Neues altes Folkeboot

  • Hallo zusammen,


    bevor ich hier etwas anders schreibe, erstmal die Kurzvorstellung, sonst vergesse ich das noch ... (und das gab schon mal Ärger in einem anderen Forum, schließlich will man ja wissen, wer da Neues um die Ecke lugt) :D


    Vor gut zwei Jahren hat mich ein Nordisches Folkeboot gefunden, Baujahr 1964, Lärche auf Eiche. Also als ziemliche Anfängerin (vorher Mitsegeln auf Ostsee und Sportbootführerscheine) das volle Programm eines eigenen Holzbootes... aufgrund meiner wohnlichen Entfernung zur Ostsee segeln wir erstmal binnen am Möhnesee und da mit Absicht in dem Verein, wo es sowieso schon 20 Folkeboot gab, denn da hoffte ich auf passende Antworten zu meinen unvermeidlichen und zahlreichen Fragen.


    Inzwischen haben wir zwei Winter hinter uns, der dritte steht bevor und ich freu mich wie blöd auf die herrlichen Holzarbeiten - wer hätte das gedacht? Zum Glück war das Boot in recht gutem Zustand gekauft, der vorheriger Eigner hat es knapp zehn Jahre liebevoll und fachlich top gepflegt. Ich konnte also erstmal segeln und das war sehr lehrreich und gut so. Manchmal darf ich auch als Charterer ein bißchen auf der Ostsee üben und bin sehr froh darüber. Mit eigenem Boot mal wieder an die Ostsee ist dann der nächste Schritt.


    Sicher werde ich auch hier die eine oder andere Frage loswerden und ja, ich zähle mich auch zu den Holzboot-Eignern Marke "nicht ganz dicht, genau wie das Boot"... ich hab es auch nicht so mit Plastik, aber das ist ja jedem selbst überlassen. Es gibt ja so viele Vor- und Nachteile, da ist es gut, dass es ein großes Forum gibt :P


    Freue mich auf interessante und lehrreiche Beiträge und grüße erstmal in die Runde


    Sabine

  • Moin Sabine, herzlich willkommen im Forum. Viel Spaß mit deinem Folkeboot.
    Viele Grüße Ralf

  • Moin und Willkommen.
    Ich mag Folkeboote, und bin auch ab und an eines gesegelt, z.B bei klassisch am Wind, seinerzeit bei Mikep.
    Aus meiner Sicht sind Boote dieser Größe klasse, einfach in der Technik, und hinreichend groß für Touren.
    Ich fahre nen stählernen Tourenjollenkreuzer im Binnenland, Kaffesegeln, Revierregatten, Klassikregatten und Urlaub.
    Als Appetizer für Touren und das nächste Jahr:
    Erinnerung an Vergangenes und Vorfreude

    Ich brauche keine Therapie. Ich muss nur segeln.

  • Na dann auch ein herzliches Willkommen von meiner Seite!
    Du hast da ja ein ganz wunderschönes Holzboot!


    Meines ist auch Holz, aber doch ein ganz andere Nummer, da Sperrholz. Das ist von innen zum Bleistift absolut trocken und muss es auch sein. Eine Bilge oder Bilgepumpe gibt es hier nicht. Es gibt hier auch keine Aussendurchlässe oder Seewasserventile.... Die Toilette ist der Eimer. Habe die vorhandene Toilette sogar ausgebaut und die (vorhandenen) Seewasserventile von aussen mit 3 Lagen Glasfaser zu gemacht, weil das Auslassventil (vermutlich Frostschaden) einen Riss hatte. Toiletten machen immer Ärger und stinken tendenziell. Ein Eimer kann keinen Ärger machen.... und ist im Handumdrehen wieder sauber.


    Es gibt immer wieder Schlaumeier, die mir sagen, dass das Boot gewässert werden muss, damit es dicht wird. Zuerst hat mich das schrecklich irritiert. Nun weiss ich, dass die Leute gerne alle Holzboote über einen Kamm scheren....


    Holz ist einfach was wunderschönes... Wenn ich mir einen Yoghurtbecher zulegen sollte, muss der innen aber komplett mit Holz verkleidet sein, dann bin ich aber in Preisregionen, die zu weit weg sind ....


    Dir viel Spass im Forum!

  • Vielen Dank an alle für das herzliche Willkommen!


