Stevenrohr innen Durchmesser erhöhen

  • Hallo allerseits,

    bin dabei, meine Wellenanlage zu erneuern. Es soll eine flexible Wellenkupplung eingebaut werden und auf Anraten eines bekannten Propellerbauers sollte auch die Gummistopfbuchse eines noch bekannteren Herstellers zugunsten einer fettgeschmierten Stopfbuchse weichen.


    Nun das Problem: Mein Stevenrohr hat einen Durchmesser von 35mm. Die Werft, die vor 20 Jahren die Austauschmaschine eingebaut hat, hat einen Adapter zwischen Stevenrohr und Gummistopfbuchse gebaut, um auf den Durchmesser von 42mm zu kommen, den die Stopfbuchse braucht.

    Wenn ich diesen Adapter weiter verwende, bekomme ich, egal welche Stopfbuchse ich verwende, die flexible Wellenkupplung nicht eingebaut, da zu wenig Platz zwischen Getriebeflansch und Stopfbuchse ist.

    Eine Stopfbuchse für ein 35mm-Stevenrohr gibt es nur als Gleitring-Version, das möchte ich nicht wegen der Untauglichkeit im Winter bei Frost im Wasser liegend, wie man mir sagte.

    Mir geht nun durch den Kopf, auf das 35mm-Stevenrohr eine Hülse zu schieben (Bronze oder Carbonrohr) und mit Epoxy zu verkleben, um direkt am Stevenrohr auf die benötigten 42mm Durchmesser zu kommen.

    Hat so etwas schon jemand mit Erfolg durchgeführt oder ist das eine dämliche Idee von mir?


    Ideen möglichst mit Erläuterungen wären mir sehr willkommen.


    Vielen Dank schon mal

    Michael

  • Ich weiß, das hilft dir jetzt nicht weiter, aber ich möchte verstehen, warum man die Volvo Seal rausschmeißt um auf eine fettgeschmierte Dichtung zu wechseln? Planst du dich einfrieren zu lassen? Wie tief ist die Volvoseal unter der Wasserlinie? Wie dick müsste also das Eis sein, damit sich die Fettpackung von SPW lohnt?


    Groetjes


    Alex

  • Moin Alex,

    ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Stopfbuchse wirklich wechseln werde, zumal ich inzwischen gelernt habe, wie ich sie selbst wechseln kann...;-).

    Die Beratung von SPW ging nur in diese Richtung und die Begründung lief darauf hinaus, dass die SPW-Stopfbuchsen eine größere Einsatzbreite haben (Temperatur) und mögliches auf Grund gehen besser verhindern sollen.

    Ich habe natürlich dahingehend recherchiert und festgestellt, dass es keinen einen Fall gibt, wo aufgrund eines Versagens der Gummistopfbuchse ein Schiff auf Grund gegangen ist.

    Aber die Entscheidung, welche Stopfbuchse ich verwenden will, ist nicht mein primäres Problem....

  • Das Stevenrohr ist aus GFK, wenn ich dich recht verstehe? Dann klingt das doch erst mal machbar: Entfetten, schleifen, aufdicken. Muss halt genau konzentrisch sein, sonst sitzt die Volvoseal nicht gut auf der Welle.


    Groetjes Alex

  • .........

    Mir geht nun durch den Kopf, auf das 35mm-Stevenrohr eine Hülse zu schieben.......... auf die benötigten 42mm Durchmesser zu kommen.

    ...............

    Nimm statt der Hülse ein Stück Schlauch, z,B,

    https://www.schlauch-profi.de/…riante%20w%C3%A4hlen&c=13

    Artickelnummer: 10011135-42


    In jedem Fall würde ich bei der Gummi"stopfbuchse*" bleiben.


    * ich gehe davon aus, dass es die Dichtung von Volvo ( oder Allpa) ist. Es ist jedoch keine Stopfbuchse sondern eine Lippendichtung. Das Wort "Stopfbuche" wird oft als Synonym für Wellendichtung genommen und führt dann zu Missverständnissen.


    Gruß Franz

    halber Wind reicht völlig

    Edited once, last by grauwal ().

  • Ich hatte nach Volvo-Stopfbuchse (gut) eine Gleitringdichtung (auch gut, aber verlor Vorspannung) die SPW-Stopfbuchse. Diese dichtete gut ab, aber nach wenigen Jahren kam Wasser aus dem Fettreservoir , sodass ein Austausch des Simmerings erforderlich wurde.

