Seezollgrenze Deutschland

  • Hallo liebe Foristen,


    ich bin bei Blauwasser.de über einen Link zu den Zollbestimmungen gestolpert:


    Merkblatt über Zollbestimmungen für Schiffsführende von Wassersportfahrzeugen


    Wie wird das tatsächlich gehandhabt?

    Setzt irgendjemand von euch nach z.B. Besuch von Langeland den Zollstander oder Nachts ein "Zolllicht" ?


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    Macht irgendjemand eine "Zollanlandung"?

    Führt irgendjemand ein "Bezugs- und Anschreibebuch"?


    Muss man sich mit all diesem wirklich befassen ?

    Was ist in der Praxis wichtig?

    Kann es Stress geben, wenn ich statt einer Flasche Wein an Bord sechs Flaschen gelagert habe?

  • Steht ja drin. Wenn Du anmeldepflichtige Waren, große Mengen Bargeld usw. mitführst, musst Du auch einklarieren bzw. ausklarieren.

    Wir haben das das letze Mal vor ungefähr 30 Jahren gemacht, als es sich noch lohnte, Schiffsbedarf zu beziehen (zoll- und Steuerfrei).

    Die Kiste mit dem Zeuch kam dann immer versiegelt in die Nasszelle und durfte dann erst geöffnet werden, wenn man ausgereist war.

    Heutzutage ist das für die Ersparnis zu umsständlich. Mir jedenfalls.

    Das Anschreibebuch liegt zu Haus.

    Was Du natürlich und immer beachten musst, sind die Einfuhrmengen (Tabak, Allohol usw. ).

    Praxis: Hat bei uns in der westl. Ostsee noch nie keiner kontrolliert (was nicht heißt, daß wir uns nicht an die Bestimmungen gehalten haben, die Freimengen zu überschreiten ist ja recht schwierig normalerweise). Weiter östlich würde ich da brav anmelden. Ist wie am Flughafen. Immer brav durch das rote oder grüne Törchen, dann passiert auch nix.

    Edited once, last by honeydew ().

  • Zugegeben - ich habe jetzt nicht die 58 Seiten des von dir Tröteröffner verlinkten Merkblatt gelesen. Aber wenn von Langeland nach Kiel segelst, dann fährst du dabei doch über eine Grenze innerhalb der EU. Und in diesem Fall musst du ja nichts besonderes (mehr) unternehmen. Vor einigen Jahren war da noch eine skurrile Maßnahme für deutsche Bootfahrer: Hafenrunde drehen und so was. Aber das ist ja dann auch entfallen.

    Ei jo

  • Nee, so einfach ist es nicht. zwischen Kiel und Langeland KÖNNTE man durch Internationales Gewässer fahren. Streng genommen müsste man dann einklarieren...

  • Also ich gehöre nicht zu den Leuten, die mehr als 10.000 Euro mit in den Urlaub nehmen, auch Goldnuggets haben wir eher selten an Bord (Seite 14/15).

    Wir sind Nichtraucher und die Alkoholmengen haben wir auch noch nie getoppt.

    Daher haben wir zwar den Wimpel an Bord, aber noch nie verwendet.


    Allerdings wurden wir bereits zweimal vom Zoll kontrolliert - einmal von den Norwegern im Oslofjord (da wurde konkret nach Alkohol gefragt) und einmal vor Bornholm von den Dänen.

  • honeydew hat ja schon berichtet, ein ANschreibebuch und dann der Zollstander ist nur berechtigt zu nutzen, der ins EU Ausland segelt, also im Ostsee nach Russland oder Norwegen. Dann kannst du das nutzen, mußt bei Rückkehr eine Zollstelle anlaufen und eine ggf vorhandene Restmenge anmelden und nachversteuern. Anmeldung kannst du dir ersparen, wenn du unter er Freimenge bist und zusätzlich eine Bescheinigung der Freistellung von der Gestellungsflicht beantragt und erhalten hattest. Daher heute praktisch irreelvant, in den 0-iger Jahren und davor eine sehr beliebte Versorgungsquelle und damit sehr viel viel billiger (1000 Zigarette/5 Stangen kosteten 30 DM). Vergangene Zeiten....


