Verkehrsregeln im Verkehrstrennungsgebiet

  • Dachte mir fast, dass das dort zu den haarigen Stellen zählt. Ich hasse VTGs wie die Pest. Weil ja allerlei Überlegungen, allerlei richtige Überlegungen angestellt wurden, was der Frachter denkt - das was das AIS anzeigt. Von der Kurshaltepflicht (s.o.) abzuweichen, ist genau genommen eine Regelverletzung, die das AI-System nicht als beabsichtigt drin hat. Es zeigt vieles, misst aber keine Hirnströme und deswegen sieht es dann so aus, als hätte man auf der kleinen Yacht schlechtes Koks an Bord.


    Quere ich ausnahmsweise mal ein VTG, trödele ich auch im SB bis ich sehe, dass frei ist, aber ohne AIS bin ich nur ein kleiner Spinner auf dem Radar, der minimale Fahrt macht. Keiner wird alarmiert.

  • JanD: Mit einer Meile Abstand war es für den Frachter sehr wohl das Manöver des letzten Augenblicks, oder glaubst du der kann mal eben 50m vorher abbiegen? Und geh mal davon aus, dass der an seinem Ruder gedreht hat, lange bevor du die Drehung optisch erkannt hast.
    Irgendwas stimmt auch in deiner Darstellung nicht, wenn du zu dem Zeitpunkt noch im „Mittelstreifen“ gewesen sein willst.


    da hast Du recht... wir waren weiter auseinander


    also unsere Kurse standen im rechten Winkel zueinander, der Frachter kam von rechts und fuhr recht weit links auf seiner Bahn (Rechtsfahrgebot gibt es wohl dort nicht?)


    Der Schnittpunkt unserer Kurslinien (länge beider Kurslinien eingestellt auf 10Min) lag vielleicht 0,6-0,8 sm vor mir (mein Speed war ca. knapp 6 kn) - damit war der Frachter bei ca 18 kn ca. 1,8-2,4 sm vom Schnittpunkt der Kurslinien entfernt, macht nach a quadrat plus b quadrat ca. 1,9-2,5 sm direkte Entfernung


    aber egal, genaue Werte habe ich nicht, alles Gedächnisprotokoll... ich könnte im Plotter nachsehen, wo ich mich in dem Moment befunden habe, die "Leitplanke" ist fast eine Meile breit, die Fahrbahnen gut 2,5 sm - also das ganze Gewerks hat 6 sm Breite


    Beim Einfahren ins VTG habe ich die Dicken nur auf dem Plotter gesehen - die Sichtung kam erst später

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    Gruß Jan

  • Kann schon sein, dass der gepennt hat. Es ist auch möglich, dass zwei Frachter parallel das VTG durchfahren, was dann ein Kreuzen noch schwieriger macht, ein Rechtsfahrgebot gibt es nach meiner Kenntnis nicht. Ich habe jedenfalls immer einen gehörigen Respekt davor, und versuche, das CPA bei 1,5 - 2 sm zu halten. Wenn das darunter geht mache ich die Funke an.


    Frank

  • Bei der Breite des VTGs 5sm, also für unsereinen 1h Durchfahrt läuft bei mir die Maschine immer mit. Mit den Folgen, das ich schon Mal 1h Außerhalb mitgefahren bin um dann eine passende Lücke zu finden und beim letzten Mal, als Wind und Wellen mich immer wieder zum Stehen brachten abdrehte und einen anderen Hafen anlief.

    "Wenn man nichts nettes zu sagen hat, soll man den Mund halten" #disney :tatsch:

  • er Schnittpunkt unserer Kurslinien (länge beider Kurslinien eingestellt auf 10Min) lag vielleicht 0,6-0,8 sm vor mir (mein Speed war ca. knapp 6 kn) - damit war der Frachter bei ca 18 kn ca. 1,8-2,4 sm vom Schnittpunkt der Kurslinien entfernt, macht nach a quadrat plus b quadrat ca. 1,9-2,5 sm direkte Entfernung


    Achtung Jan: Die Rechnung lässt auf eine mögliche Fehlinterpretation der AIS-Anzeige schließen. Wenn der Schnittpunkt der Kurslinien angezeigt wird, ist damit nicht die Aussage verbunden, dass die beiden Schiffe den Schnittpunkt zeitgleich erreichen.


    Gruß

  • die beiden Schiffe den Schnittpunkt zeitgleich erreichen.


