Eine Welle steigt vom Heck ein

  • Oft wir darüber berichtet: " Eine Welle steigt vom Heck ein " :loudly_crying_face:


    Wer hat praktische Erfahrungen damit?
    Unter welchen Umständen ist das passiert?
    Auch schon mal bei einer LM?


    Bei meiner, wie auch bei den meisten LM27's ist das Cockpit nicht selbstlenzend und zum Salon geht es abwärts.
    Das wäre, wenn wirklich eine Welle einsteigt, nicht so gut. Ich gehe aber davon aus, dass 100 Liter Wasser von einer LM
    locker weckgesteckt werden können.

    LM27 - nicht schnell aber komfortabel 😜

  • Noch nie passiert und da liefen schon gehörig hohe Wellen von achtern an.
    Allerdings habe ich mal 2 Brecher an die Seite bekommen. Das ganze Schiff zitterte. Und viel Wasser brachten die beiden Brecher auch aufs Boot. Habe aber ne selbstlenzende Plicht.

    Gruß Torsten


    kis
    keep it simple

  • Eingestiegene Welle hatte ich auch noch nicht, ab und an mal das Cockpitsüll in Böen versenkt, das ab denn auch reichlich Wasser ins Boot.
    Oder ne gerissene Leimfuge, und mal so 500 oder 600 Liter Wasser im Boot gehabt, also deine LM wird auch noch mit 500 Liter oder mehr klarkommen, keine Panik.

    • Official Post

    Moin,


    ich habe mal in einer besonderen Situation eine Welle übers Heck herein bekommen. Da bin ich bei Hackwetter ein MüB (Mütze über Bord)-Manöver gefahren. Weil ich das Ding alleine mit dem Bootshaken seitlich einfach nicht heranangeln konnte, habe ich es rückwärts gegen den Wind versucht, damit sich das Boot alleine ausrichtet. Wie blöd die Idee war, habe ich erst gemerkt, als ich im Heck stehend pitschnass war. Allerdings habe ich eine fast freien Ablauf am Heck und ein Brückendeck vor dem Niedergang. :grinning_squinting_face:
    Gruß Klaus

  • wie auch bei den meisten LM27's ist das Cockpit nicht selbstlenzend


    Wo bleibt denn das Wasser wenn es mal drei Tage regnet? Muss das Boot immer abgedeckt werden?

    Gruß SY mona Willi

  • Hatte ich, bei sehr sehr schlechtem Wetter, mit einer Albin und mit einer V.d. Stadt. Es läuft halt wieder raus. Es lief auch etwas in die Stiefel, weil sie nicht hoch genug waren. Die V.d. Stadt hatte eine große Luke zum Motor im Cockpitboden, die sich als nicht genügend dicht erwiesen hatte. Habe ich dann nachgebessert. Die LM hat in dem Bezug einen zu bequemen Niedergang. Mit Rauslaufen ist ja das Entleeren nach außen und nicht in die Kajüte gemeint.
    Ich hatte auch ein Boot, mit dem hätte ich es nie riskiert und bin deswegen etwas zurückhaltender gewesen. Regen ist natürlich abgelaufen, aber eine ganze Welle ist schon etwas mehr Wasser als selbst ein Gewitterregen.

  • Unsere Hanse 320 hat ein offenes Heck. Wir haben in jetzt 11 Saisons auf der Ostsee noch keine Welle gehabt, die vom Heck einsteigt.
    Das Heck hebt sich mit den Wellen und lässt sie unter dem Boot hindurchlaufen.
    Sollten wir mal Wasser von Vorne bekommen, läuft es rasend schnell ab - wie bei der Winner 9 von Klaus.
    Und, uns ist noch nichts durch das offene Heck entschwunden.
    Jan

  • Fahrt ist alles, sagen die Segelflieger.
    Vor der Jütländischen Nordseeküste türmen sich die Wellen gerne auf. In dieser Nacht so heftig, dass die höheren den tiefstehenden Mond gelegentlich abdeckten. In der Plicht wurde es dunkel, dann hob sich das Heck bis die Welle durchgelaufen war. Von der Seite gelangte manchmal eine Kelle voll über das Süll. Kritsch wurde es, als wir in der Zufahrt nach Spodsbjerk den Wind achterlich hatten, nicht das wir das Einsteigen von Wellen befürchteten, aber das Boot war schwierig auf Kurs zu halten. Richtig eingestiegen ist nichts.


