 sm schon optimistisch.
Zwischen Mallorca und Barcelona bin ich in mondloser verhangener Nacht in einen Schwarm Fischer geraten, die hatten nur ein weißes Lämpchen an und tuckerten unberechenbar übers Wasser

- Wachwerden, gucken, weiterpennen tuts nicht. Nur weil die Augen auf sind, ist man nicht wach. Aus dieser Erfahrung haben wir bei Wachwechseln beschlossen immer eine viertel Stunde mit beiden Wachen oben zu bleiben. Alleine sollte man sich mindestens mal in der Plicht "die Beine vertreten" Hinzu kommt noch, dass man im Halbschlaf nur das sieht, was man sehen will, nämlich nichts. Ein viertel Stündchen mit Kurzzeitwecker genehmige ich mir auch

- Genau, das Revier ist entscheidend. Auf der Nordsee vergeht kaum eine halbe Stunde ohne ein anderes Schiff zu sichten. Im Mittelmeer oder der östlichen Ostsee ist das der Normalfall, vom Atlantik (keine Erfahrung) ganz zu schweigen. Der große Erdmann hat schon nördlich die Britischen Inseln umsegelt, nur um der Gefahr der hohen Verkehrsdichte zu entgehen.

- "nachts im Rigg rumfummeln" lässt sich nicht immer vermeiden. Nur wenn´s gut läuft bleiben die gleichen Segel oben. Segelwechsel des nachts hatten ich öfter. Lieber habe ich mich aber mit Kompromissen zufrieden gegeben, nur mit Fock weiter. Obendrein konnte ich die Reffs von der Plicht aus einziehen (sehr wichtig beim Einhandsegeln). Die Strecktaue sind unbedingt(!) zu nutzen.

Bei einer Nachtfahrt, besonders einhand erlebt man von "oh wie schön" bis "wann bin ich endlich da" alles

Gruß Franz
halber Wind reicht völlig

F28

Salzbuckel

Beiträge: 3 094

Schiffsname: Rike

Heimathafen: Colijnsplaat

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47

Mittwoch, 27. Mai 2020, 12:55

Auch das mit dem ankern paßt für mich, nur wo finden sich Ankerplätze auf der angesprochenen Strecke?

@reneko:
Ankerplätze zwischen Texel und Dover?
Hängt davon ab, was man erwartet. Flache Stellen (5 bis 10 m) finden sich auf den Sandbänken vor der niederländischen bzw. belgischen Küste reichlich. Aber da liegt man natürlich völlig ungeschützt auf offenem Wasser und im Strom. Bei ruhigem Wetter kann das gehen (dann sollte aber eine wirklich gute Ankerlaterne im Einsatz sein). Ausprobiert habe ich es selber noch nicht.
Wirklich geschützte Ankerplätze fallen mir nicht ein. Die Mündungen von Ooster- und Westerschelde kann man vergessen - die sind nach Westen offen, dort herrscht kräftiger Tidenstrom, und in der Westerschelde ist dazu noch reichlich Verkehr. Im Flach vor der Roompot-Sluis (Oosterschelde) könnte man es versuchen, aber dann kann man gleich am Steiger vor der Schleuse anlegen (was aber streng genommen nicht erlaubt ist).

Wachwerden, gucken, weiterpennen tuts nicht. Nur weil die Augen auf sind, ist man nicht wach.

Stimmt!
Ich z.B. brauche nach dem Aufwachen etwa 10 Minuten, bis ich in der Situation "drin" bin und in der Lage bin, in verzwickten Situationen die richtige Entscheidung zu treffen.
Gruß
F28

frank_x

Salzbuckel

Beiträge: 2 551

Bootstyp: Rommel 33 / Pogo 40

Heimathafen: Rostock

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48

Mittwoch, 27. Mai 2020, 13:43

Also mache Dir nur nicht zu viele Sorgen. Die Großen haben ALLE AIS und der Kollisionswarner weckt Dich zuverlässig. Mitten in der Nacht auf ein schnelles Motorboot ohne AIS zu stoßen ist dagegen eher unwahrscheinlich.

Ich persönlich segle recht viel nachts - einhand oder doublehand und auch in Regatten - auch über Tage hinweg und komme mit einem Schlafmuster von 20min über viele Tage hinweg gut aus. Wichtig ist - wenn ruhig, dann "vorruhen" um im Zweifel auch Reserven zu haben.

