Wie kann ich Druck für die Abrechnung der Kaution machen?

  • Ich hatte bis Anfang September eine Yacht gechartert, zwei kleine Schäden (Hebel vom Fallenstopper, Abdeckung Wasserauslass Ankerkasten) und eine größeren (Relingstütze nach innen gedrückt: Fußreling mittel verbogen) verursacht.
    Dachte ich mir, dass ich das bei der Übergabe gleich so angebe und es kam an und die Übergabe blieb freundlich.
    Schadenmeldung von mir ging an den Vercharterer und an dessen Versicherung.


    Seitdem dränge ich auf Rückzahlung der Rest-Kaution bzw. einer vernünftigen Abrechnung (Kaution ist nicht versichert).
    Lt. Auskunft der vom Vercharterer angegebenen Kaskoversicherung ist dieser Schaden vom Vercharterer nicht an die Versicherung gemeldet worden (die Versicherung hat offenbar meine parallel-Email mit der Schadenmeldung an Vercharterer *und* Versicherung ignoriert). Im Prinzip kann der Vercharterer das ja machen, finde ich nur komisch.


    Der Vercharterer schickte mir nach etwas über einem Monat ein schönes Pdf mit einem einzigen Satz: "Hiermit möchten wir Sie darüber informieren, dass wir Ihre hinterlegte Kaution in Höhe von 1000€ als Eigenanteil zur Reparatur des Schadens einbehalten, da die Reparatur den Eigenanteil übersteigt."


    Bei einer telefonischen Anwaltsberatung sagte man mir, dass ich Anspruch auf eine detaillierte Rechnung oder einen detaillierten Kostenvoranschlag habe. Habe ich also das beim Vercharterer angefordert.
    Seitdem schweigt der Vercharterer.


    Ich hoffe immer noch, dass die Reparatur keine 1000€ kosten könnte (weiß ich nicht genau) und ich Anspruch auf eine Teil-Rückzahlung habe.


    Wie kann ich hier Druck aufbauen (erst mal ohne einen Anwalt einzuschalten)? Ich habe doch gar nichts in der Hand?!


    Ich hatte überlegt, eine gerichtliche Mahnung über eine Restzahlung von xx € zu schicken, aber dazu müsste ich den Schaden gut abschätzen können. Verzwickt.


    Habt Ihr Tipps?

  • Bei deutschen Recht würde man in solchen Fällen (da eine konkrete Rechtsberatung unzulässig ist) dem Vercharterer, der ja mit seinem Satz, dass der Schaden die Kaution übersteigt, gezeigt hat, dass er die Schadenshöhe kennt, zur Abrechnung der Kaution eine Frist setzen, z.B. zwei Wochen. Wenn dann keine Abrechnung erfolgt, die genaue Zahlen angeben muss und prüfbare Belege auf Anfrage vorlegen, würde man eine Frist von z.B. zwei weiteren Wochen zur Rückzahlung auf ein Konto setzen. Erfolgt dann immer noch keine Reaktion, dann die gesamte Kaution zurück fordern per gerichtlichem Mahnbescheid oder Klage.


    Soweit die Theorie. In der Praxis kann sich so etwas sehr lange ziehen.

  • Ich befürchte, dass bei den genannten Schäden die 1000 Euro weg sind.


    Handbreit, Skokiaan

  • .... wenn man schon eine solche Relingstütze zerdeppert, na, dann man Gute Nacht !!!!!!

  • Gleich mal das Thema abonniert:D

  • Ich denke auch, dass eine vernünftige Reparatur den Kautionsbetrag übersteigen dürfte.
    Aber...die Weigerung des Vercharterers eine korrekte Abrechnung zu erstellen könnte einen natürlich auf den völlig abwegigen :D Gedanken bringen, dass gar keine Reparatur durchgeführt wurde und der nächste Charterer mit verbogener Stütze und eingedellter Fußreling unterwegs sein wird.

  • dass gar keine Reparatur durchgeführt wurde und der nächste Charterer mit verbogener Stütze und eingedellter Fußreling unterwegs sein wird.


    … was so ungewöhnlich nicht ist, da sonst ja das schiff aus dem laufenden charterbetrieb genommen würde und der schadensverursacher auch die ausfallkosten des nachcharteres zahlen müsste.