    Pusteblume: Ja, beim Freundeskreis der klassischen Yachten bin ich schon dabei ;)


    HenningEckernfoerde: Mit Sperrholz-Booten hatte ich wiederum noch nichts zu tun ... bei mir ist das mit dem Wässern tatsächlich ein Thema und zwar eines, was mich im letzten Jahr wohl die meisten Nerven gekostet hat (in Kombination mit einer defekten Bilgenpumpe). Toilette gibt es bei uns aber auch nur als Eimer - ist genauso wie die Stehhöhe einfach kein Thema beim Folkeboot ;)


    Besten Gruß


    Sabine

  • Na, dann wirst Du ja das elektrische Bilgpumpensystem kennen, das E. auf seinem Folke verbaut hat. Ihm scheint sein Minisolarpanel, das nur 40WattPeak macht, wohl zu reichen... Er hat da auch nur sone Mini-Motorrad Batterie letztes Jahr drin gehabt... Schien ihm zu reichen....


    Hast Du Solar auf Deinem Boot?


    Dieses ständig einlaufende Wasser bei Plankenbooten ist einer der Gründe, kein Folke zu haben...


    Ja, an die nicht vorhandene Stehhöhe im "Salon" musste ich mich auch gewöhnen... Anfangs duckte ich mich noch ständig, inzwischen bleibt mein Rücken meist gerade, da gehe ich dann in die Knie und bewege mich teils vierhändig, wie ein Affe im Boot. Bald auch so behände wie ein Affe (hoffe ich).

  • Ich kenne speziell dieses System von E. nicht näher, aber ich habe auf meinem Boot eine gute Batterie (2018 kam wohl die gesamte Elektrik neu, vom Vorbesitzer) und noch kein Solar, das kommt aber auch nochmal dazu. Probleme macht mir eher die Bilgenpumpe, die zwar elektrisch funktioniert, aber nach einer Weile manchmal einfach nicht mehr fördert, wir haben schon den Schlauch ersetzt und die gesamte Pumpe gereinigt ... daher werde ich mir demnächst eine Whaler Gulper mit separatem Schwimmerschalter auf die Wunschliste schreiben, die ist wohl unempfindlicher als die jetzige Pumpe mit dem eingebauten Schalter.


    Wenn man das mit dem einlaufenden Wasser erstmal verstanden hat, ist es absolut in Ordnung. Dieses Jahr habe ich fasziniert dabei zugesehen, wie meine Dame nach drei Tagen des Diva-Daseins auf einen Schlag dicht wurde - super! Sie war später sogar so trocken, dass sie mir fast Angst gemacht hat ... man gewöhnt sich ja so an ein wenig Wasser in der Bilge...


    Stehhöhe finde ich persönlich auch gar kein Problem, aber ich werde manchmal als "laufender Meter" bezeichnet, bin also eher kurzgewachsen... endlich mal ein Fall, wo das praktisch ist, nicht 1,90 m groß zu sein!

  • Auch vom Tegeler See ein fröhliches Willkommen in der Runde!
    Als Anfängerin gleich ins geplankte Holzboot zu steigen ist eine reife Leistung. Da bin ich ein bisschen neidisch, denn die beste Ehefrau aller Zeiten liebt zwar Folkeboote, hat mir aber verboten, außer meinem Sperrholzdinghy irgendein anderes Holzboot zu erwerben. Auch haben wir am Steg zu wenig Wassertiefe, so bleibt es eben für uns eín Traum, den Du dir aber erfüllen konntest!
    Ich hoffe, es gefällt Dir hier a-online!
    :zumwohl:
    Gernot H.


    I'd rather be in my boat with a drink on the rocks than in the drink with my boat on the rocks!

  • Hallo Gernot,


    der beste Ehemann aller Zeiten liebt das Boot auch, hat aber klargemacht, dass das meine Verantwortung ist ... seitdem verfolge ich Jahr für Jahr eine steile Lernkurve bei allem, was Erfahrung sammeln heißt.
    Also nur keinen Neid: alle Reviere mit geringer Tiefe sind bei mir leider unmöglich und da gibt es auch viele sehr schöne Möglichkeiten zu segeln!


    Viele Grüße ins wundervolle Berlin!

  • Willkommen im Klub der Segelverrückten :havefun::viannen_01:


    Als (Mit-)Eigner habe ich auch gleich mit einem Holzboot, karwel beplankt, angefangen und bin dabei geblieben, mitlerweile Alleineigner. In den vielen Jahren ist es durchsaniert worden von mir und ich habe viele viele große und kleine Törns auf der Ostsee damit absolviert. Meine Antares ist Bj. 1956.


    Wenn Deine Folke nach drei Tagen dicht ist, ist alles in Ordnung damit. Noch besser ist es, wenn diese in der Saison sogar pottedicht wird. Dann ist Dein Holz gesund! Passiert bei mir erst Ende September, dass kein Tröpfchen Wasser mehr reinkommt von unten, dann wenn auch die Planken über Wasser durch höhere Luftfeuchtigkeit und demzuvolge mehr aufquellen mehr Druck auf die Planken unter Wasser geben.


