Diesel-Hybride auf dem Narrowboat

  • Eben bin ich [d]beim Prokrastinieren[/d] bei der Kaffeepause auf dieses Video gestoßen.
    Was hat das mit Segeln zu tun? Zunächst wenig, außer vielleicht der Wertschätzung für lautlose Fortbewegung auf dem Wasser. Es werden verschiedene Antriebskonzepte für Narrowboats vorgestellt, und Vieles davon ist auch auf unsere Anwendungsfälle übertragbar. Wenn ich mir ein komplett neues Segelboot wünschen könnte, so hätte es vermutlich den Antrieb, der hier als "serial hybrid" bezeichnet wird.


    Gruß
    Robert

    Seminare und Workshops rund um die Yachttechnik:
    Sommerpause bis Ende Oktober :smiling_face:

    • Official Post

    Klasse! Danke für den Link, Robert


    Gruß, Manfred

  • Die richtige Bezeichnung nennt sich Diesel-Elektrischer Antrieb.
    Er wird schon seid vielen Jahren in der Kommerziellen Seefahrt verwendet. Meines Wissens nach ist sogar die Queen Mary II mit soetwas ausgestattet.
    Bei Garcia kann man diesen Antrieb auch wählen. Die notwendige Energie, welche man beim längeren Motoren braucht (Kanalfahrt etc.) kommt dann auch zwei ONAN-Generatoren.
    Diesen werden allerdings in 90% der Fälle (z.B. Hafenmanöver) nicht benötigt.
    Der Antrieb ist sexy aber sündhaft teuer.

  • Mir ja hat an dem Video gefallen, dass dort Komponenten im "bürgerlichen" Größenbereich verwendet wurden. Natürlich ist der ganze Elektroantrieb teurer, aber so ganz unrealistisch scheint mir die Sache nicht zu sein. Man würde den Generator so auslegen, dass er für Marschfahrt plus einen kleinen Zuschlag ausreicht und nicht so, wie es jetzt beim Dieselantrieb üblich ist.

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    Sommerpause bis Ende Oktober :smiling_face:

  • Hallo,


    tolles Video, vielen Dank. Ich finde einen dieselelektrischen Antrieb ebenfalls hochinteressant.


    Auf anemis.dk berichtet der Eigner einer Garcia 45 von seinen Erfahrungen mit der 30kw Variante des Oceanvolt-Elektro-Antriebs mit einem 15kw FischerPanda. Er kommt auf einen dieselelektrischen Verbrauch von 0,42 l/sm bei 5,5 kn Speed. Für 15-16 Tonnen Boot - nicht schlecht. Bei solchen Booten erlaubt das absurde Reichweiten - oder eben viel Sicherheit, wenn man den Diesel sonst noch braucht, zum Heizen etwa.


    Die Kosten für einen 15kw Saildrive inklusive 19kWh LiFePO4 von Oceanvolt liegen bei ca. 40k Euro für das System. Dazu kämen Generator und Einbau, vermutlich läge man dann bei knapp 55k.


    Preise gibt es hier: https://oceanvolt.com/standard-systems/


    Ab Werk gibt es das z.B. auch von Salona und Elan.


    Ich kann mir vorstellen, dass es sich aus selbst zusammengewählten Systemen auch günstiger realisieren lassen würde.

  • Man kann sich aber auch alles "schönrechnen" ... :winking_face:


    Zum Glück gibt es unverrückbare Grundsätze...siehe hier ...


    Wenn man dann das (wieder) nüchtern betrachtet, liegen die Unterschiede doch nicht so weit auseinander.... :grinning_squinting_face:

    (Nick)namen werden überbewertet. :no_1:

  • "Der" Elektromotor ist klein, billig und unkompliziert, wenn es klein sein kann. Das wäre ein Gleichstrommotor, der prinzipiell ohne Elektronik auskommt, aber bei Überlast mit "feuernden" Kohlen den Kollektor traktiert.
    Drehstrommotoren mit der zugehörigen Elektronik gehen bereits ins Geld. Drehen dafür aus dem Stillstand heraus mit vollem Drehmoment und haben keine Mindestdrehzahl. Es hat schon seinen Grund, warum man sich von den Gleichstromlokomotiven verabschiedet hat.

  • Zu den unverrückbaren Grundsätzen gehört auch, dass größere Motoren immer eine höhere Innenreibung haben und einen gewissen Grundverbrauch. Ohne Aufladung sind die Möglichkeiten eines kleinen, entsprechend sparsamen Motors äußerst begrenzt.
    Bei meinem letzten Boot mit Diesel haben wir rund 15 Liter Diesel pro Saison verbraucht. Relativ viele kommen mit 30 Litern gut hin. Während sich bei Motorbooten Technikeinsatz lohnt, müsste der Dieselpreis auf weit über 50 Euro steigen, bis sich sowas für die ersten Segler rechnet.

  • Dass der dieselhybridische Umbau sich nicht rechnen wird, ist klar, ebenso, dass ein Hybrid kein Mehr an Energie zaubert.


    Ich sehe auch nur zwei wirklich sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten:


    Entweder, man ist viel unter Motor unterwegs, insbesondere binnen über Flüsse und Kanäle mit großem Anteil rein elektrischer Nutzung - freilich, für Segelboote ein eher seltener Anwendungsfall


    oder


    für die große Fahrt, wenn man ohnehin Solar und eine große Batteriebank mitschleppt, den Diesel für die Heizung nutzt und - wie im Fall der dänischen Garcia - mit einem relativ hohen Stromverbrauch rechnet und keine Komforteinbußen hinnehmen möchte. Die üblichen Motorfahrten macht man dann rein elektrisch, nur wenn es nicht anders geht oder in Notfällen wird dieselelektrisch gemotort.


