Seefunk - Proaktiv und ohne Scheu

  • Hallo zusammen!


    Wir hatten ja vor einiger Zeit schonmal das Thema Scheu und Nervosität beim Funken oder angefunkt werden und da gab es einige sehr gute Beiträge und Erfahrungen den man vielleicht so zusammenfassen könnte: "Nach 3 mal funken senkt sich das Herzinfarktrisiko deutlich", was auch als eher schüchterner Gesell meine Erfahrung widerspiegelt.


    Auf der Basis würde ich gerne ansetzen und mit euch diskutieren und ergründen was man mit der neu gewonnenen Coolness und ruhe so alles anstellen kann, denn eines was einem die Standardphrasen und die UBI/SRC Prüfung oft unterbewusst klar macht ist dass man nur funkt wenn es absolut nötig ist. Maydays, Pan Pans, Antworten wenn man angesprochen wird, Silence Mayday... alles ziemlich gruselig und nur im Notfall zu verwenden. Jedem wird klar gemacht dass Kommunikation a la "Sailing Vessel Isabell an Sailing Vessel Callisto, wir grillen heute, Bier ist kalt" auf Kanal 16 nichts verloren haben. Und das ist auch richtig so. Aber was ist z.B. mit dem eigenen subjektiven Sicherheitsbedürfnis? Wird das auf Grund der gefühlten Restriktionen ignoriert?


    Hier wo ich bin wurde vor ein paar Wochen ein Boot ohne Mast reingeschleppt. Aufs Korn genommen von einem Frachter. Der Skipper hat 10 Minuten lang beobachtet bis es gerummst hat. Die panischen Funksprüche kamen zu spät.

    Ein 5 Minuten vorab gesendetes "Hallo hier bin ich" hätte die Situation vielleicht gerettet.


    Ich sehe kein Problem darin beim queren von z.B. TSS/VTGs ein Schiff welches einem zu Nahe kommen könnte proaktiv anzusprechen a la "Cargo Vessel [Name], [Name], [Name], This is Sailing Vessel [Name], [Name], [Name], watch me cross at your 11 o'clock", "watch me cross in front/your bow, CPA 7 Minutes". Selbiges ist denke ich auch legitim wenn man hinter einem querenden Schiff kreuzt. Oder einfach seine Position an wilde Fischereifahrzeuge mitteilt. Da ist ein Wechsel auf einen Arbeitskanal eigentlich fast nicht nötig.


    In der Biskaya vor Frankreich knallen gern mal 5-6 Schiffe mit 12 Knoten kreuz und quer durch die See, ich wäre vermutlich entspannter gewesen wenn ich nicht die Klappe gehalten hätte und wie eine Katze geräuschlos durch die Fanggründe geschlichen wäre. Und ich war vor Belgien sehr froh dass mich die Marine nachts proaktiv angefunkt hat und mir sagte dass sie mich backbord passieren werden. Hätt ichs selbst gemacht hätt ich keine Ausgenringe vom Fernglas bekommen und wäre ruhiger gewesen.


    Warum hab ich das nicht gemacht?


    2 Gründe:

    - Es gibt keine Standard Phraseologie dafür, also muss ich mir selbst was cleveres & kurz-knackiges ausdenken

    - Ich stelle "Funkdisziplin" über mein eigenes Sicherheitsempfinden


    Jetzt meine eigentlicher Wunsch. Ich würde gerne von euch hören ob ihr für solche Nicht-Standard Fälle bereits eure eigene knackige und clevere Phraseologie gefunden habt die ihr locker runterrasselt statt hart weg zu stammeln?

    Und in welchen anderen oder ähnlichen Situationen seid ihr proaktiv und informiert andere über euer handeln?


    Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 1 für "nervöses Wrack sobald es klingelt" steht, 5 für "passive Coolness" und 10 für "aktiver Mitgestalter" steht, wo seht ihr euch?

    Ich geb mir ne 4 bis 5, je nach Situation. Wäre aber gern ne 7 :winking_face:


    Gruß,

    Marco

    /Marco


    Blog, Live-Track, Fotos und Bootsinfos: sailing-serenity.eu
    "There is no place, I can be, since i've found Serenity"

    Edited once, last by S/V Serenity ().

