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AndersHamburg

Salzbuckel

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1

Samstag, 3. April 2021, 20:27

Peilstab in der Bilge - mit erheblicher Ölmenge

Moin zusammen:
Heute ein großer Schreck nach einem Probeschlag: Bei der Kontrolle der Maschine nach dem Anlegen fand sich erheblich viel Öl in der Bilge. Auch der Ölpeilstab hatte sich dahin begeben.
Was kann passiert sein?

Der Motor ist ein Nanni N3.21. Er wurde 2013 in Betrieb genommen und ist bisher ca. 1360 Stunden gelaufen .- bisher ohne Probleme.
Im letzten Herbst wurde wie jedes Jahr ein Ölwechsel gemacht und der Ölfilter getauscht. Auch wurde das Kühlmittel aus dem Innenkreislauf abgelassen, gespült und wieder neu aufgefüllt.
In diesem Jahr lief der Motor nur kurz beim Slippen. Am vergangenen Mittwoch lief er bei einem Probeschlag in mehreren Etappen insgesamt etwa eine Stunde. Danach habe ich den Ölstand kontrolliert und noch etwas Öl nachgefüllt, da ich angenommen habe, dass der leicht gesunkene Pegel auf die Füllung des neuen Ölfilters zurückzuführen ist. Am Peilstab lies sich der Stand des frischen Öls jedoch nur schlecht erkennen.
Auch wurde noch etwas Kühlmittel nachgefüllt, da der Pegel gesunken war - hier hatte ich die Vermutung, dass es im System noch eine Luftblase gab, die durch den längeren Motorlauf aufgestiegen ist.

Heute lief der Motor 1:18 Stunden, auch in mehreren Etappen.
Der Peilstab befindet sich an Steuerbord. Das Boot wurde heute (bei stehender Maschine) von einer Bö hart nach Backbord gekrängt und kam nach der Bö schwungvoll wieder hoch.
Dann lief die Maschine für etwa 5 Minuten unter Segeln mit Krängung nach Backbord. Dabei hatte ich den Eindruck, dass das Kühlwasser nicht lief, da Luft in die Ansaugung geraten war.
Später lief der Motor für längere Zeit auf ebendem Kiel, kurze Zeit mit fehlendem Kühlwasser.
Einen Alarm wegen Überhitzung oder mangelndem Öldruck gab es nicht. Der Peilstab zeigte nach dem Wiedereinsetzten an, dass kein Öl mehr im Motor ist.

Ist es denkbar, dass ich vielleicht den Peilstab nach der Kontrolle am Mittwoch nicht fest genug wieder eingesetzt habe und das Öl durch die laufende Maschine nach und nach durch die Öffnung in die Bilge befördert wurde? Kann der Peilstab durch "Überdruck" im Motor herausgeschleudert worden sein? Aber wo kommt der Druck her? Undichte Kolbenringe schließe ich eigentlich aus, da der Motor letztes Jahr problemlos lief. Kann ein Überdruck das Öl raustransportiert haben? Aber führt ein Rohr am Peilstabloch bis unten in die Ölwanne?

Hat jemand Ideen?
Gewendet wird erst, wenn die Möwen am Strand auffliegen ;)

2

Samstag, 3. April 2021, 20:52

Wie der Peilstab sich verselbstständigen konnte, kann ich dir nicht sagen. Aaaaber: allein schon eine Undichtigkeit am Peilstab reicht aus, um große Sauerei mit Öl zu veranstalten. Unter "großer Sauerei" verstehe ich, dass sich sämtliches Öl um und auf dem Motor verteilt hat. Da spreche ich jetzt aus Erfahrung.
Robulla - die schönste 34 Fuß Yacht unter deren Sprayhood man Tomaten züchten kann deren Sprayhood Leben rettet!

3

Samstag, 3. April 2021, 20:53

Ich tippe mal, dass der Peilstab nicht richtig in der Führung steckte. Überdruck in der Ölwanne darf nicht sein, sonst würde das Öl nicht zurücktropfen können. War der Deckel vom Öleinfüllstutzen wirklich festgedreht? Dort herrscht nämlich Überdruck.
Der Peilstab wird durch eine Führung in die Ölwanne gesteckt, der Stab reicht nicht bis zum Boden der Wanne. Das bedeutet, dass noch Öl in der Wanne ist, wenn der Peilstab trocken ist.
Saubere die Bilge, fülle Öl auf, starte den Motor und prüfe, ob irgendwo Öl austritt.
Wenn der Temperaturalarm wegen zu wenig Wasser losgeht, ist der Impeller schon beschädigt. Den würde ich auch prüfen, auch ohne Alarm.
So Long, and Thanks for All the Fish.