    Vermutlich hier verpönt: Elektrisches „Motorsegeln“ wenn die Akkus voll sind, dürfte hin und wieder auch eine sinnvolle Nutzung selbsterzeugter Energie sein :O


    Alternativ kann man natürlich auch einfach den Torqeedo hinten anflanschen. :face_with_tongue:

  • Cruisingthecut verfolge ich schon seit den Anfängen. Allgemein ist das ein sehr entspannter YT Kanal mit tollen aufnahmen und sanft blubbernder Geräuschkulisse. Der Typ ist Journalist und weiß wie man was ganz ansprechend erzählt :smiling_face:

    /Marco


    Blog, Live-Track, Fotos und Bootsinfos: sailing-serenity.eu
    "There is no place, I can be, since i've found Serenity"

  • Cruisingthecut verfolge ich schon seit den Anfängen. Allgemein ist das ein sehr entspannter YT Kanal mit tollen aufnahmen und sanft blubbernder Geräuschkulisse. Der Typ ist Journalist und weiß wie man was ganz ansprechend erzählt :smiling_face:


    Ich auch.
    Allerdings finde ich die klassischen Motoren die er auf den Booten vorgestellt hat besser.
    Das langsame, kaplank - kaplank - kaplank.
    https://www.youtube.com/watch?v=-pYKLumyJ8g


    minute 3:45
    https://www.youtube.com/watch?v=n2YjhTmEQeI

  • für die große Fahrt, wenn man ohnehin Solar und eine große Batteriebank mitschleppt, den Diesel für die Heizung nutzt und - wie im Fall der dänischen Garcia - mit einem relativ hohen Stromverbrauch rechnet und keine Komforteinbußen hinnehmen möchte. Die üblichen Motorfahrten macht man dann rein elektrisch, nur wenn es nicht anders geht oder in Notfällen wird dieselelektrisch gemotort.


    "Ohne Komforteinbußen" ist der eine Punkt. Ein weiterer: Nur ein Brennstoff. Diesel (wenn man das Ganze noch mit einer Dieselheizung kombiniert). Kriegt man überall. Nicht explosiv. Abends läuft der gut gedämmte Generator eine Stunde während man auf Induktion kocht. Das reicht für die Kaffemaschine morgens, die Mikrowelle mittags und die Waschmaschine nachmittags auf Batterie. Bei gut Sonne oder schneller Rekuperations-Fahrt kriegt man sich auch mal 2, 3 Tage ohne Generator hin. Klingt für mich nach eine super Lösung.


    Müsste man jetzt halt noch klein skalieren. 10kW Motor, 4kW Generator, 3kWh LiFePo4 für 8000,- sollte eigentlich hinzukriegen sein.

    Arbeite am Unterwasserschiff. :grinning_squinting_face:
    Segle mit nur ein Jahr altem Unterwasserschiff. :grinning_squinting_face:
    Irgendwann muss ich wieder ans Unterwasserschiff. :loudly_crying_face:

  • Zu den unverrückbaren Grundsätzen gehört auch, dass größere Motoren immer eine höhere Innenreibung haben und einen gewissen Grundverbrauch. Ohne Aufladung sind die Möglichkeiten eines kleinen, entsprechend sparsamen Motors äußerst begrenzt.
    Bei meinem letzten Boot mit Diesel haben wir rund 15 Liter Diesel pro Saison verbraucht. Relativ viele kommen mit 30 Litern gut hin. Während sich bei Motorbooten Technikeinsatz lohnt, müsste der Dieselpreis auf weit über 50 Euro steigen, bis sich sowas für die ersten Segler rechnet.


    :face_with_rolling_eyes: 15l verbrauche ich im Jahr alleine zwischen Liegeplatz und Schleuse, das ist einmal Motor mitlaufen lassen nach Helgoland bei unpassenden Bedingungen. Unser Diesel läuft immer um die 100h im Jahr, das sind um die 250l.

    Gooden Wind


    Hendrik


  • "Ohne Komforteinbußen" ist der eine Punkt. Ein weiterer: Nur ein Brennstoff. Diesel (wenn man das Ganze noch mit einer Dieselheizung kombiniert). Kriegt man überall. Nicht explosiv. Abends läuft der gut gedämmte Generator eine Stunde während man auf Induktion kocht. Das reicht für die Kaffemaschine morgens, die Mikrowelle mittags und die Waschmaschine nachmittags auf Batterie. Bei gut Sonne oder schneller Rekuperations-Fahrt kriegt man sich auch mal 2, 3 Tage ohne Generator hin. Klingt für mich nach eine super Lösung.


    Müsste man jetzt halt noch klein skalieren. 10kW Motor, 4kW Generator, 3kWh LiFePo4 für 8000,- sollte eigentlich hinzukriegen sein.


    Ja, nur ein Brennstoff ist ein weiterer guter Grund.


    Der Eigner der Anemis, einer Garcia 45 mit 30 kW Oceanvolt Motor, 15 kW Fischer Panda, 28 kWh Batteriebank und 520wp Solar schreibt:



    https://anemis.dk/anemis/#Hybrid