Startprobleme Mercedes OM602 Dieselmotor

  • Ein großes Hallo in die Runde, ich hätte da gerne mal ein Problem. Vor ein paar Wochen habe ich die Motorinspektion gemacht, also alle Filter getauscht, Öl und übrige Flüssigkeiten gewechselt. Der Keilriemen war neu, den hatte ich erst vor ein paar Monaten ersetzen müssen. So weit, so gut. In Aruba ist die Maschine auch einigermaßen gestartet, die Starterbatterie war vorher mit Landstrom voll geladen. Dann folgten zwei Tage Motorfahrt. Nun liegen wir an einer Boje in Bonaire.


    Als wir gestern Wasser fassen wollten, mochte der Motor überhaupt nicht starten. Nach etwas Orgeln mit extrem schlapper Starterbatterie (wahrscheinlich klinisch tot) kam der Motor, drehte kurz hoch und verstarb dann wieder. Dasselbe Spiel noch zwei drei Mal. Dann ausgekuppelt etwas Gas eingestellt und über die Servicebatterien gestartet. Der Anlasser drehte munter, der Motor kam, drehte hoch und blieb nach ein oder zwei Versuchen auch an. So weit, so gut. Im Inneren des Boots roch es nach schmorender Elektrik. Wahrscheinlich zu viel mit dem Anlasser georgelt.


    Neue Starterbatterie erworben. Die alte war wirklich nach einer Nacht runter auf 12,2V. Neue Starterbatterie eingebaut. Motor gestartet. Außer, dass das Orgeln jetzt kräftiger ist, kommt der Motor irgendwie nicht richtig. Die Batterie musste raus, keine Frage. Doch was hindert meinen Motor jetzt noch am Starten. Nach drei oder vier Versuchen kommt er dann irgendwie immer, doch ich mag den Geruch schmorender Elektrik nicht. Die Stromkabel habe ich gecheckt, da schmort nichts. Der Anlasser macht ja auch seinen Job, nur der Motor bleibt halt nicht an.


    Wo sollte ich suchen? Kann mir jemand eine Idee geben? Es ist ein marinisierter Mercedes Benz OM602 (5 Zylinder). Bislang hatte ich keinerlei Beschwerden hinsichtlich der Zuverlässigkeit, des Ölverbrauchs, der Startfreude etc.

  • Gut der Motor springt an. Gib mal 'n biss'l Gas beim Starten. Wie ist es dann? Bleibt er an?

    Gruß Torsten


    kis
    keep it simple

  • Hallo,

    ich habe keinen Dieselmotor - also auch keine Ahnung - dafür aber eine Idee.

    Du hast

    "vor ein paar Wochen habe ich die Motorinspektion gemacht, also alle Filter getauscht, Öl und übrige Flüssigkeiten gewechselt."

    Bezüglich schlecht starten würde ich es mit ausgebauten Luftfilter versuchen. Nicht alle Filter sind bestens geeignet, auch wenn es daraufsteht.

    Bezüglich Geruch kann es der Starter sein (bisherige Überbelastung) oder rutschender Keilrienmen.


    Reinhard

    Keiner und Nichts kann mich enttäuschen.
    Nur meine Erwartungen vermögen das.

  • Moin moin

    Entweder kommt nach dem Filterwechsel des oder die Kraftstofffilter Luft ins System, wenn der Motor steht.

    Oder deine Vorglühanlage Arbeitet nicht richtig.

    Hast du eine Vorglühautomatik verbaut oder Glühst du von Hand über einen Schalter oder Schlüssel vor?

    Meß beim Vorglühen einmal an den Glühkerzen, ob beiallen 12 V ankommt. Der Motor hat serienmässig jeweils eine eigene Leitung vom Glührelais zu den Glühkerzen.


    Wenn du die Filter getauscht hast, hast du irgendwo auch die Leitungen entlüftet. Schau genau nach,ob alle Dichtungen am Filter, Befestigungsschraube, Entlüftungsschraube Dicht sind. Zieh alle Schlauchschellen, sofern vorhanden, an den Kraftstoffleitungen nach.


    Der Verschmorte Geruch kommt von einer überlastung des Anlassers.

    Hast du die möglich mittels eine Handpumpe oder Elektrischen Pumpe die Dieselleitung vorzupumpen?

    ihr Dr. Bob :grinning_squinting_face:

  • Die Dieselleitung hat nicht einmal eine Entlüftung. Das ist dann immer Stress, bis er wieder läuft. Dann läuft er aber normalerweise auch. Habe gerade die Filter auf Dichtheit gecheckt, da suppt nichts raus, sie sind auch richtig fest.


    Ich orgele kurz, dann kommt er und dreht hoch. Für eine Sekunde. Dann geht er wieder aus.


    Vorglühen muss ich von Hand. Ich checke nun die Glühkerzen.

  • Ich orgele kurz, dann kommt er und dreht hoch. Für eine Sekunde. Dann geht er wieder aus.

    das ist ein sicheres Zeichen, das er Luft in die Dieselleitung bekommt.

    Der Motor Startet mit dem restdiesel in der Einspritzpumpe, es kommt aber nicht genug nach, um ihn am laufen zu halten.

    Wie ist dein Diesel System Aufgebaut:

    Tank höher oder Tiefer wie der Motor

    Wie wird der Diesel vom Tank zum Motor befördert, mit Hilfe einer förderpumpe, wenn ja wo ist diese verbaut.

    Was für ein Dieselfilter ist verbaut?
    Wohin geht die Rücklaufleitung, ist das Rückschlack Ventiel ok

    ihr Dr. Bob :grinning_squinting_face:

  • Ich orgele kurz, dann kommt er und dreht hoch. Für eine Sekunde. Dann geht er wieder aus.


    Vorglühen muss ich von Hand. Ich checke nun die Glühkerzen.

    Wenn er anspringt liegt es nicht an den Glühkerzen. Die Tatsache, dass Du vorher an der Kraftstoffanlage gearbeitet hast, lässt es sehr wahrscheinlich erscheinen, dass Du nun Luft im System hast.

    Hast Du einen Vorfilter im System? Das wäre noch so ein Kandidat für einen Lufteintritt, zumal der im Unterdruckbereich liegt.

    Gruß

    Robert


    p.s. Dr. Bob war schneller :smiling_face:

  • hast du einen vollen Reservekanister ein Stück Schlauch?

    Dann kannst du probehalber den Kanister oberhalb des Motors stellen, den Schaluch vom Kanister direkt auf die Einspritzpumpe stecken, vorher mit den Schlauch den Diesel ansaugen und dann auf die Einspritzpumpe stecken.
    Dann schauen ob er ohne Probleme startet.
    wenn ja, hast du ein Proplem mit der Dieselversorgung.

    ihr Dr. Bob :grinning_squinting_face:

  • Erst einmal zum Kraftstoffsystem. In den Vorfilter kann ich reinsehen. Das sieht nicht nach Luft aus, der ist gefüllt mit Diesel. Der Dieselhahn und Auslass des Tanks ist oberhalb des Vorfilters. Vom Vorfilter geht es abwärts zum zweiten Filter. Von da abwärts zur Pumpe.


    Ich habe heute mit viel längerem Vorglühen und etwas Gas den Motor im ersten Versuch anbekommen. Jetzt ist er warm, ich probiere das mit dem Kanister morgen, wenn er wieder kalt ist.

  • Hallo Craighouse,


    wie hier bereits vermutet wurde dürfte es eher mit der Dieselzufuhr zusammenhängen. Ein Diesel ist halt ein Selbstzünder. Ich kenne weder deinen Motor noch die Dieselleitung zu diesem Motor.

    Wenn allerdings die geschilderten Probleme erst nach deiner Motorinspektion aufgetaucht sind, würde ich einen Zusammenhang damit vermuten und Dieselpest mit Zusitzen der Leitung o.ä. für nicht so wahrscheinlich halten.


    Nach Wechsel des Vor- und Feinfilters an meinem Yanmar 3 GM 30 FC hatte ich mal ein ähnliches Problem.

    Die Ursache war Luft, die auf der Saugseite, also vor der Pumpe, unbemerkt in das System kam.

