Zwei Schiffe auf der ARC aufgegeben

  • Ja komisch ne, als ob wenn man ein Boot auch mal nutzt, Dinge kaputt gehen. Weiß jeder Regatta Segler, dass wo gehobelt wird nunmal auch Spähne fallen.


    klar hält Omas Golf auch 34 Jahre, bei einer jährlichen Laufleistung von 200km und feinem Platz in der Garage. Der Skoda Kombi vom Vertriebler ist dafür schon nach 3 Jahren fritte.

    Das ist bei Booten nicht anders.

  • Zitat:

    276 Yachten antworteten. Davon wurden 167 (= 58%) beschädigt. Die häufigsten Schäden waren:

    • Segel: 97
    • Laufendes Gut & Decksausrüstung: 76
    • Rig, Bäume & Rollanlagen: 54

    das entspricht ja doch dem zu erwartenden an Verschleiß bei ca 3000 nm Segelstrecke.

    War bei mir (ohne ARC) auch nicht anders. Hin im Passat ein Genuafall oben an der Rolle durchgescheuert nach insgesamt fast 5000nm, aber es gab ja noch ein zweites Genuafall, und bei Flaute bin ich dann leise fluchend in den Mast, und hab ein neues eingezogen.

    Auf dem Rückweg hat die Rollgenua durch Scheuern an einem Schäkel der Seereling ein kleines Loch bekommen. War eigentlich vermeidbar. Getapet, nachgenäht, und gut wars.


    Also Schäden an einem Segel und am laufenden Gut.


    Schäden an der Navielektronik, am Generator oder am Watermaker oder an den Wasserleitungssteckverbindungen entsprechen auch den Erwartungen, sind aber ja nicht gefährdend. Wer das schlimm findet, soll halt küstennah segeln, damit der nächste Servicebetrieb ihm weiterhelfen kann.

    Auch Motorschäden sind ja bei so einem Unternehmen nicht wirklich relevant. Muss man halt unter Segeln an seinen Ankerplatz und dort sich um die Reparatur kümmern.


    Schäden an stehendem Gut, Mast, Baum(weniger schlimm, aber eigentlich erstaunlich), oder an der Ruderanlage dagegen betreffen essentielle Systeme, das bringt eine solche Überfahrt sofort an den Rand des Scheitern oder Schlimmeres. Diese Zahlen sind zwar kleiner, aber eigentlich viel zu hoch. Denn dies ist doch die Barfußrute, unter dem vermeintlich ewig blauen Himmel des Passat und seinen stetigen, milde schiebenden Winden.

    Better to be on the boat with a drink on the rocks than to be in the drink with the boat on the rocks

  • Nochmal zum Thema Ruder:

    Viele Ruderanlagen werden leider auch eher stiefmütterlich bei Wartung und Service behandelt. Solange es sich bewegt, ist bei vielen noch alles in Butter.

    Deshalb staune ich, dass bei der ARC die Ruderanlagen nicht einer peinlichen Prüfung vor der Abfahrt unterzogen werden.

    Vieles könnte man somit im Vorfeld abstellen.

    Ausnahmen bestätigen sicher die Regel, ein Spatenruder kann sehr solide und auch sicher sein.

    Regelmäßige Prüfung hilft, kleinere Fehler zu entdecken. Gerade auch auf neuen Schiffen sollte die Aufmerksamkeit und der Prüfdruck hoch sein, denn gerade im Yachtbau gibt es selten gesicherte Qualität! Kleine Fehler und Mängel können so schnell zu einem Fiasko führen.

    Handbreit, Ansgar

  • irre finde ich die Zahl das mehr als die Hälfte Schäden davontragen ( beim Segeln )

    Hm - bei "unserer" ARC 2014 musste auch dauernd irgendwas repariert werden: Spi (Totalschaden), Spibaum, Klo, Bullenstander, Zähne des Skippers... 😬

    Knapp 3 Wochen Dauerbetrieb gehen am Material nicht spurlos vorüber.


    Nachtrag: und Mastrutscher! Mensch, was haben wir Mastrutscher getauscht! 😩

    Viele Grüße
    Jens


    --

  • Solche Umfragen sind doch etwas pauschal. Schäden am Mast/Baum: WAS war es? Waren Mast/Baum noch zu gebrauchen danach?


