Bootsflagge wieder

  • Hallo.
    Die Frage wird oft diskutiert, aber ich habe einen ganz besonderen Fall.


    Ich habe ständigen Wohnsitz und Heimathafen in Hamburg, besitze aber die ukrainische Staatsbürgerschaft. Ich habe ein kleines Boot 21 Fuß CE Kategorie C. Ich segel zu 100% in Küstengewässern, da die Unterelbe zu Küstengewässern gehört. Auch kann ich nach Dänemark, Schweden, Niederlande segeln. Oder fahren Sie mit einem Anhänger nach Italien.


    Und ich möchte auf keinen Fall die ukrainische Flagge hissen.


    Ich habe auch gelesen, dass einige Länder die Flagge als Bootsregistrierungsland verstehen. Wenn ich also in Großbritannien die deutsche Flagge hissen werde, ist es für sie in Ordnung. Aber es wird gegen das FlaggRG verstoßen.


    Die Frage ist, soll ich die deutsche Flagge führen oder gar keine Flagge? Sollte ich denken wie „niemand interessiert sich für ein 21 Fuß Boot“? Was kann die Folge im In- und Ausland sein?


    Ich bin völlig verloren. Vielen Dank. Entschuldigung für mein schlechtes Deutsch.

  • DIE NATIONALFLAGGE



    Sie ist die wichtigste an Bord. Für Deutsche ist sie die Bundesflagge. Sie wurde 1949 mit ihren schwarz-rot-goldenen Streifen als offizielle Flagge der Bundesrepublik Deutschland eingeführt.
    Jeder Deutsche darf auf seinem Schiff ausschließlich die Bundesflagge als Nationale am Heck führen. Auf Seeschifffahrtsstraßen, Küstengewässern, auf See und im Ausland muss er die Nationalflagge führen. Dazu gehören in Deutschland u.a. der Nord-Ostsee-Kanal, die Elbe unterhalb des Hamburger Hafens, die Weser unterhalb Bremen und die Ems unterhalb Papenburg.
    Auch auf ausländischen Binnengewässern empfiehlt es sich, die Nationale zu führen, obwohl es nicht überall Vorschrift ist. In manchen Ländern können auch anderslautende Bestimmungen gelten.


    Beim Chartern im Ausland bleibt die Nationalflagge, die am Boot hängt, unverändert.


    Der ideale Platz aller Nationalen ist ein mit 40° geneigter Flaggstock mittschiffs am Heck. Sollte mittschiffs kein Platz sein, weicht man nach Steuerbord aus. Eine Anbringung backbordseitig ist unüblich, wird aber von einigen Herstellern praktiziert.


    Andere Flaggen, wie Europaflaggen, Piratenflaggen und Verbandsflaggen haben am Heck nichts zu suchen.
    https://www.dmyv.de/toerninfo/breitensport/flaggenfuehrung/




    Ich weiß nicht welche Regeln in der Ukraine gelten, aber als Deutscher darf man wohl auf seinem eigenen Boot nur die deutsche Flagge führen.



    Es gibt bestimmt auch kreative Ideen, dass das Boot offiziell einen deutschen Staatsbürger gehört. Dann hat das Boot für diese Zeit auch eine deutsche Flagge. Die Frage ist ja auch, wird das kontrolliert??? Ich hatte noch nie eine solche Kontrolle oder sie ist mir nicht aufgefallen

  • Warum willst du das nicht?
    Eigentlich müsste es die Ukrainische sein, denn die Flagge des Schiffes richtet sich nach der Nationalität des Eigners. Dazu dan die deutsche als Gastflagge. Es sei denn, das Boot ist in einem anderen Land amtlich registriert.
    Deshalb bleibt am dänischen Charterboot die dänische Flagge auch wenn ein türkischer Charterer das Teil mietet.

  • Zum Führen der deutschen Flagge musst Du die deutsche Staatsangehörigkeit haben, oder Staatsangehöriger eines EU Landes sein und einen Wohnsitz in Deutschland haben.
    Es gibt aber eine Ausnahme: Auch als ein Eigner der obige Voraussetzungen nicht erfüllt darf wohl die deutsche Flagge führen wenn:


    Gemäß §2(1)1 dürfen Staatsangehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft die Bundesflagge führen, sofern sie einen Wohnsitz in Deutschland haben. Ist dies nicht gegeben, so muss ein Vertreter mit Wohnsitz in Deutschland ständig damit beauftragt werden, »dafür einzustehen, dass in technischen, sozialen und verwaltungsmäßigen Angelegenheiten die in (…) Deutschland (…) geltenden Rechtsvorschriften eingehalten werden (…)« (§2(2a) FlRG).


