Kamera an Bord Teil 1

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    Moin,


    auch wenn mein Beitrag nur sehr indirekt etwas mit Bootstechnik zu tun hat, stelle ich ihn hier ein, Off Topic ist er ja nicht. Ich möchte euch von meine Erfahrungen und Ideen zur geeigneten Kamera an Bord mitteilen. Vorausgeschickt sei, dass ich schon sehr lange mehr oder weniger intensiv Fotografiere, früher durchaus auch als Hobby mit eigener Dunkelkammer. Ich bin also ein versierte "Knipser". Auf dem Boot stellten sich bezüglich der Kamera immer drei Fragen: Wie groß darf sie sein, wie wasserfest muss sie sein und wie lade ich die Akkus. Die erste Digitalkamera die ich beim Chartern mitnahm, war eine NIKON D70s. Das ist eine ziemlich wuchtige Digitialspiegelreflexkamera. An und für sich wenig bootstauglich, aber bei meinen Schottlanftörns wollte ich qualitativ auf Nr. sicher gehen. Als immer dabei Kamera habe ich eine CANON IXUS digital, die eigentlich meiner Frau gehört, mißbraucht. Die IXUS hat das nicht überlebt (nach einigen Jahren). Vor einiger Zeit suchte ich nach eine Alternative als "Immer-Dabei-Knipsgerät". Nach Recherchen, auch hier im Forum, wurde es die LUMIX DMC-FT5. Die meisten Bilder, die ihr hier von mir in den letzten 2 Jahren gesehen habt, sind mit ihr gemacht. Sie ist wasserdicht bis 10 m und kann 2 m fallen ohne Folgen. Die habe ich eigentlich immer in der Segeljackentasche. Um etwas anspruchsvollere Aufnahmen zu machen, z.B. mit einem Teleobjektiv, war meine NIKON doch zu umständlich, die LUMIX FT5 aber ungeeignet. Also bin ich letzte Woch zum Fotohändler meines Vertrauens (Rutten in W'tal) gegangen um einen neuen B`NIKON-Body 7200 zu kaufen. Der Fachberater zeigte mir schnell, wo heute der Hammer hängt. Spiegelreflex ist out bzw. ein Nischenprodukt. Systemkameras sind angesagt. Die habe zwar einen kleineren Sensor, kleiner noch als DX, aber die Qualität ist heute so gut, dass das in meinem Fall keine Rolle spielen würde. *(Eine Erklärung dazu weiter unten).
    Nach einer Stunde Beratung war eine weiter LUMIX in meinem Bestand, diesmal eine sehr kompakte LUMIX DMC-G81 mit einem Objektiv 14-140, 5,6. In den Brennweiten einer Kleinbildkamera, die vielen hier nich geläufig sein wird, entspräche das einem Zoom von 28-280 mm.


    Dieses Teil teste ich jetzt seit 4 Tagen und ich muss sagen, genial. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass ich lange brauchen werde, um sie auszureizen. Mit Blick aufs Boot spielen ein gewisse Wasserfestigkeit und eine sehr kompakte Baugröße eine Rolle. Außerdem verfügt sie über zwei Bildstabilisatoren (einen im Body, einen im Objektiv), so dass es auch von wackelnden Boot Fotos mit langer Brennweite geben wird. Die endgültige Tauglichkeit muss sie noch beweisen. Die Qualität der Bilder ist untadelig.


    Gruß Klaus






    Teil 2 folgt in drei Minuten :O

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    So, hier noch die Erklärung, warum Kameras mit kleinem Sensor an Bord Sinn machen:


    * Für die weniger Fotoengagierten: Die Größe des Sensors ist für die Qualität des Bildes maßgeblich verantwortlich. Eigentlich gilt, je größer, desto besser. Der größte Sensor in diesem Bereich wäre ein Vollformatsensor, der die Fläche eines Kleinbildfilms hat. Der Haken an der Sache, neben dem exorbitanten Preis solcher Systeme: Die optischen Gesetze verlangen nach bestimmten Brennweiten, um diesen großen Sensor ausleuchten zu können. Platt gesagt, je größer der Sensor umso größer muss das Objektiv sein. Mit Größe ist hier Baulänge, Linsendurchmesser und Gewicht gemeint. Selbst ein DX Sensor, wie er in meiner NIKON Ist, verlangt noch nach gewaltigen Objektiven. Der kleinere Sensor der LUMIX Systemkamera kommt da mit weniger aus, daher ist die Kamera auch mit Brennweitem starken Objektiv noch kompakt. Eine kleiner Sensor hat heute auch eine Auflösung von ca. 20 Mio Pixeln. Die Farbdynamik ist bei größeren Sensoren allerdings besser. Wem Farbdynamik jetzt aber nichts sagt, der braucht das auch nicht. :grinning_squinting_face:


    Sehen tut man den Qualitätsunterschied nur in wenigen Fällen, ganz bestimmt aber nicht auf dem iPad, Tablet oder dem CEWE Fotobuch. Wenn diese drei letztgenannten eure bevorzugten Ausgabemedien sind, und darauf würde ich wetten, kommt man mit kleinen Sensoren, d.g. unter DX-Format aus.


    Gruß Klaus

  • Hi,


    ein weiterer Vorteil von solchen Kameras kann sein (zumindest z.B. bei den LUMIX G Modellen) dass man ältere vorhandene (gute) Objektive aus der analogen Spiegelreflex-Zeit weiterverwenden kann (mit Adapter) weil die Fokuslage die gleiche wie bei den analogen SRK ist. Dies ist nämlich nicht so bei den DSRK.
    Ich habe mich gefreut, dass ich meine doch relativ umfangreiche Ausrüstung samt Makrogeräte nicht verstauben lassen muss :smiling_face:


    Grüße


    Andreas

  • Interessant, Klaus. Da ich mit meinen I-PhoneBildern vom Cornwall Törn absolut nicht so zufrieden war, habe ich jetzt auch nochmal in eine Kamera investiert. Bei mir ist es eine Sony DSX100 RII geworden. Sehr klein und kompakt, nicht viel Zoom, aber die Bilder sind echt gut was ich bisher so beurteilen kann. Aber ich bin nur ein Laien-Knipser, Ahnung davon habe ich keine.

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    Hallo Klaus


    Deine Selbstbeschreibung als Fotograf könnte meine sein ... :grinning_squinting_face: . Und auch bei mir ist die "Bordkamera" eine Lumix FT5. Darüberhinaus finden sich in meiner Fototasche noch eine Lumix DMC-LX100 als sehr kompakte, aber leistungsfähige quasi-Spiegelreflexkamera. Und seit Kurzem ein Sony Alpha 77 MK II mit einem sehr lichtstarkem "Normalzoom" 24-75 mm (umgerechnet auf KB) und einem ebenfalls hellem (f = 2,8 ) Sigma Fest-Tele von 157,5 mm (umgerechnet). Ok, soweit das. Die gesamte Ostseereise 2015 hatte ich übrigens mit den ersten beiden Kameras fotografiert.


    Was die Größe des Sensors angeht, bin ich im Detail etwas anderer Meinung. Weil: je größer, desto mehr Spielraum mit der Tiefenschärfe hat man. Und da ich gern damit (Tiefenschärfe) rumspiele und experimentiere, ist mir das wichtig. Deswegen ja auch mein Hang zu hellen Objektiven. Das ist ein Nachteil meiner LX100 und ihres relativ kleinen Sensors. Man muss schon voll aufblenden, um eine gestalterisch gewollte geringe Schärfenebene zu erreichen. Bei den Kameras mit den kleinen Sensoren hat man eine eingebaute, große Tiefenschärfe, die sich kaum durch eine offene Blende bildwirksam reduzieren lässt. Für viele ist das ideal im Sinne eines scharfen Fotos. Wer aber mit der Schärfeebene spielen will und sie bewusst auf entscheidende Details reduzieren möchte, kommt meiner Meinung nach kaum um größere Sensoren herum.


