Hat jemand Kroatien und Abzocke gesagt?

  • Bußgelder sind bei uns doch rel. fair geregelt. Es gibt einen Preis. Schert man sich garnicht daraum, dann steigt der irgendwann. Wenn mir etwas wichtig ist, passe ich drauf auf. Führerschein(e) z.B.


    Genau, es gibt einen Preis. Du verstärkst damit noch die Zweiklassengesellschaft. Die einen können den Preis zahlen, die anderen nicht. Es muss sich nur eine Klasse ans Gesetz halten. Die andere ist frei, steht über den Gesetzen.

  • Dem habe ich ja auch nicht widersprochen, allerdings:


    Hier hatte Jemand seinen Perso nicht dabei, sein Führerschein hat aber anscheinend dazu ausgereicht, ihn für die Geldstafe zu identifizieren.
    Völlig klassenunabhängig erinnert mich so was eher an Bürokratie Sharia denn an ein rechtsstaatliches Verhalten und anscheinend hat der EUGH das ähnlich gesehen.

    Gruß Thomas



    Die besten Kapitäne sterben an Land

  • Was der EuGH (auch in meinen Augen) zurecht kritisiert hat sind die 20%. Wären es 5% oder 2%, frei aus der Luft gegriffen, hätte er das vielleicht für angemessen empfunden. Also er kritisiert die Höhe des Anteils, nicht, dass es anteilig ist.

  • Ob "penalty for a crime" mit "Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit", mit der es ja mal anfing sonderlich nuanciert übersetzt ist, sei mal dahingestellt.


    Wonach soll denn eine Geldstrafe bemessen werden? Am Einkommen/ Gewinn den man versteuert? Haben wir, bei Tagessätzen. Am gerechtesten sind nach der Maßgabe Gefängnisstrafen und zwar dann, wenn man mindestens 50% schlechter isst, als in Freiheit, mindestens 80% schlechter schläft usw. Gelingt das nicht, ist die Strafe schon wieder unterschiedlich hart. Der Versuch, gleichermaßen schmerzliche Einschnitte als Strafe bereitzuhalten, führt zu immer mehr Ungleichheit.

  • Was der EuGH (auch in meinen Augen) zurecht kritisiert hat sind die 20%. Wären es 5% oder 2%, frei aus der Luft gegriffen, hätte er das vielleicht für angemessen empfunden. Also er kritisiert die Höhe des Anteils, nicht, dass es anteilig ist.


    ...und das Vergehen, das in Finnland anscheinend als Verbrechen betrachtet wird, als "lesser crime" zu Deutsch "Ordnungswidrigkeit", eingestuft und damit der Geldstrafe die Rechtsgrundlage entzogen (nach meinem laienhaften Rechtsverständnis).
    Mich würde interessieren, ob und wie das weitergeht, aber das werden wir vermutlich nicht erfahren.

    Gruß Thomas



    Die besten Kapitäne sterben an Land

  • Falschparken für nen 5'er würd mich nie interessieren, das zahl ich in nem Parkhaus auch.
    2, 5 oder mehr Prozent vom Lohn, hm.
    Wo ist das nächste Parkhaus bitte?

    Gruß
    Bernhard
    ----------------
    Geht nicht gibt's nicht
    Zwei Worte die jede Tür öffnen: drücken ziehen

  • Warum soll ein Gutverdiener mehr Strafe zahlen, als derjenige, der sich von den Sozialsystemen aushalten läßt? Die Ordnungswidrigkeit ist bei beiden die gleiche.


    Dann müssten dem Vielfahrer auch mehr max. Punkte zugestanden werden, pro km fährt er ja viel korrekter als der Sonntagsfahrer!
    Der Sonntagsfahrer hingegen müsste kaum Steuern für sein Auto zahlen, er nutzt die Straßen kaum ab!
    Der gutverdienende Vielfahrer tut Dank hoher Steuerbelastung viel für die Sozialsysteme, ihm steht also im Gegenzug bei einem schweren Unfall immer ein Einzelzimmer im Krankenhaus zu ...


    Ich denke, fixe Geldbeträge pro Tatbestand haben sehr wohl ihren Sinn. Höher dürften sie D allerdings durchaus ausfallen.
    Volker


    Immer wieder verwunderlich, wenn Bürger sich höhere Strafen wünschen...

  • Die wünschen sie sich so lange für die anderen, bis sie selbst der andere sind. Natürlich kommt eine gewisse Ressentimenthaltung dazu, wie man an den v.a. im SO sich konzentrierenden Verfechtern der PKW-Maut beobachten konnte.

