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Windstärken

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1

Dienstag, 23. Februar 2021, 21:51

Erste eigene Jolle: Laser Bahia oder RS Vision?

Liebes Segel Forum,

Ich überlege mir eine gebrauchte Jolle zu kaufen und habe gerade die Laser Bahia und die RS Vision in der näheren Auswahl.

Was ich Suche ist ein bisschen eine eierlegende Wollmilchsau: Ich fahre gerne mit sportlichen Freunden (bzw. vor allem meinem Freund) hinaus die Action wollen (daher wären Trapeze und Gennaker super), aber ebenso segle ich immer wieder mit Freundinnen und Freunden die keine Erfahrung haben und gemütlich die Natur genießen wollen bzw. eventuell eines Tages auch mit Kindern. Und zu guter letzt segle ich auch gelegentlich gerne mal alleine.

Meine erste Wahl war die Laser Bahia. Primär weil ich dieses Boot im Verleih oft gesegelt bin und es für mich genau all das her gibt. Man kann sportlich im Trapez hängen, aber auch aufrecht segeln und keine Sorge haben, dass man unsichere Mitsegler ins Wasser wirft. Und auch alleine war ich mit der Bahia schon draußen, wobei das vermutlich ihre größte Schwäche ist, da mein Gewicht dann als Trimmgewicht natürlich nicht mehr wirklich ausreicht und sie alleine beim Slippen schon eine sportliche Nummer ist. Aber gut: Das Problem werde ich bis zu einem gewissen Grad mit jeder 2-Mann Jolle haben.

Auf der Suche nach weiteren Alternativen bin ich jetzt auf die RS Vision gestoßen, die der Bahia relativ ähnlich aber ein bisschen leichter und kleiner ist. Leider wird das Modell nicht mehr hergestellt, ist aber gebraucht immer wieder zu finden. Jedoch bin ich mir dadurch ein wenig unsicher, wie leicht es ggf. wäre Ersatzteile oder ähnliches zu bekommen falls mal was kaputt geht.

Nachdem ich noch nie zuvor ein Boot gekauft habe wollte ich mal in die Runde fragen, ob einerseits jemand noch mehr Erfahrung mit diesen Booten hat? Oder gibt es irgendwelche Teile an den beiden Booten die besonders oft verschleißen und auf die ich unbedingt beim Kauf achten sollte? Hat jemand Erfahrung mit der RS und auch ihrer Wartung?

Ich bin für jeden Tipp dankbar! :)

Lieben Gruß,

Lisa

2

Mittwoch, 24. Februar 2021, 09:50

Hallo Lisa,

zur Einstimmung sind die Videos, die die YACHT bei Vergleichstests gedreht und auf YOUTUBE eingestellt hat, ganz nett.

Außerdem lohnt es sich auf YOUTUBE nach dem Video „Mighty Vision“ zu suchen. Das zeigt anschaulich, dass eine RS Vision auch bei Windstärke 8 Spaß machen kann – zumindest wenn man sonst 49er segelt :zus(12):

Zur Bahia kann ich weiter nichts sagen. Der Neupreis ist eine echte Kampfansage, da lohnt es fast nicht mehr, nach Gebrauchtbooten zu gucken…

Die RS Vision bin ich schon bei unterschiedlichen Bedingungen gesegelt. Sie ist im Verhältnis zu vergleichbaren Booten sogar eher leichter und segelt sich bei ordentlich Wind erstaunlich sportlich. Gleitfahrt unter Gennaker macht richtig Spaß!

Der Preis dafür ist aber eine gewisse Zickigkeit. Eigentlich liegt sie sehr stabil im Wasser, aber ab einer bestimmten Krängung (z.B. bei plötzlichen harten Böen auf sehr kleinen Revieren) ist eine Kenterung nur noch mit sehr schnellen Reflexen zu vermeiden

Wenn ängstliche/unsichere Mitsegler auch bei mehr Wind mitsegeln sollen, würde ich deshalb eine RS Quest der RS Vision vorziehen.

Auf einer (ex-Laser) 2000 kann man auch bei mehr Wind tiefenentspannt mit unsicheren Mitseglern segeln, weil die Segelfläche relativ klein ist. Dafür braucht es auch heftig Wind bis richtig Action an Bord ist 

Von Topper gibt es auch noch Alternativen von stabil bis sportlich (Xenon, Omega, Argo)

Ich würde mit Freunden lieber etwas stabiles mieten und für Dich/Euch selbst etwas sportliches kaufen anstatt so viele Kompromisse einzugehen.

Die Beneteau 14 ist z.B. ein (sehr) sportliches Konzept für 1 – 2 Segler, die Laser Vago ist auch immer einen Blick wert.


