Segelboot im zwischen Baltrum und Langeoog gesunken 2 Segler per Heli gerettet Einer vermisst

  • Vielen Dank für Deine ausführliche Schilderung dessen was Du erlebt hast. Insbesondere da Du in der Zeit vor Ort warst.
    .
    Meiner Meinung nach sind diese Grundsee-Situationen in Seegatten oder auch auf Barren großer Priele mit die gefährlichste Situation in die man in unseren Revieren geraten kann. Gleiches gilt für manche Flußmündungen. Auch ist diese große Gefahr vielen nicht bekannt und kann an gefährlichen Tagen von Unerfahrenen unterwegs auch kaum vorher/rechtzeitig erkannt werden. Und wenn man dann hineingerät ist eine Rettung ohne Hilfe von außen schwer möglich und die Konsequenzen sind schnell katastrophal.
    .
    Dinge wie Starkwind, Gewitterböen, Leegerwall & Brandung, Begegnungen mit der Großschifffahrt sind potentielle Gefahren, die vielleicht von fast jedem einfach und intuitiv als Risiko erkannt werden können. Auch ohne viel Vorerfahrung.
    .
    Das sehe ich bei diesen Grundseesituationen anders. Insofern lohnt es sich so ausdrücklich auf dieses Risiko hinzuweisen.
    .
    Ein gängiges Muster bei ähnlichen Unfällen (im aktuellen Fall ist die Route ja noch nicht gesichert) scheint zu sein, das man abgekämpft in einer Starkwindlage auf See unterwegs ist und den "rettenden", ruhigen Hafen schon in greifbarer Nähe sieht, "nur noch kurz durch's Seegatt oder in die Flussmündung". Und dort, quasi direkt vor dem Ziel potenziert sich dann plötzlich der Seegang.
    .
    Spontan fallen mir die Unfälle der "Meri Tuuli" in Portugal und der "SY Taube" in Marokko ein. Zu Letzterem gibt es inzwischen sogar einen ausführlichen Eintrag bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Taube_(Schiff)
    .
    Generell gilt dieses Risiko meines Wissens nach für die meisten Flussmündungen in Portugal und Spanien und es wird soweit ich weiß generell angeraten sich per Funk über die Passierbarkeit der Flussmündungen zu informieren.
    .
    Auch die Fischer in Neuseeland haben mit diesem Thema umzugehen. Hier Beeindruckende Bilder einer Flussmündung nach starken Regenfällen ("Ebbe") und auflandiger See/Dünung:
    https://www.youtube.com/watch?v=3Q3cHJyomlo
    .
    Weswegen ich dies hier so ausführlich aus Sicht eines alten, weißen Boomers ausführe: Bei den Diskussionen um die "Segeljungs" oder die "Blue Horizon" etc. habe ich immer genau diese Situationen vor Augen gehabt. Situationen, die Unerfahrene einfach nicht antizipieren können und die innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich werden können.

  • Ich denke hier kommt vor allem verschärfend hinzu das wohl die Tage vorher auch durch starken Wind und Wellen geprägt waren, heißt selbst wenn dann der Wind etwas nachlässt hat man noch den Seegang vom Vortag. Ich habe so etwas mal erlebt bei einer fahrt außenherum von Vlieland nach Den Helder. Die Tage vorher waren immer 5 bis 6 Bft am Tag der Reise nur schnuckelige 2 bis 3 Bft. Trotzdem war meine Familie bei der ansonsten wirklich schönen Segeltour schlecht , sie haben den Seegang schlicht und ergreifend nicht vertragen. Die Kombi wenig Wind hohe Wellen von schräg achtern war einfach zu viel für Frau und Kinder.


    Da musste ich abends in Den Helder ein Abendessen ausgeben um die Gemüter wieder zu beruhigen.


    Mein Fazit aus dem Thread hier bei 5 und mehr Wind gegen Welle sollte man Seegatten meiden wie der Teufel das Weihwasser.