  • Ja, irgendwie ist dieses Funken schrecklich aufregend, dabei ist es eigentlich nur seltsames Telefonieren. Ich habe mir zur Angewohnheit gemacht, jede Brücke/Schleuse, die ich passieren anzufunken, und sei es nur um mich zu bedanken. Damit verliert das Funken seinen Schrecken, weil es einfach Gewohnheit wird. Und weil das ja auf speziellen Funkkanälen passiert, ist es auch nicht so furchtbar schlimm, da keinen Standardsatz parat zu haben.

    Wenn man mal ein paar Stunden Funk mithört, sei es Revierzentrale oder bei einem Rettungseinsatz, wird einem auch bewusst, dass wir da mal wieder furchtbar Deutsch ausgebildet werden und zwischen Theorie und Praxis ein signifikanter Unterschied besteht.


    Wenn ich mal was mit einem anderen Schiff abzusprechen habe, dann halte ich mich übrigens einfach daran, dass die 16 ein Anrufkanal ist und biete dem Angerufenen einen Arbeitskanal an. Das geht mit einem Standardsatz, in überschauberer Länge ("Chicken, this is Egg" "Egg, Chicken listening" "Channel 06" "06"). Sobald man dann auf dem Arbeitskanal ist, kann man auch ein bisschen rumstammeln :winking_face:

  • Hallo Marco,

    das kann man vielleicht doch nicht nach Methode 1..10 werten?

    Als funkaktiver Mensch in einem anderen Bereich hab ich null Scheu zur Funk-Kommunikation und beachte die sich ähnelnden Regeln, die auch bei anderen Diensten gelten.

    Muß nur aufpassen, daß das verwendete Rufzeichen zur Anwendung passt. Ich funke in der Freizeit meist abends oder nachts regelmäßig. Nutze ab und zu auch die Taste.

    Segeln:

    Klärung von Situationen ist sehr angenehm. Auch mit den Dicken. Die finden es manchmal nett, das Wegerecht hübsch abstimmen zu können. Die Marine ist auch äußerst korrekt und höflich. Einen freundlichen - aber bestimmten - Anschiss hab ich auch schon mal ausgeteilt.

    Wenn auf einem Gruppenboot die anderen keine Lust haben funke ich auch...

    Auf kleinen Booten hab ich meine Handfunke oben, kann nebenher hören.


    spliss

    Holt groß das Dicht !

  • Moin,

    gutes Thema. Als ich mit dem Segeln auf Dickschiffen begonnen habe, hatte ich etwa 15 Jahre Fliegerei als Privatpilot hinter mir. In der Fliegerei geht gar nichts ohne Funk. Bei Start und Landung sowieso, aber auch unterwegs, beim Wechseln von Lufträumen usw. ist funken selbstverständlich. Natürlich muss man sich daran gewöhnen und am Anfang war es auch stressig, vor allem, wenn man es in englisch machen musste, was mir nicht in die Wiege gelegt war. Umso erstaunter war ich beim meiner Segelausbildung inkl. passenden Funkscheinen, dass man zwar einen Schein macht, den aber i.d.R. praktisch gar nicht einsetzt. So lernt man das natürlich nie. Die sehr enge Phrasologie empfinde ich auch als extrem hinderlich und vor allem die Prozeduren bei Notrufen als völlig aus der Welt gefallen. Sollte ich jemals in eine Notlage geraten, werde ich schon in der Lage sein, Notlage, Position und Kennung durchzugeben. In welcher Reihenfolge und wie oft wiederholt geht mir dabei am Popo vorbei. Aber zurück zu deiner Frage: Ich nutze den Funk durchaus, um mich in unklaren Verkehrslagen bemerkbar zu machen und mal nachzufragen, ob ich überhaupt gesehen werde. Meine Erfahrung aus dem letzten Jahr war: einmal habe ich gar keine Antwort erhalten, ein zweites Mal konnten wir uns absprechen (ein Frachter kam aus der Jade). Ok, das ist N=2, öfter hatte ich das Vergnügen aber nicht. Also gehöre ich wohl zu den Personen, die den Funk recht unbedarft nutzen, wenn nötig und kann nur dazu ermuntern, das Gerät auch zu nutzen, wenn es notwendig erscheint. Meine Vorerfahrung ist dabei allerdings eine große Hilfe.

    Der Missbrauch der Funkerei in der Seeschifffahrt nervt allerdings gewaltig und den habe ich in der Luftfahrt so nie erlebt, siehe oben "Bier steht kalt".