  • Die wünschen sie sich so lange für die anderen, bis sie selbst der andere sind. Natürlich kommt eine gewisse Ressentimenthaltung dazu, wie man an den v.a. im SO sich konzentrierenden Verfechtern der PKW-Maut beobachten konnte.


    Also das geht jetzt zu weit, mit dem Menschenverstandsminister als Spitzenkandidaten hätten wir...

    Gruß Thomas



    Die besten Kapitäne sterben an Land

  • "If the penalty for a crime is a fine, then that law only exists for the lower class".
    Zumindest wenn es fixe Geldbeträge sind. Dann können es sich manche leisten, sich nicht an Gesetze zu halten und andere eben nicht.


    Logisch: Die, die sich die Strafe nicht leisten können, sind ja diejenigen die typischerweise die Verfehlungen begehen! :D


    Etwas mehr Durchgriff der Staatsmacht/ härtere Strafen wünsche ich mir deshalb, weil mir die Polizisten leid tun. Die werden von der weniger wohlhabenden Bevölkerung doch garnicht mehr ernst genommen, wenn sie überwiegend nur kostenlos verwahren. Einzelheiten hier nicht, soll ja nicht in Politik ausarten.
    Volker

  • Ich finde so eine Generalisierung immer zu einfach. Hier geht es um einen Fall, der dem einfachen Menschen genau so passieren kann wie dem Multimillionär, schlicht den Paß vergessen, oder den Führerschein bei der Fahrzeugkontrolle, da ist nun wirklich nix dabei, was zu Klassenkampfparolen oder Sozialneid führen sollte. Der hat das sicher nicht gemacht, weil er sich das leisten kann.
    Hier geht es um was Anderes, es geht um das Rechtsverständnis einer solchen Lappalie. Daß dafür Jemand mit einer Horrorsumme für bestraft werden sollte, darum geht es. Daß Du (vielleicht) oder ich (bestimmt) nur 500.- dafür hätten berappen sollen, macht es nicht besser.
    Und dafür finde ich es schon begrüßenswert, wenn das vom EUGH zurechtgerückt wird, dazu ist er schießlich da.

    Gruß Thomas



    Die besten Kapitäne sterben an Land

  • ... DANKE - exakt das! es geht um eine Lappalie.


    ein "simples like" war mir zu wenig für den Beitrag.


    Holger

    SV RUNAWAY (Catalina 34)

  • Vielleicht war der Mann wirklich ein Großverdiener, aber genau das hat der EUGH ja eben kassiert 20% vom Monatseinkommen für eine "geringfügige" Straftat, bei uns wohl eher Ordnungswidrigkeit.


    Heißt das nun die ALG II er müssen die üblichen Bußgelder in DEU nicht mehr zahlen, die sind nämlich schnell bei 20% oder mehr.

    ...und das Vergehen, das in Finnland anscheinend als Verbrechen betrachtet wird, als "lesser crime" zu Deutsch "Ordnungswidrigkeit", eingestuft und damit der Geldstrafe die Rechtsgrundlage entzogen (nach meinem laienhaften Rechtsverständnis).

    Du würdest dich Wundern was in DEU alles ein Straftat und keine Ordnungwidrigkeit mehr ist.Schwarzfahren in der Straßenbah z.B wir mit bis z u 1 Jahr Gefängniss bestraft. Das ist IMHO
    vollkommen überzogen aber da trifft es ja nur Leute die sich nicht wehren können. Erstberatung Anwalt über 50% von ALG II. Du würdest dich auch wundern wiviele Leute die Ersatzfreihaeitstrafe absitzen (prü Jahr wohl über 50.000 Menschen), weil sie Bußgelder schlicht nicht bezhalen können oder wollen. Und da zählt natülich nur der Persönliche Tagesatz. Dem Multimillionär wird da dann 50.000 Euro pro Tag erlassen, er sitzt also kurz, der ALG II mit 14 Euro Tagesatz sitzt da schon mal mehrer Wochen.


    Ja Gesetze sind halt oft für die Reichen gemacht, . vor allem da die sich wehren können. "Hier habens den 50er wegen zuschnellfahren" und man zündet sich die 200 Euro Zigarre mit dem hunderter an. Bußgelder und Geldstrafen sollen eigentlich schon wehtun. Wer über 100.000 Euro im Monat verdient der lacht doch über 500 Euro Bußgeld. Der Finne hat wahrscheinlich mehr in den Anwalt investiert um einfach nur Recht zu bekommen als die Strafe.

  • Was müssen das für goldene Zeiten gewesen sein, als man noch einfach auf ein Boot steigen und in die grosse, weite Welt hinaussegeln konnte... :gaehn: ...ohne vorher einen schier endlosen und komplizierten Organisationsmarathon hinlegen zu müssen :rufan::phil_04::wand: .