    Aus diesem Grund hatte ich auch mit der Sony Vollformat (7er Reihe) geliebäugelt. Die ist im Body sogar deutlich kleiner und leichter als meine 77. Aber leider sind die Objektive im Vollformat dermaßen teuer, dass die Entscheidung finanztechnisch einfach war.


    Ein anderes Thema, das ich für bordgeeignete Kameras für wichtig halte ist das Weitwinkel. Oft fotografieren wir ja auf kurze Distanzen und brauchen große Winkel (die lustige Runde mit den Kumpels im Salon). Oder wir gestalten das Bild mit etwas Bootstypischem im Vordergrund (nah dran) und Wasserlandschaft im Hintergrund. Da ist eine kurze Brennweite einfach ideal. Bei mir fängt das Leben da bei 24 mm (KB) an.


    Gutes Thema.


    Gruß, Manfred

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    Ach und eins möchte ich noch ergänzen: lange Brennweiten werden m. E. überschätzt. Man braucht sie höchst selten. Erstens wackelt es an Bord zu oft, als dass man mit ihnen wirklich scharfe Fotos erzeugen könnte, zweitens werden die meisten Zoomobjektive im "Spannerbereich" (lange Brennweite) so richtig schlecht. Und drittens gebe ich Dir recht, die Abbildungs- und Auflösungsleistungen heutiger Sensoren ist so gut, dass man ohne weiteres aus ihnen auch Ausschnittvergrößerungen erzeugen kann. Zumindest für den von Dir beschriebenen Hausgebrauch. Und den manchmal ja gewollten Teleeffekt, sprich die Stauchung der Perspektive, das perspektivische Zusammenrücken von Vorder- und Hintergrund, dafür reichen durchaus mittlere Telebrennweiten.


    Und noch eine Anmerkung: ich finde nicht, dass speziell für an Bord eine Kamera besonders kompakt sein sollte. Es sei denn wir reden über einen Jollenkreuzer. Aber auf den hier am häufigsten vertretenen Schiffen kann man durchaus auch weniger kompakte Kamera unterbringen. Es sei denn, man will sowieso was Kleines, Leichtes. Dann ok. Aber das für-an-Bord-Argument zieht m. E. nicht so recht.


    Gruß, Manfred (dessen unerfüllter Traum immer noch das alte Mittelformat (Hasselblad ... :gnade: ) ist :smiling_face:

  • Moin,


    das Format micro four third hat natürlich Vorteile was Gewicht und die Preise für Objektive angeht.
    4K Video, Bildstabilisatoren, kleinste Blende ab 4 bzw Varioblende bei sich änderndem Zoom sind Dinge die ich nicht mag.


    Schleppe immer noch meine Nikon FX und DX Gehäuse mit 1,8 bzw 2,8 Blende im Pelicase herum, die Objektive haben (Glas)Masse, da braucht es keinen Bildstabilisator :grinning_squinting_face:


    :vdt-an:



    Ich fahre auch einen V8 und keinen Japsen Turbo, just my two Cents


    :vdt-aus:

    ____________________________


    Grüße aus der Provinz


    Uwe

  • Wenn ich segle: Canon G7X-II - schön leicht und handlich


    Wenn ich fotografiere: Canon 5D4, EF F4 24-105L, EF F2.8 70-210L II, EF 100-400L II, EF F4 16-34 II, MP-E 65, EF F2.8 100L Macro, EF F3.5 180L Macro, TS-E 24,... - sehr schön, aber alles anderes als leicht und handlich


    Aus der Länge der unteren Liste sieht man, warum die obere so kurz ist :grinning_squinting_face:


    Gruss, Michael

    Bekennende flaue Flunder :smiling_face:

  • Ne gute Kamera ist bestimmt hilfreich, wenn man damit umgehen kann.
    Was ich bei Klaus13 ausdrücklich unterstelle!
    Ich kenne allerdings auch Leute, die kaufen sich ne teure Kamera und meinen, nun haben sie automatisch gute Bilder.
    Sie machen teilweise fundamentale Fehler bei der Bildgestaltung.
    Dann nützt auch die beste Kamera nix