    Gruß Klaus

  • Funken ist Kommunikation und die ist in manchen Situationen einfach notwendig, bzw kann (seltener) überlebenswichtig sein. Die Scheu, die manche davor haben, liegt wahrscheinlich zum größten Teil an der mangelnden Übung. Dabei ist das alles kein Hexenwerk, sondern man muss sich einfach trauen. Es wird Niemandem der Kopf abgerissen, wenn ein Anruf nicht 100% nach den Regeln gemacht wird oder wenn man sich mal verquatscht. Ich funke beruflich seit 25 Jahren täglich und erzähle trotzdem hin und wieder mal Mist. Ja und? Entspannt Euch, alles easy, passiert jedem, auch den Profis.

    Natürlich sollte man die Regeln kennen und sich dran halten (obwohl im Seefunk für meinen Geschmack elends viel gelabert wird) und wer international unterwegs ist, sollte auch des Englischen einigermaßen mächtig sein. Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister.

    Mein erster Ausbilder hat mir im zum Funken und der Phraseologie Folgendes gesagt: " Fang genau an, dann wirst Du mit der Zeit lässig. Das ist gut und das ist cool. Wenn Du aber lässig beginnst, wirst du mit der Zeit nachlässig und das ist schlecht." Das habe ich mir bis heute gemerkt.


    Um aber die Frage des Threaderstellers zu beantworten: Not kennt kein Gebot und ein schlechter Funkspruch ist oftmals besser als gar keiner. Hauptsache die wichtigsten Infos kommen rüber und wenn die Gegenstelle was nicht versteht, wird sie nachfragen. Ich würde immer, wenn eine Situation unklar ist, versuchen diese zu klären. Lieber Einmal zu viel als Einmal zu wenig.

  • So ähnlich wie Klaus, nur leider ohne seine Fliegerei-Erfahrung, sehe und handhabe ich das auch. Ich kann mich echt nicht erinnern, dass ich die offiziellen Funkgesprächs-Schemata je angewendet hätte. Und wenn man einfach nur mithört stellt man schnell fest, dass das den Berufsskippern offenbar genauso geht.


    Meiner Erfahrung nach sind die Dicken ganz dankbar, wenn man sich mit ihnen per Funk abspricht. Und es ist mir nicht nur einmal passiert, dass ich von einem Frachter oder Tanker angefunkt wurde, der mich darüber informierte, dass ich ruhig meinen Kurs beibehalten möge, er würde seinen sehr leicht ändern und hinter mir passieren. Sehr nett, sehr freundlich. Das alles aber nie in der offiziellen Gesprächsstruktur, sondern sinnvoll frei Schnauze.


    Meiner Meinung und Erfahrung nach macht unsere Art der Funkausbildung eher Angst, das Wissen auch praktisch anzuwenden, weil man das Fehlerpotenzial für so wahnsinnig hoch hält. Wenn man doch wenigstens darauf vorbereitet würde, dass die Praxis ganz anders aussieht ...


    Gruß, Manfred

  • " Fang genau an, dann wirst Du mit der Zeit lässig. Das ist gut und das ist cool. Wenn Du aber lässig beginnst, wirst du mit der Zeit nachlässig und das ist schlecht." Das habe ich mir bis heute gemerkt.

    Ich glaube damit hast du genau meinen Punkt getroffen. Der Ratschlag ist sicherlich Gold wert, erzeugt dann bei manchen aber auch leider wieder eine Abwehrreaktion. "Bin nicht sicher ob ich mich genau ausdrücken kann, welche Worte ich benutzen sollte, dann besser gar nichts sagen" Klassischer Move der Introvertierten :smiling_face: Da zähle ich mich mal dazu.


    Daher hab ich vor 2 Tagen im Bett meine Gedanken kreisen lassen und mir im Kopf vorgestellt wie ich z.B. in oben beschriebenen Situationen kurz und klar Funken kann. Hab überlegt wie ich das "Hello, I am somewhere in front of you and want to pass the TSS 90 Degrees north to south, can you see me on your AIS or Radar or.... dunno, whatever, I'm here, you're there, we cool?"

    In eine persönliche "Standard-Phrase" abwandeln kann die schnell erzählt ist. Daher mein Beispiel wie ichs mir gedacht hab und die Frage ob ihr euch Worte, Ausdrücke oder Phrasen angeeignet habt die einfach funktionieren.


    Ich denke bei manchen ist das englisch ein Hauptproblem und für die kann es auch sinnvoll sein so ein paar wirklich sinnvolle Ausdrücke und Satzbausteine oder Phrasen zur Hand zu haben.


