uneigennützige Hilfeleistung

  • Sobald ich einhändig nördlich von Flensburg bin wird es deutlich besser..

    Liegt vermutlich eher am Heimatrevier bzw. helfen von Fremden anstelle des Liegeplatznachbarn oder einem wo man vermutet dass der da eh irgendwo einen Platz hat.

    Die Deutschen sind so hilfsbereit wie andere, zumindest meine Erfahrung. Wenns um Gastfreundschaft geht ist das ein anderes Thema, da sind andere Kulturen offener und laden Hinz- und Kunz aufs Boot, aber was die helfende Hand im Hafen angeht sind wir genau so auf zack wie alle anderen die ich getroffen habe, da stach keiner negativ heraus.

    /Marco


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    "There is no place, I can be, since i've found Serenity"

  • Jahre her. Wir kamen von Gotland nach Västervik, als 2 Std vor der Küste ein Wetter aufzog. Winddrehung stramm gegenan, über 12 auf 15 m/s hochdrehend, schließlich beim Leuchtturm Västerbadan das letzte mal geguckt: 18 m/s - Motor an. Inzwischen kein Regen mehr, sondern Wolkenbruch. Zeitweise konnten wir die Furlex nicht mehr klar erkennen und sind nur noch nach Plotter gefahren, geschlichen.


    Und dann rein in die Marina Västervik, und glücklicherweise kurvt da schon ein Schlauchboot mit Aufschrift "Harbourmaster". Super! Die Hilfe können wir brauchen. Der zeigt uns bestimmt die nächste freie Box. Weit gefehlt! "Go away! Go away! You cannot stay here!" brüllt der und drängt uns tatsächlich ab.


    Wir wieder raus. Was jetzt? Gleich um die Ecke ist noch ein Hafen, für die Windrichtung sogar günstiger. Wir also dahin, und - alles voll. Sch..! Aber da - es ist schon dunkel - stürzen plötzlich drei gelbe Gestalren aus dem Clubhaus. Sie zeigen uns den letzten freien Liegeplatz (Anlegen mit Wind genau dwars). nehmen die Leinen an, machen fest, einer springt ungefragt an Bord und hängt sich hinten mit in die Achterleine, die ich alleine nicht dicht gekriegt hätte.


    Das alles, während es aus Kübeln goss und der Wind orgelte wie blöd. Das waren Clubmitglieder der Segelvereinigung Vikingarna, die noch im Clubhaus einen kleinen Umtrunk abhielten. Haben uns dann auch gleich die Sauna eingeschaltet.


    Ach so, was war eigentlich mit diese Hafenmeister? Der hatte schon irgendwie recht. Am nächsten Tag haben wir erfahren, dass dort an den Stegen die Festmacheringe rausgerissen sind und die Heckbojen vertrieben sind.

  • Schöner Trööt - diese netten Leute auf Booten gibt es übrigens auch innerhalb des Forums.

    Schon mehrfach erlebt, wie ich hier schon mal berichtet habe (klick mich).

    Beim ersten dort zitierten Erlebnis wäre wirklich um ein Haar der Blitz eingeschlagen, hätten wir nicht die spontane Hilfe eines Foristen erfahren!


    Edit: Diese Erlebnisse waren noch auf unserem Beautje, einer Unna 20 (6Meter mal zweifuffzig) = Kriechhöhle und Spirituskocher.

    Edited once, last by beautje ().

  • Wir waren auf der Fahrt von Marstal nach Heiligenhafen, das Wetter wurde schlechter, Gewitter voraus und wir entschlossen uns ins Bagenkop Station zu machen. Im Vorhafen fuhren wir einige Kreise um die Leinen und Fender vorzubereiten und beim Anlegen wurden dann unsere Leinen mit den Worten entgegengenommen: "Und wenn Sie dann noch trockene Klamotten hätten, wir hätten dann eine warme Suppe für Sie. "

    Es war ein schweizerisches Ausbildungsschiff, die Crew blieb bei dem Wetter erstmal im Hafen und wir verbrachten eine schöne Zeit mit ihnen.