    Heute habe ich eine Evolution-Stopfbuchse (ähnlich Volvo) mit Entlüftungsschlauch und Schraube oben zum Einfüllen des Fetts. Diese oder die Volvo-Stopfbuchse würde ich heute wieder nehmen

    Gruß Jens

  • Segelalex: Das Stevenrohr ist aus Bronze, da will ich aber nicht irgendeine Metallhülse draufkleben wollen, entweder das gleiche Material - eben Bronze - oder dann ein Epoxy-Rohr.

    Allerdings finde ich den Tipp von grauwal sehr interessant, einfach ein passendes Schlauchstück auf das Stevenrohr zu schieben und darauf dann die Gummibuchse.

    Der verlinkte PVC-Schlauch passt schon wunderbar. Ich werde mich noch mal informieren, denn in einem anderen Forum habe ich eine Firma entdeckt, die quasi in meiner Nachbarschaft liegt und Spezialist für Schläuche ist: https://indu-flex.de/produktkategorien/schlaeuche/

    Mal sehen, was die mir empfehlen.


    Und es spricht in der Tat viel dafür, bei der Volvo-Buchse zu bleiben, zumal meine noch ziemlich frisch ist. Der Bericht von Tamino , auch wenn es nur eine individuelle Erfahtrung ist, bestätigt das. Auf transocean.org gibt es ein PDF, das die Stopfbuchsen/ Wellendichtungen miteinander vergleicht. Und da kommt die Liüppendichtung ebenfalls gut weg.


    Daher schon mal vielen Dank für euer Feedback.

  • Bronze? Ist da ein Außengewinde drauf? Wenn Ja, kann du ein passendes Teil drehen lasse und mit Loctite aufkleben.


    Beim Schlauch weiß ich nicht so recht. Ich denke nicht, dass du mit der Schelle der Volvoseal genügend Druck durch den Gummi der Volvoseal hindurch auch noch auf den Schlauch aufgebaut bekommst, um den ausreichend fest auf dem Stevenrohr zu befestigen. Bei einem Freund ist die Seal so mal vom Stevenrohr gerutscht. Dann müsstest du den Schlauch schon nach hinten aus der Volvo Seal herauschauen lassen und ihn dort nochmal separat klemmen plus mit MS Polymer aufkleben. Sonst hätte ich da keine Ruhe.

  • Nein, leider kein Außengewinde. Und das Stevenrohr schaut nur 36mm aus dem Rumpf nach innen. Das würde bedeuten, das die VolvoBuchse komplett über das Stevenrohr geschoben werden muss, auch mit eventuellem Aufdoppelungsschlauch- oder rohr.
    Mit einem GFK-Rohr kann ich ebenfalls Probleme bekommen, weil im Stevenrohr zwei Nuten laufen. Das Bild ist eine starke Vergrößerung, daher nicht so super scharf.


    Im zweiten Bild siehjt man die ursprüngliche Adapterverbindung, die möchte ich nicht mehr verwenden.Stevenrohr gross.jpgSchlauch-Flansch Länge mittel.jpg

  • Bronze? Ist da ein Außengewinde drauf? Wenn Ja, kann du ein passendes Teil drehen lasse und mit Loctite aufkleben.


    Beim Schlauch weiß ich nicht so recht. Ich denke nicht, dass du mit der Schelle der Volvoseal genügend Druck durch den Gummi der Volvoseal hindurch auch noch auf den Schlauch aufgebaut bekommst, um den ausreichend fest auf dem Stevenrohr zu befestigen. Bei einem Freund ist die Seal so mal vom Stevenrohr gerutscht. Dann müsstest du den Schlauch schon nach hinten aus der Volvo Seal herauschauen lassen und ihn dort nochmal separat klemmen plus mit MS Polymer aufkleben. Sonst hätte ich da keine Ruhe.

    Ich habe diese Lösung beim Einbau eines Trinkwassertanks verwendet und musste beim Einbau heftig an der Verbindung zerren, sitzt bombenfest.

    Das PVC fühlt sich sogar etwas "klebrig" an und die knappen 36mm reichen satt für eine Gelenkbolzenschelle.