    Wie gesagt, es geht nicht primär darum jemandem die angst zu nehmen sondern jemanden zu ermuntern aktiver zu sein aus Gründen der Lebensverlängerung und Vereinfachung :smiling_face:


    Aber auch schön von euer aller Erfahrungen zu lesen. Allein das kann schon der springende Funke sein sich damit zu beschäftigen. Keep it coming!

    /Marco


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  • Ich denke bei manchen ist das englisch ein Hauptproblem

    Ja, das kann gut sein. Aber auch da hilft zuhören, das relativiert die eigene Fremdsprachschwäche sehr schnell. Was da alles an kreativem Englisch - gern auch mit starkem Akzent - abgelassen wird, würde meine alten Englischlehrer und -innen die Ohren anlegen lassen und Herzrasen auslösen. Man sollte ja denken, dass die nautischen Berufsfunker dieser Welt alle ein gestochenes Englisch sprechen. Nach meiner Wahrnehmung weit gefehlt.


    Gruß, Manfred

  • Nach meiner Erfahrung sollte man jede nur denkbare Gelegenheit nutzen, seine Funkskills zu trainieren, natürlich nicht mit irgendeinem unnötigen Unsinn, aber gerade bei den großen „Pötten“ in der Ansteuerung von Häfen oder aber auch beim Kreuzen größerer Fahrwasser kann es nicht schaden, sich der Kurstreue der potenziellen „Gegner“ sowie der eigenen Sichtbarkeit zu versichern. Es beruhigt ungemein und man hat im Notfall die entscheidende geringere Scheu und Routine, sich anderen verständlich zu machen.

    Jürgen

  • Moin Marco,


    bei Annäherung an einen „Großen“ bzw. kreuzen seines Kurses setze ich bei Annäherung unter 0,35sm CPA meist einen Funkspruch in folgender Art ab:


    (CH16) XY, XY, this is SV Zephyr, SV Zephyr. Zephyr this is XY, go ahead. XY CH 06 please. 06.

    XY from Zephyr, we are the little sailing vessel under your starbord (port) bow. Donˋt worry about us, we will clearly pass after your stern.


    Meist kommt dann etwas in dieser Art zurück:


    Thank you for your cooperation and have a good watch.

    Dietmar



    -failure is always an option-

  • als Ex-PPLer wie Klaus13 kann ich die Scheu vorm Mike auch nicht ganz so nachvollziehen. Aber das ist halt wie immer im Leben eine reine Gewöhnungs- sprich Trainingssache. Wer sich einmal dazu „gezwungen“ hat, wird schnell merken, dass man weder Stromschläge noch sonst was an der Funke bekommt (Okay, den „CH16-Bier- und Abendessenbestell-Funkern wünsche ich manchmal so einen 20-KV-Schlag :traurig1: :totenkopf: :MG_63:) Also locker rangehen und jede Funkgelegenheit nutzen — und wenn es nur ein Radio-Check-Request ist oder wie bei Robulla mit voller Konsequenz alle Brücken, Schleusen, Häfen „bequatschen“.


    Mein nachdenklich stimmendes Erlebnis: Ich war vor ca. 15 Jahren mit einem Leihboot und 5 Kumpels - alle (!) SRC-Inhaber - in DK unterwegs. Dicht an der Kurslinie lag ein Mil.Übungsgebiet. Ich bat die Jungs: „Kann mal jemand von Euch über Lynby Radio checken, dass die heute wirklich nicht aktiv sind?!?!“ Neee, keiner machte irgendwelche Anstalten. Meist kamen Kommentare a la „…hab ich noch nie gemacht, ne ne ne“. Am Ende saß ich unten an der Funke — dann aber komplett umrahmt von meinen Kumpels. Sie wollten mal sehen, wie das „in Echt geht“… :dntknw: :dntknw: :dntknw:


  • - ich finde das auch schwierig .. und es ist nicht wie telefonieren ... es hört ja die GANZE WELT zu


    und wenn am Wochenende ein Charter Boot seine anderen Boote 5 mal hin einander ruft - finde ich das sogar etwas nervig - aber gut dann weiß man das der Funk geht


    (auch wenn ich nicht schüchtern bin kostet es immer etwas Überwindung- möchte man aber durch Brücke in NL - hat man oft keine Wahl (Harlingen) und man ist überrascht wie einfach ..


