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61

Donnerstag, 14. Januar 2021, 17:05

Moin,

es soll ja schon Segelkurse für Rentner geben. So weit bin ich noch nicht ganz mit meinen 61 Jahren (m), aber ich beschäftige mich konkret mit diesem Lebenseinschnitt. Habe vorsorglich den SBF See/Binnen mit Antriebsmaschine gemacht, SRC und FKN folgen hoffentlich kurzfristig nach dem Lockdown. Inzwischen finde ich aber segeln spannender als nur zu motoren. Deshalb nächstes Ziel: SKS. Einen Segelkurs habe ich noch nicht besucht. Reichen die Erfahrungen, die ich beim Mitsegeln mache? Ich probiere es mal. Theoretisch habe ich mich ausgiebig mit dem Segeln auseinandergesetzt, praktisch bislang eher passiv als Gast. Für das nahende Frühjahr suche ich nach Erfahrungstörns oder nach Gelegenheiten zum Mitsegeln. Was meint Ihr zu meinem Vorhaben?
Da sich die Diskussion jetzt tatsächlich etwas verselbstständigt hat 8o... lieber walters1959 ich denke die meisten hier finden dein Vorhaben gut und bestärken dich darin mehr Erfahrungen als aktiver Segler zu sammeln!

ich finde die abweichende Plauderei aber durchaus sehr interessant ;)

Marinero

Salzbuckel

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62

Donnerstag, 14. Januar 2021, 17:33

Jepp. Einfach machen und Hauptsache es macht Spass. :good2:

Dass man mit 61 nicht mehr aufholen kann, was der 6-jährige im Opti gelernt hat, scheiss drauf, ist nunmal so. Selbst wenn der Walter59 jetzt erst noch 20 Jahre Jolle segelt, es wäre dennoch nicht dasselbe.

Wenn ich jetzt Skifahren lernen müsste, herrjeh :schuettel: Hab in meinem ganzen Leben noch auf keinen Brettern gestanden. Das würde ein Gekrüppel werden. Meine Nichte & Neffe waren mit 4 Jahren in der ersten Skischule, den Berg runterheizen ist für die wie Atmen.

Ottoman

Matrose

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63

Donnerstag, 14. Januar 2021, 18:00

Mein Seglerleben begann auch rlativ spät mit 53 Jahren , SBF See und Binnen , Funkschein zuerst . Vorher bin ich immer nur Mitsegler gewesen .Die Scheine haben meine Frau und ich gemeinsam gemacht . Danach haben wir ( auch gemeinsam ) einen 1 wöchigen SKS Kurs Praxis ohne Prüfung , sowie einen Praxis Kurs Hafenmanöver gemacht . Dann ist man zwar immer noch Greenhorn , aber der Rest kommt mit einfach machen .Schon von Vorteil wenn man es mit dem Partner zusammen machen kann .

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64

Donnerstag, 14. Januar 2021, 22:10

Ohne jetzt hier viel gelesen zu haben:
Die Segelscheine - auch der SKS - richten sich an Segler, die das seemännische und seglerische Können wirklich parat haben.
Also nicht an Segelanfänger.

Das ist eine praktisch nicht ausrottbare Idee, dass man als Segelanfänger deutlichen Nutzen von so einem Schein hat.
Natürlich wird man dabei nicht dümmer, aber vieles kann man kaum umsetzen.

Das beobachte ich praktisch jedes (normale) Jahr bei uns in der Vereinsausbildung.
Es hat in beiden letzten Jahren auch Schüler gegeben, die als Anfänger in rascher Folge (innerhalb eines Jahres) SBF See und SPOSS (Sportsegelschein, ein Verbandssegelschein) machen wollten.

In den Fällen war bei der praktischen Prüfung Feierabend, weil die Leute einfach nicht in so kurzer Zeit routinierte Segler werden.
Und die müssen souverän steuern, Manöver ansagen und leiten und den Überblick behalten.

Wenn es keinen konkreten Anlass gibt, würde ich einfach möglichst viel Segeln gehen.
Und dabei möglichst viel Praxis sammeln.
Auch über die einfachen Standards hinaus.

