Standheizung: Vertrauen in CO-Melder

  • CO kann aus diversen Quellen freigesetzt werden,


    1. Abgas vom aussenbord wird ins Cockpit gedrückt (zB bei achterlichen Winden )
    2. Abgassystem der Maschine defekt, vor allem wenn ein trockener Auspuff montiert ist
    3. Betrieb vom offenen Feuerstellen (Kocher, Grill, Öfen) bei geschlossenen Luken
    4. und vielleicht auch eine durchgegammelte Dieselheizung.


    1 und 2 treten meist bei Motoryachten auf, größere Maschinenanlagen, Weg der Abgasführung am Heck sind die Ursachen
    3 passiert an häufigsten, oftmals aus Unkenntnis (fast regelmäßig an Land in Shisha-Bars!), will man das verhindern muss man neben Rauchmeldern bald flächendeckend CO-Melder einbauen
    Darum: ein nach EN hergestellter CO Melder ohne Wechselbatterie ist eine sinnvolle Sache, Fehlalarme sind vorprogrammiert.


    In der Praxis haben wir bei Betrieb des Kochers mit 2 vollen Flammen (a 2,4 kW) noch keine nennenswerten Mengen auf dem Warner gesehen. Mag an der ausreichenden Zwangsbelüftung des Schiffes liegen. Gleiche Erfahrung in der Werkstatt wo wir einen Teststand für Brenner f Petroleumbrenner haben.

    Gruß

  • Dann darfst Du Dich weder Handwerklich betätigen noch einen Haushalt führen, beides führt in Deutschland zu erheblich mehr Toten.


    Gewiss, aber wie viele dieser Todesfälle hatten wiederum durch Einhaltung bestimmter (oftmals preiswerter) Sicherheitsmaßnahmen (z.B. sich beim Leuchtenwechsel auf eine standfeste Treppenleiter stellen und nicht auf einen Bürostuhl) vermieden werden können?
    Ob das hier nun zielführend ist, solche Vergleiche anzuführen?


    Dann könnte man als gefährlichste Aktivität überhaupt das Leben anführen. Das Leben an sich ist zu 100% tödlich.


    Aber zur Sache: Ich halte es so, dass ich einen Melder im Salon im Fußraum des Naviplatzes platziere und einen im Fußraum des Vorschiffs.

    "To infinity and beyond" (Buzz Lightyear)

  • Das Thema ist zu interessant als das ich es ignorieren kann.


    Gerade der Ort der Montage scheint ein entscheidender Punkt zu sein. Hier ein Artikel aus dem Netz dazu. Die meisten Positionen erscheinen für eine Yacht als nicht geeignet, aber der Hinweis, daß der Melder auf Höhe der Atemwege montiert werden sollte ist wichtig. Tagsüber, wenn sich immer irgendjemand an Bord bewegt, Luke öffnet und schließt, erscheint aus meiner Sicht das Problem noch nicht so groß. Aber Nachts, wenn alles schläft....


    Also gehören die Melder nahe der Kojen in Kopf- bzw. Matratzenhöhe montiert. Auf die Gefahr hin, daß man unsanft geweckt wird. Besser als zu lange zu schlafen.


    Gruß, christian

    "Nach vorn geht mein Blick, zurück darf kein Seemann schau'n!" (La Paloma, Hans Albers)

  • Heute habe ich den CO-Melder an den Auspuff der Standheizung gehalten. Ich hätte gedacht, dass in den Abgasen CO drin ist und er anspringt. Tat er aber nicht.


    Heißt das, dass in den Abgasen tatsächlich kein CO drin ist, weil das eine "gute" Verbrennung ist, oder ist das fast gleichbedeutend damit, dass der CO-Melder nicht richtig funktioniert?


    Was meint ihr?

  • Heute habe ich den CO-Melder an den Auspuff der Standheizung gehalten. Ich hätte gedacht, dass in den Abgasen CO drin ist und er anspringt. Tat er aber nicht.
    Heißt das, dass in den Abgasen tatsächlich kein CO drin ist, weil das eine "gute" Verbrennung ist, oder ist das fast gleichbedeutend damit, dass der CO-Melder nicht richtig funktioniert?
    Was meint ihr?


