Erster Törn als Skipper - Törnplanung und weitere Fragen

  • Hallo Leute,


    ich wollte mich mal so langsam mit der Planung eines Törns für 2019 beschäftigen.
    Dabei würde ich zum ersten mal selbst eine Yacht chartern wollen. Ich habe nun ca. 1000 sm (jegliche Positionen auf dem Schiff) absolviert und den SKS-Schein sowie ein SRC-zertifikat.
    Ich spiele auch noch mit dem Gedanken vor dem Törn ein Skippertraining zu machen - was haltet ihr davon?


    Ansonsten habe ich gedacht dass die dänische Südsee Anfang September schön wäre. Einige Anlaufpunkte habe ich mir auch schon angeschaut. Das Revier ist auch schon bekannt von einer Woche Rund Fünen.
    Ich würde eine Woche chartern und wir wären 4-6 Personen an Bord (Familie, alle bis auf zwei Personen keine Segelerfahrung, eine Person Jollenerfahrung und ich). Vor dem Törn würde ich über das Jahr hinweg mit allen etwas Unterricht machen (Knoten, Navigation, Sicherheit, Manöver).
    Chartern würde ich am liebsten ab Flensburg. Das fand ich super dort.


    Nun bleiben noch einige offene Fragen:
    1. Welche Yacht würdet ihr nehmen? Ich würde mal bei Ecosail schauen.
    2. Wie kann ich den Törn auf einer Karte planen und darstellen? Google Earth oder gibt es da etwas besseres? Oder macht man das altmodisch auf einer Papierkarte?
    3. Welche Häfen sind besonders anfängerfreundlich?
    4. Was sollte ich als Skipper noch alles zusätzlich mitnehmen? Da gibt es ja solche und solche: Manche mit extra GPS von Garmin, alle möglichen Tapes und Schäkel, Scheinwerfer, Fernglas, usw; manche jedoch auch nur das Nötigste.
    5. Habt ihr sonst noch Tipps?


    Vielen Dank im Voraus.

  • Moin,
    viele Infos findest du über die Forensuche.
    Es gibt einen dänischen Vercharterer in der Dyvig, da sparst du dir den Weg von und nach Flensburg.
    Im September ist der größte Trubel um, dsewegen würde ich mir um die Anfängertauglichkeit der Häfen keine Sorgen machen. Einige Anleger/Inselhäfen sind recht klein, die solltest du bei viel Wind meiden. Alternativ hast du ja genug Hände zum Anlegen. Da die modernen Kurzkieler ja schnell vertreiben würde ich in eine Box, beide Achterleinen auf Slip, Motor mit wenig Gas laufen lassen und langsam die Achterleinen fieren, bis der Abstand zum Steg passt. Dann kann eigentlich nichts schiefgehen.
    Viel Spaß.

  • Die Voraussetzungen finde ich gut ebenso das Revier, die angepeilte Zeit ist wegen der leeren Häfen ideal.
    Einen Punkt habe ich aber. Du hast ziemlich viele Passagiere an Bord, aber wer bringt das Schiff in den nächsten Hafen, wenn Du ausfällt? Oder wer außer Dir bekommt den MOB wieder an Bord?


  • 2. Wie kann ich den Törn auf einer Karte planen und darstellen? Google Earth oder gibt es da etwas besseres? Oder macht man das altmodisch auf einer Papierkarte?


    5. Habt ihr sonst noch Tipps?


    Für mich wichtig: mach dir anfangs keinen unnötigen Stress, die Törnplanung MUSS variablen bleiben, wenn der Wind nicht passt, fahr zu einem alternativen Ziel.
    Nach hinten raus keine zu langen Schläge, früh genung an den Rückweg denken, um Zeitdruck zu vermeiden.


    Planen kannst du z.B. mit Navionics, online ist es kostenlos, als App sein Gelt wert.
    und als Letztes: nur Mut... jeder hatte mal seinen ersten Törn als Skipper

  • Die Voraussetzungen finde ich gut ebenso das Revier, die angepeilte Zeit ist wegen der leeren Häfen ideal.
    Einen Punkt habe ich aber. Du hast ziemlich viele Passagiere an Bord, aber wer bringt das Schiff in den nächsten Hafen, wenn Du ausfällt? Oder wer außer Dir bekommt den MOB wieder an Bord?