Das Revier ist dagegen eher zweitrangig, denn wo es etwas dichter ist, bleibst Du wach und danach kommen sicher wieder Strecken, wo niemand zu sehen oder auf Kollisionskurs ist. Da ist übrigens die Nordsee nicht schlimmer als z.B. der Öresund oder das Gebiet nördlich vom Darss oder ...

Kaffee oder gar RedBull - nur wenn Du wirklich wach bleiben musst. Das habe ich noch nie erlebt. Zur Not die Segelfläche etwas reduzieren, damit der AP keinen Unsinn baut und ab hinter die Sprayhood bzw. den Niedergang.

Ach ja - wenn hinlegen, dann ... wenn es das Wetter zulässt, lieber auf dem Cockpitboden als in der Koje - der innere Schweinehund nach dem 10x Hochschauen kann groß sein ...

Zur Strecke - ich bin ja eher jemand, der lieber größere Pausen macht und dafür lieber etwas länger am Stück unterwegs ist - sprich schaue Dir das einfach beim Fahren an, ob Du jetzt wirklich "schon" in den Hafen willst oder einfach zum nächsten Highlight durchfährst und dann einen Hafentag einlegst.

49

Donnerstag, 28. Mai 2020, 05:36

nur wo finden sich Ankerplätze auf der angesprochenen Strecke?

Auf 5-7m Sand mit wenig Gefälle + elektronische Ankerwache schlafe ich so tief, wie es die Bewegungen des Bootes zulassen.

Die Bedingungen findest Du ausreichend vor den friesischen Inseln und entlang der niederländischen Küste. Wenn der Anker 1-2 Kabellängen vor einem Sandstrand fällt, dann sollte er halten.

Anders als im typischen Ankermanöver mit dem Bug im Wind bis der Anker fest kommt, bestimmt hier zusätzlich der Tidenstrom wie das Boot zum Anker liegt.
Je nach Kräfteverhältnis richtet sich das Boot sogar überwiegend nach dem Strom aus. Ich finde es als ganz typisch beim Aufwachen die Küste auf der anderen Seite des Bootes liegen zu haben als beim Einschlafen, weil die Tide gekentert ist.
Beste Grüße
Michael

Think! It´s not illegal yet.

50

Donnerstag, 28. Mai 2020, 06:31

Hallo zusammen,

ich würde gerne ein bisschen von euren Erfahrungen bezüglich Übernachtfahrt profitieren.



Die Strecke Helgoland - NL ist völlig problemlos, wenn man einen anliegenden Kurs halten kann. Wenn man zwischen den Inseln und dem VTG kreuzen muss, wird es ganz schnell richtig unangenehm. Zeitdruck ist an dieser Stelle also ziemlich doof. Leider dominieren in dieser Gegend nämlich westliche Winde. In der umgekehrten Richtung habe ich die Strecke Vlieland - Helgoland einhand schon in 12 Stunden geschafft. Da hat es aber richtig geknallt und die Kiste ist mit Arbeitsfock und 3. Reff im Groß 15 Knoten durch das Wasser gelaufen.

Der Kanal kann mit einem 27 Fuß Boot verdammt lang werden wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt und das tut er meistens. Wenn ich Richtung Biskaya will, würde ich nicht nach Lowestoft gehen. Die Themsemündung ist wegen der vielen Sandbänke und der Strömung eher unangenehmer als Hoek van Holland. Wenn man an der englischen Küste durch den Kanal segelt, empfiehlt es sich großzügig Abstand von den Kaps zu halten. Die Overfalls gehen bei Wind gegen Strom bis zu 5 nm raus.

Zu den Nachtfahrten:

Eine geht ganz gut, auch ohne Red Bull. Das widerliche Zeug bekäme ich ohnehin nicht runter. Ich stelle den Wecker immer auf 30 Minuten, die halte ich aber oft nicht durch sondern wache vorher auf und gehe an Deck um die Lage zu sondieren. Nach 2 Tagen und einer Nacht bin ich dann ziemlich durch und brauche den nächsten Tag zur Erholung. Da würde ich nicht sofort wieder zu so einer Tour rausgehen. Das Risiko von Nachtfahrten wird gerne überschätzt. Sie haben auch ihre Vorteile. Das Feuer einer Tonne sieht man Nachts meist weiter als die Tonne selbst am Tag. Außerdem sind weniger Fahrzeuge unterwegs, von anderen Yachten wird man zum Beispiel kaum belästigt.