    Mario Falko


    Glück ist kein Ziel, sondern eine Reise.
    :segeln:

  • Was müssen das für goldene Zeiten gewesen sein, als man noch einfach auf ein Boot steigen und in die grosse, weite Welt hinaussegeln konnte... :gaehn: ...ohne vorher einen schier endlosen und komplizierten Organisationsmarathon hinlegen zu müssen :rufan: :phil_04: :wand: .

    War das so? Wenn ich alte Weltumseglerbücher lese, dann gab es es auch in den goldenen 1960er und 1970er Jahren reichlich Papierkrieg beim Einklarieren und Ausklarieren, sowie jede Menge Willkür und Korruption.
    Dagegen ist es in EU Europa doch reichlich entspannt - zumindest in der Ostsee.
    Jan

  • War das so? Wenn ich alte Weltumseglerbücher lese, dann gab es es auch in den goldenen 1960er und 1970er Jahren reichlich Papierkrieg beim Einklarieren und Ausklarieren, sowie jede Menge Willkür und Korruption.
    Dagegen ist es in EU Europa doch reichlich entspannt - zumindest in der Ostsee.
    Jan


    Ich meine die Zeiten, wo man der Königin nur Gold und Edelsteine versprechen musste, um ein Boot mit Mannschaft zu bekommen. :D

    Mario Falko


    Glück ist kein Ziel, sondern eine Reise.
    :segeln:

  • Also das geht jetzt zu weit,


    es regt andererseits die Diskussion an ...



    Du verstärkst damit noch die Zweiklassengesellschaft. Die einen können den Preis zahlen, ...


    Ich fürchte, die haben und die wollen wir. Die Einklassengesellschaft hat auch zwei Klassen, die lediglich anders sortiert sind. Ich fürchte außerdem, dass auch Du, so wie die meisten, manchmal gern etwas mehr Geld hättest. Wozu eigentlich? Geld macht doch nicht glücklich! Geld verschafft aber Freiheit. Die Freiheit dort zu wohnen wo man möchte, so zu wohnen wie mn möchte, so zu segeln, wie man möchte ... zu essen und zu trinken ... dort zu parken, wo man hinwill ... in Saint Tropez vor der Bar du Port zu liegen ...jeden fällt was ein. Auch Dinge, auf die man zugunsten anderer manchmal schweren Herzens verzichtet. Für das was geht, was wir haben wollen, strengen wir uns an, erfinden was, optimieren was oder wir gehen mindestens malochen und erschaffen Güter. Das bezahlen wir letztlich mit Lebenszeit. Es gilt also Maß zu halten - mit allem. Deswegen fahre ich mit meinem Ford in die Champagne und nicht mit meinem Porsche um Oettinger aufzufüllen. Deswegen habe ich einen Sperrholzkat und keine Corsair 38 Carbon, könnte man weniger süffisant weiterdichten.
    Leute die sehr wenig Geld haben, haben jeden Cent verplant. Leute, die etwas mehr haben, haben immer etwas Spielraum. Zu denen, die kaum was haben: Krieg so einer eine Buße, eine Strafe von 100 € aufgebrummt und kann die nicht zahlen, wird das fix in 10 Tagessätze umgerechnet. Lästig - also sieht er zu, dass er die 100 € mit höherem Einsatz aber geringerem Risiko bezahlt. Er kann auch 20 Tage lang weniger essen. Er kann versuchen Überstunden zu machen oder was bei Ebay zu verticken. Gar kein Geld zu haben, ist immer sehr sehr schlecht. Man sollte jedem davon abraten.



    @all: über Willkür und Korruption haben immer die geklagt, die glaubten, es gäbe keine. Eine Stange Zigaretten oder ein Kistchen Zigarillos beim Einklarieren, einen 20-Dollar-Schein im Reisepass oder Führerschein und alles läuft wie geschmiert. buchstäblich. Heute braucht man für jeden Mist ne APP. In den 80ern hatte ein Kumpel eine Afirka-Rundreise gemacht und vorsichtshalber, falls er verhaftet werden sollte, an mehreren Orten Geld versteckt um Beamte bestechen zu können. Hat er nicht gebraucht - was aber wenn? Eine bekannte Familie hat wervolle Möbel für einen Knopf und einen Klicker verhökert, um sich ihre Freiheit erkaufen zu können. Es hat funktioniert. Geld macht frei. So viel ist es oft gar nicht. Leider lernt man das bei uns nicht mehr und es gilt als verpönt. Dabei ist es so wichtig, sich nicht unbeholfen anzustellen. ES kann Dein Leben retten oder Deine Nase oder oder ...