    Er hat doch noch nen Jollensegler an Bord, der bekommt nicht nur den Kahn am Wind oder bei Schwachwind zum Laufen, der hat auch Übung mit wieder an Bord kommen! :D

  • Die Voraussetzungen finde ich gut ebenso das Revier, die angepeilte Zeit ist wegen der leeren Häfen ideal.
    Einen Punkt habe ich aber. Du hast ziemlich viele Passagiere an Bord, aber wer bringt das Schiff in den nächsten Hafen, wenn Du ausfällt? Oder wer außer Dir bekommt den MOB wieder an Bord?

    Dazu habe ich mir gedacht, dass ich das natürlich vorher in der Theorie bespreche und den ersten tag auf See dem Üben der Manöver spendiere. Soll heißen, dass jeder mal die Theorie in die Praxis umsetzt. Ich bin nur noch am überlegen, ob es nicht reichen würde das MOB-Manöver unter Motor zu zeigen. Das ist meiner Meinung nach das einfachste - Segel rein und mit Motor die Person aufnehmen.


    Er hat doch noch nen Jollensegler an Bord, der bekommt nicht nur den Kahn am Wind oder bei Schwachwind zum Laufen, der hat auch Übung mit wieder an Bord kommen! :D


    Eben, so ist es :) Spaß beiseite. Ich lege Wert auf Sicherheit, wenns etwas wilder wird, dann wird auch die Anweisung kommen den Lifebelt zu nutzen.


  • Warum muss der erste eigene Törn gleich mit so vielen Leuten (und nem entsprechend großen Boot) stattfinden? Je größer das Boot, desto mehr Technik kann kaputt gehen.
    Was spricht dagegen, erstmal zu zweit oder zu dritt nen kleineres Boot eigenverantwortlich zu bewegen? Nimm Dir nen Kumpel, und für ne Woche nen Folkeboot. Gibt hier im Forum einen, der hat so viele davon, dass er die vermietet.
    1.) Nordisches Folke
    2.) Altmodisch auf Papier
    3.) Das hängt immer von der Windrichtung und -stärke ab.
    4.) Ölzeug, Bücher, Gute Laune, Selbstvertrauen, Schlafsack, Kondome, Sherry (für´n Rasmusschluck)
    5.) Segeln.

    Ich brauche keine Therapie. Ich muss nur segeln.


  • Warum muss der erste eigene Törn gleich mit so vielen Leuten (und nem entsprechend großen Boot) stattfinden? Je größer das Boot, desto mehr Technik kann kaputt gehen.

    Ich habe es bisher immer als angenehm erachtet, wenn ein paar mehr Leute an Bord sind die beim Anlegen/Ablegen helfen können.

  • Warum muss der erste eigene Törn gleich mit so vielen Leuten (und nem entsprechend großen Boot) stattfinden? Je größer das Boot, desto mehr Technik kann kaputt gehen.


    Diese Überlegung geht meiner Meinung nach nach am Problem des Themenstarters vorbei. Die Probleme, mit denen er realistischerweise rechnet, ist nicht die Technik des Bootes, sondern seine eigene Technik...
    Der Themenstarter ist ja auch schon allerhand auf entsprechend großen und vermutlich konzeptionell ähnlichen Booten gefahren. Mir leuchtet nicht ein, warum er jetzt plötzlich einen Langkieler, womöglich mit AB, nehmen soll.

  • Sherry (für´n Rasmusschluck)


    Da ist Vorsicht geboten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass er mir wohler gesonnen ist, wenn er einen Schluck ordentlichen Rum bekommt.

    Gruß,
    Jan


    Lieber Wasser unterm Kiel :segeln:, als Kiel unter Wasser :tit:

  • Die eigene Technik erlernt man durch Segelnsegelnsegeln. Und wenn man selbst unsicher ist (ist man IMMER als Neuling), ist es eigentlich ne gute Idee, weniger Leute zu bespaßen und weniger potentiellen Trouble mit dem Kahn zu haben. Da kann man seine eigene Technik stressfreier optimieren. Und nen Folke mit AB ist ein wahrlich leicht zu handhabendes Boot.