Bei schlechtem Wetter sind Einhandfahrten extrem anstrengend. Segelmanöver können dann sehr viel Zeit beanspruchen und zehren gewaltig an den Kräften. Ich musste mal bei 35 Knoten Wind und dem dazu gehörenden Seegang in den Mast hoch, weil sich ein Mastrutscher verkantet hatte und das Segel deshalb nicht runter wollte. So etwas wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Im freien Seeraum auf dem Atlantik ist das alles kein Problem, im Ärmelkanal oder auf der Nordsee aber schon. Da kann man nicht mal ein paar Stunden beigedreht treiben, um solche Arbeiten durchzuführen und sich anschließend wieder zu erholen.

Aus meiner Sicht das wichtigste: Genug Zeit lassen und auf das richtige Wetter warten.

Winterfalke

Kap Hornier

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Wohnort: Niederösterreich

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Heimathafen: Adria

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52

Donnerstag, 28. Mai 2020, 08:15


Na gut, das ist extrem und beeindruckend bis leichtsinnig und die Tochter kann ich gut verstehen. Aber der TO hat sich ja eine nicht ganz so heftige Strecke vorgenommen.

Wie hats das erste mal bei euch geklappt?

Um darauf nochmal zurückzukommen @S/V Serenity: Ehrlich gesagt hatte ich schon etwas Schiß. Ich habe 2-3 Std vorgeschlafen. Gestartet bin ich auch noch in einer sehr beschaulichen Bucht in Kroatien, die eine etwas heikle Ausfahrt hat und wo die Seezeichen nicht beleuchtet sind (oder zumindest waren). Ich wollte mich auf den Mond verlassen, aber es war dicht bewölkt. Null-Sicht. Der Plotter ist bei Charteryachten unter Deck beim Kartentisch verschraubt. Also konnte ich mich nur noch auf die Navi-App verlassen. Ein blödes Gefühl. Meine Frau habe ich mit der Handleuchte am Bugkorb postiert für´s Gröbste.
Aber als wir im freien Wasser waren, war das einfach nur ein cooles Feeling. Nur ein einziges kleines Fischerboot (ohne Lichterführung) ist uns begegnet. Die See war spiegelglatt und die Lichter am Ufer haben ein echtes Schauspiel geboten. Allerdings waren die LF dazwischen sehr schwierig auszumachen. Am Morgen dann war ich dann doch ziemlich knülle. Ungefähr so, wie nach einer durchfeierten Nacht.
Mario Falko

Glück ist kein Ziel, sondern eine Reise.
:segeln:

53

Donnerstag, 28. Mai 2020, 09:51

Allerdings waren die LF dazwischen sehr schwierig auszumachen.
Hatte mich erst gefragt was "LF" bedeuten soll, manchmal sitzt man eben auf dem Schlauch, bis es mir dann klar wurde. Langusten-Fischer waren damit gemeint. Na ja kurz danach kam mir noch der Gedanke "Leuchtfeuer". Da war doch wohl eher der Wunsch der Vater des ersten Gedanken :hunger:

54

Donnerstag, 28. Mai 2020, 10:20

Du hast dabei Deine eigene Geschwindigkeit nicht berücksichtigt.

Natürlich. Zu den ganzen Sonderfällen kommt dann der Sonderfall dazu, dass der andere von dort wo ich hinwill genau dahin fährt wo ich herkomme. Das sollte idealerweise unwahrscheinlich sein. Vielleicht ein Beispiel für das, was ich oben zu verallgemeinern versuchte: Die meisten dieser Fahrten waren zwischen Narbonne und Korsika. Man keuzt dort ein paar Fährlinien. Weil die Fähren zur Erheiterung der Fahrgäste mit viel Dampf fahren, stellen die ein gewisses Risiko dar. Wo die verlaufen, weiß man in etwa und passt beim Kreuzen auf. Frachtschiffe fahren aus treibstoffökonomischen Gründen heute eher langsamer als noch vor 40 Jahren. Vieles ist Küstenschiffahrt, was nicht heißt, dass man zum Abkürzen auch mal die Landsicht verlässt. Auch Fischer sind meistens Küstenfischer. Ein paar Dampfer kommen mit Gas oder Öl aus Nordafrika. Im Vergleich zum VTG bei Dover oder dem Gewusel der Western Approach ist da weitgehend tote Hose. Ob Du nachts 20, selbst 40 Meilen weiter links oder rechts fährst ist sowas von egal.
Eins will man immer vermeiden, nämlich versehentlich mitten in der Nacht die Küste zu rammen oder einen Ankerplatz zu suchen. Entsprechend legt man sich seine Abfahrtzeit so, dass es passt. Wenn es garnicht passt, weil der Wind wider Erwarten nicht der Vorhersage entspricht, macht man nötigenfalls langsam um nicht zur Unzeit anzukommen. Das ganze Bootsmessen- und Kataloggedöhns mit immer helleren Lampen und Flutlicht fürs Deck verhindert, dass du das siehst, woaruf es ankommen könnte, weil die Adaption der Augen und ein klarer Himmel mehr bringt als ein gut beleuchteter Tunnelblick.