Ich hatte auch schon Schüler älter als 60 und das ist gar kein Problem.
Segeln hat nur teilweise mit Wissen und Theorie zu tun, aber auch viel mit Gefühl, Neugierde und Auffassungsgabe.

Holger

65

Freitag, 15. Januar 2021, 01:42

Also dass man da Prüfungsstress mit der Praxis mischt, dem muss ich als Pädagoge und Psychologe entschieden widersprechen. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ein Prüfungsangst verstärkendes Trauma in Schulzeit/Ausbildung/Studium zu einem angstbedingten Leistungsabfall in einer Prüfungssituation kommt, die eben dieses Trauma triggert. Einen Einfluss auf die Stressresilienz in einer echten Situation, die in erster Linie Lösungsorientierung verlangt, statt Anpassung an das System der Prüfung und seiner Institution ist etwas völlig Anderes! Nur mal so.
+ 1. Ich kenne einige hervorragende Skipper die sich den Prüfungstress nicht antun wollten. Die praktische Prüfung hat nun mal mit der Realität des Skippers nur mehr oder weniger zu tun. Als Skipper sag ich zu einem Besatzungsmitglied, das in einer Situation stört, es möchte doch unter Deck gehen. Würde mal gerne ausprobieren ob das mit einen Prüfer auch geht.

Die Segelscheine - auch der SKS - richten sich an Segler, die das seemännische und seglerische Können wirklich parat haben.

Also nicht an Segelanfänger.


Problem ist aber das einige Segelschulen den SKS als Anfängerschein bewerben und sogar gemischte Crews (Anfänger und SKS Anwärter) auf einen Segeltörn setzen. Man kann ja mit zwei Seewochen den SKS machen und auch gut bestehen. Ob man dann wirklich bereits Segeln und vor allem Seemannschaft beherrscht bezweilfle ich mal. Man muss gerade beim SKS genau prüfen wo man bucht, ob es wirklich Ausbildung ist oder Klippschule für das Prüfungsbestehen..

Grad wenn der TS Nähe Berlin/Brandenburg lebt, wäre eine SBF Binnen Segel, deutlich die bessere Wahl, weil es dort ein Pflichtschein ist. Und dann kann man eben auch noch Binnen loslegen, was gibt es besseres.

66

Freitag, 15. Januar 2021, 08:06

Zwischendurch mal ein herzliches Dankeschön an alle. Ihr ermutigt mich, außerdem lerne ich hier eine ganze Menge, auch aus den vermeintlichen Plaudereien. Ich fühle mich darin bestärkt, 2021 als Mitsegler bei erfahrenen Skippern zu verbringen. Im Jahresurlaub könnte als begleitende Maßnahme ein Segelkurs eingebaut werden. Was haltet Ihr von diesem Anbieter: https://www.segelurlaub-holland.de/segelkurs/ ? Hätte den Vorteil, dass ich gemeinsam mit meiner Frau eine Urlaubswoche in der Segelschule verbringen könnte und das Segelboot im Zimmerpreis enthalten ist. Hat jemand Erfahrung mit dieser Schule?
Scheint die Sonne auf das Schwert, macht der Segler was verkehrt

Winterfalke

Kap Hornier

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67

Freitag, 15. Januar 2021, 09:02

außerdem lerne ich hier eine ganze Menge

u.a. wahrscheinlich auch, dass viele Wege nach Rom zum Skipper einer Segelyacht führen. ;)
Mario Falko

Glück ist kein Ziel, sondern eine Reise.
:segeln:

68

Freitag, 15. Januar 2021, 09:25

außerdem lerne ich hier eine ganze Menge

u.a. wahrscheinlich auch, dass viele Wege nach Rom zum Skipper einer Segelyacht führen. ;)
Genau, und das Forum hilft mir dabei, die Holzwege zu vermeiden ....
Scheint die Sonne auf das Schwert, macht der Segler was verkehrt

69

Freitag, 15. Januar 2021, 09:35

Herzlich willkommen auch von mir. :)

Ich bin zwar knapp 10 Jahre jünger, stehe aber so ziemlich an der gleichen Stelle. Allerdings mit dem Glück beschlagen, an der Ostsee zu leben und etliche Segelfreunde im Freundeskreis zu haben. SBF See und SRC sollen im Frühjahr erledigt werden (sofern Corona das zulässt). Der uralte SBF Binnen aus DDR-Zeiten darf dann aufs Rententeil.

