Ein Mexikaner beim Whitebread Race 1973

  • JürgenG:
    Segelliteratur könnte doch ganz überwiegend unterschiedlich zu Groschenromanen betrachtet werden, die wirklich konsumiert (=verbraucht) werden. Lesen, wegschmeißen oder besser erst gar nicht kaufen. "Normale" Bücher verlieren keine Buchstaben, auch wenn man öfter in ihnen liest. Man lasse es auf den Versuch ankommmen.
    Zu Sicherheit und Gebrauchstüchtigkeit gibt es liberalere Auffassungen, wie ich sie auch vertrete, weil mit ihnen in Summe bisher bessere Ergebnisse erzielt wurden. Der Glaube an ein höheres Wesen hat bei technischen Dingen schon oft zu Brüchen und Überschlägen geführt. Je mehr man auf sich gestellt ist umso eher hat man seinen individuellen Punkt, an dem man sich sagt: bis hierher und nicht weiter.


    @all: Auf internationaler Ebene sind deutsche Segler, mich selbstverständlich eingeschlossen, überwiegend zweite Wahl. Wenn man nicht mehr oder minder täglich auf dem Waser ist, schwindet das Bootsgefühl. Selbst Schümann wäre ohne das schweizer Alinghy-Team der Segler geblieben, der er vorher war. Ein sehr guter, keine Frage, aber so bekannt wie der amtierende Weltmeister auf dem Hobie 14. Die Süddeutsche, wie auch die NZZ haben trotz überregionaler Ausrichtung einen anderen Leserkreis als das Hamburger Abendblatt oder die Elmshorner Nachrichten. Süddeutsche Segler, richtig süddeutsche, sagen wir südlich von Stuttgart, blicken auch eher auf das Geschehen in südlichern und westlichen Segelrevieren, weil viele von ihnen selbst dort öfter fahren.


    Klar gibt es noch andere Sachen im Leben, wie Rudern, Paddeln, Surfen, Kiten, ... gute Küche, guten Wein, nette Freunde nicht zu vergessen. Wer sich für etwas begeistert, will es genau wissen. Bei vielen Dingen reicht entsprechend die absolute Mittelmäßigkeit. Selbst in erheblich besser ausgerüsteten Bordküchen werden erheblich mehr Beutelsuppen und Spaghetti zubereitet als in meiner und von erheblich größeren Kajüttischen erheblich schlechterer Wein getrunken.

  • und von erheblich größeren Kajüttischen erheblich schlechterer Wein getrunken.


    Sehr selbstbewußt. Da bin ich aber gespannt: Was trinkst du denn für guten Wein?


    Vor vielen Jahren, 30 werden es schon sein, erzählte mir mal ein Moselwinzer "Für die Kundschaft rund ums Ruhrgebiet muss ich die Fässer gut schwefeln. Wie die am nächsten Morgen keinen dicken Kopp haben, taugt für die der Wein nix."


    So relativ ist "guter Wein". :grinning_squinting_face:
    Volker

  • Da kann man mal wieder sehen, wohin ein Thread entschweben kann...


    PS:
    Ich trinke nur Chateau Migraine, La Grande Regrette
    Mis en bouteille, wie der wohl im Glas schmeckt?

    Gruß Thomas



    Die besten Kapitäne sterben an Land

    Edited once, last by zooom ().

  • Was trinkst du denn für guten Wein?


    Entschweben ist gut. "Saint Chinian" zu dem auch die Lage von R(...?) gehört. Lt. Michelin einer der besten Weine überhaupt, was ich gerne bestätige. Bordeaux, Bergerac, auch algerische Weine oder Burgunder fallen dagegen samt und sonders deutlich zurück. In dem Talkessel und an seinen Hängen wird es im Hochsommer fast täglich weit über 40°. Der Boden ist eine sehr ausgewogene Mischung von kalkigen Böden und es ist quasi nie zu nass. Vor ein paar Jahren haben wir einen 92er (!) von dort aufgemacht und er kam wie Petroleum aus der Flasche gelaufen. Kommentare sicher überflüssig. Zum Glück wird kein Tropfen davon exportiert, nichtmal nach Paris, denn alles wird samt und sonders in der Gegend verkauft. Die Preise sind für dortige Verhältnisse extrem knackig, aber im Verhältnis zu dem, was man hier für Plörre bezahlt, absolut fair. Schon ab 5 - 7 € einen "einfachen Tischwein", der sich hier in keinem Sternerestaurant verstecken müsste. Ich habe mal eine Flasche zu einem Freund mitgebracht, wir haben sie beim Abendessen geknackt und er sagte: "Mein Freuund, ich kenne die Weine von hier nun wirklich, aber der da, der ist wirklich sehr gut." Ab 25 € bis etwa 40 hat man einen Wein, den ich den meisten Leuten nicht einschenken würde und wovon ich selbst nur sehr selten mal einen trinke. Mein alter Herr, der nicht mehr reisen kann, kriegt je eine zum Geburtstag und zu Weihnachten ... "damit er sich schon mal auf den Himmel freut", wie er immer sagt. Der Rest ist preislich dazwischen. Leider sind die Weine inzwischen mehrfach prämiert und haben das Preisgefüge innerhalb der letzten 35 Jahre vollkommen verhunzt. Ich trinke nebenbei bemerkt überhhaupt nicht viel und in der Zwischenzeit hat ein anderer 5 Kisten Oettinger geleert, die ja auch ihr Geld kosten. Dann gib es einen sehr guten Rosé, einen Syrah, der am Salagou wächst, auf einem gut belüfteten, sandig-lössigen Boden mit etwas Humus aus Limousineichen und dem dort allgegenwärtigen Bauxitgestein. Er wird von einem sehr guten Winzer verarbeitet. Der an der Cave Coopperative ist es nicht, obwohl die 2014 / 2015 einen Mann von einer Weinbaufachschule gekriegt haben und sich sehr gebessert haben. Der genannte Syrah ist nicht unübertroffen, aber trotzdem noch sehr sehr gut und hat eine ganz besondere, wenig aufrdringliche Note, fruchtig, würzig, ausgewogen, aber trotzdem eben noch so spritzig, wie viele es an einem guten Rosé schätzen. Dann bin ich natürlich Heimatei und kaufe von der örtlichen Genossenschaft immer mal wieder einen trockenen Riesling, der auf einem sehr guten Hang in Loreleynähe wächst. Der ist dann nichts wirklich außergewöhnliches, aber trotzdem nicht billig, weil die Löhne in Bornich höher sind.
    Wenn ich aus Frankreich zurückkomme, denke ich, wird man nördlich des 45. keinen besseren Wein kriegen als bei mir. Das hält natürlich immer nur ein paar Monate an. Vielleicht kriegt man hier und da einen genauso guten, denn ein guter Freund wohnt in Rennes und kauft auch immer mal wieder für zuhause ein. Es lohnt sich für Gastronomen auch gar nicht, weil die Leute es nicht schätzen. Nördlich von Lahn und Mosel muss ein Wein vor allem süss sein und einen schnell genug betrunken machen. Daraus errechnet sich das Preis/leistungs-Verhältnis.