    ((wobei man auch überall ließt ; den Schleusen oder Brückenkanal schon mal ein paar (15Min) vorher mitzuhören um nicht alles drei mal zu fragen ??

  • es hört ja die GANZE WELT zu

    Wohl eher nicht. Kommt auf die Reichweite deiner Antenne an. AIS ist da schon anders: Signal gesendet, Signal aufgenommen von Landstation, eingespeist in Marinetraffic - und schwupps sieht es die ganze Welt.

  • ...Umso erstaunter war ich beim meiner Segelausbildung inkl. passenden Funkscheinen, dass man zwar einen Schein macht, den aber i.d.R. praktisch gar nicht einsetzt. So lernt man das natürlich nie. Die sehr enge Phrasologie empfinde ich auch als extrem hinderlich und vor allem die Prozeduren bei Notrufen als völlig aus der Welt gefallen. Sollte ich jemals in eine Notlage geraten, werde ich schon in der Lage sein, Notlage, Position und Kennung durchzugeben. In welcher Reihenfolge und wie oft wiederholt geht mir dabei am Popo vorbei. ...


    Aufpassen mit Vergleichen zur Fliegerei. Die sind hier z.T. gar nicht gern gesehen. :MG_63: :whistle2:

    Aber Du hast völlig Recht. Ich habe mich nach 25 Jahren Flugfunk im Selbststudium auf das SRC vorbereitet, aber was mich von Anfang an gestört hat, war dieses endlose Gelaber. Funk ist kein Selbstzweck, sondern, wie ich oben schrieb, Kommunikation. Kurz, präzise und auf den Punkt. Dreifaches Wiederholen von Namen, Callsigns und dergleichen finde ich völlig überflüssig.


    Man stelle sich Folgendes vor:


    "München Approach, München Approach, München Approach

    this is

    Lämmergeier nullacht-fufzehn, nullacht-fufzehn, nullacht-fufzehn

    Registration D-ABCD

    Sellcall ZY-XW

    passing Flightlevel 215 descending Flighlevel 130

    inbound Rokil to cross Buram 160 or below, I say again, 160 or below

    We have Information Whiskey

    Over."


    Der Lotse würde vor Verzweiflung in sein Mikro beißen, da er noch einen Haufen anderen Traffic auf der Frequenz hat und seine Freigaben nicht los wird, da die Frequenz blockiert ist. Auch wenn Frequency Congestion im Seefunk wahrscheinlich eher kein Thema ist, sehen es vielleicht viele ähnlich und lassen dieses Dreifachgelaber einfach weg, weshalb sich die Realität dann etwas anders anhört als das Lehrbuch.

    Und auch da bin ich voll bei Dir: das, was da gelehrt, geht völlig an der Realität vorbei und schreckt die Aspiranten eher ab. Dazu kommt, dass es eben in der Ausbildung zu wenig geübt wird.

    ... Hab überlegt wie ich das "Hello, I am somewhere in front of you and want to pass the TSS 90 Degrees north to south, can you see me on your AIS or Radar or.... dunno, whatever, I'm here, you're there, we cool?"

    In eine persönliche "Standard-Phrase" abwandeln kann die schnell erzählt ist. Daher mein Beispiel wie ichs mir gedacht hab und die Frage ob ihr euch Worte, Ausdrücke oder Phrasen angeeignet habt die einfach funktionieren...

    Vergiss nicht, dass auf den Brücken von so manchem Großschiff Leute stehen, deren Englisch schlechter ist als Deines. Keep it simple, nicht jeder hat amerikanische Colloquialisms drauf. Der Sinn einer Standardphraseologie ist, dass man, auch wenn man nicht jedes einzelne Wort perfekt versteht, weiß was gemeint ist und antizipieren kann, was gleich kommen wird. Dadurch funktioniert der Funkverkehr auch bei schlechten Empfangsbedingungen und / oder marginalen Sprachkenntnissen eines oder mehrere Beteiligter.



    ... Man sollte ja denken, dass die nautischen Berufsfunker dieser Welt alle ein gestochenes Englisch sprechen. Nach meiner Wahrnehmung weit gefehlt.

    So ist es.


    Grüße und Schönen Sonntag

  • Hey Marco,


    Hab noch keinen SRC, bin aber hin und wieder mal den Aufgabenkatalog am durch gehen weil ich die Prüfung wohl bald mal ablege.


    Meine heimliche Hoffnung war die Funkerei genau für deinen beschriebenen Zweck zu

    (Miß?)brauchen. Auch gerade weil es ja meist eine Kaskade aus fuckups sind, die dann zu schlimmeren führen, macht es für mich Sinn schon früh Problemen aus dem Weg zu gehen oder mitzuteilen.


    Eigentlich der Hauptgrund den Schein zu machen.

  • Ich hatte das Glück, dass ich früher mit Berufsseeleuten gesegelt bin.


    Dabei habe ich verinnerlicht, dass sie meistens die Funkpartner auf Englisch sehr förmlich mit “Sir” angesprochen haben. Das habe ich für mich übernommen und nie schlechte Erfahrungen gemacht.


    Einmal habe ich mitgehört, wie in Mecklenburg Vorpommern ein ”Offizieller” einen Segler über Funk zusammengefaltet hat.

    Zugegeben, der Segler hätte sich über das, was er gefragt woanders informieren können, aber die Antwort un der Ton des Offiziellen waren vollkommen unangemessen.

    Ich hoffe, dass das ein Einzelfall war.


    Viele Grüße


    J.

  • Dabei habe ich verinnerlicht, dass sie meistens die Funkpartner auf Englisch sehr förmlich mit “Sir” angesprochen haben. Das habe ich für mich übernommen und nie schlechte Erfahrungen gemacht

    Das mache ich bei genau einer Situation, wenn folgende Mitteilung per Funk notwendig ist:


    „You, Sir, are an asshole“.


    (Bsp: Italienisches MoBo rauscht 10m von meiner Etap22 entfernt vorbei, weil er hofft Titten zu sehen)

  • Ich habe die Hemmungen vor ein paar Jahren im Englischen Kanal abgelegt.

    Bei einem innerhalb von 20 Minuten auftretendem Seenebel im TSS bekam ich auf meinem damals noch passivem AIS ein Schiff auf Kollisionskurs angezeigt. Mir war noch nicht ganz klar wie genau das AIS anzeigt. Sehen konnte ich das Schiff nicht. Ich wurde dann doch etwas nervös und hab das Schiff auf Englisch mit Namen angefunkt ob man mich sehen würde und ob ich ausweichen solle. Innerhalb von Sekunden kam die Antwort. "Yes, I see on the radar. I'll change my course to port".

    Ich habe mich natürlich artig bedankt und noch gute Wache gewünscht. "Thanks and you too" kam zurück. Das Schiff habe ich nicht gesehen, nur gehört. Im Internet habe ich später herausgefunden, dass es ein 40.000 t Autotransporter war.

    Gelernt habe ich daraus 2 Dinge: 1. bei unklaren Situation ohne Scheu anfunken. 2.Meine beiden Radarreflektoren haben ein sichtbares Echo abgegeben.

    Wenn man in Richtung Frankreich, England segelt wird das Funken sowieso langsam zur Routine. Ohne Anmeldung in einen Hafen über VHF geht fast nichts. Das fängt ja schon bei der Querung der Maasmündung an, wo man sich tunlichst anmelden sollte.


    Grüße

    Eckart

  • Wenn man in Richtung Frankreich, England segelt wird das Funken sowieso langsam zur Routine. Ohne Anmeldung in einen Hafen über VHF geht fast nichts. Das fängt ja schon bei der Querung der Maasmündung an, wo man sich tunlichst anmelden sollte.

    Stimmt, ab Maas Richtung Süden lernt man automatisch sehr viel :smiling_face:


    Kurz zuvor in Scheveningen/Den Haag hab ich aber doch noch gezögert und bin bewusst hinter einem anderen Boot aus dem Hafen raus. Da muss man sich auch an- und abmelden wegen der wirren Einfahrt und den Schnellfähren. Erschien mir einfacher mich direkt an deren Arsch zu kleben und denen die Kommunikation zu überlassen. "SV Serenity joining SV XY" schnell nach deren COM hinterhergeschoben hielt ich für nervenschonender :face_with_tongue:


    Aber es wird es wird. Die Pflichtkommunikation ist Routine geworden, Kanal 12 und Hafenquatscherei auch, nur am proaktiven Kanal 16 "belästigen" (irrational ich weiß) hakts noch. Aber ich glaube da wird meine nächste Etappe entlang Portugals Westküste auch heilende Wirkung haben wenn gemäß berichten die Fischerei wie ein Bienenschwarm über einen herfällt :face_with_tongue:

    /Marco


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