    Ich brauche keine Therapie. Ich muss nur segeln.

  • Vorab: Deine Voraussetzungen sind doch super, schon einige Erfahrung gesammelt, guter Termin und schönes Revier, welches Du schon kennst.


    Ein Hafenmanöver-Training kann ich absolut empfehlen, mir hat das damals unglaublich geholfen und nimmt viel von dem Hafenmanöver-Stress.


    Auf meiner Muss-mit-Skipper-Packliste steht:
    - Navi-App auf iPad. Warum? Auf Charterschiffen ist zwar immer irgend ein Plotter, aber a) häufig unter Deck und b) manchmal eher kompliziert zu bedienen. Meine App kann ich gut bedienen
    - ein paar kurze Tampen. Warum? Braucht man andauernd und sind nie auf Charterschiffen zu finden
    - Ein Revierführer. Warum? Den braucht man eh zur Vorbereitung und dann kann man ihn auch mitnehmen und ist sich so sicher, dass auch geeignete Literatur auf dem Schiff ist
    - eine gute Taschenlampe. Warum? Weil wir einmal versucht haben, nachts bei Neumond an einer Boje festzumachen und wir nur niedliche Stirnlampen hatten und ich das nicht nochmal erleben will
    - Kabelbinder und Ducktape. Warum? Weil man damit viele Dinge einfach reparieren kann.
    - Taucherbrille. Warum? Ich tauche gerne den Anker ab, und nicht immer ist eine Brille an Bord. (Vielleicht im September in der Ostsee kein Thema)


    Bereite Dich gut vor, vor allem auch auf den Punkt, dass Du Dich nicht auf alles vorbereiten kannst. Mache keinen fixen Törnplan vorab, sondern versuche einen guten Überblick über das Revier zu bekommen. Dann beobachte die mittelfristige Windvorhersage und plane immer für den nächsten Tag präzise mit Blick auf den vermutlichen Gesamtverlauf. Der weitest entfernte Punkte nach einem Drittel des Törns ist eine hilfreiche Regel, um nicht in Stress zu geraten.


    Edit: 4-6 Personen an Bord finde ich völlig ok, aber halte das Boot klein. Keine 50 Fuss beim ersten Mal, die Häfen werden erstaunlich eng, wenn das Schiff groß wird. Wenn ihr Familie seit, kommt ihr vielleicht ja auch mit 36 Fuss / 3 Kabinen hin.


  • Vielen Dank. Das sind super Ratschläge.


    Ich dachte da an eine Oceanis 34. Die wird in Flensburg angeboten und scheint mir ausreichend zu sein.

  • irgendwann ist immer das erste mal ;-)


    Flensburg ist nicht so gut, musst raus aus der Förde und wieder rein - wurde aber schon gesagt.
    Dänische Südsee ist gut, recht geschützt, viele Häfen - kann man gut vorher im Internet ansehen, da gibt es einige Seiten
    Immer einen Plan B und C - wir haben morgens nach dem Wetterbericht entschieden, wo man am besten hinsegeln kann
    vorher würde ich keinen Unterricht mit den Leuten machen - ausführliche Einweisung vor Ort, dort auch die Knoten üben, wo und wie man sie braucht.
    Du solltest dir vorher genau zurechtlegen, wie du die Fender möchtest, wie die Festmacher vorzubereiten sind, wie der Anleger funktionieren soll, MOB - und das musst du kommunizieren können
    MOB / POB Manöver ansehen (mein Rat ohne eine Diskussion lostreten zu wollen, sieh dir den 360ger mit Nahezuaufschießer an, alles andere ist Quatsch)


    Ein paar Handouts (1000 Beispiele im Netz zu finden) für die Mannschaft, Essensplan (eklatant wichtig), Packliste, MOB Manöver Beschreibung, Einweisung, Mitseglervertrag, Kostenplan etc