AndersHamburg

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4

Samstag, 3. April 2021, 21:23

Erstmal vielen Dank für Eure Antworten. Ich hoffe auch auf eine harmlose Ursache.

Am Dienstag werde ich mir mal Ölbindetücher besorgen - hoffentlich.
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space*cadet

Salzbuckel

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5

Samstag, 3. April 2021, 21:31

Undichte Kolbenringe schließe ich eigentlich aus, da der Motor letztes Jahr problemlos lief.
Kolbenringe sind ja nie ganz dicht. Man rechnet bei einem intakten Motor mit größenordnungsmäßig 1% "Blow-By"; bei einem regelrechten Versagen der Abdichtung (z.B. wegen feststeckender Ringe) sind es dann eine Größenordnung mehr. Aber auch das eine % muss abgeführt werden, damit sich im Kurbelgehäuse kein Druck aufbaut. Dazu wird üblicherweise eine Leitung (Schlauch) vom Kurbelgehäuse in den Ansaugtrakt geführt; damit werden die Gase wieder der Verbrennung zugeführt, ebenso die mitgerissenen Öltröpfchen, was der Abgasqualität zugute kommt. Bei Bootsmotoren gibt es aber auch die Lösung, dass einfach eine Art Überdruckventil die Gase in den Ansaugtrakt ablässt.
Kann ein Überdruck das Öl raustransportiert haben?
Bei genügend Überdruck tritt das Öl auch an Dichtungen aus. Unklar ist ja in Deinem Falle, ob ein Überdruck en Ölpeilstab herausgedrückt hat. Ist der Peilstab erstmal draußen, so sorgt schon die normale Turbulenz in der Ölwanne dafür, dass ordentlich Öl austritt.
Aber führt ein Rohr am Peilstabloch bis unten in die Ölwanne?
Das habe ich so noch nicht gesehen. Aber warum ist das wichtig? Das Öl kommt auch ohne das Führungsrohr raus, wenn der Ölpeilstab erstmal seinen Platz verlassen hat.

Gruß
Robert
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6

Samstag, 3. April 2021, 21:33

Bei den VW Motoren mit Kondenswasser und Frost in der Kurbelgehäuseentlüftung schoss auch der Peilstab durch Überdruck raus.
Die würde ich checken, geht in den Ansaugtrakt.

Grüsse

AndersHamburg

Salzbuckel

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7

Samstag, 3. April 2021, 21:50

Zitat von »AndersHamburg« Aber führt ein Rohr am Peilstabloch bis unten in die Ölwanne?

Das habe ich so noch nicht gesehen. Aber warum ist das wichtig?


Ich hatte angenommen, dass Überdruck nur dann Öl in die Bilge befördern kann, wenn es ein Steigrohr gibt - ähnlich wie in einer Spraydose.


Zitat

Kurbelgehäuseentlüftung

Wo könnte ich die finden? Bisher habe ich nur zwei relativ dünne Schläuche gesehen. Beide m.E. für Kühlmittel vom Innenkreislauf. Einer vom Thermostat / Wärmetauscher zum Ausgleichsgefäß, einer von dort in die Bilge.
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Kokopelli

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Samstag, 3. April 2021, 21:52

Ist es denkbar, dass ich vielleicht den Peilstab nach der Kontrolle am Mittwoch nicht fest genug wieder eingesetzt habe und das Öl durch die laufende Maschine nach und nach durch die Öffnung in die Bilge befördert wurde?

Ja. Das ist mir auch mal passiert. Der Kopf des Peilstabs hat einen Ring, der im Stutzen einrastet und abdichtet. Ich hatte den Peilstab nur lose eingesteckt und hatte irgendwann die Bilge komplett mit Motoröl vollgesaut.
Gruß, Klaus

9

Samstag, 3. April 2021, 23:32

Die Leckage am Peilstab ist möglich, sollte bei einer relativ neuen Maschine aber gering sein, weil im Kurbelgehäuse kein Druck stehen soll. Wir hatten mal einen leckenden Öldruckgeber, da pumpte das Öl wacker raus, denn der sitzt im Hauptstrom hinter der Pumpe. Vielleicht mal beilaufender Machine prüfen....
Gruß

zooom

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10

Sonntag, 4. April 2021, 08:06

Die Frage ist, ob der Peilstab beim nächsten Motorlauf wieder rausfliegt. Das erste Mal könnte es ja nur ein Einsteckfehler gewesen sein, kommt er wieder raus, ist was Anderes im Busch. Mein Kaffeesatz sagt, das könne auch ein Kolbenschaden sein. Aber ich hoffe doch, daß es wirklich nur der falsch eingesteckte Peilstab war.
Gruß Thomas


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kurttu

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Sonntag, 4. April 2021, 08:20

Statt Ölbindetücher kann man auch ein dickes Bündel alte Zeitungen verwenden, die saugen das Öl langsam aber sicher auf.