    Gruß Franz

    halber Wind reicht völlig

  • Ist mir passiert, habe ich hier auch schon erzählt:


    - Boot: Feeling 446
    - Ort: ca. 200 sm SW-lich der Azoren
    - Wind: ca. 45-50 kn.
    - Welle: ca. 30 ft. hoch
    Die Daten zu Wind und Wellenhöhe stammten von einem Frachter, der uns per UKW einen aktuellen Wetterbericht zukommen ließ (das war 1998, da waren Wetterberichte und Internet per Satellit nicht so selbstverständlich wie heute). Will sagen, das dürfte halbwegs realistisch sein, unsere Windanzeige zeigt etwa das gleiche an; geschätzt waren die Wellen höher...
    Wir liefen vor kleiner Fock vor der See ab. Die Wellenberge, die von achtern anrollten waren beeindruckend, aber nicht beängstigend. Matthias, mein Wachänger saß am Ruder und ich auf der Leeducht.
    Irgendwann türmt sich dann achtern eine See viel höher und steiler auf als die bisherigen. Sie kommt quasi mit Ansage, aber trotzdem ohne Chance, auszuweichen Ich erinnere mich noch gut, dass ich dachte "Oh scheissssssse!". Direkt über dem Heck bricht sie und spült mich (> 90 kg) und Mathias (eher > 100 kg) in den Seezaun. Das Schiff läuft aus dem Ruder und schießt in die Sonne. Der Mast nicht ganz auf dem Wasser, aber kurz davor. Aus der Kajüte hören wir Rumpeln und klirren, dann richtet sich das Boot wider auf. Von unten kommt die Meldung "hier ist alles wohlauf, Bei Euch alles klar?" Wir bejahen und bringen das Boot wieder auf Kurs.
    Fazit:


    - Ja, so was passiert, wenn auch selten. Auch bei Booten, die deutlich größer sind als eine LM27. Aber vielleicht nicht auf der Ostsee...


    - Es war nicht vorherzusehen. der Brecher baute sich "plötzlich" hinter dem Heck auf.


    - Ob das eine der Wellen war, die immer mal wieder brachen und nur zufällig diesmal an der "richtigen" Setelle brach oder ob es eine besonders hohe war, kann ich nicht mehr sagen, ich tendiere zu ersterem.


    - Man hat keine Chance, sich festzuhalten. Ohne den Seezaun wäre ich über Bord gegangen. Wir wegen des Wetters angelein, würde ich heute bei schwerem Wetter auch jederzeit machen.
    - Das Boot hat das völlig unbeindruckt weggesteckt. Großserienboote halten offensichtlch mehr aus, als viele Ihnen zutrauen. Unter Deck ist einiges durcheinandergraten, aber das konnte man leicht wieder wegräumen. Viel kaputtgegangen ist auch nicht.
    Heute, aus der Rückschau ein interessantes Erlebnis, möchte es trotzdem nicht noch einmal erleben. Der totale Kotrollverlust, wenn einem so eine Welle zeigt, wer das sagen hat, ist nicht angenehm.
    Schöne Grüße,
    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Ganz einrucksvoll (von Grönland nach Island): https://youtu.be/ZzbAqP36WJY?t=1056


    Gute Cockpit-Abläufe sind … gut!


    "Sailing Wave Rover" hat eine im Vorspann der neueren Videos (26' Contessa). Alan wurde auch mal bei einem Knock-Down der Heckkorb eingedrückt: https://youtu.be/AwQ0yJdi3Vg?t=1743

    Arbeite am Unterwasserschiff. :grinning_squinting_face:
    Segle mit nur ein Jahr altem Unterwasserschiff. :grinning_squinting_face:
    Irgendwann muss ich wieder ans Unterwasserschiff. :loudly_crying_face:

  • Danke für eure Antworten!
    Seewievke wird wahrscheinlich auf der Ostsee bleiben und was das Wetter angeht sind wir vorsichtig.


    Die Antworten beruhigen mich.


