4mm Loch von Kabeldurchführung richtig verschließen. Gelcoat, Epoxy, Spachtel?

  • Hi zusammen,


    ich suche mal wieder euren weisen Rat!


    Wir haben am Boot eine GPS Antenne, die wir nicht nutzen (Funk und Plotter haben eingebautes GPS und das alte reine GPS-Gerät am Kartentisch soll raus). Ich möchte sie daher abbauen. Leider wurde das Kabel ohne Decksdurchführung nahe einer Relingstütze direkt nach unten geführt. Gut ist, das Loch ist klein, 4-5mm, und ich komme von beiden Seiten ran.


    Nun dachte ich, ist ja eigentlich einfach: Kabel raus, unten war vor setzen (kurzzeitig also von unten das Loch verschliessen), ggf. ganz leicht ansenken das Loch und Gelcoat rein.
    Aber man sagte mir: Gelcoat nutzt man nicht um Löcher zu verschließen, es sei nur die letzte Schicht.


    Okay, gut. dann Epoxy rein? Dann wieder ansenken und dort ein bißchen Gelcoat rauf? Da sagte man mir, auf Epoxy hält kein Gelcoat. Das verwirrte mich vollends.


    Daher jetzt mal Butter bei die Fische: Was ist denn für so ein Mini-Loch der saubere Weg? Schön wäre ja in eine Arbeitsgang, also keine zwei Mittelchen, aber wenn's not tut, dann eben zwei. Nur welche?


    VG, Malte

  • Ich habe gerade eine paar Bohrlöcher in der Grösse im Kajütaufbau verschlossen. Das GFK war hier dicker, als der Durchmesser des Bohrloches. Gelcoatstärke ca. 2mm. Aufschleifen und Laminieren erschien mir übertrieben.


    Weil das Gelcoatrepair (Yachtcare) beim vorher Ausprobieren mir nicht standfest genug vorkam, habe ich von unten mit Tape verschlossen, und von aussen mit 5-Minuten-Epoxi mit der Spritze einen "Boden" auf das Tape gesetzt. Die Randbereiche waren vorher schon geschliffen. 5 Minuten später Gelcoatrepair drauf, dass härtete ohne Durchsacken aus.

  • Danke euch!
    Das mit dem "Boden" hatte ich mir auch überlegt. Also quasi ein Epoxy Fundament, dann Gelcoat drauf. Aber ich habe mich auch gefragt, ob das nicht "übertrieben" ist. Aber ich hätte noch einen Rest "Epoxy-Metall", das könnte man schon recht schnell machen.


    Aber härtet darauf Gelcoat gut aus?


    Mich verwirrte diese Aussage von Yachtcare im Yacht TV Beitrag bei Minute 09:20:


    https://www.youtube.com/watch?v=rZCmGDyytG4


    Da wird gesagt, ein Gelcoat härtet nicht auf einem Epoxy-Untergrund aus. Aber war das generell gemeint oder für die spezielle Kombi?

  • Ich habe mich noch mal etwas schlau gemacht. Falls jemand den Thread hier liest...


    Polyester-Gelcoat haftet nicht auf Epoxy. Will man größere Flächen behandeln, ein großes Loch zu laminieren und mit Gelcoat abschließen, ist Polyester-Harz zu verwenden, kein Epoxy. Ich weiß, gibt da immer Ausnahmen und Leute die das anders machen, aber nun ja, es ging ja darum, was wie empfohlen wird.


    Ich habe keine Ahnung, ob das bei so einem kleinen Loch irgendwie eine Rolle spielt. Aber nutzt man Epoxy, ist der eigentliche Weg dann zu lackieren, statt Gelcoat.


    Eine genannte Alternative war komplett mit Gelcoat-Spachtel das Loch schießen, aber eigentlich ist Gelcoat nur für Risse und Ausbrüche gedacht, aber ich denke so ein kleines Loch würde damit noch gehen. Vermutlich geht auch Epoxy-Boden und Gelcoat, bei der kleinen Fläche. Aber, ich will nicht experimentieren, ich werde das Loch mit Epoxy zu machen und dann mit 1K Lack die Farbe angleichen und das Epoxy vor UV schützen.


    VG, Malte

  • Malte, das würde schon deshalb funktionieren, weil Du das Loch ja kegelförmig ansenkst. Eine Epoxidoberfläche wäre nur auf dessen Grund; das Gelcoat haftet jedoch an den Flanken.
    Ansonsten sind wir hier im Bereich des "eigentlich". Als ich diese Erkenntnis noch nicht hatte, habe ich ahnungslos auch auf größeren handtellergroßen Flächen Gelcoat auf Epoxid aufgebracht und es hielt (und hält bis heute) trotzdem.



    Und zwar, weil ich es nicht chemisch verbunden habe, sondern das Epoxid erst eine Woche aushärten ließ, danach verschliff und auf die getrocknete und etwas beugeschliffene Unterlage das Gelcoat aufbrachte. Das war damals Glück. Tatsächlich verhindert ausgasendes Epoxid, dass darauf Gelcoat aushärten kann. Der Prozess des Abbindens muss im Epoxid erst abgeschlossen sein, bevor Gelcoat drauf kann. Dafür sollte jedoch die Oberfläche wieder angerauht (und sodann entstaubt!) werden, sonst haftet das Gelcoat nicht gut und neigt zum Abplatzen. Für kleinere Heimwerkerarbeiten reicht das. Für größere und flächige Arbeiten gibt es auch spezielle Gelcoats, die mit Epoxid besser klarkommen.