  • Das Problem ist doch das diese Gefahren von Grundseen an den Barren und die Besonderheiten der Seegatten den dort beheimateten Seglern sehr wohl bekannt sind. Die Revier-unerfahrenen Segler geraten hier aber eventuell in lebensgefährliche Situationen. Wer von euch hat während seiner Ausbildung zum Sportbootführerschein See hierüber mal was gehört? Ich vermute mal: die Wenigsten.
    Diese Gefahren müssten meiner Meinung nach Bestandteil der Ausbildung und auch der Prüfung zum Sportbootführerschein sein.
    Gruß, Thomas

  • Wer von euch hat während seiner Ausbildung zum Sportbootführerschein See hierüber mal was gehört?


    Kann mich nicht mehr erinnern, ist über 4Jahrzehnte her. Das der Sportbootführerschein See aber zum Führen einer Yacht auf See für sich alleine unbrauchbar ist dürfte bekannt sein.


    Gruß Odysseus

  • Leider ist der SKS genau so unbrauchbar, wenn ich so sehe was mancher Charter Skipper sich im Hafen, Schleuse zurecht fährt oder wie manche segeln ist beängstigend. Nur das ist nun mal so und lässt sich meiner Meinung nach auch nicht ändern mit vertretbarem Aufwand, segeln lernt man nun mal durch segeln. Und reine Theorie ist zwar wichtig, ersetzt aber Erfahrung nun mal nicht. In einem Video hat der gute Erik Aandera mal gesagt, frei übersetzt" Angst ist eine Lücke von Wissen und man muss sich rantasten um seiner Angst zu begegnen".
    Genau so lernt man mit einem Boot umgehen.


    Bei dem Unglücksfall waren die betreffenden wahrscheinlich zu mutig , so etwas hat nur bedingt mit der Ausbildung vorher zu tun, im Straßenverkehr erleben wir das sehr häufig bei jungen Fahrern trotz umfangreicher Ausbildung.

  • Bei dem Unglücksfall waren die betreffenden wahrscheinlich zu mutig , so etwas hat nur bedingt mit der Ausbildung vorher zu tun, im Straßenverkehr erleben wir das sehr häufig bei jungen Fahrern trotz umfangreicher Ausbildung.


    Wir wissen ja immer noch keine Details was wirklich passiert ist, insofern schlage ich vor die Diskussion auf die allgemeinen Umstände des Unfalls zu beschränken.


    .
    Vor dem Hintergrund dessen was ich weiter oben in meinem letzten Beitrag geschrieben habe würde ich statt "mutig" eventuell eher von "ahnungslos" sprechen. Im Zweifel hat der Unwissende gar nicht die Chance einem gewissen Risiko gegenüber mutig zu sein, da er nicht weiß was passieren kann...
    .
    Ich stimme Dir grundsätzlich zu, Segeln lernt man durch Rantasten und Praxis!
    .
    Ich sehe aber auch alle "Wissenden" in der Pflicht, über die Gefahren zu sprechen die kein Herantasten erlauben: Stichwort Seegatt bei halber ablaufender Tide und gegen den Strom stehender Wind >6Bft mit Dünung von mehreren Tagen Starkwind.

  • Moinsen,



    als wir Juist am Sa verliessen, war dort am Rathaus halbmast geflaggt.
    Ich fragte Einheimische nach dem Grund, denn zum 28.8. fiel mir kein Anlass hierfür ein.
    Die wussten es auch nicht und zeigten sich überrascht.
    Ich hatte in Kenntnis des Seenotfalls ein mulmiges Gefühl und lese nun nach Rückkehr in #(?), dass das Boot offenbar von Juist startete (diese Passage finde ich nicht wieder - vom Autor oder den Mods heute gelöscht?).
    Vielleicht besteht kein Zusammenhang, aber möglicherweise haben wir es durchaus mit einer Crew zu tun, die im Revier heimisch war.