Auch hier waren wieder viele gute Hinweise dabei. Aber es ist schon so: Segeln lernt man nur beim Segeln.

reinglas

Admiral

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70

Freitag, 15. Januar 2021, 11:25

. . . . SBF See und SRC sollen im Frühjahr erledigt werden (sofern Corona das zulässt). Der uralte SBF Binnen aus DDR-Zeiten darf dann aufs Rententeil. . . .

Hallo,
. . . du weißt aber, dass man den DDR-SFB Binnen problemlos in Hamburg beim DSV umschreiben lassen kann. Ich machte das gleich 1990.

Reinhard
Keiner und Nichts kann mich enttäuschen.
Nur meine Erwartungen vermögen das.

71

Freitag, 15. Januar 2021, 11:42

. . . . SBF See und SRC sollen im Frühjahr erledigt werden (sofern Corona das zulässt). Der uralte SBF Binnen aus DDR-Zeiten darf dann aufs Rententeil. . . .

Hallo,
. . . du weißt aber, dass man den DDR-SFB Binnen problemlos in Hamburg beim DSV umschreiben lassen kann. Ich machte das gleich 1990.

Reinhard
Hallo Reinhard!


Ich habe den Schein 2006 umschreiben lassen. Aber er nützt mir mit Blick auf meine seglerischen Ambitionen nicht wirklich, weil 1. vor mehr als 30 Jahren erworben und nie irgendwie aufgefrischt worden, was das Wissen betrifft und 2. weil ich doch die Ostsee bzw. den Bodden direkt vor der Haustür habe, der Schein aber eben nur "Binnen" Gültigkeit hat.

Prof.Knox

Seebär

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72

Freitag, 15. Januar 2021, 12:19

Was haltet Ihr von diesem Anbieter: https://www.segelurlaub-holland.de/segelkurs/ ? Hätte den Vorteil, dass ich gemeinsam mit meiner Frau eine Urlaubswoche in der Segelschule verbringen könnte und das Segelboot im Zimmerpreis enthalten ist. Hat jemand Erfahrung mit dieser Schule?
Ich kenne die Schule nicht selbst, aber ich kenne das Revier. Da gibt es mehrere Anbieter, die mit diesen Polyvalk Jollen Ausbildung anbieten und gleichzeitig Unterkunft in einer Herberge da vor Ort. Das System hat sich viele Jahrzehnte bewährt, die Ausbildung ist vom Verband "CWO" in der Regel zertifiziert und arbeitet alle Grundkenntnisse im Segeln ab.
Eine Woche führt meist zum Diplom "CWO I", das ist sowas wie ein Grundschein. CWO II bescheinigt dann, dass man segeln kann, CWO III befähigt zum Touren Anleiten und Segellehrerassistenten, CWO IV ist der Segellehrerschein (für den musste man im Winter auch ne Theorieausbildung zusätzlich besuchen).

Die Polyvalk Jollen halte ich zum Lernen für absolut perfekt, weil die sehr sicher (Kiel), gutmütig und unzerstörbar sind. Die sind Gaffelgetakelt, so dass man auch gleich die Handhabung einer weiteren Spiere neben dem Baum mitlernt, das gibt's hier eigentlich außerhalb historischer Fahrzeuge nur noch über die Spriet beim Optimisten und damit fährt man als ausgewachsener Mensch ja nun eher nicht mehr so gern.