    Rainer

    TravellingRainer
    ...Reisen ist meine Leidenschaft
    https://travellingrainer.com/
    bis 2021 mit SY Swantje: Lofoten-HögaKusten-BritainRound

    ab 2023: kleiner "Motor-Kutter" Minerva (Marim 755)

  • Ich habe den Umstieg von Canon Spiegelreflex auf MFT (erst Olympus, jetzt Pansonic) schon vor ein par Jahren gemacht und nicht bereut. Ich habe die Kamera seit dem viel öfter dabei und mache daher auch mehr Fotos. Was nützt mir denn die tollste Technik wenn ich sie nicht dabei habe weil sie zu schwer ist.


    Was besonders Panasonic derzeit dazu auch noch an Videofunktionalität anbietet ist nich zu vernachlässigen, denn man spart sich so auch noch das Mitnehmen einer Videokamera. Und schon wieder hat man Gewicht gespart.


    Klar die Bildqualität ist etwas schlechter als bei den größeren Sensoren, aber wie Klaus oben schon schreibt für die meisten Anwendungen vernachlässigbar.

    Gruß


    Mario

  • Bei uns werkelt seit Jahren ein Vorläufer der G7X - eine Ixus 980 - mit einem 1/1,7 Zoll Sensor.
    Mit der Bildqualität bin bin ich sehr zufrieden, die Canon Bilder direkt aus der Kamera entsprechen meinem Geschmack.


    Ein Ersatz müsste deutliche Vorteile haben, mindesten einen 1 Zoll Sensor, aber auch eine bessere Optik als die Ixus 980.


    Ich würde am ehesten bei einer kompakten Kamera mit mindestens 1 Zoll Sensor, 24. -130mm Objektiv und wassergeschützt schwach werden.
    Die Rezensionen der TZ101 von Panasonic sind leider sehr durchwachsen - sonst hätte ich wohl auf den Schutz vor Spritzwasser verzichtet.
    An Panasonic gefällt mit die Farbwiedergabe nicht so gut. Mir sehen die Bilder häufig zu grün / grau aus (ja, da kann man an der Kameraeinstellung optimieren)
    So bleibt es bei der Beobachtung des Marktes, solange die Ixus es noch tut.
    Jan

  • Man kann mit allen Systemen sehr gelungene Bilder zaubern oder eben digitalen Müll abliefern. Wenn man die Zeit, die man bei der Kameraauswahl etc. in Fotografielektüre investieren würde, würde man auch mit der GUTEN alten D70 zufrieden sein können. Großer Sensor, und da hat Klaus vollkommen recht, wollen bedient werden. Wie ein BigBlock. Der braucht eben nen Liter :winking_face: mehr um ordentlich zu blubbern. Wenn man es darauf anlegt. Also mit Stativ arbeitet, ideales Licht abwartet und dann noch ein Händchen für die Bildmalerei hat, dann ist eine FX oder auch gerne größer :smiling_face: eben haushoch im Vorteil. Und das sieht man nicht erst bei 100% Pixeljunkiemodus.


    Fürs Boot gelten sicher ganz andere Regeln. Schneller AF, Kompaktheit, Rubustheit und ein ausgeglichener Brennweitenbereich. Ausgeglichen in Qualität. Die meistender "Zoomwunder" haben ihre Sweetspots. Fotografiert man ausserhalb dieser Brennweiten, wird aus einem Bild halt nur ein Dokument.


    Wenn man sich mit einer einigermaßen ordentlichen Kamera beschäftigt, ausprobiert, verstehen lernt wie Tiefenschärfe Stimmungen beeinflußt was Belichtung kann und dann eben noch sieht was da vor einem passiert....


    Ich empfehle einen Blick auf Pixelpeeper.com dort sieht man Bilder aus ziemlich alten, teils billigen oder in diversen Tests sehr schlecht bewerteten Kameras die einen komplett umhauen.