    Ich hatte die alten Kupferdichtringe wieder verwandt. Dies geht nur, wenn sie zuvor thermisch behandelt worden sind, was ich nicht kann. Also muss ich da immer neue nehmen, weiß ich seitdem.


    Ich hoffe, Du findest eine ähnlich kleine Ursache für die Lösung deines Problems.


    Viele Grüße

    Dieter

    Das Land ist des Seemanns größter Feind!

  • Jetzt ist er warm, ich probiere das mit dem Kanister morgen, wenn er wieder kalt ist.

    Würde auch meinen "Luft"... Du hast Deinen Motor also länger laufen gehabt bis er warm war? Ist er als warmer gleich anschließend wieder leicht angesprungen? Wen er läuft würde ich ihn mal länger auf höherer Drehzahl laufen lassen... das eliminierte bei mir schon einige male versteckte Luftdepots!

  • Ich verwende die alten Dichtungen niemals wieder. Wozu legen die Hersteller immer auch neue Dichtungen in die Packungen?


    Der Motor ist zwei Tage lang mit einigermaßen hoher Drehzahl gelaufen. Vor der Inspektion hatte ich auch schon Startprobleme. Ich habe den Motor einmal im Monat für eine Stunde laufen gelassen, während ich in Aruba festsaß. Damals habe ich es allerdings zu 100% auf die Batterie geschoben. Wenn ich den Zauberschalter umgelegt und die Starterbatterie über Landstrom vollgeladen habe, ist er dann auch angesprungen.

  • . . . . Dies geht nur, wenn sie zuvor thermisch behandelt worden sind, was ich nicht kann. Also muss ich da immer neue nehmen, weiß ich seitdem. . . .

    Viele Grüße Dieter

    Hallo H-Dieter,

    mein Hinweis hilft zwar nicht dem Themenstarter aber dir.

    Thermische Behandlung von Cu-Dichtungen:

    Cu-Dichtungen werden beim Einbau zusammengedrückt und hart. Durch s.g. Ausglühen (Weichglühen) werden sie wieder weich und dichten.

    Weichglühen = Cu-Dichtung mit spitzer Zange oder Pinzette fassen (Wärmeübertrag gering halten),

    mittels Gasflamme (Herd oder Lötlampe) schwach rotglühend erwärmen und dann im kaltem Wasserbad abschrecken. Kleinere Dichtungen bekommt man auch durch eine Kerze oder einem Feuerzeug ausreichend warm.

    Dann kann man die Cu-Dichtung zwar noch nicht kauen aber sie ist ausreichend weich. 🙂


    Reinhard

    Keiner und Nichts kann mich enttäuschen.
    Nur meine Erwartungen vermögen das.

  • Also Luft kann zB. auch noch bei den Druckventilhaltern der Einspritzpumpe eintreten (O-Ringe).


    Der Motor war ja auch beim Mercedes E-Klasse w124er eingebaut. Grad beim Kombi liegt da eben der Tank tiefer wie die Einspritzpumpe. Man konnte dann das Auto an einer steilen Strasse parken, damit quasi immer der Diesel Richtung Motor drückt.


    Beim Boot ist das normal nicht so einfach... Evtl. könnte man aber dennoch einen Kanister so präparieren, dass der eben einzwei Meter höher hängt, aber der Spritschlauch eben so mit dem Kanister verbunden bleibt, dass quasi immer ein leichter Dieseldruck in Richtung Motor geht.


    Wenn in diesem Setting der Motor dann anspringt, haste Luft.


    Ich hatte auch schon eine defekte Förderpumpe (am Motor angeflanscht). Das hat eine Weile gedauert, bis ich da draufgekommen bin. Ist aber wohl eher selten. Gäbe günstigen Reparatursatz.

  • .....mit spitzer Zange oder Pinzette fassen ....


    Wenn Du das in meinem Umfeld versuchen würdest, wäre mein Wohlwollen am Ende.

    Die Kupferdichtung gehört auf ein Stück alten Draht zum Glühen und nicht auf ein Werkzeug!

    Viele Grüsse


    Dieter