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1

Sonntag, 3. Oktober 2021, 12:28

Seltsamer Verlauf von Tiefdruckgebieten

Oft laufen Tiefdruckgebiete ja von der Ostküste der USA in Richtung der Westküste von England. Man hat dann immer die Sorge, dass die Tiefs genauso "waagerecht" weiterziehen könnten, also über England nach Holland und dann in die südliche Nordsee.

Oft biegen die Tiefs aber kurz vor England nach Norden ab und sie treffen uns dann doch nicht bzw. höchstens deren Fronten. Gibt es für dieses häufige Abbiegen nach Norden einen Grund? Werden die Tiefs z. B. vom Festland nach Norden abgedrängt? Kann eigentlich nicht sein, oder?

2

Sonntag, 3. Oktober 2021, 12:48

Dass die Dinger so laufen, wie von dir beschrieben ist völlig normal und tritt meistens auf. Sie bewegen sich entlang der subpolaren Frontalzone und die mäandriert etwa entlang des 50ten/60ten Breitengrades, mal nach Norden und mal nach Süden. Wenn sich dann über Russland oder auch südlich ein Hoch ausbildet wird das Tief an der Westflanke nach Norden abgelenkt. So haben wir dann die typische Wetterlage. Seltsam ist das eigentlich nicht, eher normal.

F28

Salzbuckel

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3

Sonntag, 3. Oktober 2021, 14:40

Ungewohnte Verläufe hatten wir z.B. auch im August diesen Jahres: da zogen die Tiefs von Süden zunächst nach Norden, drehten nördlich von Norwegen wieder in Richtung Süden und setzten sich dann über der Ostsee fest, wo sie uns den Urlaub versaut haben :((

Sie bewegen sich entlang der subpolaren Frontalzone und die mäandriert etwa entlang des 50ten/60ten Breitengrades, mal nach Norden und mal nach Süden.

richtig, die Frontalzone bestimmt, wo die Tiefs langlaufen. Und die Lage der Frontalzone bestimmt, was wir für ein Wetter haben bzw. bekommen.
Kann man gut sehen, wenn man sich z.B. beim DWD die Höhenwetterkarte (500 hPa) anschaut.
Im Moment sieht die Höhenlage so aus:
index.php?page=Attachment&attachmentID=261875
Die Isohypsen (nicht Isobaren!) verlaufen zur Zeit etwa von der Bretagne entlang der westeuropäischen Küste nach Norwegen. Und genau dieser Schiene folgen die Tiefdruckgebiete.
Wer wissen will, wie sich die Großwetterlage mittelfristig entwickeln wird, ist gut beraten, sich diese Karten anzusehen.
Gruß
F28

4

Montag, 4. Oktober 2021, 13:17

Hallo @F28:

ich habe mich etwas versucht in die Höhenkarte einzuarbeiten. Meinst du mit der Schiene, entlang der die Tiefs verlaufen, die "mittlere" Isohypsenlinie?

Gibt es irgendeine sinnvolle Erklärung, warum die Tiefs ausgerechnet dieser Linie folgen? Ich hatte den Eindruck, dass das eigentlich eine mehr oder weniger willkürlich festgelegt Linie ist, die sich eben am Standarddruck am Boden (bzw. der Hälfte) orientiert.

Aber auf alle Fälle schon vielen Dank für die Erläuterungen!

F28

Salzbuckel

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5

Montag, 4. Oktober 2021, 19:12

Meinst du mit der Schiene, entlang der die Tiefs verlaufen, die "mittlere" Isohypsenlinie?

@Robert_H:
die Isohypsen auf der Höhenkarte zeigen, wo der Jetstream langläuft. Und der Jetstream steuert den Verlauf der Tiefdruckgebiete. Wenn man sich den Verlauf der Isobaren auf der Höhenkarte ansieht, weiß man, wo die Dinger langlaufen werden.
Die Höhenkarte sagt aber noch mehr: der Verlauf der Isohypsen ändert sich nur recht langsam. Liegt der Jetstream z.B. deutlich südlich von uns, dann weißt du: die nächsten 2 Wochen ist bestenfalls wechselhaftes, schlimmstenfalls nur Scheißwetter zu erwarten. Liegt er deutlich nördlich, dann sieht die mittelfristige Wetterperspektive ziemlich gut aus.
Im Juli lag der Jetstream z.B. fast auf der Höhe von Nordafrika, und wir hatten im Juli / August fast nur mieses Wetter.
Das sind so die "Faustformeln", die ich mir angeeignet habe. Die Zusammenhänge zwischen Höhenwetterlage und dem, was wir auf dem Boden erleben, sind aber richtig komplex.
Um das komplett zu verstehen, muss man wohl richtig Meterologie studiert haben.
Gruß
F28

6

Montag, 4. Oktober 2021, 22:46

Danke @F28: Nur eine Mini-Nachfrage. Wo sehe ich auf der Karte den Jetstream? Ist das die Linie zwischen "grün" und "gelb"?