Das ist genau so ein Angebot, wie ich es in einem früheren Post empfohlen habe. Unser Anbieter saß im Ort "Grou" und die Herberge heiß "oer't hout" falls du mal gucken möchtest. Sollte aber ein ähnliches Angebot sein, da gibt's in Friesland viele Anbieter von, so wie ich die in Erinnerung habe sind die mehr oder weniger austauschbar: die Lehrer sind zumeist einheimische Studenten mit CWO-4 Diplom und leiten dann je vier Schüler auf einem Boot an. Die Ausbildung der Seemannschaft fand ich da überzeugender als bei meinen Scheinausbildungen in Deutschland.

73

Freitag, 15. Januar 2021, 12:45

Das System hat sich viele Jahrzehnte bewährt, die Ausbildung ist vom Verband "CWO" in der Regel zertifiziert und arbeitet alle Grundkenntnisse im Segeln ab.
Eine Woche führt meist zum Diplom "CWO I", das ist sowas wie ein Grundschein. CWO II bescheinigt dann, dass man segeln kann, CWO III befähigt zum Touren Anleiten und Segellehrerassistenten, CWO IV ist der Segellehrerschein (für den musste man im Winter auch ne Theorieausbildung zusätzlich besuchen).
Herzlichen Dank für Deine professionelle Einschätzung, da bleiben keine Wünsche offen! Ich bleibe dran, auf jeden Fall informiere ich mich über den Anbieter in Grou.
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Sehbeer

Leuchtturmwärter

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Wohnort: Emden

Heimathafen: Emden

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74

Montag, 18. Januar 2021, 13:36

Moin + Ein frohes neues Jahr

:willkommen: :Laie_22:
Liebe Grüße + Bleibt gesund!

Mattze :Kaleun_Salivating:
Wasch dir die Hände, als hättest du gerade Chillies geschnitten, und wolltest jetzt masturbieren!

75

Montag, 18. Januar 2021, 16:39

Moin + Ein frohes neues Jahr

:willkommen: :Laie_22:
Moin + herzlichen Dank für Deinen netten Willkommensgruß. Auch für Dich alles Gute und weiter viel Spaß beim Gehirnyoga ;)

Für dieses Jahr ist Urlaub in M und umzu geplant.
Scheint die Sonne auf das Schwert, macht der Segler was verkehrt

Beiträge: 2

Wohnort: Bad Schwalbach, Ramschied

Bootstyp: Sirius Waran 28

Heimathafen: Schlutup

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76

Montag, 18. Januar 2021, 17:43

Bodo's Wegbeschreibung gefällt mir auch :-)

Jeder sollte seinen eigenen Weg finden. Ich bin auch erst mit 54 mit dem Segeln angefangen, hatte allerdings Erfahrungen mit Motorbooten. Um die Grundfertigkeiten des Segelns zu lernen, habe ich damals 1 Woche Skippertraining auf Malle gemacht. Danach das Schiff gekauft und losgesegelt. Das ist jetzt 10 Jahre her und ich habe es nicht bereut.

Ich bin kein Freund von Scheine sammeln, deshalb habe ich auch keinen SKS. Ich habe nur den SBF (seit 1974) und den SRC. Segeln lernt man durch Segeln und nicht durch Scheine sammeln.

Jeder sollte seinen eigenen Weg finden. Ich bin auch erst mit 54 mit dem Segeln angefangen, hatte allerdings Erfahrungen mit Motorbooten. Um die Grundfertigkeiten des Segelns zu lernen, habe ich damals 1 Woche Skippertraining auf Malle gemacht. Danach das Schiff gekauft und losgesegelt. Das ist jetzt 10 Jahre her und ich habe es nicht bereut.

Ich bin kein Freund von Scheine sammeln, deshalb habe ich auch keinen SKS. Ich habe nur den SBF (seit 1974) und den SRC. Segeln lernt man durch Segeln und nicht durch Scheine sammeln.

Jeder sollte seinen eigenen Weg finden. Ich bin auch erst mit 54 mit dem Segeln angefangen, hatte allerdings Erfahrungen mit Motorbooten. Um die Grundfertigkeiten des Segelns zu lernen, habe ich damals 1 Woche Skippertraining auf Malle gemacht. Danach das Schiff gekauft und losgesegelt. Das ist jetzt 10 Jahre her und ich habe es nicht bereut.