    über sowas sollte man einfach den mantel des schweigens ziehen und die faust in der tasche machen. und den bugkorb als learning für's nächste mal abspeichern.

    ––––––––––––––––––––––––––––––––––
    Vorstellung folgt…

  • Ich denke auch, dass eine vernünftige Reparatur den Kautionsbetrag übersteigen dürfte.

    Ok, danke. Genau so eine Information hatte ich gesucht, da ich den Schaden an der Fußreling nicht einschätzen kann (die beiden anderen: Wasserkastenabdeckung: ca. 5€ + eine Schraube eindrehen, Hebel Schotstopper 19€ + einbauen (lt. Katalog)).
    Allerdings spricht dagegen, dass er meine Schadensmeldung (um die er mich dringend gebeten hatte) nicht bei der Versicherung eingereicht hat. Dann müsste er ja den Schaden, der über 1000€ hinausgeht, selbst tragen.

    Quote

    Aber...die Weigerung des Vercharterers eine korrekte Abrechnung zu erstellen könnte einen natürlich auf den völlig abwegigen :D Gedanken bringen

    Das befürchte ich auch. Die Fußreling war an 5 von 6 Relingstützen verbogen, wenn auch nicht so stark wie bei "meiner einer".


    Nebenbei hatte ich eine lange Liste mit weiteren (vorhandenen, aber erst unterwegs festgestellten) Mängeln erstellt, die die Firma aber nicht haben wollte. U.a. kaputtes Fernglas (hatte aber Opas Feldstecher dabei) und Ablenkung des Steuerkompasses bis zu 20° (und keine Ablenkungstabelle), heftige, immerhin nicht wachsende Ölpfütze unterm Motor. Im Prinzip damit nicht so richtig seegängig ...


    Insgesamt befürchte ich, dass dieses Vorgehen das Geschäftsmodell ist: Ein altes Boot (wogegen ich nichts habe) zu einigermaßen normalen Preisen vermieten und über "Beschädigungen" aus der Kaution etwas "rausholen". Rapariert wird nur das nötigste. Da könnte man noch gucken wie weit weg der Kunde wohnt, um abzuwägen, ob man das durchzieht oder nicht.


    Leider wird dadurch das Geschäft von ehrlichen Vercharterern belastet.


    Letztendlich wird die Schummelei und ggf. Betrug monetär honoriert, das ist schon traurig.
    Ich versuche mich damit zu trösten, dass der Vercharterer damit wohl doch ein bedauernswertes Leben hat (nicht monetär gesehen).
    Eine Blacklist von Vercharterern ist ja rechtlich hier schwierig. Googlen hilft auch nur bedingt, da der Vercharterer offenbar auch sein Recht auf Vergessen wahrnimmt.
    Können wir das nicht umdrehen und eine Whitelist machen? Und irgendwie was dagegen machen, dass die geschönt wird ...

    Jörg

  • Wenig hilfreich finde ich Hinweise im Tenor "Na wenn man schon..."
    Wenn Gerichtsstand D ist, so wie pf: schrieb: Mahnen, Frist setzen, Mahnbescheid erwirken.
    Wir hatten doch hier erst vor einem Jahr den Fall, daß eine rotte Ankerwinsch auf Kosten des Charterers saniert wurde.
    Und ich weiß nicht, ob es unzulässig ist, hier Roß und Reiter zu nennen, im Zweifel unter Aufgabe Deiner Anonymität, damit man dem Forenbetreiber nicht ans Holzbein kann.

    Gruß Thomas



    Die besten Kapitäne sterben an Land

  • ... wenn man schon eine solche Relingstütze zerdeppert,

    … die Relingsstütze ist nicht das Problem. Für eine regelgerechte Reparatur der Aluminiumschiene reichern die 1000 € vielleicht gerade mal so als Anzahlung. Auf einem anderen Blatt steht die Kommunikation des Vercharterers. Man könnte auf die Idee kommen, dass eine richtige Reparatur gar nicht stattfindet, sondern das Geld einfach weggelegt wird.

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  • Da wäre doch ein freundlicher Limerick mit einer Fristsetzung angesagt. Wenn keine Reaktion oder nur unzureichende Auskünfte erfolgen sollte man einen RA konsultieren. Aber auf einen rückzahlbaren Betrag würde ich nicht hoffen, denn bei dem Schaden dürfte die Schadenssumme bei einem Werftbetrieb erheblich höher sein.

