Haftpflichtversicherung und Kaskoversicherung des Vercharterers - was gilt da?

  • Leider ist es für mich wohl schon zu spät (Charter startet am Samstag) - aber vielleicht für's nächste Mal:
    Ich seh' nicht durch, bei den Angaben des Vercharterers zu den Versicherungen: "... natürlich ist die Yacht Haft- und Kaskoversichert ..." und weitere, für mich recht ungenaue Angaben. Natürlich wird empfohlen eine eigene Versicherung zusätzlich abzuschließen - inwieweit das notwendig bzw. dringend empfehlenswert ist, wird nicht ausgeführt.


    Nehmen wir mal an ich verhielte mich nie grob fahrlässig.
    Ich vermute das mal so:

    • Bei Beschädigung fremder Yachten leistet die Haftpflichtversicherung des Vercharterers. Ein Eigentanteil geht offenbar zu meinen Lasten (ohne dass der Eigenanteil im Vertrag beziffert ist).
    • Bei Beschädigung der gecharterten Yacht durch mich geht's auf meine Kappe, d.h. Kaution. Das ist ggf. durch eine eigene Kautionsversicherung, eine "normale" Haftpflichtversicherung (Achtung: Mietsachen müssen eingeschlossen sein) bzw. durch eine Skipperhaftpflichtversicherung abgesichert - bei mir leider nicht.
    • Haftungsansprüche der Crew gegen mich gehen auf meine Kappe. Kann man durch eine eigene Skipperhaftpflichtversicherung versichern.


    Nach meinen obigen Annahmen muss doch immer der Skipper die selbst verursachten Schäden der gecharterten Yacht zahlen - via Kaution, einfacher Haftung bzw. durch einen eigene Haftpflichtversicherung.
    Aber für welche Schadensfälle leistet denn die angegebene Kaskoversicherung, die der Vercharterer angibt? Die bezahle ich ja schließlich mit!?

    Jörg

  • Kasko Versicherung zahlt am eigenen Boot minus Kaution (SB) müsste bei Haftpflicht und Kasko erkennbar sein ??

  • Moin,


    soweit ich weiß sind Charteryachten grundsätzlich versichert. Die Prämie ist in der Charterrate eingepreist. Ein Selbstbehalt wird über die Kaution abgedeckt.
    Es ist durchaus schlau, die Kaution vorher gerecht aufzuteilen, so dass jeder Mitsegler seinen Teil dazu beiträgt. Man muss dann nicht im Schadensfall mit den Kumpels streiten. Ist dann irgendwie wie Bordkasse.
    Für Ansprüche untereinander kann man Verzichtserklärungen unterschreiben lassen. Wenn man schon ehrenamtlich den Skipper macht, will man nicht noch intern gegenüber den Kameraden haften.
    Ob man treu der deutschen Absicherungsmentalität folgend weitere Versicherungen benötigt, muss jeder selbst wissen.

    Gruß Jürgen



    Ein Leben ohne Boot ist möglich, aber sinnlos.

  • Bei mir ist das so:


    • Quote

      Bei Beschädigung fremder Yachten leistet die Haftpflichtversicherung des Vercharterers. Ein Eigentanteil geht offenbar zu meinen Lasten (ohne dass der Eigenanteil im Vertrag beziffert ist).


    - korrekt. Ist bei "meinem" Anbieter ohne Selbstbeteiligung

    Quote

    Bei Beschädigung der gecharterten Yacht durch mich geht's auf meine Kappe, d.h. Kaution. Das ist ggf. durch eine eigene Kautionsversicherung,

    prinzipiell richtig: Die Selbstbeteiligung an der Kaskoversicherung entspricht der Höhe der Kaution. Die ist dann weg, wenn ein Kaskoschaden entsteht. Risiko als max. in Höhe der SB, außer bei Vorsatz, grobe Fahrlässigkeit ... Die Kaskoversicherung zahlt also bei allen Schäden, die den SB-Betrag am "eigenen" Boot übersteigen



    • Quote

      Haftungsansprüche der Crew gegen mich gehen auf meine Kappe. Kann man durch eine eigene Skipperhaftpflichtversicherung versichern.


    auch richtig; Ist manchmal in den Versicherungen der Charterfirmen enthalten, bei Dir wohl nicht

  • Ich hatte in meiner Charterzeit immer eine Skipperversicherung. Kostete 80€ im Jahr, und die deckte sogar Personenschäden zwischen Crewmitgliedern ab. Das habe ich gerne bezahlt.