    Also müsstest Du eine Person benennen als Vertreter für Dich, damit Du die deutsche Flagge führen darfst. Wie das festgehalten wird und dokumentiert werden muss, kann ich Dir nicht sagen. Mit obigen Hinweis könntest Du Dich aber z.B an die Wasserschutzpolizei wenden und dort Fragen.

  • Alternative wäre z.B. die niederländische Flagge. Das Recht die niederländische Flagge zu führen ist nicht so streng wie für die deutsche Flagge.


    Vorausetzung für die niederländische Flagge ist die Registrierung des Bootes und eine niederländische Adresse, die Post auf Deinem Namen empfangen kann. Dies kann man über Agenturen in den Niederlanden durchführen lassen, die Agenturen stellen auch die Postadresse zur Verfügung.


    So hat es der youtubechannel Sailing Magic Carpet auch gemacht. Er ist Schweizer, sie ist Kanadierin, das Boot eine Vindö 32 führt offiziell die niederländische Flagge.



    UPDATE: Schade, die günstige ICP Registrierung in den Niederlanden ist ab 1. Januar 2021 nur noch für Niederländer möglich. Das ist aktuell wohl nicht mehr möglich.

    Edited once, last by Sail67 ().

  • Quote

    Also müsstest Du eine Person benennen als Vertreter für Dich, damit Du die deutsche Flagge führen darfst. Wie das festgehalten wird und dokumentiert werden muss, kann ich Dir nicht sagen.


    Ein Weg (mein Weg, weil ich es so gemacht habe):
    Das Boot beim BSH registrieren mit Ziel Flaggenzertifikat.
    Im entsprechenden Formular kann man dann den Vertreter ganz einfach angeben.


    In dem Fall muss der Vertreter noch ein weiteres Formular ausfüllen mit einer Einverständniserklärung.


    Im Flaggenzertifikat gibt es dann einen Eintrag mit dem Eigner und einen mit dem Vertreter.



    lg
    Gerhard

  • Warum willst du das nicht?


    Weil dann irgendein politisch motivierter Mundatmer sein Boot kaputt tritt und man vermutlich von jeder Küstenwache andauernd belästigt wird. Die ukrainische Flagge ist halt selten und in den Köpfen der Waschpos kann man auch auf einem 21 Fuß Boot gut ne Tonne Kokain schmuggeln.


    Klingt blöd, aber "racial profiling" ist nach wie vor die Normalität.


    Es gibt aber eine Firma die für dich für 470 € ein polnisches Flaggenzertifikat ausstellen.Die haben auch das niederländische gemacht, aber das gilt wohl nur noch für Leute mit Wohnsitz in den Niederlanden. https://www.dutchyachtregistration.com/

    /Marco


    Blog, Live-Track, Fotos und Bootsinfos: sailing-serenity.eu
    "There is no place, I can be, since i've found Serenity"

  • Sagen wir mal so, die Nationale ist die Staatsangehörigkeit des Bootes, das heisst, in welchen das Boot registriert ist. Es gilt dann auch das Recht des Flaggenstaats auf dem Boot. Hast Du keine Flagge, darfst Du damit keine Grenze überqueren. Das heisst, eigentlich nur im Binnengewässer fahren.


    Zum registrieren, werden je nach Land unterschiedliche Anforderungen erwartet. Hier bitte entsprechend schlau machen.

  • Ich bin in Glücksburg lebender Österreicher. Boot liegt in Flensburg. Ich MUSS laut WaschPo die deutsche Flagge fahren. Sonst wird es teuer.

  • Ja so ist das mit den Regeln. Die decken halt nicht immer alle Fälle ab.


    Ich habe nirgends einen Wohnsitz, Bin Deutscher, Boot ist nirgends registriert, muss auch nicht, in Dänemark gekauft, dänische MMSI und Rufzeichen, hat aber nichts mit der Registrierung im Schiffsregister zu tun.
    Deutsch dürfte ich nicht, dänische dürfte ich nicht, aber da für mein Wohlergehen im Ausland immernoch als Auslandsdeutscher das deutsche Konsulat zuständig ist, kleb ich mir halt den Adenauer ans Heck.

    /Marco


    Blog, Live-Track, Fotos und Bootsinfos: sailing-serenity.eu
    "There is no place, I can be, since i've found Serenity"

  • kleb ich mir halt den Adenauer ans Heck.