    Wir sind wohl dieses Jahr (ohne Mitgliedschaft in der ARC) relativ gut weggekommen. Das Spifall war gerissen, zum Glück erst drei Tage vor dem Ziel, und den Parasailor haben wir mitten in der Nacht auch noch aus dem Wasser gekriegt.


    Ich bleibe dabei, so viele kaputte Ruder dürften nicht passieren.

  • Deshalb staune ich, dass bei der ARC die Ruderanlagen nicht einer peinlichen Prüfung vor der Abfahrt unterzogen werden.

    Moin, das wäre sicher sehr sinnvoll, hilft aber scheinbar auch nicht immer. Vor ein paar Jahren musste eine Hanse-Skipper auf dem Atlantik das Schiff aufgeben wegen Ruderschaden nach Überprüfung in Portugal. Das Boot war erst ein paar Jahre alt. Ich habe mich damals schon gefragt ob so ein Spatenruder, so strömungsgünstig es auch sein mag, wirlich das richtige für eine seegehende Yacht im Dauerbetrieb ist, das Thema dann aber nicht weiterverfolgt da ich wohl eher nicht in die Verlegenheit kommen werde das auszuprobieren. Aber zu denken gibt das schon.

  • Ein befreundeter Schiffbauingenieur hat mir mal erklärt, dass ein freistehendes Spatenruder kein bisschen schlechter sein muss als ein am Skeg angedübeltes. Im Gegenteil. Nur eine Frage der Dimensionierung.


    Und es gibt Schiffe, 10, 20, 30 Jahre alt, die haben, keine Ahnung, Whitbread Round the World oder sonstwas, abertausende Meilen unter wirklich harten Bedingungen auf dem Buckel und da fällt auch nichts auseinander.


    Wenn jetzt auf 5 von 10 nicht eben günstigen X-Pure Yachten die Ruder abfallen, weil sie mehr für Rund Fünen und nicht für Rund Erdball gerechnet sind, würden die sich bestimmt ganz schnell ne Lösung einfallen lassen, bevor das Image den Bach runter geht.


    Es kann eigentlich nicht sein, wenn aus Gründen von mehr Reibach an einem der wichtigsten Teile am Boot gespart würde. Mit zu kleinen Winschen kann man leben. Aber mit zu kleinen Ruderlagern?


    Aber wer hat Schuld? Der Konstrukteur? Die Werft? Der Zulieferer?


    Im YACHT Test der neuen Hanse 460 wurde auch bemängelt, dass Teile der Ruderanlage nicht zugänglich sind. Damit wird man dann EYOTY Gewinner!?

  • x49.jpg



    So sieht das bei der X4.9 aus. Über die Dingigarage hat man wohl keinen Zugang; vor dem Ruderschaft ist der Technikkanal mit Generator (laut Decksplan mit Schott zum Ruder).


    Also ähnlich wie bei der Hanse 588. Und wegen der Heckkklappe sind Selbststeueranlagen sicher auch nicht einfach anzubauen, allenfalls ganz am Rand (falls das überhaupt geht?).


    Diese "Dingigaragen-Einruder-Konstruktionen" scheinen jedenfalls keine idealen Boote für die Bewältigung eines Ruderschadens auf hoher See zu sein...

  • :nixweiss2: Man weiss es nicht.



    Nochmal der Text aus der YACHT

    (...) Laut Information der dänischen X-Yachts Werft vom 22. Januar hatte sich an Bord aus bisher offenbar unbekannten Gründen die Ruderwelle aus dem oberen Ruderlager gelöst. Nur noch vom unteren Lager fixiert, beschädigte die Welle dadurch den GFK-Koker, was zu Wassereinbruch führte. (...)

    Über das Satelliten-Telefon nahm sie Kontakt zur Werft auf, schaffte es jedoch auch unter Anleitung nicht, den lockeren Ruderschaft wieder ins obere Lager einzuführen. Der Ruderschaft konnte offenbar auch nur unzureichend provisorisch fixiert werden.

    Dass die das auf offener See nicht wieder zusammenkriegen wundert mich nicht.

    Wie soll man die Welle bei dem Gewackel in das Lager einführen?

    Und das Biest wiegt ja ein paar Pfund, das ist ja schon an Land, wenn man von außen drankommt, nicht einfach.


    Die eigentliche Frage bleibt

    • Wurde das in der Werft lediglich falsch montiert?
    • War das Ruderlager (oder irgend ein Teil) fehlerhaft?
    • Hat da nachträglich einer dran gefummelt (z.b. wg. Einbau Autopilot)?
    • Oder ist die ganze Konstruktion Mist?