Segeln mit Kindern ist ein ganz schwieriges Thema. Im Zweifelsfall ist das Boot, dass man alleine beherrschen kann, während der Partner die Kinder an Land betreut, das Boot, dass es seinem ermöglicht wenn nicht „mit“ dann zumindest „trotz“ Kindern aufs Wasser zu gehen :)

3

Mittwoch, 24. Februar 2021, 10:18

Entscheiden musst Du selber, aber was für die Bahia spricht: knapp 14 m2 Segelfläche, Groß reffbar (!), Rollfock, preisgünstiger Gennaker, gutmütig, kennst Du und weißt worauf Du Dich einlässt.
Bei überwiegend wenig Wind ist die Segefläche optimal. Bei mehr kann man reffen, um einfach nur zurückzukommen kann man bei viel zu viel mit einem Schnips die Fock einrollen. Das alles ist mehr als nur optimal. Kannst Du sie selber ohne große Mühe aufrichten, ist das auch sehr viel wert, denn gerade bei viel Wind macht man das manchmal ein paar Mal hintereinander.

Leider ist sie bleischwer. Meinen 130 kg schweren Dart 18 kann ich mit Mühe und Not und mit eigenen 80 kg leicht bergauf eine Rampe hochkriegen und über eine Wiese rollen. Die 110 kg von meinem 14er sind mit lieber. Die RS-Vision ist 30 kg leichter. Wenn ich selbst einen Unterschied von gut 20 kg als viel empfinde, wird der von 30 auch spürbar sein. Auf dem Wasser wird das allerdings nicht allzuviel bringen, weil sie auch weniger Segefläche hat. Sofern das Slippen zum ernsthaften Problem werden könnte, würde ich die nehmen.

Bei markenspezifischen Ersatzteilen sind profilierte Schwerter am wichtigsten. GFK-Schwerter sind allerdings relativ robust. Lexan biegt auch etwas, ist aber nicht sonderlich haltbar. Beim Ruder kann man notfalls was adaptieren - Betonung auf notfalls. Mastfüße kann man auch reparieren. Sehr schlecht, wenn ein Mast bricht und der nicht zu beschaffen wäre. Er bricht ja nicht, gerade das ist das Problem. Keiner hat einen, aber wenn man mit Speed im flachen Wasser kentern sollte, bricht er trotzdem. Dann hast Du den Salat.

Außer eine Sichtkontrolle zu der alle Beschläge, Aufnahmen und der Schwertkasten gehören, kann man mal schauen, ob sich irgendwo was eindrücken lässt. Wenn was wackelt, gerade bei PE, wäre ich als Käuffer vorsichtig. Als Verkäufer würde ich sagen, "das kann man nachziehen". kann man auch, aber es wäre möglich, dass er es schon getan hat und es gerade schon wieder lose ist. Gute PE-Reparaturen sind schwierig, was für einen Professionellen mit entsprechend Erfahrung und Gefühl in den Fingern.

VG Chris


ps.: Ängstliche Mitsegler bei mehr Wind müssen lernen ihre Angst zu besiegen oder sie haben auf solchen Booten ohnehin keinen Spaß.

4

Mittwoch, 24. Februar 2021, 21:25

Vielen lieben Dank für die umfassenden Antworten. Ich denke sie decken sich allgemein sehr mit meinem Eindruck.

Ich versuche nächste Woche mal die Vision Probezusegeln. Im Endeffekt hoffe ich, dass das wie beim Autokauf ist und man dann schon merkt wenn man im für einen selbst passenden Boot sitzt. :D Aber ein bisschen Ahnung wäre trotzdem gut :) Insofern schon mal vielen Dank für all die Tipps.

Auch schön finde ich, dass ihr mir offensichtlich bei meinem Eindruck der Bahia zustimmt. Das ist ein lustiges, vielseitiges Boot. Leider ist auf dem Gebrauchtbootemarkt gerade ein wenig Flaute und auch wenn der Neupreis eine Kampfansage ist, liegt er ein wenig über dem was ich ausgeben wollte.

Das Gewicht der Bahia ist definitiv auch für mich der größte Punkt der gegen sie und für die Vision spricht. 30 kg weniger sind halt schon eine ganze Menge, vor allem weil ich selbst nicht mal auf die 60 komme.

@Moderboot: weil du das reffbare Groß der Bahia hervorgehoben hast, die Groß der Vision ist doch auch reffbar, oder nicht?