Die insgesamt guten Erfahrungen, das Berechenbare der Linienschiffahrt, die Heimatnähe der Küstenfischer, die etwas übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen in Kombination mit eingegangenem Restrisiko lassen sich auf etliches übertragen, auch auf eine Fahrt über die Nordsee - auf eine Fahrt zwischen Watteninseln und VTG nicht so gut, auf eine unter Land entlang der bretonischen Küste wahrscheinlich am wenigsten. Um Portugal rum waren wir öfter mit dem Gastanker. Für die wenigsten Destinationen böte es sich an, sehr weit von der westiberischen Küste fernzubleiben, weswegen es dort auch immer sehr voll war. Zwischen Küste und den Schiffen zu fahren erfordert schon gute Navigation - in jedem Fall weniger Komaschlaf, weit außenrum wäre ein enormer Umweg.

Was mich anbetrifft, fahre ich nicht viel nachts. Ich würde nicht mal sagen, dass ich überhaupt viel segele, sondern eher viel zu wenig. Nachts ankommen, auch nachts auf Revierfahrt ist immer schlechter als nachts auf freiem Wasser zu fahren. Nachts fahren kann sich anbieten, weil die Alternative dazu völliger Käse wäre oder weil es anders gar nicht geht. Wenn man das unter den Gesichtspunkten betreibt, kann man das alles mit etwas Gelassenheit betrachten - finde ich.

frank_x

Salzbuckel

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55

Donnerstag, 28. Mai 2020, 11:43

Die richtige Worte - nachts in halbwegs freiem Seeraum segeln ist kein Problem. dagegen nachts auf eine hell beleuchtete Küste drauf zu fahren ist schon eine ganz andere Hausnummer, selbst wenn man sie so halbwegs kennt. Wenn die dann auch noch auf der Leeseite liegt und ordentlich Welle herrscht, dann bekomme auch ich regelmäßig einen erhöhten Stresslevel …

Selbst so relativ breite Einfahrten wie WaMü Hohe Düne sind dann kaum zu finden bzw. die blöden Stahlpoller in der Einfahrt kaum auszumachen - was habe ich da schon geschwitzt … Also - nach Möglichkeit so timen, dass man bei Licht in einen unbekannten Hafen einfährt.

Was mich anbetrifft, fahre ich nicht viel nachts. Ich würde nicht mal sagen, dass ich überhaupt viel segele, sondern eher viel zu wenig. Nachts ankommen, auch nachts auf Revierfahrt ist immer schlechter als nachts auf freiem Wasser zu fahren. Nachts fahren kann sich anbieten, weil die Alternative dazu völliger Käse wäre oder weil es anders gar nicht geht. Wenn man das unter den Gesichtspunkten betreibt, kann man das alles mit etwas Gelassenheit betrachten - finde ich.

milchcow

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MMSI: 244850293

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56

Donnerstag, 28. Mai 2020, 11:54

Die richtige Worte - nachts in halbwegs freiem Seeraum segeln ist kein Problem. dagegen nachts auf eine hell beleuchtete Küste drauf zu fahren ist schon eine ganz andere Hausnummer, selbst wenn man sie so halbwegs kennt. Wenn die dann auch noch auf der Leeseite liegt und ordentlich Welle herrscht, dann bekomme auch ich regelmäßig einen erhöhten Stresslevel …

Selbst so relativ breite Einfahrten wie WaMü Hohe Düne sind dann kaum zu finden bzw. die blöden Stahlpoller in der Einfahrt kaum auszumachen - was habe ich da schon geschwitzt … Also - nach Möglichkeit so timen, dass man bei Licht in einen unbekannten Hafen einfährt.