    Bei der Frage Epoxid vs. Polyesterharz wählen viele das Epoxid, weil es unter dem Strich angenehmer und mit weniger Gesundheitsrisiken zu verarbeiten ist.



    Trotzdem spricht nichts gegen die Reparatur wie Du sie vorhast - viele Wege führen nach Rom.
    Gruß
    Andreas

  • Senkschraube mit butyldichtband? Wenn das Loch doch gut zugänglich ist. Dicht, nicht unbedingt schön, aber schnell…

  • Bei der Frage Epoxid vs. Polyesterharz wählen viele das Epoxid, weil es unter dem Strich angenehmer und mit weniger Gesundheitsrisiken zu verarbeiten ist.


    Das Yachtcare Gelcoat Repair ist schon neu und weniger gesundheitsschädlich formuliert. Wenn man kleine Stellen ausbessert, und draussen arbeitet, kann man m.M. die Toxizität ausser acht lassen. Die Gefahr besteht eher für die Arbeiter, die den ganzen Tag in der Halle mit Harzen arbeiten.


    Lackieren ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt, den kann man natürlich machen. Die Farbanpassung bei Gelacoat Repair ist auch nicht ohne, es gibt nicht viele Farben. Ich habe Creme genommen, das sieht man ab 1 m Entfernung nicht mehr im weisseren Umfeld. Weiss oder ein Mix aus beiden wäre auch gegangen.


    Nicht so ohne war es, die Bohrlöcher blasenfrei zu füllen. Das ist auch nicht perfekt gelungen. Nächstes Mal nehme ich eine Injektionsspritze dafür.


    Ansonsten macht das Gelcoatrepair schöne Füllungen. Ich kann das beurteilen, ich lege jeden Tag welche in anderer Leute Zähne...

  • Wenns nicht schön sein muss, kannst Du die Schraube auch weglassen :grinning_squinting_face:


    Oder gleich ein Stück weißes Tape draufkleben. :grinning_squinting_face:


    Gibts das Gelcoat Repair auch in kleineren Abfüllungen? Ich muß nur vier 5mm Löcher verschließen und hab keine Lust, dazu das ganze Gebinde anschließend zu entsorgen, bzw. wie lange hält sich die angebrochene Dose?.

    Gruß, Jörg!

  • DANKE!
    Ich hab gegoogelt und nur die 200-250g Packungen gefunden. Das ist genau daß, was ich brauche.

    Gruß, Jörg!

  • Das ist ein "einkomponentiger Nitro-Kunstharztspachtel".


    Ich habe keine Angaben gefunden. Weiss das jemand?


    Aus welchem Grund bzw. unter welchen Bedingungen härtet das Material aus? Wann nicht? Welche Schichtstärken? Was ist der Unterschied zu Zweikomponentenmassen?


    Danke ans Forum!

  • Ist die Spachtelmasse dann mit organischen Lösemitteln wieder löslich, findet also keine Polimerisation statt? Und dann schrumpft das Volumen beim Trocken stärker als zwei Komponenten?


    Ich würde dann lieber zwei Komponenten verarbeiten.

  • Wenn ich Gelcoat ausbessere, dann habe ich immer nur 2 Komponenten gelcoat Spachtel gehabt. Ich vermute mal, der schrumpft nicht. Ausserdem wird doch das Löchle sowieso überstehend gefüllt und danach Plan geschliffen.

  • Quallenschubser: Danke, das ist eine gute Zusammenfassung! Ich hatte auch gedacht, es wird an den Flanken haften, allerdings muss ja auch das Epoxid irgendwo bei dem kleinen Loch dran halten, dafür bräuchte ich ja auch die angesenkte Fläche.


    Ist aber insgesamt ein spannendes Thema. Ich habe jetzt Epoxy gesetzt, was super klappt, und Lack drauf und das klappt so lala, weil man den Lack nicht so gut in Form bringen kann und weil er aufträgt und ich ja mit Epoxy komplett gefüllt habe.
    Ist bei einem 4-5mm Loch alles egal, aber man lernt.


    Gelcoat hätte den großen Vorteil, dass man das Loch nicht mit Epoxy ganz füllen muss, sondern 2-3mm Luft lassen kann, Gelcoat drauf und dann plan schleifen. Das gefällt mir im Nachhinein viel besser als mit dem Lack. Wenn das mit dem Ausgasen, kleine Stelle usw passt, wäre das eine gute Variante.
    Trotzdem bleibt: Das Epoxy muss auch irgendwo dran haften, ein Loch ist ja ein Loch :winking_face:


    Irgendwie erscheint es mir am logistischten, so ein kleines Loch doch komplett mit Gelcoat-Spachtel zu füllen. Da ist ja keine Belastung drauf. Größere Flächen gehen so natürlich nicht, aber da kann man unten auch eine Matte setzen und hat genug Haftungsfläche.


    So oder so: Danke euch für die interessanten Beiträge. Ich finde neben dem Segeln ist doch das Erweitern des Wissens und der Fähigkeiten das Beste am Segelsport :winking_face: