Rollerbatten, aufrollbare Segellatten für Rollvorsegel

  • Beim Aufräumen meines Rechners habe ich einen alten Wochenbericht gefunden. Die Wochenberichte erscheinen normalerweise am Montag auf der Website der Segelwerkstatt Stade. Schon seit ca 1998 machen wir gute Erfahrungen mit dem System. Ich selbst habe diese Latten seit 2001 in meinen Vorsegeln Genua 3 und Selbstwendefock. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung dafür.


    Hier kommt der Bericht:


    Rollerbatten (Bericht von 2013)15 Jahre sind eine lange Zeit. Obwohl wir wissen, dass Rollerbatten nur einen Kompromiss darstellen, verarbeiten wir sie schon die ganzen Jahre bei hohen, schlanken Vorsegeln im Achterliek, wenn diese Segel aufgerollt werden sollen.

    Bei einer Genua 3 sind Rollerbatten inzwischen zum Standard geworden.

    Was sind überhaupt Rollerbatten? Es sind Ersatzsegellatten, die in einer Genua 3 oder einer Selbstwendefock Anwendung finden, wenn diese auf einer Rollreffanlage gefahren werden. Rollerbatten bestehen aus einem Gurtbandschlauch, in den zwei, ca. 500 mm lange und 50 mm breite Metallstreifen eingelegt sind. Diese Metallstreifen sind nur 0,5 mm dick. In Querrichtung besitzen sie eine leichte Wölbung. Jeder Metallstreifen funktioniert ähnlich wie ein Stahlmaßband, das man ja auch aufrollen kann.

    Dadurch dass man die jeweilige Wölbung nach außen in den Gurtbandschlauch schiebt ergibt sich eine gewisse Steifigkeit. Die beiden Bleche stehen sozusagen gegeneinander. Wenn das Segel jetzt aufgerollt wird, kommt 500 mm vor dem Achterliek die jeweilige Latte an das Vorliek. Durch die Torsionskraft, die das Segel um das Vorstag wickelt, werden die beiden Bleche im wahrsten Sinne des Wortes platt gedrückt. So verlieren sie für die Zeit des Aufrollens ihre Spannung und erst wenn das Segel wieder abgerollt wird, springen die Rollerbatten in ihre ursprüngliche, gerade Form.


    Um zu verstehen warum Rollerbatten für einige Segeltypen so wichtig sind, muss man etwas tiefer in die Segeltechnik einsteigen.

    Ein Segel muss im Achterliek zwischen dem Segelkopf und dem Schothorn immer hohl, also konkav, geschnitten werden. Bei einer Achterlieklänge von 13 m sind es schnell 300 mm bis 400 mm, die in der Mitte des Achterlieks abgestrakt werden müssen. Dies ist, neben dem Flächenverlust und der schlechteren Anströmung an das Großsegel, ganz besonders aerodynamisch eine Katastrophe. Um ein möglichst gerade geschnittenes oder noch besser ein konvex gerundetes Achterliek zu erhalten, brauchen wir Segellatten. Diese kennen Sie auch aus Ihrem Großsegel: Verjüngte Glasfaserlatten, die sich der Segelprofilierung anpassen.


    Da wir in Segeln, die aufgerollt werden sollen, keine festen Glasfaserlatten einarbeiten können, werden Rollerbatten in das Segel gearbeitet.


    Eine Alternative wären an das Achterliek genähte senkrechte Segellatten, die parallel zum Vorliek laufen. Das obere Ende der Segellatten befindet sich dann direkt am Achterliek und die jeweilige Latte läuft in einem sehr spitzen Winkel in das Segel. Da sie genau so weit wie die Rollerbatten, also ca. 400mm, in das Segel hinein ragen müssen, sind diese Segellatten immer sehr lang. Die Lattenlänge beträgt in der Regel 1,3m bis 1,6m.

    Leider vereinigt diese Fertigungsart deutlich mehr Nachteile, z. B. wird das Achterliek auf Grund der langen Segellatten sehr schwer. Dies ist natürlich schlecht für den Segelstand. Ferner wird das Zusammenlegen der Segel ein Problem, da zwischen dem oberen Ende einer Segellatte und dem unteren Ende der nächsten Segellatte sehr wenig Tuch zum Falten bleibt.

    Das Hauptproblem ist aber ein „Scharniereffekt“.

    Dieser ergibt sich aus der senkrechten Kante vor den Segellatten und führt dazu, dass das älter werdende Achterliek mit der kompletten Lattenpartie wegkippt.

    Doch auch die Rollerbatten sind nicht ohne Nachteile.

    Diese sind z. B. dass sich ein Rollreffschlauch schlecht über die aufgerollte Genua 3 ziehen lässt, die Lattenenden stehen am Achterliek immer einige Zentimeter ab und behindern den Rollreffschlauch, wenn er hochgezogen wird. Eine weitere, wenn auch nur sehr selten auftretende Schwierigkeit könnte sich ergeben, wenn sich eine Segellatte aus dem schlagenden Segel heraus arbeitet. Diese Möglichkeit besteht aber bei allen Verarbeitungsvarianten, also auch bei den Latten parallel zum Vorliek.

    Für weitere Fragen zu Rollerbatten oder der Segelfertigung im Allgemeinen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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  • Doch auch die Rollerbatten sind nicht ohne Nachteile.

    Diese sind z. B. dass sich ein Rollreffschlauch schlecht über die aufgerollte Genua 3 ziehen lässt, die Lattenenden stehen am Achterliek immer einige Zentimeter ab und behindern den Rollreffschlauch, wenn er hochgezogen wird.

    Ja, es kann ein bisschen haken, aber eigentlich ist das fast zu vernachlässigen.


    Und wenn, betrifft es nur die oberste. Die anderen schmiegen sich komplett an.


    fock I.jpg


    fock II.jpg


    fock III.jpg

  • Ich habe eine Genua mit Rollerbattens. Kurz gefasst: ich würde sie nicht mehr nehmen.


    Probleme:

    - Oberste Latte schon nach der ersten Saison gebrochen. Ich vermute, weil sie bis in den Bereich der Segelkrümmung reicht, und so ständig gewalkt wird.

    - zu viel Spannung auf dem Achterliek, faltet sich in Z-Form. Sehr unschön, jetzt das 2. Mal nachgearbeitet.


    Ich bin mittlerweile der Meinung, dass Latten im Vorsegel für Fahrtensegler wie mich nicht nötig sind. Die 5% Segelfläche mehr sind den Aufwand nicht wert.

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    Autokorrektur ist grässlich!
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  • Nö, die Diskussion dazu hatten wir schon 😉😉😉😟

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    Autokorrektur ist grässlich!
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