    Hallo,
    ich hätte, wie du, auch vermutet, dass der Melder Meldung macht. Jetzt meine ich, beide Möglichkeiten sind möglich.
    - der Melder ist defekt - oder
    - Die Verbrennung an der Standheizung ist (nahezu) perfekt.
    ____________________________________________
    Ich würde die Frischluft-Zufuhr arg drosseln und nochmals "messen"
    CO entsteht bei einer unvollständigen Verbrennung. Bei guter (vollständiger) Verbrennung entsteht CO2.


    Reinhard

    Keiner und Nichts kann mich enttäuschen.
    Nur meine Erwartungen vermögen das.

  • Solange ein Brenner Luftüberschuss hat entsteht sehr wenig CO. CO selbst ist ja auch brennbar und verbrennt normalerweise mit blauer Flamme zu CO2.


    Wenn man das wirklich wissen will, weil man das Risiko kennen möchte, das besteht, wenn diese Brennkammer mal undicht wird, müsste man das Abgas wahrscheinlich messen. Selbst dann müsste etwas anderes auch noch vollkommen im Eimer sein, damit in der Kajüte ein CO-Melder eher anspricht als ein CO2-Detektor.


    Wenn Du den CO-Tester testen möchtest, sollte erstmal deutlich mehr CO entstehen, wenn Du die Luftzufuhr teilweise verschließt. Ich habe sowas noch nicht gemacht, könnte mir sber vorstellen, dass es mit einem Benzinkocher funktioniert, der in einem geschlossenen Kasten steht. Noch bevor die Flamme an Luftmangel erlischt, müsste soviel CO entstanden sein, dass jeder Melder vor Entzücken kräht.
    Vorsicht dabei. Wenn der Kasten warm wird und Risse kriegt, bitte langsam zurücktreten.

  • Jep, seid vorsichtig mit CO!
    Ein von mir sehr geschätzter Regular aus einem anderen Forum (nichts mit Segeln) ist vor über 15 Jahren auf einem Festival in seinem VW-Bus verstorben, CO-Vergiftung.
    Und ein Freund von mir (Ironischerweise in der Toxikologie tätig) hat im Winter eine Kohlenpfanne in sein "Mittelalter" Zelt genommen - sehr zünftig und hat auch ein bisschen warm gemacht. Am nächsten Tag hatte er ganz furchtbare Kopfschmerzen und kirschrote Lippen - CO Vergiftung. Zum Glück diesmal nicht tödlich...
    Immer wieder erwischt es auch welche, die meinen, mit Ihren Heizpilzen oder ähnlichen Gas-Strahlern ihre Gartenlaube heizen zu können. Nein, geht nicht!
    Also bitte am Boot auch nicht mit Behelfskonstruktionen heizen (Wie dem berühmten Tipp mit dem Blumentopf über der Gasflamme). Wenn schon mit offener Flamme, dann mit einer vernünftig installierten und gewarteten Heizung, die das Abgas nach draußen abgibt. Dazu auf jeden Fall einen CO-Melder.
    Ich bin sonst eher vom Team "pragmatisches Risikomangement" also nicht schnell panisch. Aber bei CO sollte man wirklich vorsichtig sein.


    Ich habe keine Dieselheizung am boot, nur einen Heizlüfter. deshalb auch keinen CO-Melder.
    Schöne Grüße,
    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Einen CO Melder kann man recht einfach und ungefährlich testen: Holzspan anstecken, auf Teller legen, Käseglocke oder Ähnliches drüber. Der Span wird erlöschen und nur noch glimmen, diese unvollständige Verbrennung produziert CO. Das reicht locker, um den Melder, den man mit unter die Glocke legt, auszulösen.
    Hat bei mir grossen Respekt vor Grills, Tabakspfeifen und Ähnlichem erzeugt!

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    Autokorrektur ist grässlich!
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  • Aber bei CO sollte man wirklich vorsichtig sein.


    Genau so sehe ich das auch. Deshalb der Versuch die CO-Melder zu testen, ob die überhaupt funktionieren. Zudem habe ich mit dem Kauf weiterer noch für ein bisschen Redundanz gesorgt ...

  • ...daher mein obiger Verweis zu offenen Feuerstellen in geschlossenen "Räumen", die sind in der Tat sehr kritisch und verantwortlich für die meisten CO-Vergiftungen im Land. An Bord sind dafür primär die Kocher zu betrachten (die aktuell größte Gefahrenquelle Shisha Pfeifen dürften ja eher als umseemännisch zu betrachten sein), Lüftungen, insbesondere Zwangsbelüftungen sind ja ein komplexes Thema auf Yachten.