    Was Bilgenpumpen betriff kann ich Dir empfehlen die Automatikpumpen von Rule Mate (USA) näher anzusehen. Gibt es in verschiedenen Größen und Leistungsstufen. Ich habe zwei davon in der zweitstärksten Stufe verbaut. Damit habe ich beim zu Wasser lassen, vor Ostern, immer das eindringende Wasser wieder raus bekommen. Völlig automatisch. Nach 2-3 Tagen, je nachdem wie trocken der Winter war, ist dann alles wieder dicht. Du weist wie ich das meine. ;)

    Gruß Torsten


    kis
    keep it simple

  • Hallo Mattze, danke für's Willkommen!


    Hallo Torsten, vielen Dank für das Willkommen, auch noch bei den Segelverrückten (das würde ich sofort unterschreiben!) Das mit der Automatikpumpe von Rule Mate schaue ich mir auf jeden Fall genauer hat - ich habe derzeit nur eine kleinen Johnson Pumpe an Bord, mit den beschriebenen Problemen. Also Boot in den ersten drei Tage alleinlassen ist etwas heikel und im Frühjahr dieses Jahr hat auch die große Tauchpumpe, die wir die erste Nacht mit Landstrom dran hatten, den Geist aufgegeben. Diese haben wir jetzt ersetzt, sind also für's nächste Mal für den Akutfall gerüstet. Aber wenn das völlig automatisch geht ist das natürlich nochmal viel besser! Hat die Pumpe auch eine separaten Schwimmerschalter? Ich habe sie nämlich bei mir nicht unter dem Cockpit, sondern direkt unter dem Schott (Niedergang, also im Bootsinnern erstes Bilgenfach) verbaut und da habe ich mich schon gefragt, wo ich den Schwimmer installieren soll.... muss ja der tiefste Punkt sein. Die Pumpe selbst könnte auch woanders hin (gesehen bei baugleichen Kollegen in der Steuerbord-Backskiste).


    Ja, das ist toll, wenn alles wieder dicht ist und ja - ich weiß genau, wie Du das meinst ;-)


    Besten Gruß
    Sabine

  • P.S. Hätte ich mal erst die Rule Mate nachgeschaut ... sie hat den Schwimmer integriert. Ich hatte sie auch schon mal in die engere Auswahl gezogen, aber wegen des Schwimmers habe ich das dann erstmal wieder verworfen, weil mir die Pumpen mit externem Schwimmerschalter als geeigneter beschrieben wurden. Ich schau mir das nochmal in Ruhe an, da gibt es ja auch viele Neuerungen - danke sehr!

  • Ja, die Automatikpumpen von Rule Mate, welche ich verbaut habe arbeiten völlig autak, mit eingebautem Schwimmerschalter, jeweils in der 1100 Gallonen pro Stunde bzw. 4100 l/h Version. Im Bild die rechte in der Steurbordbilge gibt es nicht mehr. Die neuen Version, im Bild links in der Backbordbilge verbaut ist das aktuelle Modell und "versagt" ihren Dienst, sollte Öl in der Bilge sein (Havariefall, wenn der Tank ausläuft o.ä.)
    Verbaut sind die bei mir jeweils mit Schwanenhälsen, um ein Ansaugen von Seewasser bei Krängung zu unterbinden. Elektrisch kann man die vielschichtig verschalten. Automatisch, per Hand zuschaltbar etc, je nach Schalterstellung und Anschlussart. Sind bei mir direkt am Akku nach der Hauptsicherung noch vor dem Hauptschaltet verbaut. Die neuen haben auch einen Softknopf am Gehäuse, um deren Funktion zu prüfen. Wie ich finde optimal entwickelt und gebaut und ohne Fehl und Tadel bisher. Die rechte schon über 18 Jahre. Die linke schon 3 Jahre.