    VG
    Burkhard

  • Es ist nicht zu spät.
    Du kannst / solltest mindestens die Skipperhaftpflicht abschließen.
    Evtl auch Kautionsversicherung. Das geht online vor dem Törnbeginn.
    Die Bestätigung bzw. Police der Versicherung ist schnell (am Folgetag?) im deinem Emailpostfach.
    Ich bin zb bei Schomacker.


    Hier die Themen im Interview.
    https://youtu.be/AVRxBR_I2lA


    Übrigens wird eine Verzichtserklärung unter der Crew bzw Skipper nicht wirksam.
    Haftung zb Personenschäden lassen sich nicht so einfach ausschließen.
    Das ist mir zu unsicher. Die private normale Haftpflicht leistet im Zweifel ebenfalls nicht. Daher Skipperhaftpflicht.
    (Meine persönliches Fazit)

  • Mitnichten deckt die Kaskoversicherung alle Schäden am eigenen Boot! Mehr dazu unter http://www.Backbordbug.net



    - Regelmäßig gibt es Ausnahmen z.B. für Motorschäden und bestimmte Fahrmanöver (z.B. Anlegen unter Segeln, festmachen an fremden Ankerbojen).
    - Manche Yachten (z.B. in Kroatien) dürfen nur in bestimmten Reviergrenzen gesegelt werden. Darüberhinaus kann der Versicherungsschutz verloren gehen
    - Die Kasko Summe muss dem Wert des Schiffes entsprechen, gelegentlich ist es unterversichert. Dann zahlt der Charterer den Rest.
    - Wenn der Selbstbehalt die Obergrenze des vom Skipper zu leistenden Ersatzes sein soll, muss dies besonders vereinbart werden.


    - Grobe Fahrlässigkeit ist stets ausgeschlossen. Darunter wird teilweise schon das Anlegen unter Segeln verstanden.


    Bei der Haftpflichtversicherung ist zu klären, ob sie für Personenschäden der Mitsegler eintritt und welch sonstigen Ausschlüsse es gibt. Es gilt ja nicht unbedingt deutsches Recht.



    Deswegen ist es unerlässlich, sich vor dem Abschluss eines Chartervertrages die Versicherungsverträge vorlegen zu lassen. Einen Teil der Risiken übernimmt eine Skipperhaftpflichtversicherung. Achtung: Wer Kojen verchartert oder als Skipper von der Crew freigehalten wird, benötigt eine Berufsskipperhaftpflichtversicherung. Die kostet die doppelte Prämie. Für Berufsskipper mit deutschen Bootsführerschein gilt die SchiffsbesetzungsVO. Sie bestimmt, dass u.U. ein Co-Skipper dabei sein muss, wenn man eine Reise über 10 Stunden plant.


    Weiter ist eine Crew-Vereinbarung zu empfehlen, in der jedes Crewmitglied einen Anteil an dem Risiko übernimmt. Vorsicht: Die Vereinbarung eines Regreßverzichts ist nur wirksam, wenn sie weder grobe Fahrlässigkeit noch Vorsatz einschließt.


    Keine Angst, die Risiken sind minimierbar. Man muss sich nur vorher darum kümmern.


    Mit freundlichem Gruß



    "Handbreit" :segeln:

  • Achtung: Wer Kojen verchartert oder als Skipper von der Crew freigehalten wird, benötigt eine Berufsskipperhaftpflichtversicherung. Die kostet die doppelte Prämie. Für Berufsskipper mit deutschen Bootsführerschein gilt die SchiffsbesetzungsVO.


    Du sprichst allerdings von Anlage 4 zur See-Sportbootverordnung: Besetzung von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten und nicht von der Schiffsbesetzungsverordnung.
    Die Anlage 4 knüpft die Besetzung jedoch nicht an den deutsche Bootsführerschein sondern an das Fahrgebiet (deutsche Seeschifffahrtsstraßen und die seewärts angrenzenden Gewässer des deutschen Küstenmeeres) oder an Deutschland als Flaggenstaat (Sportboote, die die Bundesflagge führen und ihren ständigen Liegeplatz im Ausland haben). Ausserhalb des o.g. Fahrgebiets und auf Booten mit anderer Nationale gilt die Anlage 4 SeeSportbootverordnung nicht. Die Besetzung richtet sich dann nach dem Flaggenstaat des Bootes oder des ausländischen Fahrgebietes, sofern es dort überhaupt vergleichbare Regeln gibt.