    Wenn es regnet wird die Kuchenbude mehr oder weniger zu gemacht. Die Crew und das Cockpit bleibt trocken.
    Unser Ölzeug brauchen wir eigentlich nur beim Anlegen und in Hafen :grinning_squinting_face:

    LM27 - nicht schnell aber komfortabel 😜

  • Das eine Welle einsteigt haben wir auch schon gehabt. Sehr kräftiger Wind aus Westen, ablaufendes Wasser und dann vor Minsener Og. Also Wind gegen Strom. Dazu bei Neumond so gegen ein Uhr. Also sehr dunkel. Ich sah nur immer den Schaumkante von den Wellen, gefühlt sehr hoch, von hinten kommen. Besser nicht hinsehen. Dann ging es hinten hoch und die Welle lief durch. Nur schlugen wir zwei mal quer und einmal war alles unter Wasser. Niedergang war zu und ich war angeleint alleine an Deck. Das muss ich nicht wieder haben.


    Gruß Rainer

  • Quote

    Ja, so was passiert, wenn auch selten. Auch bei Booten, die deutlich
    größer sind als eine LM27. Aber vielleicht nicht auf der Ostsee...


    Ich glaub das gibt ein paar Orte wo das durchaus passieren kann und passiert
    Wenn Wind gegen Strom ist würde ich durchaus damit rechnen, da werden keine Wassermassen kommen aber unangenehm kanns schon werden

  • Roman's Fazit ist auch meins: der kurzzeitige Kontrollverlust ist das Eigentliche was einen wirklich aus dem Inneren Ruder laufen lässt.


    Holger

    Holger

    SV RUNAWAY (Catalina 34) - gerne mal anklopfen, wenn ihr mich irgendwann irgendwo seht :smiling_face:

  • Hatten wir schon einmal von Süden kommend kurz vor Rotterdam. Wind war um die 30kn aus Süden, Wellen zwischen 2 und 3m.
    Auf einem Brecher stand halt unser Name drauf, er hat genau den Heckspiegel getroffen. Das Brückendeck war erfreulicherweise hoch genug. Sinnigerweise hatte ich kurz vorher wegen des Sonnenscheins das Ölzeug ausgezogen.

    Dietmar



    -failure is always an option-

  • Moinsen,
    ich würde querschlagen und Einstieg über das Leedeck mal außen vor lassen - das ist ja verwandt mit dem Sonnenschuss und derartige "Wannen" gab es bereits häufiger.
    Aber 2x stieg eine Welle von achtern bzw. von Luv ein.
    Einmal bei an sich handigem Wetter mit etwa 5 Bft etwas achterlicher als qu`ab auf der Nordsee auf dem Weg von Orkney in den Hardangerfjord.
    Es war eigentlich schönes schnelles Segeln mit langen Seen. Wir hörten plötzlich hinter uns ein lautes Rauschen und sahen eine größere Welle als die übrigen, die sich genau in Luv von uns brach und deren Weißwasser das Cockpit komplett flutete. Es handelte sich um eine Grinde, der Niedergang war offen und es kamen auch diverse Pützen nach innen.
    Ein weiteres Mal war auf der Außenelbe mit achterlichem Starkwind und Wind gegen Strom, als eine Welle über das Heck des Folkeboots einstieg und ebenfalls das Cockpitsüll überwand.
    Auch das war doof, weil das Cockpint nicht selbstlenzend war und danach Anlass zum Pumpen bestand.


    Viele Male jedoch kamen von achtern steile Seen und das Heck hob sich wie von Geisterhand genau reichtzeitig. Besonders von unserem Folkeboot konnte man sagen: das Cockpitsüll hatte seine Berechtigung.


    Ich denke, das Problem sind unmittelbar hinter dem Schiff brechende Seen, denn deren Weißwasser bietet keinen Auftrieb.


    Daher halte ich mein aktuelles Boot, die Scankap-99, auch nicht für wirklich seetüchtig, wenngleich durchaus zu Recht gesagt werden kann, dass sie viel Wind vertragen kann - aber das ist nicht das Selbe. Dort stieg zwar noch nie eine See ein, aber die Cockpitwanne ist bis zum Spiegel durchgezogen und der Ausschnitt des Niedergangs reicht fast bis zum Cockpitboden und natürlich ist er üblicherweise offen. Ein Überraschungsgast wie der zuerst geschilderte, der auch das Süll einer Grinde überwand, läuft da bis in den Salon durch. Es kommt selten vor, aber auf See wird es irgendwann eintreten.