    Nicht zu verwechseln mit einer Grenzbefreiung.... Man sieht einem einlaufenden Boot ja nicht an, woher es kommt, Marstal oder St. Petersburg. Die Grenzbefreiung ("Passbefreiung") bekommst du auf Antrag bei der Bundespolizei und wird auf Name deinen Namen ausgestellt. Sie entbindet dich von der Pflicht, deine Grenzdokumente bei der Wiedereinreise in Deutschland vorzulegen (was angesichts der vielen WE-Segler keiner macht...). Hatten wir früher für die ganze Familie und wir haben sie auch mal einem mürrischen Zoll Menschen an der Grenze nach Polen vorgelegt, der uns wegen illegalem Grenzübertritt belangen wollte....

    Gruß

  • Moinsen, wie schon beschrieben, ist das heute nicht mehr relevant.

    Oder doch? Von Helgoland nach GB z. B. ist wieder hochaktuell.

    Oder, da haben wir Zollanschreibebuch und Zollstander vor vielen Jahren zuletzt benutzt: von Helgoland nach N segelnd.

    Gruß
    Andreas

  • nicht direkt (aber mit Ein- und Ausreise), aber das ist auch ungfähr die Grenze, wo es mit Ein- und Ausklarieren interessanter wird. Aber ja, hast Recht, "EU" ist da wohl besser geeignet.

  • Schengen ist das eine - aber trifft auf die EU nicht das Zauberwort "Zollunion" zu? (Und beachten: Helgoland gehört nicht zur Zollunion)


    Deswegen habe ich mir bei Überschreiten der Grenzen innerhalb der EU da ehrlich gesagt nie Gedanken gemacht. Ausserdem sind die Freimengen so groß (16 Liter Bier - pro Person), dass der übliche Freizeitkapitän da vorher Stauprobleme bekommt.

  • Im Schengener Abkommen ist die Grenzkontrolle von Personen geregelt. Der Schengenraum umfasst grob gesagt die EU mit ein paar AAusnahmen, sowie auch Island und Noprwegen.

    Die Frage nach dem Ein und Ausklarieren ist ehr ein Zollthema. Zollunion wie zuvor genannt ist der Zusammenschluss von Staaten zu einem Zollgebiet.

    Für uns Otto-Normal-Segler wäre das die EUCU (EU, Türkei; Andorra; Monaco, San Marino) und Helgoland gehört mit dazu :tongue:


    Helgoland gehört, wie die anderen beiden Europäischen Zollfreizonen (Samnaun und Livigno) zwar mit zum Gebiet der EU (na gut Samnaun ist Schweiz) aber nicht zum Erhebungsgebiet - also Zoll- und weitestgehend Steuerfrei.


    Um auf die Eingangsfrage des TE zurückzukommen - ich segel so hin und her, ohne Stander (|

    Handbreit
    Torsten
    __________________________________________________________________________________________
    Winston Churchill wurde zu seiner Goldenen Hochzeit gefragt, ob er je an Scheidung gedacht hätte.
    Antwort: An Scheidung nicht, aber öfter an Mord !

  • Moinsen, der Zollstander wird innerhalb der deutschen Seezollgrenze gesetzt, wenn man deklarierungspflichtige, aber nicht deklarierte Waren an Bord hat und dies anzeigen möchte (bzw. muss, damit man nicht als Schmuggler gilt). Dazu müssen vier Dinge zusammenkommen:
    1. Man muss solche Waren zuvor erworben und an Bord genommen haben (Keine Ahnung, wo man so etwas in Deutschland außer auf Helgoland noch kaufen kann)

    2. Sie sind in einem Zollanschreibebuch eingetragen, welches ebenfalls vorhanden sein muss (keine Ahnung, ob die noch für Yachten ausgestellt werden)

    3. Man läuft mit dem Ziel hohe See oder einem Ziel außerhalb der EU unmittelbar nach Anbordnahme aus

    4. Man hat einen Zollstander an Bord. Der wird in deutschen Gewässern gezeigt und ist somit eine nationale Signalflagge. International ist die gelbe Flagge "Q" gebräuchlich.

    In der Berufsschiffahrt, wo häufig größere Mengen zollpflichtiger Waren als Mund- und Bordvorrat für die Crew auf einer längeren Reise mitgeführt wird, ist der Zollstander z. B. bei einem Transit (d. h. ohne dass ein Einklarierungshafen angelaufen werden würde) üblich - häufig auf Schiffen im NOK zu sehen.

    Gruß
    Andreas