    Der Schnittpunkt wird mit Sicherheit nicht gleichzeitig erreicht! Hab ich auch nicht gesagt - die Kurslinien zeigen an, welche Strecke in 10 Minuten gefahren werden. Ich sehe also, wo der andere und ich in 10 Minuten sind - das Ende der Linie ist das interessante.


    Hat B+G seit dem letzten Update verbessert, sehr schönes feature

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    Gruß Jan

  • JanD: Wenn du wusstest, dass ihr nicht gleichzeitig am Schnittpunkt der Kurslinien ankommt, warum dann dein Ausweichmanöver?

  • meine 2ct dazu:

    durch diese VTG`s (vor Bornholm, Kadetrinne, vor Gedser bin ich schon öfters gefahren. Am Tage wie auch nachts. Ja wie der TO beschreibt kommt das recht häufig (eigentlich fast jedesmal vor), das man nach Querung der Mittelzone von Stb Frachter kommend sieht bei denen es eine Kollosion geben könnte. Dann mach ich das genauso und fahre gegen die Fahrtrichtung ihm entgegen und dann hinter ihm rum. Und ja, das kann auch schon mal 3x sein, bis ich durch bin. AIS habe ich neuerdings auch (kein aktives), dient höchstens als zusätzliche Sicherheit um die Situation abzuschätzen. Funk habe ich nicht, steht hier nicht zur Diskussion. Was soll man sonst machen? Segel wegnehmen und aufkreuzen (in Fahrtrichtung der VTG Seite)? Segel ganz wegnehmen und warten? Vorm VTG warten und schauen, das bis zum Horizont alles frei ist? Ne, ich fahr darein und wenns so kommt wie beschrieben, muß ich eben "Treppen" fahren gegen die Fahrtrichtung bis ich hinter denen rüber kann. Mach ich schon solange es die VTG`s dort gibt und es hat mich auch noch nie die WS oder sonstwer darauf angesprochen (wie auch ohne Funk und aktivem AIS Signal).

    Handbreit

    bukh1

  • meine 2ct dazu:

    durch diese VTG`s (vor Bornholm, Kadetrinne, vor Gedser bin ich schon öfters gefahren. Am Tage wie auch nachts. Ja wie der TO beschreibt kommt das recht häufig (eigentlich fast jedesmal vor), das man nach Querung der Mittelzone von Stb Frachter kommend sieht bei denen es eine Kollosion geben könnte. Dann mach ich das genauso und fahre gegen die Fahrtrichtung ihm entgegen und dann hinter ihm rum. Und ja, das kann auch schon mal 3x sein, bis ich durch bin. AIS habe ich neuerdings auch (kein aktives), dient höchstens als zusätzliche Sicherheit um die Situation abzuschätzen. Funk habe ich nicht, steht hier nicht zur Diskussion. Was soll man sonst machen? Segel wegnehmen und aufkreuzen (in Fahrtrichtung der VTG Seite)? Segel ganz wegnehmen und warten? Vorm VTG warten und schauen, das bis zum Horizont alles frei ist? Ne, ich fahr darein und wenns so kommt wie beschrieben, muß ich eben "Treppen" fahren gegen die Fahrtrichtung bis ich hinter denen rüber kann. Mach ich schon solange es die VTG`s dort gibt und es hat mich auch noch nie die WS oder sonstwer darauf angesprochen (wie auch ohne Funk und aktivem AIS Signal).

    Handbreit

    bukh1

    Fahrt reduzieren und eine abwartende Haltung einnehmen und die Situation klariert sich meisten von allein.

  • Dann mach ich das genauso und fahre gegen die Fahrtrichtung ihm entgegen und dann hinter ihm rum.

    Und ja, das kann auch schon mal 3x sein, bis ich durch bin. muß ich eben "Treppen" fahren gegen die Fahrtrichtung bis ich hinter denen rüber kann.

    Das erinnert mich an Leute auf der Autobahn, die mal eben rückwärtsfahren, wenn sie die Ausfahrt verpasst haben🙈🙈🙈.


    nein, genau das wird arg teuer, weil es überwacht wird. Jedenfalls in der Nordsee im engl. Kanal. Und das macht auch aus guter Seemannschaft Sinn, denn solche Geisterfahrten sind nicht gerade sicherheitsfördernd. Also: Entweder Geschwindigkeit reduzieren (Auffieren, Reffen) oder schlicht und ergreifend kurz mit in Fahrtrichtung segeln, sich überholen lassen und „normal“ hinten durch.