    Es trifft meiner Ansicht nach auch nicht zu, dass Skipper gewerblich agieren, sobald sie von der Crew freigehalten werden. Gewerblich agiert der Schiffsführer erst dann, wenn das Freihalten in einem Gegenseitigeitsverhältnis zu seinen Leistungen als Skipper steht.

    Beste Grüße
    Michael


    Think! It´s not illegal yet.

  • Aber für welche Schadensfälle leistet denn die angegebene Kaskoversicherung, die der Vercharterer angibt? Die bezahle ich ja schließlich mit!?


    Für Schäden am eigenen Boot die über die Kaution hinaus gehen. Haftpflicht hat keinen eigenen Anteil, außer du handelst grob Fahrlässig. Dann kann dich die Versicherung später in Regress nehmen (s.u.) Vorsatz ist natürlich nicht versicherbar.


    Kautionsversicherung plus Skipperhaftpflicht, die auch bei grober Fahrlässigkeit einspringt, gibt es etwa bei Pantaenius im Paket. Die gilt ab dem Moment, wo du sie definitiv buchst. Ist also nicht zu spät. Ich finde das sehr empfehlenswert, weil es eine gewisse Unruhe, die doch sonst besteht, wegnimmt.


    Groetjes


    Alex

  • Du sprichst allerdings von Anlage 4 zur See-Sportbootverordnung: Besetzung von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten und nicht von der Schiffsbesetzungsverordnung.
    Die Anlage 4 knüpft die Besetzung jedoch nicht an den deutsche Bootsführerschein sondern an das Fahrgebiet (deutsche Seeschifffahrtsstraßen und die seewärts angrenzenden Gewässer des deutschen Küstenmeeres) oder an Deutschland als Flaggenstaat (Sportboote, die die Bundesflagge führen und ihren ständigen Liegeplatz im Ausland haben). Ausserhalb des o.g. Fahrgebiets und auf Booten mit anderer Nationale gilt die Anlage 4 SeeSportbootverordnung nicht. Die Besetzung richtet sich dann nach dem Flaggenstaat des Bootes oder des ausländischen Fahrgebietes, sofern es dort überhaupt vergleichbare Regeln gibt.

    Moin Michael,
    1. Dein Hinweis auf die Anlage 4 zur See-SportbootVO ist richtig. Das werde ich korrigieren. Danke.
    2. Mitnichten ist die Anlage 4 auf die deutschen Küstengewässer beschränkt. Die SeeSpBootVO verweist nämlich bezüglich der Revierdefinition auf § 1 Abs.2 SportSeeSchVO. Demnach gelten die Begriffe "Küstengewässer", "küstennahe Seegewässer" und "weltweite Fahrt" nicht nur für deutsche Gewässer sondern weltweit. So bewirkt die Anlage 4 eine Modifikation der deutschen Fahrerlaubnisse weltweit. Siehe dazu auch § 19 II SeeSpBootVO.

    Es trifft meiner Ansicht nach auch nicht zu, dass Skipper gewerblich agieren, sobald sie von der Crew freigehalten werden. Gewerblich agiert der Schiffsführer erst dann, wenn das Freihalten in einem Gegenseitigeitsverhältnis zu seinen Leistungen als Skipper steht.

    Deine Auffassung dazu teile ich. Allerdings gibt es mindestens 2 Versicherungsunternehmen, die das in ihren Bedingungen anders, zumindest missverständlich definiert haben. Was nutzt mir eine Skipperhaftpflichtversicherung, wenn die Versicherung im Zweifel die Leistung verweigert? Deshalb meine Empfehlung: Verzichtet auf das Freihalten von der Bordkasse, aber nehmt die Skipperhaftpflicht mit rein und schließt eine Crew-Vereinbarung ab, wonach ihr gemeinsam chartert. So wird das Risiko des Skippers jedenfalls - so weit möglich - auf alle Nutznießer verteilt.

    "Handbreit" :segeln:

    Edited once, last by WindiGO ().

  • ich suche immer noch den Fall, in dem eine Skipperhaftpflicht-Versicherung genutzt wurde. Alle Umfragen dazu in diesem Forum haben noch keinen Treffer hervorgebracht.
    Auch die Agentur, über die ich immer chartere, konnte auf Rückfrage nicht bestätigen, dass jemals eine solche Versicherung von einem ihrer Kunden in Anspruch genommen wurde. Es könnte also sein, dass es sich bei diesen Versicherungen um eines der relativ profitabelsten Produkte der Versicherungsbranche handelt :D
    Falls einer einen sicheren, bestätigten Fall weiß, freue ich mich (und vermutlich auch das Forum) über eine Meldung!