Colvic Watson 31.5 Ein Motorsegler, es kommt drauf an was man draus macht ...

  • Meine Familie hatte immer eine gewisse Affinität zu England und ich habe vor langer Zeit eine Weile lang

    gelegentlich am Bahnhof die "Yachting World" gekauft.

    Das war natürlich mal etwas ganz anderes als die "Yacht".


    In den 80ern gab es da immer mal Anzeigen von Colvic für Kaskos zum Selberausbauen glaube ich.

    Fand ich immer spannend, auch weil manche Boote ein bisschen aussahen, als wenn Mike Peyton sie konstruiert hätte...


    Insofern finde ich das toll, dass hier jetzt auch so etwas vertreten ist.

    Und die Optimierung finde ich wirklich schön.

    Im Original sieht das ja auch eher nach Arbeits-/Fischerboot mit Besegelung aus.

    Da so etwas yachtiges draus zu machen, finde ich super.


    Was LF über das Leichtwindsegeln schreibt, finde ich auch ganz richtig.

    Wir hatten da auch schon so gewisse Erfahrungen auf Leichtwindregatten wenn man so eine alte schwere 70er-Jahre Kiste im Nacken hat.

    Weil da jemand tatsächlich mal in eine gute große Genua investiert hat und damit umgehen kann.


    Ich glaube, Ted Hood hat - wenn auch mit ganz anderen Rumpfformen - etwas ähnliches gemacht.

    Der hat ja auch schwere Verdränger mit tiefen V-Spanten konstruiert,

    die aber für ordentliche Reisegeschwindigkeiten bekannt sind.


    Ob die Werte und Winkel nun genau stimmen - who cares?

    Solange Spaß und Zufriedenheit stimmen ist doch alles gut.

    Man weiß ja, wie wenig dieses "ich habe diesen oder jenen überholt" aussagt.

    Wir überholen auch immer die tollsten Boote, aber auf Regatta schlägt die Realität gnadenlos zu.


    Zu den Glenans: Die machen doch Segelausbildung, oder?

    Wenn ich Segelausbildung auf unserem Vereinsboot mache, kommt das Boot auch häufig nicht aus dem Quark.

    Das ist ja auch nicht das Ziel - die Leute an Bord sollen erstmal segeln lernen.


    Holger

  • Als Junge wurde ich des oefteren den Sommer ueber nach England verschifft. Mein Onkel wohnte damals in Itchenor, eben da wo Northshore die Fisher baute. Ich erinnere mich gut wie ich sie auf deren Freigelaende bewundert habe. Mein Onkel hatte stapelweise die Ausgaben von YM und PBO und ich habe anscheinend die meiste Zeit damit verbracht diese zu lesen und besonders die Colvic Anzeigen fuer ihre Ausbauschalen. Die Watsons waren natuerlich das Beste ueberhaupt, schliesslich sahen die aus wie ein richtiges Schiff. Fuer lumpige 125 Jahre Taschengeld, so traeumte ich damals, koennte ich mir denn auch eine solche Schale erstehen und fuer nur ein wenig mehr als 85 Jahre mehr, das passende Deck.

    Unbewusst des fruehen Imprinting, habe ich mir schliess 40 Jahre spaeter eben ein solches Schiff erstanden.


    Bezueglich der Glenan, kann ich versichern wie erstaunt ich immer bin wie gepflegt und up-to-date ihre Schiffe sind; nicht nur eins oder zwei, sondern, buchstaeblich gleich zu Hunderten.

  • Ja, lustig, wie sehr man manchmal in der Jugend geprägt wird, oder?

    Ist doch schön wenn man sich Träume von damals mit Erfolg erfüllt.

    Ich bin mal von Leer aus auf einer alten Moody mitgesegelt (angeblich die letzte, die in Holz gebaut wurde),

    um die der damalige Eigner schon als Junge herumgeschlichen ist.


    Ich hatte mal ähnliche Rechnungen in der Jugend bei der Beschaffung meiner Radrennsportausrüstung.

    Da ging es auch um Jahre, aber nicht ganz so viele...🙂


    Bei mir ist es aber ganz anders gekommen.

    Das dritte Boot, das mein Vater gebaut hat und auf dem ich seglerisch sozialisiert wurde, war für mich lange die hohe Messlatte.

    Wir haben damit schöne Reisen auch nach Südengland gemacht.


    Heute reizt mich das Boot gar nicht mehr.

    Ich kann mir auch ganz andere Arten von Booten für mich vorstellen.

    Ich vermute, wer so einen Kutter segelt, ist da vermutlich eher - sagen wir mal - gefestigt? 🙂


    Holger

  • Wie ich vorher beschrieben hatte, haben wir das Boot eigentlich auch im Hinblick darauf gekauft eben auch mal Binnen unterwegs zu sein.

    Ziele aendern sich, und so haben wir halt ein Segelboot daraus gemacht.

    Ich bin von Haus aus eher "Hands on" und habe auch schon Boote und Rigs entworfen, gebaut, modifiziert, begutachtet und restauriert, so lag es natuerlich nahe die noetigen Veraenderungen selbst vorzunehmen. Fuer mich ist ein Boot, sozusagen, nicht ein festes Objekt sondern ein sich entwickelder Prozess, der in unserem Fall bei Weitem nicht abgeschlossen ist.


    In dem Sinne finde ich mich nicht sehr gefestigt, eher in Flux.