    Auf Baltrum wurden Wrackteile angespült, darunter ein Halbschott aus der Kajüte, von dem ein Foto im Netz zu sehen war.
    Demzufolge dürfte es sich tatsächlich um eine eher kleinere Yacht, dem flachen Kajütdach nach zu urteilen auch um einem Jollenkreuzer oder einen verwandten Typ gehandelt haben.
    Es stimmt schon, eine Yacht, noch dazu ggf. ein nur eingeschränkt seetüchtiges Boot, hätte sich zum Unfallzeitpunkt am Unfallort nicht aufhalten sollen.
    Und wenn es zutrifft, dass das dritte, bisher nicht geborgene Crewmitglied knapp unter der Wasseroberfläche treibend gesichtet wurde und beim Bergeversuch versank, bedeutet dies leider auch: zumindest zu diesem Zeitpunkt trug es offenbar keine Rettungsweste.
    Es sind wirklich noch viele Fragen offen.
    -----
    Zu den Vorposts ab #43:
    Es wurde u. a. auch von unserem Verein heftig, aber leider vergeblich, kritisiert, dass die theoretische Navi-Ausbildung zum SBFSee vor einigen Jahren von der westlichen Ostsee in die Deutsche Bucht "verlegt" wurde.
    BMV und DSV oder wer immer dafür verantwortlich ist, hat damit einen schweren, und möglicherweise auch durchaus gefährlichen Fehler begangen: der Kurs suggeriert, man sei mit dem darin erworbenen Wissen ausreichend gewappnet, um in diesem Küstenbereich sichere Törns segeln zu können. Und das ist man mit dem SBFSee-Stoff eben nicht! Gezeiten nebst den damit verbundenen Nebeneffekten müssen zwingend on top - und wenn man sich dies nicht ausreichend selbst aneignet, sondern im Kurs mitnehmen möchte, ist es mindestens der SKS, der für das Segeln im Gezeitenrevier absolviert werden sollte.
    Aber das muss mit dem konkreten Seenotfall in der Accumer Ee nichts zu tun haben.
    _________
    Gruß
    Andreas

  • Hallo,
    ich hatte heute Morgen meinen Post #40 etwas gekürzt, da er mir doch arg lang erschien. Dabei hatte ich auch den folgenden Satz wieder gelöscht, auch weil ich natürlich nicht die Richtigkeit beurteilen kann:

    Quote

    Mein Stegnachbar in Wangerooge hatte nach seiner Wahrnehmung in Juist zwei Boxen weiter gelegen als das verunglückte Boot, und kurz Kontakt zu den Seglern. Er geht davon aus, dass sie von Juist aus außen herum nach Langeoog fahren wollten. Aber auch das ist natürlich nicht gesichert.


    Sorry wenn das zu Verwirrung führte.


    Gruß
    Martin

  • Ich kenne es eigentlich auch nicht anders, dass man im Steg Gespräch über die geplante Reise mit einem Revierfremden Gerade wenn man merkt dass da noch nicht so viel Erfahrung vorhanden ist sowas deutlich anspricht. Und in 99 % der fällen werden Tipps und auch Warnungen wissbegierig aufgenommen. oft ist das denn auch schon praxisnaher oder einfach auch präsenter Als der Stoff in einer Führerschein Ausbildung. Gruß Matthias

  • Hallo,
    ich hatte heute Morgen meinen Post #40 etwas gekürzt, da er mir doch arg lang erschien. Dabei hatte ich auch den folgenden Satz wieder gelöscht, auch weil ich natürlich nicht die Richtigkeit beurteilen kann:


    Sorry wenn das zu Verwirrung führte.


    Gruß
    Martin


    Ein Bekannter der auf Norderney war sagte mir er hätte einen Segler zum passenden Zeitpunkt von Juist kommend durchs Seegatt rausgehen sehen...würde leider passen..


    Ich kenne es eigentlich auch nicht anders, dass man im Steg Gespräch über die geplante Reise mit einem Revierfremden Gerade wenn man merkt dass da noch nicht so viel Erfahrung vorhanden ist sowas deutlich anspricht. Und in 99 % der fällen werden Tipps und auch Warnungen wissbegierig aufgenommen. oft ist das denn auch schon praxisnaher oder einfach auch präsenter Als der Stoff in einer Führerschein Ausbildung. Gruß Matthias


    Ich habe im Urlaub auch einen Eigner eine Bav 42 davon abgehalten 2h nach Hochwasser die Otzumer Balje zu passieren bei W 7 in Böen 8 und 2m angesagter Wellenhöhe.
    Bessergesagt hat seine Frau glaube ich gesagt sie fährt nicht mit, nachdem ich erklärt hatte das am Tag vorher bei HW dort 2,8m Wasser standen und es 2h nach HW mit ihrem Tiefgang von 1,75m und den Wellen nicht passen kann :upside_down_face:

    Gooden Wind


    Hendrik

  • Nur das ist nun mal so und lässt sich meiner Meinung nach auch nicht ändern mit vertretbarem Aufwand, segeln lernt man nun mal durch segeln. Und reine Theorie ist zwar wichtig, ersetzt aber Erfahrung nun mal nicht.