    Rebitschek hat auf die diversen Ideen für Kocheraufsätze hingewiesen, ihr Gebrauch ist kritisch zu bewerten, solange diese in geschlossenen Räumen betrieben werden. https://hytta.de/kocher/Heizau…Gas-Campingheizer,726.htm.


    Dieselheizungen laufen mit einem guten Luft-Brennstoff Verhältnis und sollten daher weniger kritisch sein, korrodieren durch Schwefel ist praktisch out, weil im Diesel der S-Gehalt nur noch < 10 ppm beträgt. Allerdings sind die wenigsten Heizungen so montiert, dass sie ihre Verbrenungsluft von außen ziehen (wie zB Wallas und Truma bei der Gasheizung das gemacht haben).


    Darum, wer mit offenen Feuerstellen an Bord hantiert sollte sich einen CO-Warner hinlegen, kostet fast nicht und die sind wirklich gut. Auch wenn man das früher nicht gemacht hat....

    Gruß

  • Dieselheizungen [...] korrodieren durch Schwefel ist praktisch out, weil im Diesel der S-Gehalt nur noch < 10 ppm beträgt.


    Lässt sich das eigentlich herleiten, warum Schwefel bei der Korrosion so eine große Bedeutung hat? Irgendwie weil es in derselben Hauptgruppe wie Sauerstoff steht?

  • Lässt sich das eigentlich herleiten, warum Schwefel bei der Korrosion so eine große Bedeutung hat?


    Schwefel im Brennstoff wird bei der Verbrennung zu Schwefeldioxid, und daraus entsteht mit dem Wasser, welches ebenfalls bei der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen gebildet wird, schweflige Säure. Wenn ich so im Gedächtnis krame war da auch noch ein Weg, wie aus dem Schwefeldioxid teilweise auch Schwefeltrioxid wird, und das Produkt ist dann Schwefelsäure.
    Daher achtet man bei Abgasanlagen von Motoren, in denen stark schwefelhaltiger Brennstoff (Schweröl) verbrannt wird, darauf, dass das Abgas den Taupunkt (so um und bei 130°, meine ich mich dunkel zu erinnern) nicht unterschreitet, da man sonst bei der Korrosion der Abgasanlage fast zugucken kann.
    Gruß
    Robert

  • Um an die mahnenden Worte von Rebitschek anzuknüpfen: CO kommt wie ein Dieb in der Nacht, aber die Ursache ist trotzdem absehbar. Es muss kein Sauerstoffmangel herrschen, es genügt, wenn der Sauerstoffüberschuss zurückgeht. CO2 ist etwas schwerer, CO etwas leichter als Luft. Im Wachzustand wird man eine schleichende CO-Vergiftung bemerken ... solange sie nicht von anderen Vergiftungen übertüncht wird.


    Ich hatte jahrelang eine Katalytheizung in der Stube, damit es schon mal warm wird, bevor der Kamin angelegt ist. Natürlich lässt man sowas nicht an, wenn man schläft, in kleinen Räumen, wie im Inneren von Campervans oder Booten erst recht nicht.


    Eine Diesel-Druckheizung, die ich ausgebaut immer noch habe, hatte lange Tage einwandfrei funktioniert, bevor ich sie über Nacht mal anließ. Sauerstoff bezog sie aus der Raumluft und was wäre, wenn der Wind in das Kaminrohr drückt? Es klappte alles. Wenn man sich besoffen und verkatert fühlt, ohne es zu sein, ist es die Heizung. War ich nicht - alles bestens. CO2-Test hatte sie auch bestanden. Zufrieden war ich damit trotzdem nicht, weil man mit geschlossenen Löchern in übelem Mief schläft. Zu der Atemluft kommen feuchte Jacken, klamme Socken, der Geruch nach frischem Lederfett, schalem Bier aus ungespülten Gläsern, übrig gebliebener Eintopf, verlorene, plattgelatschte Erdnüsse, und früher noch kalt gewordene Zigarillos und ausgedrückte Gauloises. ... wir Wassersportler (!) Also nachts Heizung aus, Luft an = Luke gekippt, Sack zu. Solange Wasser noch flüssig ist, tun es rel. preisgünstige Säcke.Man fühlt sich morgens wie neu geboren und ist voller Tatendrang.