    Das würden wir wohl nur erfahren, wenn jemand das Schiff birgt und dann genau untersucht.

  • Obwohl ich jetzt eigentlich kein Cat-Fan an sich bin, hat ein Cat den Vorteil, 2 Motoren und 2 Ruder zu besitzen. Mit jeweils 1 davon müsste man sich eigentlich durchhangeln können. Wenn der Einrümpfer kein Notruder hat, ist dann eben beim Ausfall vom einzigen Ruder fertig lustig.


    Ich denke mal, man wird schon wissen, warum das Ruder auseinandergefallen war, da gibt es bestimmt Fotos. Offensichtlich hat niemand Lust, öffentlich zu informieren.


    Dass man auf Windruder verzichtet, kann ich noch verstehen heutzutags. Strom ohne Ende etc. Aber eben: Die Redundanz scheint auch beim hohen Preis nicht dabei zu sein...

  • Das die das auf See nicht reparieren konnten wundert mich auch nicht. Bei den Platzverhältnissen im Liegen oder auf allen Vieren mit max. zwei Personen dürfte da nichts zu machen sein.


    Der o.g. Ingenieur hat zweifellos Recht wenn er sagt das man Spatenruder einigermaßen ausfallsicher konstruieren kann. Soweit ich weiss wird das inzwischen auch in der Grossschiffahrt zumindest teilweise praktiziert.

    Ich denke das bei Yachten da wieder Kompromisse gemacht werden (müssen). Wenn das Ding zumindest theoretisch noch gleiten können muss darf alles was hinten liegt nicht so wahnsinnig viel wiegen, dazu kommen dann noch die teilweise chaotischen und daher kaum vorhersehbaren Strömungsverhältnisse innerhalb der Wellensysteme. Da dann einen Mittelweg zu finden der allen Ansprüchen gerecht wird dürfte eine äußerst interessante Aufgabe sein. Der Computer wird sich kaum verrechnet haben, aber ob da alle wichtigen Größen in der Gleichung waren? Got my doubt...

    LG Hendrik

  • 276 Yachten antworteten.

    Ich vermute mal ganz stark, dass vor allem die geantwortet habe, die in Sachen Beschädigungen etwas zu erzählen hatten.

    Und es gibt Schiffe, 10, 20, 30 Jahre alt, die haben, keine Ahnung, Whitbread Round the World oder sonstwas, abertausende Meilen unter wirklich harten Bedingungen auf dem Buckel und da fällt auch nichts auseinander.

    Wenn ich die Berichte von diesen Extremrennen lese, dann haben die Skipper ständig was zu reparieren. Alex Thomson war auch nicht der einzige, der seinen zerbröselnden Rumpf zusammen laminieren musste.


    Es wäre auch ein Wunder, wenn man völlig unbeschadet über einen Ozean käme. Bei uns ist im November auf dem Atlantik das Vorstag gebrochen und die gesamte Rollanlage konnten wir über tausend Meilen seitlich beigebändselt transportieren. Shit happens, wenn man sein Boot beansprucht.

    Gruß, Klaus

  • Es soll ja Forumsmitglieder geben, denen auf dem Ijsselmeer, also lange vor einer Weltreise, die Palme runter kommt (und die dann ihre Signatur ändern müssen) :verstecken::frech:

  • 276 Yachten antworteten.


    Ich vermute mal ganz stark, dass vor allem die geantwortet habe, die in Sachen Beschädigungen etwas zu erzählen hatten.

    Tatsächlich war die Antwortrate der teilnehmenden Yachten sogar ausgesprochen hoch. Wenn man sich die Grafik der Umfrage in

    #175 anschaut: 290 boats in fleet, 276 Yachten antworteten.

    Damit kann man mit der Statistik schon ein bisschen was anfangen. Nur, da hat Krokopelli recht, es sagt nichts über die Schwere der Schäden aus. Schäden an Segeln und laufendem Gut kann reiner Verschleiß oder Unaufmerksamkeit oder beides sein. So wie bei mir in #183 beschrieben. Damit muss man rechnen und klarkommen.

    Aber 3 Bootsuntergänge auf vielleicht auch diesen Winter wieder ungefähr 300 Schiffe, davon alle ziemlich groß und irgendwo zwischen 'flammneu' und 'noch nicht alt', das gibt doch zu denken.