    Das stimmt prinzipiell schon. Es gibt aber auch Dinge, die sollte man nicht durch Erfahrung lernen, denn die einmal gemachte Erfahrung könnte einem über den Tag hinaus nicht mehr hilfreich sein. Seegatten und die Gefahren durch Grundseen gehören dazu.


    Gruß

  • -- ich habe noch nicht so viel Erfahrung ...


    ((aber wie hier schon mehrfach beschrieben - gibt es Dinge an die man sich rantasten kann aber leider auch Dinge die sofort im Chaos enden ... ))


    aber ich dachte es gibt die goldene Regel : bei Sturm und hohen Wellen weg vom Land .. ??

  • Die Meldung ist mittlerweile aufgehoben. https://www.elwis.de/DE/dynami…t=3&source=2&db_id=264976
    Heißt das konkret, dass das Schiff geborgen wurde? Oder kann es auch nur sein, dass es in einen für die Schifffahrt ungefährlichen Bereich vertrieben wurde.

  • Es kann auch sein, dass es nicht mehr nachweisbar ist, d. h. von der See zerschlagen wurde.
    Die angespülten Wrackteile aus dem Inneren des Bootes deuten darauf hin.


    Das tückische am vergangenen Do : Zwar stand am Vormittag bereits Brise aus Nord, aber mit 10-15 kn in Böen noch handlich.
    Nachmittags waren es dann 20-30 kn.



    Gruß
    Andreas

  • aber ich dachte es gibt die goldene Regel : bei Sturm und hohen Wellen weg vom Land .. ??

    Prinzipiell ist da was dran. Eine auf der Nordsee mit einem kleinen Boot abgewetterte Nacht kann bei N6 sicherlich äußert unangenehm sein und birgt auch Risiko. Aber sicherlich weniger Risiko als ausgelaugt und durchgefroren zu entscheiden dann stattdessen durchs Seegatt ins Watt abzulaufen.


    Andererseits ist diese generelle Regel viel zu grob um im komplexen Küstenbereich eine echte Hilfe zu sein. Da muss man schon wissen was die lokalen Eigenheiten sind. Im Watt hätte man ja noch ganz gut segeln können. Ich denke im Allgemeinen soll die Regel aussagen das man bei Kuhsturm z.B. lieber nicht in den englischen Kanal einläuft.

  • Prinzipiell ist da was dran. Eine auf der Nordsee mit einem kleinen Boot abgewetterte Nacht kann bei N6 sicherlich äußert unangenehm sein und birgt auch Risiko. Aber sicherlich weniger Risiko als ausgelaugt und durchgefroren zu entscheiden dann stattdessen durchs Seegatt ins Watt abzulaufen.


    Andererseits ist diese generelle Regel viel zu grob um im komplexen Küstenbereich eine echte Hilfe zu sein. Da muss man schon wissen was die lokalen Eigenheiten sind. Im Watt hätte man ja noch ganz gut segeln können. Ich denke im Allgemeinen soll die Regel aussagen das man bei Kuhsturm z.B. lieber nicht in den englischen Kanal einläuft.



    Sollten sie wirklich versucht haben von See kommend Langeoog anzulaufen, könnte man mit Sicherheit sagen, wären sie in die Jade abgelaufen, würde der Junge noch leben!

    Gooden Wind


    Hendrik

  • Ein Bekannter der auf Norderney war sagte mir er hätte einen Segler zum passenden Zeitpunkt von Juist kommend durchs Seegatt rausgehen sehen...würde leider passen..

    Das tückische am vergangenen Do : Zwar stand am Vormittag bereits Brise aus Nord, aber mit 10-15 kn in Böen noch handlich.
    Nachmittags waren es dann 20-30 kn.

    Also bei den Windmesswerten und nach der Nacht mit bereits starkem Nordwind, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie da rausgefahren sind.