Immer wieder: Entrosten

  • Hallo zusammen,

    das Thema "Entrosten an unzugänglichen Stellen" taucht ja immer wieder auf, über die Suchfunktion wurden mir eine ganze Reihe Threads angezeigt. Trotzdem möchte ich das Thema noch mal hervorholen, denn so ganz schlau bin ich immer noch nicht...

    Das Problem:

    Ich habe in der Bilge eine ganz ansehnliche Rostproduktion, allerdings nur in einem relativ kleinen Bereich (ca. 40 cm der Bilgenlänge), dort, wo die Batterien (*) stehen. Wo die Bilge in den Kiel übergeht, ist sie mit Beton ausgegossen. Den Rost möchte ich wegkriegen und neu malen. Wegen der Ecken dachte ich zuerst an Nadelentroster, aber die Lektüre dieses Forums zeigte mir, dass man damit auch nicht in die Ecken kommt. Das zweite empfohlene Tool war die Perago-Scheibe. Aber bei den Ecken klappt das damit sicherlich auch nicht. Wie sieht es für die Ecken mit kleinen Strahlwerkzeugen aus? Ich will nicht das ganze Boot versauen...

    (*) Kann die lokale Rostproduktion etwas mit den Batterien zu tun haben? Der Minuspol ist dort mit dem Kasko verbunden. Oder saure Ausgasungen?

    Bin für jeden Tipp dankbar!


    -richard

  • In den Ecken mit einem „Dremel“ und einer feinen Schleifspitze.


    Sandstrahlen geht dort nicht gut, da das Strahlgut genau da liegen bleibt. Abgesehen von dem Staub.


    Am besten einen Industriesauger in die andere Hand.

  • Das Fahrradwerkzeug wurde genannt, Schiffswerkzeug ist ein Stecheisen, für enge Ecken an Booten ein banaler nicht zu teurer Schraubenzieher, der danach angeschliffen werden muss. Ubo-Wachs, Gleitbahnfett, techn. Vaseline, weißes Sprühfett usw. sind gute Konservierungsmittel.


    Wäre das Boot aus der Zeit als man den Minuspol des Bordstromnetzes noch arglos mit dem Stahlrumpf verbunden hat, wäre es längst zu Bröseln gerostet. Ich nehme an, dass dieses angewendete "Wissen" auf andere Weise das Boot heimgesucht hat. Also Seitenschneider und schon gibt's ein Problem weniger.

  • Entrosten ist erstmal das Grundlegende, kkar.

    Warum hält eine Feuerverzinkung, gut gemacht, 50 Jahre? Dennoch werden hier immer wieder Fett, Vaseline, Wachs o.a. untaugliche Mittel als Langzeitschutz empfohlen? Zumindest mir ein Rätsel!

    Und ja Feuerverzinkung geht im Boot natürlich nicht. Aber es gibt z.B. Zinga oder Zn95.....

    Gruß Torsten


    kis
    keep it simple

  • Das Rätsel wird immer eins bleiben bis Du feststellst, dass sowas sehr mühsam ist, dass man viele Stellen trotzdem nicht erreicht und dass auch die Dinge, die man danach draufschmiert selbstheilend sein sollten, zumindest aber so beschaffen, dass sie nicht unterwandert werden können.

    Wenn Du dann irgendwann mal einen völlig intakten Alfa-Spider-Schweller nur deswegen geöffnet hast, um Roststellen abzudremeln und um besser Zinga streichen zu können, dann hast Du Deine Meinung geändert, wenn alles wieder zusammen ist. Vorher nicht - unmöglich.


    Dieses Theoretisieren, was man täte und könnte, wenn erstmal der Kajütausbau entfernt ist und man gestrahlt hat und das Boot dann mit einer Farbe gestrichen hat, die man als Privatier gar nicht kaufen darf, oder es in einem Bad verzinkt wird, in das es gar nicht reinpasst, davon bleiben die meisten Boote verschont und die es nicht bleiben bleiben irgendwo stehen, weil abreißen immer besser geht als aufbauen.

  • Kann die lokale Rostproduktion etwas mit den Batterien zu tun haben?

    Ja, besonders durch Gasung bei geschlossenen Blei Säure Batterien.

    Abhilfe schafft der Wechsel auf verschlossene Blei Säure Batterien (AGM oder Gel) oder LiFePO4.

    Viele Grüße,
    Oliver

  • Moin r_a_mueller !

    Da ich einst T3-Fahrer war, habe ich viel mit Rost zu tun gehabt :winking_face: und viele Dinge ausprobiert. Drei Radkästen eingeschweißt, Fenster ersetzt usw und immer wieder aufgrund von Rost.


    Zum Rost entfernen kann ich CSD Reinigungsscheiben von 3M empfehlen. Wenn du nach CSD Reinigungsscheiben suchst, findest du zahlreiche Varianten. Die spannt man auf eine Bohrmaschine und die gibt es in klein und groß und die großen werden Stück für Stück kleiner :winking_face:
    So kommt man auch an schwierige Ecken.

    Alles auf einer Flex wird zu heiß und gerade am Boot ungünstig, aber ansonsten auch, weil der Rost einbrennt.


    Leider hilft wirklich immer nur blank schleifen und dann behandeln. Die ganzen Umwandler sind keine wirkliche Hilfe. Ich nutze gerne Owatrol Öl, wenn man gar nicht ran kommt oder etwas mit Absicht sehr langsam rosten lassen möchte. Also z.B. ein dicker Träger, sichtbar in der Wand, da nehmen die Leute dann gerne Owatrol Öl und nutzen das für eine schöne Patina.
    Außerdem kann man Owatrol auch nutzen, um Holz zu schützen, was wiederum heißt, es kann gut verwendet werden, wenn das Holz und Metall verschraubt sind.