    Gruß Franz

    halber Wind reicht völlig

  • Es gibt einen Nachbau von Radice Italien, die haben verschiedene Durchmesser für das Stevenrohr. Es handelt sich um die Wellendichtung mit dem Schmiernippel und Anschluss für Wasserzufuhr. Vertrieb durch ALLPHA.

    Die ist besser als die original Dichtung von Volvo....

    Würde nie wieder eine Gleitwellendichtung einbauen. Bin auch auf den Blödsinn von den früheren PALSTECK Berichten hereingefallen. Hatte die Stopfbuchse in meiner Jeanneau Rush gegen eine Gleitwellendichtung getauscht. Den Ärger mit dem Mistding hätte ich mir besser nicht angetan. Man muss nicht alles glauben, was im PALSTECK steht.......Vorspannung ging verloren....Gummi wurde weich.

    Habe in meinem jetzigen Boot die Wellendichtung, von Volvo, beim Austausch werde ich diese gegen die von Radice tauschen, falls es der Platz zulässt ( habe in der Wellenanlage auch noch einen Python Drive Homokinetisch, daher alles sehr eng).

    Ps. Der Einbau des Python Drives war die beste Veränderung am Schiff. Der Motor läuft sehr ruhig. Hatte in den letzten 40 Jahren alle möglichen Wellenkupplungen eingebaut, der Python Drive ist die beste Wellenkupplung. Hatte die Centro, Vetus, Gummikupplung etc. in der Vergangenheit.

    In der Rush ist jetzt die Radice Wellendichtung und Vetus Kupplung. (meine Tochter segelt die Rush).

  • Hmm, seltsam. Ich habe genau die gegenteilige Erfahrung gemacht: Volvo Seal immer dicht. Radice nicht. Da suppelten immer mal wieder ein paar Dröppel durch. Das allerdings bevor ich den Drehflügelprop hatte und die Welle beim Segeln mitdrehte. Egal. Radice hat 43 mm Stevenrohrdurchmesser minimal bei 25 mm Welle.


    Groetjes


    Alex

  • Es gibt einen Nachbau von Radice Italien, die haben verschiedene Durchmesser für das Stevenrohr. Es handelt sich um die Wellendichtung mit dem Schmiernippel und Anschluss für Wasserzufuhr. Vertrieb durch ALLPHA.

    Die ist besser als die original Dichtung von Volvo....

    ...........

    Ja, hatten auch eine Rush, deren Stevenrohr hat nicht den üblichen Durchmasser.

    Beim Motorwechsel habe ich nach 7 Jahren die Volvodichtung durch die Allpadichtung ersetzt, die dann noch mal 7 Jahre im Einsatz war. Beide absolut dicht und die von Allpa hatte neben den Vorteil auf das Stevenrohr zu passen noch die beiden Nippel. Einen zum Schmieren (1x im Jahr), einen zum selbsttätigen Entlüften. Achtung, den Entlüftungsschlauch deutlich über die Wasserlinie ziehen, sonst suppt er beim 'Rückwärtsfahren.


    Gruß Franz


    PS: Foto von der Schlauchzwischenlage und der Allpa (Radice) WellendichtungTech 2012-4-30 008da.jpg

    Tech 2012-4-30 039xa.jpg

    halber Wind reicht völlig

    Edited once, last by grauwal ().

  • Es gibt einen Nachbau von Radice Italien, die haben verschiedene Durchmesser für das Stevenrohr.

    Moin ocean sailor: Das ist eine wertvolle Information, danke! Denn die Radice gibt es auch für einen Stevenrohrdurchmesser von 39mm, damit bin ich schon mal 4mm näher dran.

    Parallel sendet mir die Firma Indu-Flex ein Schlauchmuster: Ein Stück Silikonschlauch innen 35mm, außen 39mm. Das könnte also hinhauen. Mit meinem Adapterflansch kann ich die Festigkeit der Verbindung mit der Radice-Dichtung dann erstmal testen.


    Und es gibt einen Plan B: Habe gestern mit meinem Vater über das Problem geplaudert, seines Zeichens Schiffbauer. Der sagte mir, dass man zZ im U-Bootbau Rohrverbindungen aufschrumpft, da kein Platz für Flansche. Ich könnte mir also eine passende Hülse aus Bronze drehen lassen und die auf mein Stevenrohr durch Erwärmen aufschrumpfen. Ich muss noch heraus bekommen, wie hoch eine Bronzehülse erhitzt werden muss, damit ich sie auch über die flachen Nuten des Stevenrohrs bekomme. Und ich muss mir Gedanken machen, wo die Wärme in unmittelbarer Nähe des GFK dann bleibt. Nicht, dass mir das dann der Rumpf aufschmilzt. Jedenfalls sei das im Schiffbau eine gangbare Methode.