Bulliteufel

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Sonntag, 4. April 2021, 08:39

Noch besser: Babywindeln zum Öl aufsaugen.

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13

Sonntag, 4. April 2021, 09:24

Moin, es lebe die Gelassenheit insofern vielleicht nicht immer sofort auf das schlimmste „hoffen“.

Kontrolliere mal den Ölfilter, wenn der sich ein wenig gelöst hat kann auch dort eine große Menge an Öl austreten. Wenn dies nicht der Fall ist, wird sich das Öl über die Öffnung des Peilstabes verteilt haben. Der Peilstab geht übrigens in der Regel nicht bis nach unten zum tiefsten Punkt der Ölwanne, wozu auch, er soll nur die mindest Füllmenge anzeigen.

Warum dein Peilstab entflohen ist kann ich nicht beurteilen, aber vielleicht saß er nicht richtig drin oder ist zu locker und hat sich raus geschaukelt....dann hilft etwas Teflonband um die Dichtfläche zu wickeln, das er wieder stramm sitzt,

Ahoi

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Sonntag, 4. April 2021, 09:35

Entferne bei laufendem Motor den Einfülldeckel und schau wieviel Druck da austritt. ( Einfach die Hand auflegen.) Wenn Du nach "abdichten" mit der Hand einen zunemhmenden Druck spürst, ist die Kurbelgehäuseentlüftung nicht o.k.
Normalerweise reicht das Führungsrohr für den Peiilstab nicht in Ölnieveau. Ein problematisches Bauteil ist manchmal eine Absaugpumpe. Diese werden an tiefster Stelle der Ölwannw montiert und entleeren diese gern bei Überdruck im Kurbelgehäuse in Minuten.
Danach verdahren wie oben beschrieben und die Verschleißgrenzen ermitteln.

Viel Erfolg.
Viele Grüsse

Dieter

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15

Sonntag, 4. April 2021, 09:37

...dann hilft etwas Teflonband um die Dichtfläche zu wickeln, das er wieder stramm sitzt...


.... Oder ei fach eine neue Dichtung (O-Ring) am Griffstück.

Viele Grüße
Phil

16

Sonntag, 4. April 2021, 10:11

Kurbelwellengehäuseentlüftung ist der Schlauch oben vom Ventildeckel zum Ansaugtrakt.
Am Ventildeckel ist vor diesem Schlauch ein Metallsieb.
Eigentlich unmöglich das es verstopft.

AndersHamburg

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17

Sonntag, 4. April 2021, 11:52

Moin!
Danke für die vielen Antworten. Ich werde am Dienstag erstmal Putzen und Öl wieder auffüllen.

Der Kopf des Peilstabs hat einen Ring, der im Stutzen einrastet und abdichtet.

Bei mir hat der Pfeilstab (leider) keine Raste sondern nur ein Gummiteil mit drei Wülsten. Das hält nur durch Pressung. Das Gummi scheint aber unbeschädigt.

Wenn alles wieder sauber und OK ist, will ich einen längeren Probelauf im Stand machen. Reicht eine Halbe Stunde mit etwas Gas, so bei 1500 Umdrehungen?
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18

Sonntag, 4. April 2021, 13:00

Klar sollte das reichen. Selbst ohne Stab wird das Öl dort lediglich aufgrund von mechanischer Bewegung rauspritzen,darum reicht ja auch der Gummistöpsel, der ihn fixiert, zur Abdichtung. Hatte schon Motoren da drehte der Stab munter in Kreid, ohne dass Öl austrat. Druck dort zeigt auf einen Defekt der Maschine. .
Gruß

Silberling

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19

Sonntag, 4. April 2021, 15:26

Moinsen,

wie es bei Nanni/Kubota aussieht, weiss ich nicht, aber bei Mercedes Maschinen ist es seit über 40 Jahren so, dass das Peilstabrohr bis ganz nach unten geführt ist. Stichwort: Absaugung.

Liebe Grüße

Peter

20

Sonntag, 4. April 2021, 15:28

Wenn alles wieder sauber und OK ist, will ich einen längeren Probelauf im Stand machen. Reicht eine Halbe Stunde mit etwas Gas, so bei 1500 Umdrehungen?
Reicht. Ich, als Pessimist, würde den Motor in der Box 5 Minuten mit wechselnder Drehzahl laufen lassen. Wenn kein Öl zu sehen ist, ablegen und den Motor unter Last arbeiten lassen. Du wirst wahrscheinlich immer noch kein Öl sehen und kannst beruhigt wieder anlegen. :)
So Long, and Thanks for All the Fish.

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