    Gruß
    Andreas

  • Hab ich 2x erlebt. Einmal ein Brecher direkt von achtern in der Scheldemündung. Wir liefen mit unserer Fruit de Mer, 37 Fuß, Stahl, gut 11t, raumschots bei reichlich Wind nur unter halb weggerolltem Yankee mit 7-8 Knoten. Ich saß an der Pinne, mit mir im Cockpit mein halbwüchsiger Sohn. Niedergang mit Brückendeck, 1 Steckschott eingesteckt, die Klapptüren darüber offen. Plötzlich höre ich über dem allgemeinen Lärm von Seegang, Starkwind und Rauschefahrt hinter mir ein ungewöhnliches Brausen. Hinter mir eine fast senkrechte Wasserwand, die auf uns zurollte. Mein Sohn verschwand mit einem Satz unter Deck und knallte hinter sich noch geistesgegenwärtig die Klapptüren zu. Einen Moment später kippte der Brecher von hinten ins Cockpit und hat mich bis auf die Knochen durchnässt. Dass Cockpit vollgelaufen, aber dass lief durch die beiden dicken Lenzrohre in kürzester Zeit wieder ab.Insgamt haben wir Glück gehabt. Keiner über Bord gegangen, kaum Wasser unter Deck, Boot nicht aus dem Ruder gelaufen. Ursache für den Brecher war wohl, dass ich über eine etwas flachere, aber für mein Boot eigentlich ausreichend tiefe Stelle gelaufen war, die eine größere Welle so aufgestellt hatte, dass sie sich genau hinter mir brach.


    Das zweite Mal war mit dem gleichen Boot auf dem Weg von den Abacos nach Bermuda. Ich war einhand unterwegs, als nachts wohl eine nicht vorhergesagte Front durchlief, jedenfalls nahm der Wind innerhalb von Minuten von Beaufort 3 auf Beaufort 8 raumschots zu mit gleichzeitig kräftigem Winddreher. Ich hatte Vollzeug, Rollgenua und Groß. Ich rollte,so schnell es eben ging, die Genua auf weniger als ein Drittel ein und nahm das Groß ganz weg. In kürzester Zeit baute sich eine steile, unangenehme, aber noch nicht sehr hohe See auf. Wellenhöhe ca 2m, aber eben sehr steil. Während ich auf dem Kajütdach stehend das Großsegel auftuchte und festzurrte, kam von schräg achtern eine dieser steilen Seen und brach sich ins Cockpit, das Boot stark krängend. Ich war glücklicherweise mit Lifebelt gesichert, hab aber einen Mordsschrecken gekriegt. Cockpit voll bis zum Süll, Niedergang gottseidank geschlossen, nichts passiert.


    Fazit: sowas passiert selten, aber früher oder später wird es passieren. Ob man vor der Scheldemündung, vor Bermuda oder über dem Stoller Grund unterwegs ist.

    Better to be on the boat with a drink on the rocks than to be in the drink with the boat on the rocks

  • Ich kann mich erinnern, dass es vor etlichen Jahren (muss irgendwann in den 80ern gewesen sein) einen Fall gab. Da versuchte eine LM eines der Seegatten zwischen den Ostfriesischen Inseln bei zu viel Wind zu durchfahren. Es kam wie es kommen musste und eine Grundsee schwappte von hinten rein. Das große Cockpit der LM war sofort voll Wasser, was dazu führte, dass das Boot unmittelbar auf Grund ging. Ob andere Boote diese Situation besser überstanden hätten ist unklar, aber das große nicht selbstlenzende Cockpit war in dem Moment sicher ein Nachteil.

  • In der Nordsee gab es vor 16-18 Jahren mal einen DGzRS-Einsatz, weil eine von Helgoland in die Elbe einlaufende Grinde einen Brecher von hinten ins Cockpit und von dort in die Kajüte bekommen hat.


    Warum der Niedergang bei den wohl herrschenden Bedingungen (W :smiling_face_with_sunglasses: nicht verschlossen war, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Welle rauschte laut Eigner wohl mehr oder weniger ungebremst ("Brückendeck" ist ca. 25 cm hoch) bis ins Vorschiff.


    Bei der LM würde ein geschlossenes Schott wohl nichts bringen, aber bei einem selbstlenzenden Cockpit natürlich schon.

    Der Weg ist der Weg. Das Ziel ist das Ziel.

  • So selten ist das gar nicht - selbst wenn man in der Grundgeschwindigkeit schnell genug ist um mit den Wellen mitzufahren. Uns ist jedenfalls beim Baltic500 in 2020 auch eine brechende Welle bis zum Backskistendeckelende eingestiegen - war ziemlich überraschend aber natürlich für die dicke Black Pearl absolut ungefährlich.