    Quasi eine Verlustrate von 1%. Ich hoffe doch, dass 1% Verlustrate nicht typisch für Atlantikquerungen auf der Barfußroute ist.


    Und das, wo zum einen die ARC mit dem Gefühl der zusätzlichen Sicherheit durch 'betreutes Segeln in der Flotillie' wirbt, und andererseits die Werften ebenso versuchen, ein Sicherheitsgefühl mittels neuer möglichst großer Boote zu verkaufen.


    Es stellt sich damit die Frage, ob da die falschen Schiffe auf die Reise geschickt wurden, oder ob, durch das vermittelte Sicherheitsgefühl, die falschen Menschen zu dieser Reise verleitet wurden. Von ungewöhnlichen Passatstörungen oder sonst besonders extremen Wetterverhältnissen habe ich jedenfalls bisher nichts gehört.

    Better to be on the boat with a drink on the rocks than to be in the drink with the boat on the rocks

    Edited once, last by Watt.Segler ().

  • Hallo,

    Ein paar Anmerkungen:


    Nach einer amerikanischen Studie werden Yachten im Schnitt drei Tage im Jahr bewegt, die meiste Segelei findet bei Windstaerken deutlich unter 5 Beaufort statt.

    Eine Oceanueberquerung entspricht 10 Jahre Normalgebrauch. Ausserdem, ist eine Ost - West Ueberquerung des Atlantik nicht eben die Eigernordwand des Segelsports.


    Dahingehend kann sich jeder ein Bild bezueglich der zu erwarteten Beanspruchung und des Design Briefs machen.


    Vergleiche von Ruderdesign zwischen Grosschiffart und Segelyachten ist nicht angebracht. Die groesste Variabel und Unbekannte im Entwurf eines Ruders ist Speed.

    In der Grosschiffart ist der Speed deutlich unter der Rumpfgeschwindigkeit und im wirtschaftlichen Bereich angesetzt und zudem konstant. Das erlaubt eine genaue Berechnung der Ruderlast und nebenbei noch solche Spaesschen wie einen Wulstbug, der eben auch nur in einem sehr begrenzten Geschwindigkeitsbereich von Nutzen ist.

    Bei einer Segelyacht, insbesonders, ist das eben nicht der Fall. Zudem werden Yachten immer leichter und somit schneller. Da eine Obergrenze des Speeds nicht (mehr) definiert ist, ist das Ruderdesign deshalb auch sehr schwierig festzulegen. Der Entwurf eine Spatenruders hat auch gewisse Grenzen, naemlich der Drang hin zu einer mazimalen Streckung mit kurzer Sehne, ohne dabei eine optimale Profildicke von 12% zu ueberschreiten. Das setzt eben Grenzen zum Ruderschaftdurchmesser.


    Was die Situation im Serienbau angeht, sollte noch angemerkt werden, dass ein Spatenruder eben auch billiger in der Herstellung und im Einbau ist als ein Ruder mit separatem Skeg oder auch ein am Langkiel angehaengtes.

    Es mag ein jeder selbst seine Gedanken dazu machen.


    Was den Einsatz brandneuer Schiffe fuer ein Ozeanrennen/passagen betrifft: Ein Freund von mir war an der Ueberfuehrung eben meherer solcher Boote von La Rochelle nach Martinique beteiligt. In mindestens zwei Faellen musste das Boot schon nach oder waehrend der Biskayapassage zurueck an die Werft, um gravierende Maengel zu beseitigen. In einem Fall nahm das Boot soviel Wasser auf, dass sie es nur mit Muehe zurueck schafften.


    Gruss, Andrew

  • 3 Tage im Jahr, Oh mein Gott dann hat mein Boot mit etwa dem 10 fachen ja dann schon lang seine Lebenszeit überschritten....

  • Tja ,wenn man das Bild der X Yacht so sieht ist für jeden klar warum man etwas am Ruder schlecht reparieren kann.

    Da ist schlicht und einfach ein Boden mit Dinghi drin auf dem Ruder.

    Ohne Garage kommt man meistens von den Achterkammern oder von oben

    ins Heck und das ist schon recht Eng dort hinten drinnen. Und zum anderen ist da auch mehr Höhr für den Ruderkoker und den Lagern d.h. der Hebel setzt anders an.