Moin,
Ich bin kein Freund von Scheine sammeln, deshalb habe ich auch keinen SKS. Ich habe nur den SBF (seit 1974) und den SRC. Segeln lernt man durch Segeln und nicht durch Scheine sammeln.
ein Armi, der Moin sagt :-D Ja ich bin angesteckt worden von den Segeltörne in Griechenland u. Croatia, aber jetzt habe ich ein Boat und will in der Ostsee Segeln und ausreichend Erfahrungen sammeln, damit ich in den Nordsee/Mordsee und weiter Richtung Norwegian See in drei Jahren habe ich ausreichende Erfahrungen. Das wird sich zeigen.

Hab mir die Bemerkung erlaubt, da ich Sportpilot bin, wird das Segeln schon drinne sein :-D Ja, Ja, Armi mit einem Großen Maul :-) Aber, wir sind halt sooo :-)

Ich freue mich immer aufs Lesen im Forum und mir Wissen aneignen, damit alles gut aufgeht :-)

Grüße, Scottie

Prof.Knox

Seebär

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Bootstyp: Compromis 777

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77

Dienstag, 19. Januar 2021, 09:03

@wispervalley: ich kenne mehrere Sportpiloten, die zum Segeln gekommen sind. Die haben alle viel schneller die Navigation begriffen, als nicht Sportpiloten. Ansonsten sind Wasser und Luft aber wohl doch unterschiedlich.

Eine Anmerkung, über die ich aus der Summe aller Posts nachdenken musste:

Es gibt ja immer Lager, die meinen dass Scheine (SKS/SSS/SHS/SBF/Pyro/SRC/LRC,...) total wichtig sind. Ich habe noch nie erlebt, dass in den regulären Urlauben, die man so segelt das Wissen aus Scheinen auch nur annähernd gebraucht wird. Die allermeisten Menschen segeln nämlich in Ostsee, niederländischen Binnenmeeren und Mittelmeer, in Ufernähe und von Hafen zu Hafen oder Bucht zu Bucht. Wenige Stunden am Tag, bei gutem Wetter im Sommerhalbjahr. Ein Urlaub deckt in den meisten Fällen auch nur einen Zeitraum von 2-3 Wochen ab. Innerhalb der meisten Seegebiete in diesem geografischen Raum existiert eine sehr effiziente Seenotrettungsinfrastruktur, die auch bei fachlichen (nicht subjektiv von den Betroffenen erlebten) Lapalien Hilfe leistet. Also alles in allem sind da seemännisch aus Wetter, Jahreszeit und Sicherheit die absoluten Rosinen herausgepickt. Selbst wenn Leute sich mal weiter raus wagen, fahren sie am ehesten die "Barfußrouten" in beständigen Passatwinden im Sonnenschein, mit großen Schiffen, nach einer der unzähligen Fahrtenbeschreibungen die über diese Route existieren.
Die GPS-Plotter von heute ersetzen zuverlässig die meisten navigatorischen Fähigkeiten, die man früher haben musste. Aus Spaß übt mancher vielleicht bei Traumbedingungen mal die Arbeit mit Sextant und übt sich nochmal an den Strahlensätzen um aus seinen Winkelmessungen auch Positionen zu errechnen, nötig ist das in den meisten Fällen nicht, es kommt selten vor dass unsere modernden Systeme total ausfallen und man mit Hand-Sternpeilungen à la polynesischer Urvölker navigieren müsste.

D.h. es gibt eigentlich nur drei pragmatische Gründe, überhaupt noch Scheine zu erwerben:
1.- Versicherungsgründe: der Versicherer erlaubt bestimmte Fahrtgebiete nur mit Qualifikationsnachweis oder er gewährt bei Nachweisen Rabatte
2.- Chartersegeln: die Vercharterer geben Boote nur heraus, wenn Scheine nachgewiesen werden
3.- Geschäftliche Gründe: Wenn ein Schiff gewerblich eingesetzt werden soll, etwa zur Finanzierung von Weltumsegelung oder bei Traditionsschiffen zum Unterhalt werden Fahrgäste mitgenommen, dann ist neben einem Schiffssicherheitszeugnis auch ein qualifizierter Schiffsführer vorgeschrieben.