    Handbreit

    Claus

  • Wenn wir bei Nahrung sind:


    2018, erster Ausflug mit der Neptun, gleichzeitig erster Ausflug Einhand, mit Schleuse und allem drumunddran. Von Stavoren bis Enkhuizen, also große Tour! In Enkhuizen war das Ziel der Stadthafen. Dank besten Wetter war der entsprechend voll und ich musste ins Päckchen. Der Niederländer an dem ich meine kleine Neptun festmachte hilf mir sehr freundlich und hatte offenbar sehr große Menschenkenntnis, denn das erste was er mir reichte, nachdem alles fest war, war ein kaltes Bier :-D Man hat mir die Bedürftigkeit wohl irgendwie angesehen 😂

  • Wenn wir bei Nahrung sind:


    … und hatte offenbar sehr große Menschenkenntnis, denn das erste was er mir reichte, nachdem alles fest war, war ein kaltes Bier :-D Man hat mir die Bedürftigkeit wohl irgendwie angesehen 😂

    Zu „Nahrung“ habe ich auch noch ein schönes, unvergessenes Erlebnis:


    Gut 18 Jahre her - wir liefen bei sehr ruhigem Wetter mit einer kleinen, wunderschönen, gecharterten HR auf Samsø den Hafen von Ballen an.


    Ein an sich malerisches Bild 😂 - haaaaach, ein junges Paar mit Klein(st)kind läuft zum Abend eines herrlichen Sommersegeltages bei fast Windstille langsam auf die Hafenmole zu.


    Alles friedlich, Angler, Familien, Segler an den Stegen, die untergehende Sonne und Reflexion des Bootes spiegelt sich aufs Lieblichste in tiefem orange auf dem Wasser … 😇 Wunderschön. Tja.


    Da entschloß der “süße“ übermüdete Nachwuchs, tief unten kurz alleine im Salon, kurz vor der Außenmole, lautstark, wütend, ärgerlich und mit gefühlt 120dB(A) Schalldruck gegen das ungewollte Festsitzen im Kindersitz während des Anlegers zu rebellieren. Und wie … 😂


    Ein zorniges Geschrei, das sich mit jedem Meter in unerwartete Höhen steigerte, begleitete uns in dieser Idylle … die ganze Strecke, (250m im Schneckentempo), während wir einen Liegeplatz suchten. Mitleidige Blicke begannen uns ebenfalls zu begleiten. Von allen Booten so langsam …


    Zu allem Überfluß mußten wir noch 2 Kreise drehen, bis wir eine leere Box ganz hinten fanden. Durch den gesamten Hafen, versteht sich. Jetzt schauten wirklich alle


    In der Box angekommen erlebten wir sie, die Hilfe. Zwei Segler von umliegenden Booten nahmen sofort unsere Leinen. Zwei weitere eilten herbei - unabgesprochen und mit derselben schönen Idee:


    Sie grinsten breit, hielten uns gekühlte Bierdosen hin, während die Leinen festgingen, reichten sie sofort über die Reling, mit den Worten:


    „Hey! Wir liegen weiter vorne an den Stegen & hörten Euch reinkommen. Uns ist klar, was Ihr jetzt brauchen könnt. Wir sind auch segelnde Eltern. Ihr beide seid tapfer. Holt die Kleine rauf zu Euch ins Cockpit, setzt Euch erstmal in Ruhe hin & macht Euch das Bier auf. Das habt Ihr verdient. Aufklaren könnt Ihr doch später. Schön, wenn Eltern mit kleinen Kindern segeln. Herzlich willkommen!“


    MANN TAT UNS DAS GUT.


    Unvergessen für uns beide - da reden wir heute noch gelegentlich lachend drüber. Und haben immer ein paar Dosen Bier in der Bilge für ähnliche schöne „Familien-Segelfälle“. :)

    LG, STEPHAN!