Was mich anbetrifft, fahre ich nicht viel nachts. Ich würde nicht mal sagen, dass ich überhaupt viel segele, sondern eher viel zu wenig. Nachts ankommen, auch nachts auf Revierfahrt ist immer schlechter als nachts auf freiem Wasser zu fahren. Nachts fahren kann sich anbieten, weil die Alternative dazu völliger Käse wäre oder weil es anders gar nicht geht. Wenn man das unter den Gesichtspunkten betreibt, kann man das alles mit etwas Gelassenheit betrachten - finde ich.


Stimmt genau! :gooost:

  • »S/V Serenity« ist der Autor dieses Themas

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57

Donnerstag, 28. Mai 2020, 12:54

Genau das ist auch ein wichtiger Punkt für mich.

Nachts ankommen bzw ansteuern ist richtig nervi, gerade alleine. Der Nachtmodus vom Plotter kann immernoch ziemlich hell sein und ohne jemanden auf dem Vorschiff zu haben der mal in die Boxen reinleuchtet tu ich mir den stress nicht an.
Erlebe es fast täglich, zumindest letzten Sommer, dass viele einfach endlos durch den Hafen gurken, denken sie haben einen Platz gefunden, Pfähle zu schmal... Brücke 22 statt 23 angelaufen... rauswursteln... Lichtkegel zappelt nervöser rum...

Ich bin mal nachts Korshavn (Fyns hoved) angelaufen. Komplett unbeleuchtet, auch der Steg. Rein war noch einfach, wie beim Zocken am Bildschirm gehangen. Den Anleger zu finden ohne die Ankerbojen zu überfahren oder ins Flachwasser zu geraten war schon schwieriger. Habs am Geräusch erkannt dass ich angekommen bin :-) *Plonk*.... ahh!
/Marco

Blog, Live-Track, Fotos und Bootsinfos: sailing-serenity.eu
"There is no place, I can be, since i've found Serenity"

Winterfalke

Kap Hornier

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Heimathafen: Adria

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58

Donnerstag, 28. Mai 2020, 14:57

Hatte mich erst gefragt was "LF" bedeuten soll, manchmal sitzt man eben auf dem Schlauch, bis es mir dann klar wurde. Langusten-Fischer waren damit gemeint. Na ja kurz danach kam mir noch der Gedanke "Leuchtfeuer".

@Skysailer: ich meinte schon die Langustenfischer an der Küste! :professor:
:rofl2: Nein, natürlich Leuchtfeuer. Spaß muss ein :sarcastic_hand: Obwohl ich mir gut vorstellen kann, dass zu fortgeschrittener Stunde auch so mancher Fischer leuchtet, wenn er aus der Hafenkneipe kommt.

Nachts ankommen bzw ansteuern ist richtig nervi, gerade alleine.

Wir sind am Ende jeder Nachfahrt in eine Bucht gefahren und haben mit Abstand zur nächsten Yacht geankert. Jeder kann sich sicher vorstellen, wie man sich beliebt macht, wenn man vor Sonnenaufgang in die Marina einläuft. Außer natürlich die, die lautlose Anlegemanöver fahren können und die, denen die anderen Crews gleichgültig sind.
Mario Falko

Glück ist kein Ziel, sondern eine Reise.
:segeln:

59

Freitag, 29. Mai 2020, 00:08

Jeder kann sich sicher vorstellen, wie man sich beliebt macht, wenn man vor Sonnenaufgang in die Marina einläuft.

Vorstellen kann ich mir das schon, aber verständlich finde ich das nicht. Ich fahre zu jeder Zeit ganz ungeniert in den Hafen oder lege ab. Je nachdem wie ich ankomme oder los muss. Ich nehme gerne Rücksicht, aber die paar Minuten fürs An- oder Ablegen mute ich jedem zu in Hafen oder Marina.
Beste Grüße
Michael

Think! It´s not illegal yet.

F28

Salzbuckel

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60

Freitag, 29. Mai 2020, 13:14

Vorstellen kann ich mir das schon, aber verständlich finde ich das nicht. Ich fahre zu jeder Zeit ganz ungeniert in den Hafen oder lege ab.

Das ist in den Häfen des englischen Kanals schließlich auch selbstverständlich. Wenn der Strom nachts dreht, bricht öfters Ankunfts- oder Aufbruchs-Trubel aus.
Es ist immer etwas unruhig in den Häfen in Tidenrevieren...
Gruß
F28

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