  • Der letzte Satz hilft uns jetzt nicht weiter...😉


    Ich habe tatsächlich noch nie zur Funke gegriffen, weder Nachts noch Tags...Quere oft und gerne VTG´s hier in der Ostsee...

    Mein empfinden ist, dass die Frachterkapitäne zu gut wissen was für Sorgen Segler haben...wenn man aber eindeutig navigiert, gehen sie in der Regel mit. Auch ohne Verabredung. Das schlimmste für sie sind unentschlossen wirkende Freizeitsegler...

    (Nick)namen werden überbewertet. :nono:

  • Nur weil die Frage hier aufkam:

    Die Schifffahrt (also auch der Frachter) soll sich auf ihrer Stb-Seite des VTGs halten.

    Also am äusseren Rand statt dicht an der Trennlinie / Trennzone.

    (KVR Teil B Regel 10 b II).


    Holger

  • Fahrt reduzieren und eine abwartende Haltung einnehmen und die Situation klariert sich meisten von allein.

    oder schlicht und ergreifend kurz mit in Fahrtrichtung segeln, sich überholen lassen und „normal“ hinten durch.

    Das wären, wenn man es früh genug macht, die zwei KVR-gerechten Reaktionen um dem Nicht-Behinderungsgebot zu genügen.


    Ich habe tatsächlich noch nie zur Funke gegriffen, weder Nachts noch Tags...Quere oft und gerne VTG´s hier in der Ostsee...

    Mein empfinden ist, dass die Frachterkapitäne zu gut wissen was für Sorgen Segler haben...wenn man aber eindeutig navigiert, gehen sie in der Regel mit. Auch ohne Verabredung. Das schlimmste für sie sind unentschlossen wirkende Freizeitsegler...

    Das tun sie tatsächlich. Zu 99% haben die OoW die Segler gut im Blick. Trotzdem kann ich bei Unsicherheit nur ermutigen zur Funke zu greifen. Auch da erhält man fast immer eine Antwort, trotz anderslautender Gerüchte. selbst wenn der Name/Rufzeichen/... nicht bekannt ist.


    Gruß Ralf



  • KVR Teil B 10b lautet


    "ii) sich, soweit möglich, von der Trennlinie oder der Trennzone klar halten;"


    Aus diesem Satz der KVR könnte man nur dann eine Art "Rechtsfahrgebot" ableiten, wenn die Worte "soweit möglich" NICHT von 2 Kommata eingefasst würden. Sie stehen aber nun mal dort und das "soweit möglich" bezeichnet keine räumliche Distanz sondern schränkt die Pflicht zum Klarhalten auf die auch tatsächlich gegebene Möglichkeit zum Klarhalten ein.

    Anders als in Fahrwassern besteht bei Verkehrstrennungsgebieten kein Rechtsfahrgebot; vielmehr darf dort die Fahrspur in ihrer gesamten Breite frei benutzt werden, solange man nicht von der vorgeschriebenen Fahrtrichtung abweicht.

  • Deshalb habe ich auch nix von Rechtsfahrgebot geschrieben, sondern das Wörtchen "soll" geschrieben. De facto ist das ja eine derHauptaufgaben des TSS / VTG, die sich entgegenkommende (Gross-) Schifffahrt auf Abstand zu halten.


    Ist die Frage, ob der Frachter, der dem TE auf die Pelle gerückt ist, einen guten Grund hatte, näher an der Trennzone herumzufahren. Wer weiss?

    Für die Beurteilung der Situation ist das aber vermutlich minder wichtig.


    Ich bin ja ganz froh, dass wir kein AIS haben.

    Da haben wir gewisse Probleme gar nicht.

    Vielleicht riskieren wir nur mit Augenmass weniger? 😉


    Holger

  • Das Thema ist zwar schon etwas älter aber hier im Video ganz gut erklärt.


    Richtiges Verhalten in / bei Verkehrstrennungsgebiete - YouTube

    Generell finde ich das gut erklärt, läuft letztlich auf "haltet euch als Sportboote von VTGs fern" hinaus. Mache ich auch immer, wenn es irgendwie geht. Aber manche VTGs sind 50sm lang, oder liegen so blöd daß man sie kaum umfahren kann. Dann muß man halt doch, und zwar ohne die Berufsschiffahrt zu behindern.

    Im Zweifelsfall, wenn das AIS eine Nahbereichssituation anzeigt, ist parallel zum Berufsschiff zu fahren sicher eine gute Option. Alternativ funken und absprechen.

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    Autokorrektur ist grässlich!
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