    Irgendwas über 25°C Lufttemperatur, Sonnenschein, 3-4 Bft halber Wind, keine Welle und leicht einen sitzen. Oder so.“ [Q: Robulla]

  • Meine Frau und ich irren mit dem Boot durch den kleinen Hafen von Langör/Samsö. Alle Plätze belegt. Da winkt jemand und eine Stimme schallt herüber: "Kommt mit in unsere Box, die ist breit genug!" Meine Frau nimmt bei Annäherung die eine Heckleine des anderen Bootes vom Pfahl und wir schüpfen mit in die Box. Wurde noch ein wunderschöner Abend, als wir die freundlichen Nachbarn mit einer Flasche Raki in der Hand besuchten. Kaum ein Jahr später wurden wir Klubkameraden.

    Gruß, Klaus

  • Danke für eure Berichte!

    Mir ist auch noch etwas eingefallen, was mehr als 20 Jahre zurück liegt.

    Während eines Chartertörns in Kroatien von Pula-Veruda aus haben wir eine Ankernacht in der Bucht Maracol an der Ostseite der kleinen Insel Unije verbracht.

    Essen und einen Törnschluck haben wir in einem Lokal im Ort an der Westseite eingenommen.

    Aus dem einen Törnschluck sind dann mehrere geworden, und es wurde spät.

    Stockdunkel war es, als wir über den Berg zur Bucht zurück sind. Wo war nur unser Schiff? Zwar war das Ankerlicht an, jedoch von den anderen Schiffen und Lichtern nicht zu unterscheiden.

    Der Mitsegler, der sich bis dahinaus als kundiger Außenbordpilot gezeigt hatte, fuhr mit den ersten der Crew los und verschwand in der Dunkelheit. Danach passierte erst einmal nichts.

    Wir halfen noch einer italienischen Besatzung mit ihrem Tender abzulegen.

    Dann hörten wir Hilferufe. Das war doch wohl nicht unser Mitsegler?

    Endlich kam er im Schlepp der Italiener zurück. Unser Motor sagte keinen Mux mehr.

    Die Italiener fuhren uns mit unserem Mitsegler im Schlepp schließlich zu unserem Schiff.

    Am nächsten Morgen konnte ich ihnen zum Dank dafür wenigstens eine Flasche Wein bringen und zwar mit unserem Tender und unter Motor. Er war sofort angesprungen.

    Noch heute versichert unser Mitsegler, dass er auf jeden Fall den kleinen Tanklüfter aufgedreht hätte, was bei allen anderen zum Lachen führt.

    Für ihre Hilfeleistung waren wir den Italienern sehr dankbar.


    v.G.

    Dieter

    Das Land ist des Seemanns größter Feind!

  • Zu Kroatien fällt mir auch eine schöne Geschichte ein:

    Wir lagen mit unserem Boot (römisch-katholisch) direkt vor einer kleinen Taverne auf Brac / Milna und sahen uns ein Länderspiel an.

    Es wurde gut gegessen und getrunken.

    Zu uns gesellte sich der kroatische Skipper der Nachbarcrew. Wir kamen mit den netten Skipper gut ins Gespräch und luden ihn zu ein paar Getränken ein. Er hatte den Auftrag die Yacht bis Morgens 7 Uhr nach Split zu überführen.

    Nach der ersten Verabschiedung fiel er von der Gangway ins Hafenbecken und wir zogen ihn aus dem Hafenbecken.

    Obwohl der Törn schon viel Jahre her ist, werde ich Stani , ein kleiner hagerer Mann, nie vergessen.

    Anstatt sich umzuziehen, stand er nach seinem Malheur triffnass und zitternd wieder an unserem Tisch und machte sich noch ein Getränk klar.


    ...was soll ich sagen. Es kam wie es kommen musste und der gute Stani fiel nach der zweiten Verabschiedung wieder von der Paserella. Wir zogen ihn wieder raus und das Länderspiel ist komplett zur Nebensache geworden.

    Nach dem dritten Versuch verschwand er dann unfallfrei unter Deck.

    Der Gute muss sich sicherlich schon vorbelastet zu uns gesellt haben.


    Ich hätte einiges verwettet, dass er es nicht schafft das Boot rechtzeitig in Split abzuliefern.

    Als der Erste unserer Crew den Kopf morgens aus der Koje steckte, war die Yacht schon unterwegs.

    Ein Schiff sollte man nicht an einen einzigen Anker und das Leben nicht an eine einzige Hoffnung binden.