Wie kann ich Druck für die Abrechnung der Kaution machen?

  • Das sehe ich anders. Die Kaution ist doch das höchste, was man an Geld "verlieren" könnte. Auch wenn der Vercharterer eine Rechnung mit Gutachterkosten usw. von z.B. 2000,- Euro präsentiert, behält er die Kaution und gut. Ich habe noch nie gehört, das man den tatsächlichen Schaden bezahlen muß. Oder irre ich mich da?
    Handbreit
    bukh1


    Ja. Denn es kommt sehr darauf an: nämlich auf das Kleingedruckte im Chartervertrag. Da finden sich öfters ziemlich lustige Bestimmungen, über die der geneigte Charterkunde übelst stolpern kann und sich auf einmal sogar mit Forderungen konfrontiert sieht, die weit über die Kaution hinausgehen. Guckstu hier: klick.

    Grüße, Peter

  • Hallo, auch ich habe, bevor wir uns ein eigenes Schiff gekauft haben, oft gechartert. Und machen es jetzt noch. Wenn auch seltener. Auch ich bin der Meinung, das man als Charterer, dessen Kaution einbehalten wird, ein anrecht darauf hat, die genaue Schadensumme zu erfahren. Dazu braucht es keinen Gutachter, (man will das Schiff ja nicht kaufen), sondern nur eines Kostenvoranschlages aus dem ersichtlich ist, wie teuer die Reparatur der Schäden ist. Erscheint einem dieser KVA nicht korrekt weil viel zu hoch oder es werden Schäden abgerechnet die man nicht verursacht hat kann man das klären. Auf jeden Fall weiß man dann warum die gesamte Kaution einbehalten wurde. Ich habe bei Bagatellschäden immer eine Abrechnung bekommen. So finde ich es korrekt.


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  • Guten Morgen


    eine simple Aufstellung der anfallenden Kosten ist das mindeste, was der Chartergast erwarten darf ! Der Chartergast hat im Regelfall keine Erfahrung und Übersicht darüber.


    Diese Art des Schadens bei einer Bavaria älteren Semesters ist leider etwas aufwendig. Um die Fussreling zu erneuern, wechseln, müssen innen die Verkleidungen im Bereich der Relingsfüsse entfernt werden, um an diese von unten herankommen zu können.
    Leider oftmals eng und nur was für kleine Finger, Hände. Zudem nur zu zweit machbar.
    Sind die Relingsfüsse entfernt, kann die Fussreling demontiert werden. Bei den Bavarias ist die Fussreling in 6 m Längen verbaut. Man muss hier also nicht die komplette Länge tauschen.
    Man kann für diese Arbeiten rund 1 Tag an Zeit rechnen. Daher in der Saison oftmals nicht machbar (Schiffe müssen segeln) und eben nur für Ruhezeiten geeignet. Es sei denn, das Schadensbild ist so, (Seezaun, Relingstützen gebrochen abgerissen u.ä.) dass eine sofortige Reparatur notwendig ist.
    Dann sprechen wir schnell über Ausfall des Schiffes und weitere Kosten (Charterausfall)


    Kostenaufstellung könnte hier so aussehen:


    Fussreling 449 Euro zzgl. Versand (Sperrgut wegen der Länge von 6 m) je nach Lieferort sind das auch mal schnell 150 Euro
    Relingsfuss 35 Euro
    Relingsstütze 35 Euro
    Montage 6 h zu zweit zu je 60 Euro = 720 Euro
    Kleinmaterial Montage pauschal 50 Euro
    also mal eben 1390 Euro


    dazu können kommen Kosten für Verholung des Schiffes zur Werkstatt (mal eben 150 Euro) oder auch die Pauschalposition für die Behandlung des ganzen Schadens (hier gibt es sogenannte Bearbeitungspauschalen bei Schadensfallbearbeitung von gerne auch 250 Euro)



    So gesehen sind die 1000 Euro Kautionseinbehalt von der Sache her wohl gerechtfertigt. Hingegen, wenn an der Stelle bereits selbige oder ähnliche Vorschäden vorgelegen haben, wären diese vor Abfahrt anzuzeigen gewesen. Dies scheint hier aber nicht der Fall gewesen zu sein.
    Hier könnte man eventuell eine Einigung erzielen und sich den Schaden prozentual teilen. Leider scheint die Kommunikation mit dem Vercharterer nicht zu funktionieren. Somit also die Kaution ausbuchen.


    Zum Thema Kauitionsobergrenze.
    Schäden müssen unmittelbar kausal zusammenhängend sein.
    Beispiel. man fährt am Tag 1 einen Schaden an bb Seite, man fährt an Tag 3 einen Schaden an stb Seite und am Schlusstag einen Schaden am Heck. Dies wären dann 3 einzeln zu sehende und abzurechnende Schäden.
    Somit wäre dann theoretisch 3 mal der jeweilige Selbstbehalt (das ist die Kaution) anzurechnen.


    Grüsse

  • Ne, genau sieht die Rechnung bei den Vorschäden eben nicht aus, wie Du am Ende ja auch schreibst. Da muss der Großteil der Kosten geteilt werden, weil die auch für die Reparatur der Vorschäden anfallen. Und dann liegt er schnell unter der Kautionssumme!


    Daher sind Fotos von Vorschäden sehr wichtig, weil man nur so eine korrekte Abrechnung durchsetzen kann.

  • Wie weiter oben schon angedeutet: Bevor man in einer solchen Situation lostrompetet, werfe man zuerst einen kritischen Blick auf das Kleingedruckte, das man bei Vertragsabschluss ja meistens nur oberflächlich überflogen hat. Steht da etwas von Kaskoausschlüssen? Oder von Übernahme der Selbstbeteiligung im Schadensfall? Oder dass mit der Kaution die Beseitigung höherer Schäden nicht gedeckt ist? Wenn ja, dann alles weitere besonders gut überlegen. Wenn nein, so hat man hoffentlich alle Vorschäden exakt beschrieben und fotografiert und das gegenzeichnen lassen bzw. die Liste darüber zum Bestandteil des Chartervertrages gemacht. Sodann kann man in der Situation des TE zwar immer noch höflich, aber etwas deutlicher auftreten. Ansonsten bei einem solchen wie hier beschriebenen Schaden einfach darüber freuen, dass es nur 1000 Euronen Lehrgeld waren, die den Besitzer gewechselt haben.

    Grüße, Peter

  • Können wir das nicht umdrehen und eine Whitelist machen?


    Die gibt es bereits JoeWei:. Vom Maritim-Versicherer Yachtpool. Mit den Vercharterern auf dieser Liste wurde ein sog. Charter-Fairtrag geschlossen. Da passiert so etwas nicht. Vor allem nicht, wenn man eine Charterkautionsversicherung hat.


    PS: Ich habe mich jetzt nicht durch den ganzen Thread gelesen. :O

    Mario Falko


    Glück ist kein Ziel, sondern eine Reise.
    :segeln:

  • Danke für Eure Tipps, einiges habe ich mir auf meiner Chartermerkliste notiert.
    Wie das mit der Firma ausgeht, muss ich erst sehen.
    ---


    Kurz ein Nachschlag zum Thema "Vorschlag zur Beweissicherung":
    Ich hab's einfach mal gemacht.
    Vom Foto im Ursprungsposting dieses Threads Steuerbord.Stütze3.jpg habe ich mit dem Android-Programm "Hash Droid" die RIPEMD-160 - Checksumme gebildet.
    Das Ergebnis sind 40 Zeichen, die ich in die Zwischenablage kopiere: e5d46d7a075191969c284168a4d7b32f91355cd0
    Mit dem Android-Programm MetaMask habe ich dann im Etherum Görli Testnet eine Transaktion über 0.000000001 Ether mit der Checksumme des Fotos als Zielkonto gemacht (0x der Checksumme voranstellen).
    Klingt komisch und tricky, ist aber in der Ausführung einfach und hat aber den gewünschten Effekt: In der Blockchain des Görli Testnet steht jetzt mit Zeitstempel die Checksumme des Fotos.
    Die Aktion dauert auf dem Handy / Tablet in Ruhe gemacht 3min (Vorausgesetzt die beiden Programme sind installiert und man hat eine Ethereum Adresse bereits eingerichtet).


    Ich kann also unter Verweis auf die Transaktion, z.B. hier einsehbar, beweisen, dass dieses Foto vor Nov-08-2021 10:09:11 AM +UTC entstanden sein muss.
    Ich kann auch noch nachweisen, dass ich das war, was aber in dem genannten Fall nicht nötig ist.
    (Anmerkung: Ich habe die 160bit-Checksumme -> 40 Hex-Zeichen gewählt, weil Ethereumadressen genauso lang sind. Da muss ich nicht noch irgendwas extra beschreiben.)
    (2. Anmerkung: Ich muss zugeben, auf dem richtigen Ethereum main net hätte der Transfer z.Zt. ca. 11 EUR gekostet. Das sind die reinen Transferkosten und hat nichts mit der überwiesenen Menge zu tun.)

    Jörg

  • Muss man das jetzt verstehen?