    Files

    Gruß Torsten


    kis
    keep it simple

  • Hallo Sabine


    und herzlich willkommen von einem weiteren ehemaligen Folkebooteigner.
    Das sind schöne, handliche Boote und sie verzeihen sowohl seglerisch, als auch handwerklich durchaus den einen oder anderen Fehler.
    Eigentlich ist ein Folke nach dem Wassern nach einigen Tagen dicht, wie Du es auch beschrieben hast.
    Danach kann es sein, dass es über Wasser noch undicht bleibt, wenn es nicht regelmäßig aufs Ohr gelegt wird.
    Auch pralle Sonne ist nicht gut für die Leimfugen an Deck und Aufbau - mithin der typische deutsche Sommer in Zeiten des Klimawandels. Sollte das Boot für längere Liegezeiten noch kein Persenning haben, spendiere ihm gern eines!
    Für die Sonnenseite am (Dauer-)Liegeplatz hängen einige auch ein Persenning vom Deck bis zur Wasserlinie hinunter. Das kann auch aus altem Tuch zurechtgeschnitten werden. Das Tuch soll sich auf Wasserlinienhöhe mit Wasser vollsaugen und die Sonne soll diese Feuchtigkeit in den abgeschlossenen Zwischenraum zwischen Rumpf und Persenning verdampfen. Dies erhöht die Luftfeuchtigkeit unter dem Persenning und beugt dem Austrocknen des Rumpfes oberhalb der Wasserlinie zusätzlich vor.
    Sollte das Boot im U-Schiff weiterhin kontinuierlich irgendwo Wasser machen, läge dort ein Problem vor, das im nächsten Winter behoben werden sollte. Hierbei kommen automatische Bilgepumpen an ihre Sinn-Grenze: sie können verhindern, dass Du in Abwesenheit das Leck und vor allem dessen Ausmaß bemerkst oder richtig einschätzt. Sobald das Boot sich dichtgezogen hat, die Automatik also deaktivieren! Es sei denn Du bist wochenlang abwesend und die Bilge soll nicht voller Regenwasser stehen (falls das Boot kein Persenning hat).


    Früher war bekanntlich alles besser: zu Zeiten meines Folkebootes gab es in DK/Kerteminde noch die Folkebootcentrale, wo man buchstäblich alle Ersatzteile bis hin zu kompletten Riggs, Großbaum, Ruder usw. bekommen konnte.
    Ein Teil des Umfangs hat sich über mehrere Stationen erhalten können, falls noch nicht bekannt: KLICK
    Gruß und viel Spaß mit dem Boot!
    BTW: Welche Werft hat es denn gebaut?


    Gruß
    Andreas

  • Hallo Andreas,


    vielen Dank für das Willkommen und ich kann Deinen Beitrag nur unterstreichen: es ist ein wunderbares Boot und in meinem Fall besonders fehlerverzeihend ... es muss sogar derzeit verzeihen, dass es nicht im Salzwasser schwimmen darf, aber mangels Wohnortnähe zur Küste habe ich mich erstmal für den Binnensee entschieden.


    Das Boot wurde 1964 bei der Werft Brandt-Moeller gebaut, hat natürlich ein Holzrigg, einen Aufbau aus Mahagoni und ist wie gesagt liebevoll gepflegt und ausgebessert worden. Soweit ich in Erfahrungen bringen konnte, wurde es bisher in Dänemark und Eckernförde gesegelt, bevor ich es 2019 an den Möhnesee gebracht habe. Dort hat es natürlich eine Persenning bekommen, lediglich die Tücher bis zur Wasserlinie sind eine gute Idee als Ergänzung (danke!) Ja, Planken oberhalb der Wasserlinie möchten "trockengesegelt" werden - bei uns im Club spricht man auch liebevoll vom "Feng Shui Brunnen", den man aus dem Cockpit heraus bisweilen bei den ersten Runden des Jahres beobachten kann ... ich nutze das manchmal, um Passagiere zu necken, natürlich nicht ernsthaft böse (ich möchte ja nicht, dass sie sich ängstigen, denn es gab wohl mal ein Holzfolke, was seeeehr undicht war bei uns am Steg ... die Geschichten sind mir natürlich schon zu Ohren gekommen). Und ja, meine Bilgenpumpe ist aus, sobald das Boot grundsätzlich trocken ist. Schäden Unterwasser haben wir erfolgreich ausgebessert, ich bin sehr zufrieden mit meiner Werftauswahl, wo ich liebend gern mithelfe im Winter.


    Es gibt immer noch Stegnachbarn, die mitleidig fragen, ob das Boot denn nun auch trocken ist ... okay, manche haben vielleicht meine Action noch im Kopf, als ich nach dem Ausfall der Pumpe direkt nach dem Zuwasserlassen doch ziemlich beschäftigt war. Nachdem ich dann zwar eine Ersatzpumpe hatte, diese aber zumindest in der ersten Nacht nicht unbeaufsichtigt lassen wollte (der Schwimmerschalter war mir nicht ganz geheuer, es war eher so eine große Lenzpumpe mit externer Schwimmerbox), gab es eben kurzerhand eine Nacht bei 5° C Ende April an Bord ... im Sommer ist mir das Übernachten zwar lieber, aber was macht man nicht alles für seine Holzliebe :-)


    Den Link zur Folkebootcentrale kannte ich auch noch nicht, ebenso vielen Dank dafür!


    Besten Gruß
    Sabine