  • Mein Tipp.


    Wenn ich charter wird die Kaution in den Charterkosten vorerst fest mit reingerechnet, die Kaution ist kein Pfand - sensibilisiert auch die mitfahrende Crew (An Eigner: nicht das wir Charterer Schäden einrechnen, zig Törns Schadensfrei mit 100% Kaution zurück, Pfadfinderprinzip: Besser als Vorher).


    Beim Kassensturz der Bordkasse kommt die Kaution zurück, so dass in der Regel jeder zusätzlich zum Restproviant mit Kautionsanteil nach Hause geht.


    Die genannten Schäden klingen nicht grade nach einem einzigen Ereignis und das in einer Zeit wo das Boot vermutlich noch später an Andere verchartert wurde... der Betrieb muss laufen, die Folgenden möchten auch ein schönes Boot.


    Mein Tipp: kein Druck und keine Anwälte, das Lehrgeld mit der Crew teilen :P

  • Man könnte auf die Idee kommen, dass eine richtige Reparatur gar nicht stattfindet, sondern das Geld einfach weggelegt wird.


    Wobei man natürlich bedenken muss, dass der Vercharterer den Schaden ja dennoch hat, ohne Reparatur dann eben als Wertminderung. Ist ja bei Kfz auch nicht so selten und durchaus rechtens, dass sich der Geschädigte den (gutachterlich ermittelten) Geldbetrag von der Versicherung erstatten, aber den Schaden nicht reparieren lässt. Dann ist's der Ausgleich für den Wertverlust, der bei einem späteren Verkauf der Sache realisiert wird.

    Grüße, Peter

  • Das ist so. Trotzdem bleibt der zweite Teil meines Beitrages.


    Wenn der Schaden unrepariert bleibt, müsste esein Gutachten eines Sachverständiegen oder mindestens den Kostenvoranschlag einer Werft geben. Und den, so denke ich, könnte man schon auch dem Schadensverursacher zur Verfügung stellen. Jedenfalls dann, wenn der freundlich nachfragt, was denn aus seiner Kaution geworden ist.

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  • Ja, das stimmt natürlich. Im konkreten Fall muss man als Verursacher des Schadens feststellen können, ob der Eigenanteil tatsächlich überschritten wird. Darüber sollte der Geschädigte Auskunft geben. Überschläglich kann der Verursacher aber möglicherweise auch selbst beurteilen, ob die Behauptung des Geschädigten tatsächlich zutrifft und sich so einiges Gezerre am Nervenkostüm ersparen. So, wie das einige hier ja bereits vorgeschlagen haben.

    Grüße, Peter

  • Überschläglich kann der Verursacher aber möglicherweise auch selbst beurteilen, ob die Behauptung des Geschädigten tatsächlich zutrifft und sich so einiges Gezerre am Nervenkostüm ersparen.


    Na ja, das kann ich mangels Erfahrung eben nicht, wie ich im Ursprungsposting angedeutet hatte.


    Aber ich habe ja mehrfach darauf Antwort bekommen und fühle mich eher nicht mehr betrogen.


    Ich danke Euch dafür.
    Ansonsten bleibt ein zwiespältiges Bild: Da der Vercharterer seine eigene Kasko nicht in Anspruch nimmt (lt. Auskunft der Versicherung), bleibt er "auf meiner Kaution sitzen" (wenn die Reparatur teurer als 1000€ war).
    Ich vermute ja, dass die Yacht nicht kaskoversichert ist (und auch nicht repariert wird). Steht zwar im Widerspruch zum Vertrag, kann mir aber letztendlich egal sein.


    Beim nächsten Törn auf jeden Fall Kautionsversicherung. Ich hatte nur Skipperhaftpflicht ...

    Jörg

  • Ich befürchte, dass bei den genannten Schäden die 1000 Euro weg sind.



    Weg ist weg.


    Alles Andere wäre gutes Geld dem nach zu schmeißen.



    Schlechter Stil des vercharterer ist es eh. Würde da „Werbung“ in meinem Seglerumfeld für Ihn machen. X(

    Nix wie weg.
    Dank Corona wohl erst Ende 22 🙁



    : :baden: