uneigennützige Hilfeleistung

  • Hallo,


    Hilfeleistung von anderen hat sicher jeder von uns schonmal erfahren. Wenn durch die Hilfeleistung das Problem schließlich gelöst werden konnte und wenn der Hilfeleister dabei auch noch Widrigkeiten oder sogar Gefahren für sich in Kauf nehmen musste, ist das aus meiner Sicht berichtenswert und ich höre auch gerne davon.

    So aus Stephan's femto: sehr lesenswerten Bericht über Silvester auf Terschelling, als er über die Hilfe beim Anlegen berichtete.


    Mir fiel sofort wieder ein, als wir vor Jahren von plötzlichem Schlechtwetter überrascht noch schnell versucht haben auf Urk an der Luv-Kade anzulegen, und es meiner Frau nicht gelang, den Festmacher der Mittelklampe über den Poller zu werfen. Nach gefühlten zehn erfolglosen Anfahrten und neuen Versuchen, kamen bei Starkregen und Böen bis 7 bft zwei Motorbootfahrer aus ihren warmen und trocknen Deckshäusern nahmen die Festmacher an und ermöglichten uns so das Anlegen.

    Natürlich sind sie dabei vollkommen nass geworden.


    Vielleicht will noch jemand über sowas berichten, vielleicht hat jemand noch was Interessanteres erlebt?


    Viele Grüße

    Dieter

    Das Land ist des Seemanns größter Feind!

  • Moin Dieter,

    eine schöne Idee auch sowas mal zum (erfreuten) Mitlesen einfach zu sammeln! 👍


    zum Glück (er)leben wir diese nette, pflegenswerte Hilfsbereitschaft in unserem NL/D Nordsee-Revier so oft!


    Erst auf dem letzten Törn wieder - da versuchten wir uns bei ziemlichem Seitenwind in eine schmale Wartelücke an so einer Metallpier vor einer der noch geschlossenen Brücken zu aalen:


    Eine Passantin oben auf der Promenade kam mit Regenschirm und stellte sich einfach so zum Leinen-Annehmen hin. Während von einem auf der anderen Kanalseite liegenden Motorboot ein junger Kerl in den Gummitender stieg, den Außenborder startete - und kurz rüberkam und fragte, ob er uns vielleicht seitlich mit reinschieben solle, falls das hilft.

    Uns fehlten einmal mehr gerührt die Worte. Gleich 2x ungefragt wundervoll „mit- und vorausgedachte“ Hilfe. Mit einem unheimlich schönen Selbstverständnis und einem feinen Gefühl für die erst noch kommende Aktion.


    Sowas ist toll.

    LG, STEPHAN!


    Irgendwas über 25°C Lufttemperatur, Sonnenschein, 3-4 Bft halber Wind, keine Welle und leicht einen sitzen. Oder so.“ [Q: Robulla]

  • Vor einigen Jahren hatten wir eine undichte Kühlwasserpumpe, die dann Luft statt Wasser förderte. Also eilig Motor wieder aus und den Hafen nur unter Genua angelaufen. Je näher die Hafeneinfahrt kam, desto weiter rollten wir die Genua ein, bis wir nur noch mit einem Taschetuch langsam die Hafeneinfahrt passierten. Sowohl in Korsör als auch einen Tag später in Lohals brauchte meine Frau nur kurz zu rufen und schon nahmen Helfer unsere Leinen an.

    Gruß, Klaus

  • Wenn ich sehe, dass jemand Trouble hat, dann nehme ich selbstverständlich "Widrigkeiten" in Kauf, egal ob auf dem Wasser, am Steg oder beim Spaziergang an Land. So bin ich großgeworden und das gebe ich auch an die "Neusegler" im Umfeld (Familie, Freunde) weiter. Und so wurde mir auch schon geholfen. Nasswerden beim Annehmen fremder Leinen ist für mich eigentlich nicht erwähnenswert.

    In eine eigene Gefährdung musste ich mich noch nicht begeben.

  • In eine eigene Gefährdung musste ich mich noch nicht begeben.

    Eigenschutz > Fremdschutz. IMMER. Wenn du kaputt bist, kannst du auch keinem mehr helfen. Deshalb begibt man sich als Helfer nicht in Gefährung.


    BTT:
    Coolstes Hilfe-Angebot, hatte ich schon mal an anderer Stelle erwähnt, kam von einer groooooßen Motoryacht, die anbot mich bereits vor der Schleuse längsseits zu nehmen und mir das Warten und Schleusen einfacher zu machen.

  • Eines unserer schönsten "Hilfeangebotes":


    Wir segelten zu zwei (meine Frau und ich) bei richtigem Sch..wetter nach Lemmer. Zusätzlich zum Wetter kam bei meiner Frau hinzu, dass eine Grippe im Anflug war und Sie fror, ihr war schlecht und überhaupt war alles doof... Wir kamen also in Lemmer an, gingen durch die Schleuse und fanden noch einen letzten Liegeplatz im Päckchen an einem größeren (Charter-)Motorboot. Als wir fest waren und den ersten Schluck unseres Anleger zu uns nahmen ging ich unter Deck um das Ölzeug loszuwerden. Als ich wieder an Deck kam war meine bessere Hälfte verschwunden. Die Nachbarn hatten gemerkt, wie fröstelnd sie da saß und hat sie zu sich an Bord in die (beheizte) Kuchenbude eingeladen. Selbstverständlich galt die Einladung auch für mich und ich wurde gleich rüber gewunken, als ich denKopf aus dem Niedergang steckte.

    Später gingen wir noch zusammen essen, trinken und genossen den Rest des Tages alle zusammen. Es hat sich bis heute eine gute Bekanntschaft entwickelt, was nicht ganz so einfach und selbstverständlich ist, da unsere neuen "Freunde" Amerikaner sind und auch dort leben. Trotzdem hält der Kontakt bis heute (immerhin schon ca. sieben Jahre) und das, obwohl wir uns nur zweimal in der langen Zeit wiedergesehen haben.

    ..Realität ist die Illusion, die durch Mangel an Alkohol entsteht....

    ?( ... :prost: ... :)

  • Eigenschutz > Fremdschutz. IMMER. Wenn du kaputt bist, kannst du auch keinem mehr helfen. Deshalb begibt man sich als Helfer nicht in Gefährung.

    In ernsthafte Gefährdung nicht, klar. Es gibt irgendwas, was zwischen ernsthafter Gefahr für eine Person und Unbequemlichkeit liegt, (Vergleichbar: Jede*r RTW-Fahrer*in, der sich vorsichtig mit Blaulicht durchschlängelt, hat das Risiko, dass irgendein Vollhorst den RTW abschießt. Aber dieses Risiko ist nicht besonders [!] groß.)

  • Habe viele solche Erlebnisse gesammelt, eigentlich fast in jedem Hafen, aber hier mal nur eine kurze nette.


    Borkum Burkana Hafen, ich mal wieder schwer übermüdet gurke gaaanz langsam auf der Suche nach Platz durch den Hafen, finde einen Platz direkt vor dem Hafencafe und kurz vorm in die Box fahren kommt ein Starkregenschauer runter, jedoch auch zur gleichen Zeit der Hafenmeister im Hoodie aus dem Cafe gerannt, nicht die Brücke sondern den Steilhang runtergerutscht um genau dann direkt vor meinem Boot zu stehen und den Bug anzunehmen.


    Bei dem Regen hätte das nicht sein müssen, er hat wohl gesehen dass ich allein mit totem Blick da angegurkt komme. Ich war sehr glücklich. Danach gabs im Hafencafe dann noch ein Pixiebuch von Burkis Abenteuern im Wattenmeer geschenkt. War fast 1 Monat dort, Hafenmeister immer sehr hilfsbereit und freundlich.


    Auf der anderen Seite war ich auch schon ein paar mal, aber das beste Gefühl gabs in Bogense als ich im Fühjahr ein MoBo mit gerissenem vorderen Festmacher sah welches sich die Badeplattform lagsam am Schwimmsteg kaputtrieb. SUP rausgeholt, rübergepaddelt, mit eigenem Festmacher gesichert. Paar Tage später lag der wieder bei mir aufm Boot sauber zusammengelegt. Ich hab kein Bier oder Dankesschreiben erwartet, hoffe nur dass viele im Hafen bei meinem Boot das gleiche machen würden.

    /Marco


    Blog, Live-Track, Fotos und Bootsinfos: sailing-serenity.eu
    "There is no place, I can be, since i've found Serenity"

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  • Es hat sich bis heute eine gute Bekanntschaft entwickelt, was nicht ganz so einfach und selbstverständlich ist, da unsere neuen "Freunde" Amerikaner sind und auch dort leben. Trotzdem hält der Kontakt bis heute (immerhin schon ca. sieben Jahre) und das, obwohl wir uns nur zweimal in der langen Zeit wiedergesehen haben.

    Freundschaft wird aus meiner Erfahrung (Studium, Arbeit , Verschiede Wohnorte ) nicht über Häufigkeit der Treffen definiert -- gute Freunde kann man auch mal über ein oder zwei Jahre nicht hören und sehen -- und sie ist immer da und sofort wieder bei 100% (manchmal finde ich passen die Lebensabschnitte einfach nicht gut ; aber dann kommt wieder eine Zeit der Besinnung ..))

  • Habe selbst schon oft freundliche Hilfe erfahren und helfe jederzeit auch.

    Schleimünde war mal spooky, absolut seelenleer. Niemand da. Wir haben zu zweit eine Weile gehangelt und gefädelt. Später beim Essen kam ein großer Tradi mit Jugendlichen mit recht eingeschränkten Manövriereigenschaften herein. Messer/gabel fallengelassen, raus und das erste Auge über den Poller gelegt, dann konnte er gemütlich eindampfen. Der Skipper ist später noch kurz vorbei gekommen.

    Holt groß das Dicht !

  • Hi,


    letzten Sommer waren wir 3 Wochen in den Ferien unterwegs und haben in Hindeloopen ein sehr nettes holländisches 80+ Päarchen mit Ihrer Outborn40 neben uns liegen gehabt. Da ich das Schiff spannend fand, kamen wir ins Gespräch und haben uns eine Stunde sehr nett unterhalten und auch Kontaktdaten ausgetauscht. Zu dem Zeitpunkt war ich mit den Kids (10 und 13) alleine unterwegs.


    Am nächsten Morgen bin ich zum Einkaufen gegangen und die Kids blieben an Bord. Während der Zeit legten unsere Nachbarn anscheinend ab. 3 Woche später habe ich zu Hause diesen netten Brief bekommen. Stolz auf die Beiden :-)

    Files

    • brief.jpg

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  • Hallo DIeter,


    dann lasse ich dich selber mal nicht unerwähnt; Denn als die WIndhose bei uns durch den Hafen ging, warst du es der auf einsamen Schiffen Genuas und Weiteres kontrolliert und wieder gesichert hat. Gutes Karma ist ein Spiegel.


    Gruß

    Thomas

  • Hallo Thomas,


    auf deine Kinder kannst Du zurecht stolz sein!


    Wenn ich mich da richtig erinnere und ich erinnere mich da richtig, warst Du mit dabei, und wir haben nach der Windhose Genuas gerichtet und Festmacher kontrolliert. Gegen Widrigkeiten oder gar Gefahren mussten wir dabei aber nicht mehr vorgehen. Sturm und Regen waren durch. Also selbstverständlich, wie ich meine.


    So langsam denkt man immer öfter an die kommende Saison. Ihr werdet es sicher mit dem neuen Schiff gar nicht mehr abwarten können.


    v.G.

    Dieter

    Das Land ist des Seemanns größter Feind!

  • Ich bin immer wieder positiv überrascht von der Hilfsbereitschaft und auch der Großzügigkeit anderer Wassersportler!


    Daher würde ich angebotene Hilfe auch nur in Ausnahmefällen ablehnen, auch wenn sie gar nicht bentöigt wird. Man möchte solche Sitten ja nu auch pflegen und erhalten.


    Es gib aber auch manchmal die gute gemeinte aber schlecht gemachte Hilfe: Unvergessen ist mir eine "Hilfssituation" in Spodsbjerg, als wir bei ziemlichem Hack und kleiner Crew trotzdem losmussten und uns aufs Ablegen vorbereitet haben.


    Der Nebenlieger hat mit scharfem Auge gleich erkannt das wir ein schwieriges Manöver vor uns haben und bot an, uns im rechten Moment achtern loszuschmeissen (ich wollte gerade die Achterleine auf Slip legen).


    Das haben wir dankbar angenommen - zur Belohnung wurden wir dann von dem Hammerwerfer mit dem Aussehen eines echten Salzbuckels just in dem Moment unaufgefordert losgeworfen, als der Skipper gerade noch auf dem Vorschiff ein unsicheres Crewmitglied instruierte.


    Es folgte 1A Hafenkino mit großem Geschrei und wir haben auch unser Zeichen am Heckpfahl gelassen.. aber ordentlich dazu gelernt 😂


    Heute wird die Geschichte gern erzählt - seinerzeit hätte ich den Mann kielholen wollen..

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  • zur Belohnung wurden wir dann von dem Hammerwerfer mit dem Aussehen eines echten Salzbuckels just in dem Moment losgeworfen, als der Skipper gerade noch auf dem Vorschiff ein unsicheres Crewmitglied instruierte (unaufgefordert, versteht sich).

    hahaha, das kann ich mir gut vorstellen!


    Und ja, manchmal ist Hilfe auch kontraproduktiv. Habe ich auch manchmal an mir selbst bemerkt, aber bevor ich schaden angerichtet hab. Es lohnt sich immer Die Crew der man helfen möchte vorher etwas zu beobachten. Wenn die zu Zweit ihr Manöver besprechen kann man schon oft erkennen dass ein "Hey Leute, fahrt doch do und so und ich werf euch auch los" gerne gar nicht gewollt ist :-)


    Man denkt es ist unsicherheit und will helfen, aber manchmal ist es einfach nur ruhe und gute Planung, da ist das beste was man machen kann zurück in sein Boot zu gehen und NICHT "Fenster zum Hof" zu spielen :-)


    Wie gesagt, ist mir selbst wiederfahren als ich mal wieder zuuu Hilfsmotiviert am Steg stand :-)

    /Marco


    Blog, Live-Track, Fotos und Bootsinfos: sailing-serenity.eu
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  • Am Steg stehen, Blickkontakt aufnehmen und / oder in der Gegend sein und die Hände erst dann aus den Hosentaschen nehmen, wenn's klar ist, dass es sinnvoll ist...

  • Ein typisches Missverständnis habe ich schon wiederholt erlebt. Bevor man die Heckpfähle belegt hat, zieht einen ein freundlicher Wassersportler an den Steg...

    Gruß Jens

  • Bevor wir hier thematisch in eine Diskussion über falsche Hilfe abgleiten, darf ich mal an die Intention des TO erinnern. Zitat:

    ... will noch jemand über sowas berichten, vielleicht hat jemand noch was Interessanteres erlebt?

    Gruß, Manfred

  • . . . ich lese hier im Thema gern mit. Wirkt auf mich, wie eine Funzel in trüben Stunden.

    Hallo,

    ich habe ein Beispiel dafür, dass unterlassene Hilfe auch Hilfe sein kann.

    Vor ca. 10 Jahren hatten wir uns an den Masurischen Seen ein Boot für 12 Tage gechartert.

    An einem Verbindungsfluss stand an einem Hügel eine Gaststätte mit Anlegemöglichkeit.

    Meine Kapitänin und mein Freund saßen schon auf der Terasse und ich vertäute noch unser Boot.

    Da kam ein Segelboot angerauscht und wollte offenbar anlegen (unter Segel ohne Motor).

    Ich rannte zum anderen Steg und bot mit Körpersprache meine Hilfe an.

    Mit Vehemenz und entsprechenden Arm- und Handbewegungen lehnte man meine Hilfe ab.

    Am liebsten hätte ich meine Arme auf der Brust verschränkt um so auszudrücken:

    "Na dann macht mal. Das kann nur schief gehen." Ich blieb passiv aber auf dem Sprung bereit.

    Man stand auf der gewünschten Stelle, mit der Bordseite 20 cm vom Steg.

    Spontan fiel mir nur der russische Ausdruck für "Prachtkerle" ein. Ich glaube heute noch, dass einer der drei Prachtkerle ein Zauberer gewesen sein muss.

    Oben auf der Terasse hatte man überhaubt kein Verständnis für diese Zauberei.

    Man hatte nur noch Bigozs und Bier im Kopf.


    Reinhard

    Keiner und Nichts kann mich enttäuschen.
    Nur meine Erwartungen vermögen das.

  • Schöne Geschichte...aber leider am Thema vorbei.


    Ich stelle in der Ostsee immer wieder fest, dass unsere nördlichen Nachbarn diejenigen sind an denen wir uns ein Beispiel nehmen sollten was uneigennützige Hilfe in Häfen angeht.


    Sobald ich einhändig nördlich von Flensburg bin wird es deutlich besser...