  • Ich Trinkbanause! Für mich zählt nur, ob er mir schmeckt und ich am nächsten Tag KEINEN Schädel habe.


    Zum ursprünglichen Thema fällt mir noch die Teilnahme der Walross III 1981/82 beim Whitbread-race-around-the-world ein. Auch darüber gab es ein lesenswertes Buch: Nichts wie hinterher. Mit dieser altmodischen Art von Sportsgeist kann ich viel mehr anfangen als mit dem heutigen Hightech-Krampf.

  • Es beschleicht mich mitunter das Gefühl, dass die Erlebnisse aus sieben Jahrzehnten Ozeansegeln nicht genug Beachtung finden


    Früher war einfach alles besser :grinning_squinting_face:


    Da gab es noch die "Regatta", die habe ich geliebt. Leider 1985 eingestellt. :frowning_face:


    Oder Klassennachrichten, noch mit der Maschine getippt:

  • Danke, Moderboot. So genau wollte ich garnicht wissen.


    Die Zeiten, als ich auf jeder größeren Frankreichreise einen Umweg über Saint-Emilion machte, um dann mit dem Kofferraum voll Wein und einem Pokerface vor dem Zoll zu zittern, sind vorbei. Ich fand nur bemerkenswert, dass du offenbar Top-Weine mit aufs Boot nimmst. Das habe ich schon beim alten Boot mit extrem tiefer Bilge (bei annähernd konstantem Raumklima) nicht getan, weil ich diese Weine zu sehr wertschätze.


    Meine Schätzchen liegen im gut temperierten Weinlagerschrank und werden zu besonderen Anlässen geöffnet. Bordeaus oder Medocs liegen da nicht mehr - preislich und damit im Preis-/Leistungsverhältnis zu weit abgehoben. Ich habe meine Vorurteile gegenüber dt. Rotwein abgelegt und Weiße können unsere Weinbauern ohnehin. Allerdings kaufe ich südlicher ein als du, Laible aus Durlach oder Aufricht vom Bodensee z.B. Und Österreicher sind gut geworden! Im Boot allerdings liegt eher in Reminiszenz an den letzten MM-Törn ein oderntlicher Trinkwein aus Sizilien - und ich traue mich gern es auszusprechen: Vom Lidl. Lidl lohnt sich. :grinning_squinting_face:


    Volker

  • Top-Weine nicht unbedingt, das täte mir in der Seele weh, aber die die mitkommen sind immer noch gut genug. Sie müssen andererseits ja auch die Heimfahrt überstehen. Trotzdem danke für die Tipps.


  • Zum ursprünglichen Thema fällt mir noch die Teilnahme der Walross III 1981/82 beim Whitbread-race-around-the-world ein. Auch darüber gab es ein lesenswertes Buch: Nichts wie hinterher. Mit dieser altmodischen Art von Sportsgeist kann ich viel mehr anfangen als mit dem heutigen Hightech-Krampf.

    Damals war es auch high-tech. Es ist ja nicht so das man damals mit Oldtimern gesegelt ist. Die Segler mit modernen Gerät werden heute genau den gleichen Sportsgeist haben.

  • Es gibt auch einen Film dazu: https://vimeo.com/ondemand/theweekendsailorfilm
    sehr unterhaltsam. :grinning_squinting_face:

    Dieser Film ist absolut sehenswert! Ich habe ihn vor mehreren Monaten geschaut und war beeindruckt. Eine Zeitreise, nicht nur seglerisch. Und die beeindruckende Geschichte eines Mannes, der vielleicht sogar vor allem durch seine Führungsqualitäten ans Ziel kam.