    Mit ist dass nicht so geheuer, da brauche ich noch Rat von weiteren Experten ….

  • ........................ Ich könnte mir also eine passende Hülse aus Bronze drehen lassen und die auf mein Stevenrohr durch Erwärmen aufschrumpfen. ...................

    Das wir leider nichts werden. Das Stevenrohr ist weder von der Oberfläche noch von der Maßhaltigkeit für eine Schrumpfverbindung geeignet.

    Zum Schrumpfen bedarf es eines Festsitz oder Pressitz, d.h. bei Einheitswelle (das wäre in diesem Fall das Stevenrohr, Toleranzfeld h) brauchst Du ein Gegenstück mit einer Bohrung M oder höher. Es geht da um einige Tausenstel und eine perfekte Oberfläche, z.B. 35h6 (oder 7) / P7 (oder8), schreibt sich dann 35h7/P8. Das lässt sich nicht realisieren.

    Die Temperatur wäre nicht das Hindernis, die Hülse müsste außerhalb auf ca. 150°C gebracht werden. Falls das dann nicht mit einem Rutsch klappt, gibts ein Problem.

    Gruß Franz

    halber Wind reicht völlig

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  • Das wir leider nichts werden.

    ...schade... den Hintergrund kann ich gut nachvollziehen. Außerdem hätte ich wie gesagt an der Stelle mit dem "einen Rutsch" auch so meine Bedenken.

    Ich warte nun die Lieferung der Radice Wellendichtung und des Schlauchmusters ab und teste das dann. Ich denke, das ist der erfolgversprechendste Ansatz.

    Vielen Dank für die vielen Anregungen, das hat mich erheblich weiter gebracht. 👏

    Und über Test und Einbau werde ich dann berichten. Vor allem auch von den Eindrücken während des Wasserns...😉

  • Viel Erfolg! Ach übrigens: Volvo untersagt in der Bedienungsanleitung der Volvo Seal die Verwendung mit einer Flexkupplung. Das hat mich von nichts abgehalten, bislang ohne Probleme. Aber: Durch die Flexkupplung und die Motorlager "wandert" die Welle immer etwas hin und her von es von Vor auf Achetraus geht. Daher muss die Dichtung so superfest sein auf dem Flansch, denn sondert, wandert die irgendwann mit und letztelich ab. Auch wegen des Drucks vom Wasser. Also wenn du was bastelst, halte es nachher gut im Auge die erste Zeit.


    Groetjes


    Alex

  • Viel Erfolg! Ach übrigens: Volvo untersagt in der Bedienungsanleitung der Volvo Seal die Verwendung mit einer Flexkupplung. Das hat mich von nichts abgehalten, bislang ohne Probleme. Aber: Durch die Flexkupplung und die Motorlager "wandert" die Welle immer etwas hin und her von es von Vor auf Achetraus geht. Daher muss die Dichtung so superfest sein auf dem Flansch, denn sondert, wandert die irgendwann mit und letztelich ab. Auch wegen des Drucks vom Wasser. Also wenn du was bastelst, halte es nachher gut im Auge die erste Zeit.


    Groetjes


    Alex

    ...deswegen werde ich die Radice nehmen ;-) Aber dank dir für den Tipp! Und auf alle Fälle behalte ich das im Auge. Und in der Tat soll eine flexible Kupplung eingebaut werden. Ich schwanke noch zwischen der SPW-Kupplung und einem Sigma-Drive, was doppelt so teuer ist und die "Wanderbewegungen" u.U. eher verstärken könnte.

  • ......... SPW-Kupplung und einem Sigma-Drive, .......

    So eine Kupplung koppelt die Bewegungen des Motors von der Welle, dafür ist sie da. Darum ist mir die Maßgabe von Vollvo absolut unverständlich.

    Bei uns und im Freundeskreis waren mehrere Uniflex-Kupplungen

    https://www.svb.de/de/elastische-kupplung-typ-uniflex.html

    im Einsatz, die verzeihen auch Fluchtfehler bis zu 1,5° (Das sollte aber nicht vorkommen)

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