Zwei Schiffe auf der ARC aufgegeben

  • Bin auch eben auch aus einer Atlantik Überquerung zurück.


    Eigentlich ist diese Route ja im Winter eher für mittlere,bis stärkere Winde bekannt, und weniger für schwere Stürme.


    Was mich aber grundsätzlich im Bootsbau wundert, ist, wie häufig die Ruderanlanlage versagt. Nur schon bei der ARC 1 Boot, dann haben es doch im Gespräch etliche erlebt. Eigentlich sollte doch Ruderverlust und Wassereinbruch so das letzte sein, was einer Jacht passieren kann. Leider ist es nicht so, da scheint doch oft unterdimensioniert gebaut worden zu sein...?

  • Guck mal bei YB, vielleicht steht da was.

    ... auf dem Wasser kann man nie oft genug sein!:Kaleun_Binocular:

  • In unserem Fall war das mit der Ruderanlage unsachgemäßer Einbau nach irgendeiner Reparatur (war Charter). Die Seilspanner waren nicht gekontert, haben sich losgearbeitet und dann sind die Seile vom Quadranten gesprungen - dem Konstrukteur ist da wohl kein Vorwurf zu machen, außer dass es bei Doppelrad natürlich schöner wäre, es hinge nicht alles am gleichen Spanner.

    Da sich das Schiff massiv in den hohen Wellen bewegte und das Ruder nicht festzustellen war, war die größte Herausforderung, nicht die Finger in die Mechanik zu kriegen, während wir versuchten, die Seile wieder drauf und dann stramm zu kriegen. Und das natürlich in seefestigkeitstestender Über-Kopf Haltung....

  • Ich bin mir sicher, dass jede Not-Situation auf See anders ist, denn sie ist abhängig von so vielen, jeweils unterschiedlichen Faktoren wie Wetter, vom Zustand des Schiffs und seiner Crew, von der Erreichbarkeit helfender Kräfte und vielem mehr. Da sollte sich niemand, der nicht persönlich dabei war, anmaßen zu sagen, ein Schiff sei "zu früh" aufgegeben worden. Solche Beurteilungen vom heimischen Sessel aus halte ich grundsätzlich für unangebracht. Zumal dann, wenn kaum Fakten bekannt sind.

    Grüße, Peter

    🇺🇦

    Edited once, last by Pütting ().

  • Zu den Seilsteuerungen:

    Von den drei gängigen Systemen - Seil, Hydraulik, Schubstange - ist die Seilsteuerung wohl nach wie vor die billigste und unzuverlässigste. Mir sagte mal ein Skipper von Sailing Island, er hätte noch keinen Saison ohne Schaden daran erlebt. Dieses hier scheint ein weiteres Beispiel dafür zu sein.

    Hydraulik ist dagegen wegen der fehlenden Rückmeldung unbeliebt, Schubstange (zu) teuer, zumal man diese bei der Konstruktion z.T. schon berücksichtigen muss. Irgendwas ist halt immer.

    Für uns war die zuverlässige Schubstangensteuerung eines von vielen Argumenten für unser gegenwärtiges Schiff, als wir es seinerzeit kauften…

  • 2017 traf ich die "Benswiss" eine Hanse 575, die auf einer geplanten Weltumsegelung war. Nach mehrfachen Problemen mit der Ruderanlage, ohne Kollision, wurde das Vorhaben abgebrochen.

  • Was die Sicherheit und Redundanz angeht, ein Blick auf "richtige" Blauwasseryachten:


    Bei Allures zum Beispiel gibt es für jedes Steuerrad einen Quadranten, die jeweils beide Ruder, oder, wenn eines im Schlund eines Orca verschwunden ist, jeweils auch das übriggebliebene Ruder ansteuern können (Schubstangensteuerung). Da muss also schon viel schief gehen.


    Overkill: Wenn das alles versagt, gibt es unterhalb der Badeplattform eine ins Alu eingeschweißte Halterung, in die man u.a. ein Notruder einstecken kann.



    Die Charlotte Jane, die Hanse 588, hat mittlerweile Rodney Bay erreicht. Die Nachzügler hat sie nicht mehr eingeholt. Im myhanse Forum will ein User berichten, wenn er mehr weiß.

  • ... hier der Link zu YB im Browser ohne APP.

    ... auf dem Wasser kann man nie oft genug sein!:Kaleun_Binocular:

  • Mir sagte mal ein Skipper von Sailing Island, er hätte noch keinen Saison ohne Schaden daran erlebt. Dieses hier scheint ein weiteres Beispiel dafür zu sein.


    Auf der Robulla tut die Seilsteuerung, ihrem Aussehen nach, sicherlich schon die über 40 Jahre Lebenszeit des Boots. Man kann die halt gut bauen, man kann die aber auch billig bauen. Dann kostet der Kahn aber halt insgesamt auch mehr als eine Hanse.

    So wie sie bei mir gebaut ist, packe ich mir eine Ersatzladung Steuerseil ein, gut ist. So wie sie wohl bei der Hanse gebaut ist, kann das Seil vom Quadranten hüpfen und dann die Steuerung blockieren. Zum einen fallen dadurch beide Steuerräder aus (weil beide am selben Steuerseil hängen), zum anderen hilft dann nicht mal mehr die Notpinne (Hörensagen, meine Quelle ist allerdings idR sehr zuverlässig).

  • Who knows?

    Es gibt halt immer wieder Argumente für die gute alte Pinnensteuerung, statt sich das halbe Cockpit mit 2 Steuerrädern zu verbauen.

    Gruß Thomas



    Die besten Kapitäne sterben an Land

  • Nun ja, selbst die Vende Globe 18m Boliden steuern mit Pinne, was kein echter Vergleich ist.

    Aber man könnte ja auch an 2 Pinnen denken oder seitlich verstellbar gekröpft oder Ausleger oder...

    Ich mein ja nur. (Bei Radsteuerung steh ich auf Whitlock)

    Gruß Thomas



    Die besten Kapitäne sterben an Land

  • Was meint Ihr, sollte an mentaler Stärke, Erfahrung und anderen Dingen gegeben sein, bevor man sich auf so große Fahrt begibt?

    Soll man das wie eine Pauschalreise buchen können und wenn es einem dann etwas anstrengend wird, kommt halt der Hubi oder ein anderer Retter? Oder sollte das Seebären vorbehalten sein, die genug Erfahrung haben, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit alle Unbilden zumindest aushalten, wenn sie sie schon nicht mehr beherrschen können?

    Wenn ihr das skippern würdet, wie würdet Ihr die Eignung der Crew feststellen, was wären Eure Kriterien? Wenn Ihr selbst Interesse an einem solchen Törn als Mitsegler hättet, was würdet Ihr euch vorher selber fragen?

    Nun, ich denke, dass ein großer Teil ohne dementsprechende Erfahrung und vor allem Mentalität rüberfährt (nicht die Skipper aber die Crew) und es passiert nix. Solche Ereignisse wie jetzt die zwei Schiffe auf der ARC sind zum glück doch recht seltene Ereignisse. Wenn man sich überlegt, wieviel tausend da jährlich in die Karibik rüberschippern. Im Winter ist die Karibik doch überfüllt mit Schiffen aus aller Welt, oft auch welchen, die nicht gerade Blauwassertauglich sind.


    Ich denke, dass bei einem souveränen Skipper und einem soliden Schiff, die Crew nicht erfahren sein muss, nur zu verwöhnt darf sie nicht sein und auch unbequeme Situationen aushalten können. Also vielleicht nicht Leute, die nur Cluburlaube machten und das Segeln als schicken Luxus-Urlaub assoziieren.