F28

Salzbuckel

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7

Dienstag, 5. Oktober 2021, 08:28

Wo sehe ich auf der Karte den Jetstream? Ist das die Linie zwischen "grün" und "gelb"?

@Robert_H:

die Isohypsen-Linien zeigen die Lage des Jetstreams, nicht die Farben (die Farben zeigen die Temperatur-Bereiche an).

Meist kann man sich an der 552-Linie orientieren. Je dichter die Isohypsen-Linien beieinander liegen, desto sicherer läuft dort der Jetstream entlang und zieht die Tiefs mit sich.
Allerdings hat man zwar meist, aber nicht immer einen klaren Verlauf des Jetstreams. Manchmal wabbelt das Ding auch eine Zeitlang ziellos in der Gegen herum, bevor es sich wieder neu sortiert.
Und das sind dann genau die Phasen, in denen kein Wettermodell eine verlässliche Vorhersage produzieren kann. Und alle Wettervorhersagen sich stündlich ändern.
Gruß
F28

8

Dienstag, 5. Oktober 2021, 10:38

Danke @F28: Dann versuche ich mal an einer aktuellen Interpretation: Wenn ich es richtig sehe, läuft der Jetstream aktuell (Stand heute 00:00 UTC) von der Nord-Bretagne nach Nord-Osten entlang der Schwedisch-Norwegischen Grenze. Für morgen ist dann ein deutlicher Knick nach Süden vorhergesagt, bei dem der Jetstream bis nach Nord-Italien runterreicht, und diese Ausbeulung nach Süden geht erst am Freitag wieder weg.

D. h. aktuell wäre der Jetstream sehr inkonstant und da er die nächsten drei Tage südlich von uns liegt, würde das dann auch bei uns mit schlechtem Wetter einhergehen.

Würdest du das ähnlich interpretieren?

9

Dienstag, 5. Oktober 2021, 11:22

Für den Abgleich eigener Interpretationen hilft eventuell die synoptische Übersicht des DWD von einem Profi.

https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/hobbyme…_kurzfrist.html

Es gibt die kurzfrist und zusätzlich die mittelfristige Übersicht.
Als Laie nicht sofort alles verständlich, aber interessant wie ein Profi die Modellrechnungen interpretiert.

Hinweis. Hier habe ich lange missverstanden. Wird in der Übersicht von Trog gesprochen, dann ist nicht ein Bodentrog gemeint. Es die Einbuchtung der Frontalzone an der auch der Jetstream zu finden ist. Also ein Höhen-Trog. Das Gegenstück ist der im Text genannten Rücken, also Höhen-Rücken. Begriffe kann man googeln.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »mkal« (5. Oktober 2021, 11:36)


F28

Salzbuckel

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10

Dienstag, 5. Oktober 2021, 12:44

Für morgen ist dann ein deutlicher Knick nach Süden vorhergesagt, bei dem der Jetstream bis nach Nord-Italien runterreicht, und diese Ausbeulung nach Süden geht erst am Freitag wieder weg.

@Robert_H:
das nennt man "Kaltluft-Tropfen": ein Höhentrog setzt sich nach unten ab und trennt sich vom oberen Bereich, wo er eigentlich hingehört.
Aktuell sieht die Prognose + 48 Stunden (für Donnerstag) so aus:
index.php?page=Attachment&attachmentID=261947
+ 72 Stunden (Freitag) sieht so aus:
index.php?page=Attachment&attachmentID=261948
Ab Freitag wird der Jetstream also nördlich von Schottland liegen und uns erstmal in Ruhe lassen. Das sollte dann erstmal für ein paar Tage ruhiges, vielleicht sogar schönes Wetter geben.
Freut mich, denn das kommende Wochenende wollen wir auf dem Boot verbringen.
Aber südlich von Grönland baumelt bereits der nächste dicke Höhentrog herum. Der wird über kurz oder lang hier ankommen, und dann geht der Schmodder wieder los.

Hinweis. Hier habe ich lange missverstanden. Wird in der Übersicht von Trog gesprochen, dann ist nicht ein Bodentrog gemeint.

jo, ging mir auch so. Höhentrog und Bodentrog sind 2 unterschiedliche Dinge. Und dann gibt es noch Höhen-Hochs und Bodentiefs, Boden-Hochs und Höhentiefs. Und alles hängt irgendwie zusammen.
Die Texte (synoptische Übersicht) lese ich auch gelegentlich, aber muss zugeben: da verstehe ich auch nicht alles...
Gruß
F28

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »F28« (5. Oktober 2021, 17:08)


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