Und bezüglich der "Stabilität für unsichere Mitsegler": Worum es mir geht ist, dass ich keine reine Actionjolle suche. Logischerweise ist Segeln ein Wassersport und auch wenn ich Freunde mitnehme betone ich, dass es sich dabei um Sport handelt. Aber auch wenn die Erwartungen stimmen hat man dann mit einer super wackeligen Jolle einfach keinen Spaß und das ist ja doch worum es am Ende geht. Deswegen hatte ich jetzt mal Jollen wie die 470er nicht weiter in meine Suche aufgenommen, weil ich das Gefühl hatte, dass sie in diesem Zusammenhang dann eher stressig als spaßig wären. Ebenso die Laser Vago. Da hatte ich das Gefühl, dass die doch eher ausschließlich auf Sport und weniger auch mal auf eine gemütliche Abend Ausfahrt ausgelegt ist. Oder irre ich mich da?

Bengta

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5

Mittwoch, 24. Februar 2021, 22:18

Ein Pirat ist sonst eine stilvolle sichere Jolle mit der Du auch mal dümpeln, picknicken und den Tag von Dir abtropfen lassen kannst. Allerdings ist die beim slippen von Hand dann schon etwas anstrengend.
Michael :baden:


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Für Rechtschreibfehler entschuldige ich mich schon mal vorab und bitte die dadurch entstandene Verwirrung zu verzeihen ;(

horstj

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6

Mittwoch, 24. Februar 2021, 23:04

Vieles kann man ja objektiv nebeneinander legen und dann entscheiden. Vom Eindruck her noch:
Bahia fand ich deutlich ausgewogener im Handling. Die Vision hatte teilweise ein recht nervöses Verhalten, ohne dass sich das erkennbar in Performance niederschlug.
Bootslog und Refitblog Jeanneau Microsail https://microsail.wordpress.com/

7

Donnerstag, 25. Februar 2021, 10:18

Groß der Vision ist doch auch reffbar, oder nicht?

Wenn sie das ist, prima. Von der Bahia wusste ich es. (bin ja kein Lexikon auf Gehwarzen)

In sofern bin ich bei dem Kollegen Bengta, weil sehr viele der älteren Konzepte auch heute vollkommen konkurrenzfähig sind. Nur dann, wenn man doch mal kentert, hat man mit den offenen Sitzschalen der neuen Konzepte den Vorteil, nicht ösen zu müssen und kann es in Küstengewässern etwas sorgloser mal krachen lassen. Ein vollgeschlagener Pirat oder alles andere, was ihm ähnelt ist bei viel Welle nicht mehr leerzuösen. Das kann zu einem handfesten Problem auswachsen.
Dann natürlich das Gewicht. Rund 220 kg im Fall des Piraten. Andererseits kann man durch Generationenwechsel sehr günstig an sehr gute Boote kommen, die mit Seife und Bürstchen wieder hergerichtet sind und mit etwas gallischer Mentalität betrachtet dann ganz ausgezeichnet aussehen.

Das Kipplige ist immer relativ. Ein Rundspant mit viel Segelfläche in einem böigen Revier, der wird irgendwann, mindestens 1x in 10 Jahren mal abgehen. Selbst die im Osten seltene, relativ gutmütige aber etwas dünne gebaute Javelin kann man umschmeißen, wenn man gepennt hat. Bei uns in Deutschland insgesamt verbreiteter, die Jeton. Bin ich mal drauf mitgefahren und halte sie unter den Rundspanten mit ähnlicheer segelfläche für das Gemütstier schlechthin. Sie zeigt, schon, wenn sie ausgeritten werden will, keine Frage. Die Segelfläche reicht im Grunde für ein Binnenrevier und sie ist relativ leicht, springt also etwas besser an als ein Pirat und preislich bist Du in ganz anderen Regionen als mit einer Bahia. Ob Du gleich ne Null hinten streichen kannst (?) es wird deutlich günstiger.
Zu den Pluspunkten, das relativ modern geschnittene Großsegel, bequemer Platz in der Mitte bei Schwachwind, relativ gute Anfangsstabilität sehr gut auszureiten, noch bessere Trapeze, leichter Mast. In meinen augen ein feines unkompliziertes Binnenboot. In Bezug auf Küste ist das große, hinten geschlossene Cockpit mit dem flachen Rumpf vielleicht keine so günstiige Kombination. Letzteres ist aber alleine meine pers. Spekulaion.

Bengta

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8

Donnerstag, 25. Februar 2021, 20:39

Ich dachte das Revier sind die Berliner Gewässer?, da halte ich es für sehr unwahrscheinlich das ein Pirat, Schwertzugvogel oder etwas ähnliches auf Kreuzkurs durch überkommende Wellen und starken Seegang vollschlägt und man Ihn nicht wieder gelenzt bekommt. Bei genügend Fahrt kann man die Lenzöffnungen im Heck öffnen dann ist schon einmal das meiste draussen. Aber wie gesagt ich glaube in diese Lage kommt man in dem Revier nicht. Und der Erholungswert dieser Jollen ist enorm ohne das Sie beim Segeln langweilig sind.
Michael :baden:


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