In sämtlichen anderen Fällen werden alle Scheine außer des SBF für Boote über 15PS nur für den Scheininhaber selbst erworben. Ich finde interessant, dass wir in Deutschland mit unserer weltbekannten bürokratischen Denkweise soviel Wert auf Bescheinigungen legen, und kaum jemand auf die tatsächlichen Kompetenzen schaut. Der See ist es völlig egal, ob in brenzligen Situationen ein kleines Papier im Kartentisch liegt, das bescheinigt, dass der Schiffsführer sich zu einem Prüfungsdatum kompetent gezeigt hat. Die See erfordert, dass er mit oder ohne Papier jederzeit kompetent auf die Gegebenheiten vor Ort reagieren kann. Und das ist eine Kompetenz, die sich durch möglichst viel und möglichst regelmäßige Auseinandersetzung mit dem Segelsport in Theorie und Praxis gleichermaßen bildet, und weniger durch Vorbereitungskurse auf Scheinprüfungen.

Katty262

Kapitän

Beiträge: 764

Wohnort: Düsseldorf

Bootstyp: Hurley 800

Heimathafen: Düsseldorf

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78

Dienstag, 19. Januar 2021, 09:34

Also wenn man mit Menschen von der DgzRS spricht, ist das tatsächliche ziemlich Eindeutig. Jedes Jahr mehr Rettungseinsätze aufgrund mangelhafter Kenntnis (meist Navigatorischer Art; wozu das theoretisch lernen, da gibts doch ne App für). Theorie und Praxis gehören zusammen.

Ist wie beim Autofahren, auch nach zig Jahren Praxis helfen Fortbildung und Training.
„Man ist entweder Teil der Lösung oder Teil des Problems“ zitat Gorbatschow.

79

Dienstag, 19. Januar 2021, 09:49

Ich finde interessant, dass wir in Deutschland mit unserer weltbekannten bürokratischen Denkweise soviel Wert auf Bescheinigungen legen, und kaum jemand auf die tatsächlichen Kompetenzen schaut.
In der Tat ist die Schwelle zum Erwerb des SBF sehr niedrig, jedenfalls habe ich es so empfunden. Wenige Tage des Lernens reichen aus, um die Fragebögen zu beherrschen. Selbst vor der Praxisprüfung hatte ich erheblich mehr Respekt als nötig gewesen wäre. Nimmt man an, dass der Theoriestoff schnell verloren geht, wenn man nicht ständig mit dem Boot unterwegs ist, gehen die erworbenen Kompetenzen gegen null. Beim SKS ist es anders, wenn man erst nach einer gewissen Zeit der Praxis - das habe ich hier im Forum gelernt - die Prüfungen angeht. 300 sm wollen erstmal ersegelt werden und in der Theorie gibt es auch kein Ankreuzen mehr, von den Navigationsaufgaben ganz zu schweigen. Wer sich in mindestens einer Saison praktische Fähigkeiten angeeignet hat, wird den anschließend gelernten Theoriestoff besser verstehen und deshalb auch länger behalten.

Unabhängig davon habe ich hier im Forum von Segelfreunden gelesen, die vor jedem Saisonbeginn einen Auffrischungskurs besuchen, das ist für reine SBF-Inhaber vielleicht der Königsweg.
Scheint die Sonne auf das Schwert, macht der Segler was verkehrt

80

Dienstag, 19. Januar 2021, 10:15

Man kann das wie mit dem normalen Führerschein vergleichen. Wer den hat der darf ein Auto fahren, aber tut er das nicht oder nur sehr selten und auch nur immer zum Supermarkt um die Ecke, der wird dann und wann erhebliche Probleme bekommen.
Wer aber ständig seine Auto benutzen muss und viele Km im Jahr abspult, der wird auch bei komplizierteren Strcken zB. in fremden Großstädten entspannter und sicherer ans Ziel kommen.

Meiner Meinung nach läßt sich das auch aufs segeln übertragen.
Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben.
Alexis Carrel

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