    Als ich erstmals mit meinem Jollenkreuzer durch Travemünde in Richtung Meer gesegelt bin, hatte ich da keine Nationale dran. Bin ja kein Seeschiff, nicht im Schiffsregister und hab' auch kein Flaggenzertifikat (geht das überhaupt für Jollen)?
    Auf jeden Fall hat mich ein Wasserschutzpolizist von einem vorbeifahrenden Dinghi aus angesprochen, wo denn meine Nationale wär'. Ich hab' mir dann so eine Flagge, die noch von der letzten Fußball-WM zuhause rumlag unter den Nagel gerissen und bändsel die ans Heck.

  • Ich habe ständigen Wohnsitz und Heimathafen in Hamburg


    Zum Führen der deutschen Flagge musst Du die deutsche Staatsangehörigkeit haben, oder Staatsangehöriger eines EU Landes sein und einen Wohnsitz in Deutschland haben.
    Es gibt aber eine Ausnahme: Auch als ein Eigner der obige Voraussetzungen nicht erfüllt darf wohl die deutsche Flagge führen wenn:


    Gemäß §2(1)1 dürfen Staatsangehörige der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft die Bundesflagge führen, sofern sie einen Wohnsitz in Deutschland haben.


    Also darf er die deutsche Nationale führen, Thema erledigt


    Gruß Odysseus

  • Also darf er die deutsche Nationale führen, Thema erledigt


    Ähm…. Er ist nicht Staatsangehöriger eines EU Landes. Daher kann ER nicht die Flagge führen, nur wenn er einen Vertreter benennt. Vorbehaltlich, das sich diese Vertreterregelung auch auf seinen Fall anwenden lässt.

  • Mann könnte ja in den Konsulaten von Nepal oder Buhtan mal anfragen ob die einen eine Genehmigung erstellen deren Flagge zu führen. Die freuen sich bestimmt wen es mal ein Seeschiff mit deren Flagge gibt.
    Alternativ würde bestimmt auch irgendein Formular in deren Landessprache bei einer Kontrolle durchgehen:)
    So eine Park Erlaubnis für ein Yak oder so :)

    Gruß Jörg

  • Ähm…. Er ist nicht Staatsangehöriger eines EU Landes. Daher kann ER nicht die Flagge führen, nur wenn er einen Vertreter benennt.


    Selbst dann nicht, das wäre zu einfach. Der rechtlich korrekte Weg wäre die Gründung einer GBR zusammen mit mindestens einem dt. Staatsangehörigen/EU-Bürger mit Wohnsitz im Inland. Letztere müsste als Vertreter im GBR-Vertrag genannt sein. Der Vertrag wird bei der Registrierung hinterlegt (falls Flaggenzertifikat gewünscht ist, Schiffsregister scheidet wohl aus).


    Pragmatisch, aber nicht im Sinne des FlaggRG. Einfach IBS beim ADAC beantragen, ich vermute der wird ohne Probleme ausgestellt und der Verstoß gegen das dt. FlaggRG wird in Dänemark/Schweden ... niemand jucken. Höchstens bei einer Kontrolle der dt. WaschPO droht ein Bussgeld.


    Gruß

  • Moin,


    habe mal den Link "Deutsche Flagge" aufgerufen und folgendes gefunden:


    Mit "auf eine Gewinnerzielung gerichtet" sind Fahrten gegen ein Entgelt gemeint, d.h. Fahrten mit einem Schiffsführer, die gegen ein Entgelt öffentlich einem unbestimmten Personenkreis mit einer gewissen Regelmäßigkeit angeboten werden, eine Gewinnerzielungsabsicht ist hierfür nicht erforderlich.


    Sowas gibt es nur in Deutschland. Kein Wunder dass da die Behördenheinies selber nicht mehr durchpeilen. Ich denke nur an den Kameraden aus der Ukraine. Wie soll der solche Regeln verstehen?

    Gruß Jürgen



    Ein Leben ohne Boot ist möglich, aber sinnlos.

  • Ich denke nur an den Kameraden aus der Ukraine. Wie soll der solche Regeln verstehen?


    Dem ist dringend zu raten, sich nicht auf Tipps und Vermutungen aus Internetforen zu verlassen, sondern sich rechtssichere, schriftliche Auskunft bei zuständigen Behörden wie dem BSH einzuholen. Das gilt übrigens evtl. zusätzlich noch für ukrainische Behörden. Denn wir wissen nicht, ob es ukrainischen Staatsbürgern nach ukrainischem Recht überhaupt gestattet ist, ihr Schiff unter fremder Flagge zu führen.

    Grüße, Peter