    Klaus13: Stell doch mal ein paar Out of Cam Bilder ein. Bilder sagen mehr als Worte :winking_face:

  • Sie machen teilweise fundamentale Fehler bei der Bildgestaltung.


    Da zähle ich mich jetzt mal genau zu dieser Gruppe. Ich knipse einfach drauf los. Mal gelingt das ganz gut, aber oft genug sieht es besch... aus. Gibt es irgendein gutes Buch (für Dummys), dass ihr empfehlen könnt, dass einfach und verständlich das Thema erklärt?


    Danke,
    Wolfgang

  • Heyho!


    Ich fotografiere auch leidenschaftlich gern und habe auf dem Boot meine iPhone und Canon70D dabei.


    Für Schnappschüsse vom Frühstück im Cockpit, ganz ehrlich, da reicht jedes Mobiltelefon oder die 100 € Digitalknipse. Daher packe ich die Canon nur aus wenn ich auch wirklich einen besonderen Moment einfangen will und diesen entsprechend künstlerisch in Szene setzen will. Dafür ist die Tiefenschärfe einfach unerlässlich. Bei 28mm und Blende 5,6 wird das nichts.


    Habe als Immerdrauf Objektiv ein Sigma 18-35mm f 1,8. Das ist zwar ganz schön klobig und schwer für APS-C aber das ist auf einem schwankenden Boot auch nicht soo verkehrt, ich kann es ruhiger halten und mache bei Landgängen auch keine ausgiebigen Fotoshootings in denen man 30 Minuten die Kamera still halten muss.


    Irgendwo liegt dann noch das 70-200mm f2.8 rum, aber das staubt wirklich meist in der Ecke. Hier wäre ein größerer Zoombereich auf dem Standardobjektiv wieder hilfreich, denn bis ich das Objektiv angeschnallt habe ist der Schweinswal schon wieder weg.


    Aber ein großer Brennweitenbereich kostet. Sobald die Sonne untergeht braucht man die Lichtstärke und einen ausreichend großen Sensor. Sonst gibt es verwackler oder ISO Matsche.
    Hier kommt die wichtigste Regel zum tragen. Auch wenn deine Kamera einen Blitz hat, verwende ihn niemals! Tot und Flachgeblitzt sieht wirklich kein Foto gut aus :smiling_face:

    /Marco


    Blog, Live-Track, Fotos und Bootsinfos: sailing-serenity.eu
    "There is no place, I can be, since i've found Serenity"

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    Moin,


    schöne Stellungnahmen. Noch eine Wort zu meiner NIKON D70. Natürlich kann man damit noch schöne Bilder machen. Fakt ist aber, dass ich sie jetzt 2 Jahre nichtmehr an Bord hatte. Anläßlich unseres neuen Hundes, habe ich sie wieder hervorgeholt und mal wieder bemerkt, wie unhandlich das Teil mit Tele doch ist, wenn man mit einen beweglichen Ziel auf der Wiese herumtobt. Der eigentliche Anlass, über das 7200 Gehäuse nachzudenken, war jedoch der schlechte Autofokus, besonders wenn der Bildkontrast gering ist.


    Nachdem ich dann die G81 in der Hand hatte, taten sich einfach ganz andere Wellten auf. Der extrem schnelle AF z.B. macht einfach Spaß. Da merkt man, dass sich die Welt in 10 Jahren seit Kauf der NIKON weitergedreht hat. Vernünftige Bilder gibt es noch nicht/kaum, vor allem nicht vom Boot. Anbei mal ein "Schnappschuß", aus der Hand mit 280 mm Brentweite aus der Hand abends bei wenig Licht auf der Terrasse. Die Auflösung ist hier natürlich stark runtergerechnet, damit ich das Bild hier einstellen kann, auch die Schärfe ist noch nicht perfekt. Den Effekt der Tiefenschärfe finde ich jedoch in diesem Bild schon ganz ausgeprägt, was natürlich dem Tele geschuldet ist.


    Ein hier nicht ganz unbekannter Berufsfotograf wiederholte im Gespräch unlängst eine alte Weisheit: "Technik wird überbewertet.", mit anderen Worten: die beste Technik nützt Dir nichts, wenn das Auge dazu fehlt.


    Gruß Klaus

  • Klaus, schönes Thread, weil bislang wenig nerdig, sondern hauptsächlich inhaltlich/künstlerisch motiviert. Jetzt liste ich mal mein Equipment auf, wenn ich Fotos mache: iPhone6s und Nüüd Hülle.


    Warum keine Leica M, keine Canon DSLR, keine große Nikon oder Sony Alpha Systemkamera oder Panasonic Lumix? Weil ich das von einer Kamera will:


    Schnell zur Hand muss sie sein, das alleine macht 75% des Anforderungsprofil aus, weil ich im Alltag kein Fotograf bin, also keine Ausrüstung dabei habe, aber für gute Fotos nicht auf Events angewiesen sein will, für die ich dann extra eine Kamera mitnehmen würde. Gerade der Alltag bietet die besten Motive, wenn man die Augen auf hat. Die großen Fotografen haben deswegen ihre Kamera IMMER dabei, der Grund für den bahnbrechenden Erfolg der kleinen Leica M.


    Weitere 25% macht für mich der Sichtwinkel aus. Für den Alltag ist der beste Kompromiss ein deutliches, aber noch moderates Weitwinkel. Das wäre in APS-C z.B. ein 18-20er in FF 24-28mm Brennweite. Wenn die Linse rektangular berechnet ist, lassen sich damit auch halbwegs verzerrungsfrei Architektur und Portraits fotografieren. Zoomlinsen machen faul, Millionen von Fotos beweisen das, es wird nicht sich bewegt, das Bild erarbeitet, sondern gezoomt, passt, knips.


    Jetzt fehlen noch Colour Science und Wasserdichtheit. Solange die Farbwiedergabe nach der Farbkorrektur einen differenziertem Hautton wiedergeben kann, reicht mir das. Schön ist auch ein rel. großer dynamischer Umfang, der hilft bei Gegenlicht und anderen sehr kontrastreichen Situationen schwarze und weiße Löcher im Bild zu vermeiden.


    Wasserdichtheit ist mir als Segler nicht ganz unwichtig, aber kein Killerkriterium. In ca. 1% der Zeit, in der ich draußen unterwegs bin, regnet es UND ein interessantes Motiv taucht auf.


    Ok. Bleibt noch Tiefenschärfe. Mit der Tiefenschärfe kann man den Vordergrund vom Hintergrund trennen und so das Auge des Betrachters führen. Was ich beobachte, nicht nur bei Amateurvideos mit Vollformat DSLRs, sondern auch bei Fotos mit dem gleichen Apparat: bokeh galore ohne Sinn und Verstand, weil es doch so schön aussieht - viel Unschärfe, auch geistige.


    Das ist in den meisten Fällen zu einfach und dicht am Kitsch. Wir leben alle im Zusammenhang mit der Umwelt, der Kontext ist wichtig. Viel Tiefenschärfe schiebt diesen Kontext nicht ins nebulöse, sondern fordert eine Auseinandersetzung. Als Bildermacher, der den Betrachter führen will, muss ich also über Farbkontraste nachdenken, z.B. die tolle Frau deren prominenter, hellblauer Schal ihren Hautton nach vorne bringt oder die gelbe Wand, die das lila Kleid seltsam nach vorne drückt und den blauen Himmel stark macht. Und dann: Augenlicht kann mehr als alle offenen Blenden, wenn es um Präsenz geht. Wie häufig wird das übersehen. Die großen, wie Peter Lindbergh tun das natürlich nicht, in SW und maximal präsent.


    Eins der Toprezepte für erfolgreiche Gestaltung ist der Rahmen. Morandi malte nur Töpfe, der oben genannte Peter Lindbergh macht nur Portraits/Fashion, Hitchcock nur Thriller und Warhol kümmerte sich nur um Profanes.


    Genau das kann mein iPhone: Rahmen stecken in den für mich am besten passenden Raum. Bis ich seine Grenzen ausgelotet habe und ich finde, dass es meinen Ansprüchen nicht mehr genügt, der Rahmen zu eng ist, sind noch einige Bilder zu machen.


    Und zum Schluss die technische Qualität. Sie ist was sie ist, eine technische Größe, interessant für Ingenieure. Sie wäre es auch für mich, wenn sie den Inhalt, den Ausdruck meiner Arbeiten verbessern würde. Aber diesen Bereich hat die Technik von heute in meinem Rahmen schon lange verlassen, Megapixel sind im Überfluss da, auch die Lichtstärke ist heute erstaunlich.


    Themen, die in meiner Welt keine mehr sind, AUSSER ich würde professionell Fotos machen, deren Ziel nicht meine eigene künstlerische Intension ist. Dann bräuchte ich eine DSLR mit allem um die Vorstellungen der Kundschaft zu erfüllen. Mein Glück aber ist, dass ich das in der Welt der Fotos nicht tun muss.


    Hans

  • Mir reicht mittlerweile auch das MFT System aus: GX7 mit 14-140, 7-14 und Leica 1.4/25. Das Telezoom 100-300 habe ich gerade wegen seltener Nutzung aussortiert und verkauft ;). wenn ich Brennweite benötige, kommt ein Tokina 8/500 dran, aus der Hand gehen beide nicht mehr, dann macht auch 1 Blende weniger Licht nichts aus.
    Meist nehme ich nur das Normalzoom mit, vielleicht noch das 7-14 für enge Räume...


    Frühe spielte ich auch mit einer Canon F1 und Zenza Bronica, man wird älter und ist froh, nicht mehr so viel zu schleppen :grinning_squinting_face:

    ciao


    Andreas

    Edited once, last by cometsegler ().

  • ich nutze eine FZ250. Bei ISO 100 und 1/1000-1/1300 secc werden die Bilder auch beim Segeln auch bei vollem Zoom noch gut scharf. Irgendwann werde ich mir aber auch eine Lumix G zulegen.

  • Meine Meinung ist ebenfalls: der Schlüssel zu guten Fotos ist heute mehr denn je der Fotograph, erst dann kommt irgendwann die Technik. Ich habe ebenfalls die kleine, wasserdichte LUMIX an Bord, aber meine Frau macht mit ihrem alten iPhone leider deutlich bessere und vor allem viel mehr Fotos als ich, weil sie den Blick für das Motiv und das Gefühl für die gute perspektive und den richtigen Bildausschnitt hat.


    So richtig deutlich wird das manchmal, wenn man sich mal in Fotoforen umschaut. Da wird gefühlt zu 90 Prozent über die Technik diskutiert und kaum mal ein Bild besprochen. Und wenn dann doch mal ein Foto gepostet wird, ist dies nicht selten eine langweilige bis schlechte Aufnahme von Haustieren, der Liebsten auf einer Wiese oder von Sonnenuntergängen. Das ist ja auch völlig in Ordnung, wenn sich der Fotograph an diesen Bildern erfreut und vielleicht sogar stolz darauf ist. In meinen Augen liegt der Hauptzweck solcher Bilder aber darin, eigene Erinnerungen festzuhalten oder anderen Leuten vom Erlebten berichten zu können. Diese Art von Bildern werden durch bessere Technik weder besser, noch schlechter. Und dann sind da noch die Technikfreaks, die einfach Spaß daran haben, mit einem wahnsinns Dynamikumfang, haufenweise Pixeln usw, unterwegs zu sein und die das Bild selbst eigentlich nur am Rande interessiert. Es ist nur Zweck, um den Spaß an der Technik auszuleben. Ist vielleicht vergleichbar mit dem Segler, der sich seinen Kahn mit allerhand Technik wie Radar usw. ausrüstet, um bei schönem Wetter entspannt eine Runde in der westlichen Ostsee zu drehen oder vielleicht gleich im Hafen zu bleiben. Er hat einfach Spaß daran, den Kram zu haben. Ist ja auch ein völlig legitimes Motiv.


    Robert