    Aber, wenn man ran kommt, mit den CSD Scheiben, dann blank schleifen und dann lackieren. Dafür nutze ich wiederum Brantho Korrux:
    https://www.korrosionsschutz-d…-weitere-farbtoene-750-ml


    Sehr dickflüssig, also auch mechanisch gewisser Schutz. Man kann damit grundieren und dann einfach nochmal streichen.

    Es gibt natürlich auch Epoxys als Rostschutz, damit habe ich aber keine Erfahrung.


    VG, Malte

  • Mal eine "schräge" Idee:

    1. Rost ist auch ein gewisser Rostschutz (sagt man)

    2. ohne Sauerstoff kann nichts rosten

    dann;

    Problemflächen unbehandelt schön dick grundieren, zwei/drei Lagen... so dass kein Sauerstoff eindringen kann. :O

  • Was meinst Du mit "eingebranntem Rost"?

    Anfangs habe ich statt Bohrmaschine und CSD Reinigungsscheiben den Klassiker genommen: Flex mit Drahtbürste. Allerdings erhitzt man das Metall dabei sehr stark und Rostpigmente fliegen teilweise von A nach B. Das Problem war, dass man diese Roststellen nicht mehr wegbekam, ohne massiv Material abzunehmen. Mit der CSD Scheibe, die ich später entdeckte, bekam ich diese Stellen nicht mehr blank.

    Ich kann das jetzt nur empirisch basiert berichten, aber CSD Scheiben reinigen deutlich "schonender" und das Ergebnis war trotzdem "blanker".



    Bzgl. "Kein Sauerstoff" und Rost als "Patina": Auch Lack arbeitet so. Kein Sauerstoff kommt mehr ans Metall. Man könnte sagen, jede Beschichtung verhindert den Kontakt von Metall und Sauerstoff und Wasser/Luftfeuchtigkeit. Aber das Problem sind immer die Ecken, an denen Feuchtigkeit steht und nicht ablüften kann und man nicht mehr vollständig an das Metall kommt, um es zu imprägnieren/konservieren.


    Beim T3 habe ich auch gerne Wachs genutzt. Hohlraumwachse, die gut fließen, für den Unterboden Unterbodenschutz (UBS) Wachs. Aber auch das wirkt besser auf bereits geschützten Metallen, weil eben doch immer irgendwo Luft und Wasser durchdringen.


    Ich hab mal gelesen, Korrosionsschutz ist die Aufgabe, die Oxidation eines Metalls derart zu verlangsamen, dass sie für die Lebensdauer des Bauteils keine determinierende Rolle spielt. Das fasst es gut zusammen: Entropie, alles wird oxidieren. Auch Edelstahl, nur seeeeeeehr langsam.

  • Das mit dem Verlangsamen ist natürlich so eine Sache. Wenn weitere Arbeiten anstehen, die Schiebetür nicht mehr richtig will, dann ist man oft bereit die Sache philosophisch zu betrachten. Bei einem Boot kann man das auch. Man kann es auch so machen, dass der Rost danach steht und an der Stelle keine Verschlechterungen mehr, kein fortgesetzter Substanverlust mehr eintritt. Das beginnt zwar mit Entrosten, aber ganz, bis in den letzten Rostkrater wird man es nie schaffen.


    windsurfgleiten Hast Du Deinen T3 noch? Bei so viel Mühe, die Du dort reingesteckt hast, ist er heute ja einiges wert.

  • Moderboot: Ich habe ihn leider verkauft. Mit Kids wurde er zu klein. Die Preise waren schon hoch, aber noch lange nicht da wo sie heute sind.

    Trotzdem will ich nicht meckern: Ich bin den über 10 Jahre gefahren und habe das Doppelte von dem bekommen, was ich bezahlt habe.


    Aber Arbeitsstunden möchte ich nicht wissen. Ich habe den gesamten Innenausbau rausnehmen müssen, um Schweller, Fensterrahmen, Radkästen usw "richtig" zu behandeln. Also Radkasten rausschneiden, neu (Repblech) einschweißen, neue Fensterrahmen schweißen und und und. Den Innenausbau konnte man so nicht wieder einbauen, der war einfach auch auf, also auch den nochmal nachgebaut.


    Bzgl. dem Verlangsamen: Ich wollte damit sagen, dass man letztendlich die Maßnahme ergreifen muss, die einem genug Zeit verschafft. D.h. nicht, dass es Stück für Stück wegrotten soll, sondern genau was du schreibst: Man wird nicht überall hin kommen. Also so gut wie möglich reinigen, dann vernünftig Grundieren und Schützen (Brantho Korrux z.B.) und dann Wachs drauf, dann erischt man auch die Teile, die man nicht erreichen konnte und hat es hoffentlich so stark verlangsamt, dass alles "sehr lange so hält".

  • Man kann auch nachträglich im Boot verzinken. Nennt sich Flammspritzen oder Plasmaspritzen.

    Mit dem Winkelschleifer erreicht man nicht die erforderliche Oberflächengüte für ein dauerhaftes Ergebnis. Es gibt den Monti Bristel Blaster der angeblich die gleiche Oberflächenrauigkeit wie Sandstrahlen erzeugt. Ich überlege mir dieses Equipment zu holen auch wenn es in meinen Augen überteuert ist.

    Ansonsten halt Owatrol.