    Mitbringsel
    Ich hatte immer ein eigenes Hand GPS dabei, das hat den Vorteil, den kannte ich in- und auswendig - die ganzen Klamotten an Bord bekommst du bei der Bootsübernahme das erste mal zu Gesicht...
    Kleine Taschenlampe ist nicht schlecht, ein paar dünne Bändsel hatte ich dabei, ein paar Gummistropse und ein paar Kabelbinder - heute würde ich einen Laptop/Tablet o.ä. mitnehmen.
    Wäscheklammer und ein scharfes Messer (wenn ihr selber kochen wollt), vielleicht einen Leatherman
    Ich hab die Erfahrung gemacht, das man vieles an Bord eigentlich nur in Tonne kloppen kann, da sind Werkzeug, Küchenklamotten und andere Gebrauchsgegenstände, die zuhaus keiner von uns hat - da hat man besseres.
    Ein zwei Törnführer, damit man nachlesen kann, wo man ist und was es da vielleicht besonderes gibt, was man sich auch mal ansehen kann
    Bäckerführer wäre nett, wo gibt es Brötchen, nicht ganz unwichtig, keine Ahnung, ob es das gibt...

    .
    ---
    Gruß Jan

  • Vielen Dank. Könnt ihr bestimmte Törnführer vorschlagen? Dann hole ich mir mal einen.

  • Ich habe nicht von steehl abgeschrieben :P


    aber habe 15 Jahre gechartert - steehl wahrscheinlich auch.... da deckt sich doch einiges :good2:

    .
    ---
    Gruß Jan

  • 1. Eco oder 1. Klasse ab FL ist gut.
    2. Papierkarte. Ich würde nichts planen. Dann motort man wieder sinnlos rum, weil man unbedingt zu dem Hafen XY will, der aber gegen den Wind liegt.
    3. kommt ja auch auf die Bootsgröße an. In DK sind doch alle Häfen easy. September ist auch nix mehr los. Die Mannschaft soll auch Spaß haben - shopping in der Stadt oder Spielmöglichkeiten.....
    4. alles mögliche an nützlichen Dingen, hat steehl schon erwähnt. Werkzeug ist auch immer gut. Wäscheklammern. Für nasse Handtücher ans Want.
    5. Ich würde kein zu großes Boot nehmen. Ansonsten sind alle Boote gleich, manche aber etwas unterschiedlich. ;)
    Es ist auch schön, kleinere Strecken zurückzulegen. Oder nur den ganzen Tag segeln und wieder in denselben (weil schönen) Hafen zurückzukommen.
    Wichtig ist: es ist alles erlaubt, was der Crew Spaß macht. Man muss nichts müssen. Der einzige Drück ist ja nur, den Dampfer wieder pünktlich abzuliefern.

    Stets findet Überraschung statt, da,wo man´s nicht erwartet hat.:wmann:

  • Vielen Dank. Könnt ihr bestimmte Törnführer vorschlagen? Dann hole ich mir mal einen.


    Als ich mit dem Segeln anfing, habe ich die Törnführer von Jan Werner zu Weihnachten geschenkt bekommen. Dänemark 2 deckt deinen Bereich ab und ist inzwischen in 17. Auflage erhältlich. Das Lesen im Winter erhöht die Vorfreude.

    Gruß,
    Jan


    Lieber Wasser unterm Kiel :segeln:, als Kiel unter Wasser :tit:

  • Ein Kollege aus dem Forum hier hat doch gerade ein hübsches kleines Büchlein zum Thema Charter herausgebracht...


    An die Haftpflicht würde ich denken, ebenso an die BfS/NfS (vorbereitet in der Tasche) für Deine Fahrtenzeit und Dein Fahrgebiet. Ich hab eigenes Navibesteck (incl. Breton. Plotter), einen aktualisierte Ausgabe Funkdienst, persönliches Messer, Kopflampe, AIS-Mob etc. dabei. Einweisung incl. Notrolle ist wichtig.


    Jan hat Recht: Förde zieht sich..............


    Bestätige: für die Küche scharfes Messer und eigner Kartoffelschäler. Bevor man das vom Dagli Brugsen holen muss...


    Mit der Familie kann man im Garten auch Leinenwurf trainieren. :)


    Hier kommt bestimmt noch einiges zusammen. Viel Spaß!


    bG! spliss


    p.s.: Buch von Stefan aka giftzwockel


    p.p.s.: Handfunke, wenn vorhanden, dann muß man nicht dauernd runter oder unten das Geblöke so laut stellen

    Holt groß das Dicht !