    Es gibt eben nicht nur segelnde Handwerker, sondern auch segelnde Kryptologen!

    Scheint die Sonne auf das Schwert, macht der Segler was verkehrt

  • Quote

    Unfälschbar...soso.
    ...
    Aber auch das musst du erstmal einem IT unerfahrenen erklären. Im Zweifel mit teurem Gutachten.
    ...
    Muss man das jetzt verstehen?

    Eure Antworten machen mich traurig :traurig1:


    Das was ich da beschrieben habe, ist (nach einer Einrichtung) etwas einfacher als online banking (und damit so'n bisschen vergleichbar). Auch das muss ja erst einmal eingerichtet werden.


    Es ist weit einfacher als das Bedienen eines üblichen Kartenplotters einer Yacht. Es ist einfacher als die Bedienung eines Funkgerätes.


    Es ist einfacher als navigieren. Es ist wesentlich einfacher als das Bedienen eines Schreibprogramms eines PCs.


    Nur weil man etwas noch nicht kennt, muss es nicht kompliziert sein.
    Wenn meine über 80jährige Mutter "so Zeug" ablehnt, schwatze ich Ihr das ganz bestimmt nicht auf.
    Aber wer eine Jolle oder eine Yacht führen kann, funken gelernt hat und und und - der kann das locker.
    Lediglich das Einrichten ist etwas aufwändiger, aber weniger aufwändig als z.B. das Einrichten von online banking einer klassischen Bank.


    Also macht Euch nicht älter und träger als Ihr seid!
    Es muss ja keiner verwenden und es muss auch keiner toll finden.



    Wer's einfach mal probiert, merkt schnell, dass es ziemlich hausbacken ist.

    Jörg

    Edited once, last by JoeWei ().

  • Ich glaube dir, dass das Verfahren funktioniert, JoeWei:. Ich persönlich würde es als Charterkunde indessen vorziehen, einfach einen seriösen Vercharterer zu wählen, der (wie oben schon jemand schrieb) einen gerechten Vertrag vorlegt. Es wird dann auch ziemlich sicher ausreichen, im Übergabeprotokoll Vorschäden präzise zu beschreiben und auf zusätzliche Bilddokumente hinzuweisen sowie das Ganze gegenzeichnen zu lassen. Damit sind m.E. die Fotos hinreichend glaubwürdig, auch bezüglich des Aufnahmezeitpunkts. Sicher kann man stets noch viel mehr tun, aber letztlich ist das Chartern dennoch Vertrauenssache, und zwar auf beiden Seiten.

    Grüße, Peter

  • Pütting 99% Zustimmung.


    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass der Vercharterer doch nicht so toll ist, wie es der Mitsegler von neulich angab oder der Angestellte hatte einen schlechten Tag.
    Vllt. manchmal einfach hilfreich, wenn man einfach selbst "noch schnell" ein paar Nachweise zeitlich absichern kann.

    Jörg

  • Also ich vermute auch, dass die Schäden die 1000.-€ wert sind. Trotzdem hast du einen Anspruch auf Rechnungslegung, auch genannt Auskunft über die Schadenshöhe. Dabei ist es unerheblich ob die Schäden repariert wurden, der Anspruch des Vermieters auf Schadensersatz hängt davon nicht ab (er hat dann allerdings eventuell auch keinen Verdienstausfall und muss die Mehrwertsteuer abziehen). Er kann also in Höhe des Schadens gegen deinen Anspruch auf Rückerstattung der Kaution aufrechnen, muss aber seinen Schaden darlegen und im Streitfall beweisen.

    Jetzt zur Durchsetzung: Du setzt am besten eine angemessene Frist, innerhalb der er die Schadenshöhe im einzelnen darlegt und dir den Überschussbetrag überweist. Lässt er die Frist verstreichen, kannst du beim örtlich zuständigen Amtsgericht eine sogenannte Stufenklage erheben mit den Anträgen, 1) Auskunft über die Schadenshöhe zu erteilen, 2) die Richtigkeit der Auskunft an Eides statt zu versichern, 3) den sich aus der Auskunft ergebenden Restbetrag zu bezahlen.

    Das ist der Rat eines altgedienten Praktikers (Gericht, nicht Segeln).

    Ich würde diesen Bohei aber nur beginnen, wenn ich sicher wäre, dass die Kaution deutlich höher als der Schaden ist. Sonst bleibst du auf den Gerichts- und Anwaltskosten sitzen, das ist nochmal ein vierstelliger Betrag. Denn merke: Recht haben und Recht bekommen sind zwei grundverschieden Dinge. Und vor Gericht und auf hoher See weiß man nie wie es ausgeht.