Bavarias und andere Großserienboote

  • Es ist wohl so wie ich es mir gedacht habe. Jedes Schiff hat seine Fans und seine Gegner.


    Ich war mal auf einer Bav 39 aus den 90 er Jahren die war super. Stabil, stäbig, nix hat geklappert. Tolles Schiff.

    Demgegenüber bin ich auf ner nagelneuen 36 er Bav von 2012 gefahren, da waren die Türen eher aus furnierter Presspappe, mal ganz abgesehen von den Spaltmaßen und Billigscharnieren aus dem Billigbaumarkt.

    Freunde von mir hatten sich eine nagelneue Hanse 34 gekauft und waren nur am schimpfen. Permanent war irgendwas kaputt, so dass dauernd nachgebessert werden musste. Irgendwann hatten sie die Nase voll und haben mit Hilfe von Anwälten ein neues Schiff bekommen.

    Das war dann noch schlimmer, so dass sie sich im Grunde ihr altes, repariertes Boot zurückwünschten.


    Ich hatte hier, etwas naiv, gehofft, dass sich im Tröt so ne Art Tendenz zeigt.

    Also im Sinne von: Bavaria vor 2005 ist noch ok, oder die Dufour ist wertiger als eine Beneteau.

    Hat leider nicht geklappt. Trotzdem danke an alle die sich beteiligt haben.

  • Bis zu welchem Baujahr sind Bavaria‘s noch vernünftig und ab wann eben nicht mehr?

    Kann da nur aus Chartererfahrung sprechen: Vernünftig ab Anfang der Nuller Jahren bis zu dem Moment, als die Inneneinrichtung kantig wurde. Ecken und Kanten Unterdeck - never ever!

    Und die ältere Rollmastmechanik würde ich meiden. Die ist echt Gefummel. Nervt komplett.



    ________/)____|_____|________/)/)_______/)___________|_____|_________/)____

  • Ich hatte hier, etwas naiv, gehofft, dass sich im Tröt so ne Art Tendenz zeigt.

    Es ist Mittwoch, es ist edelstes Biergarten- und Segelwetter. Und da wirfst du nach 7h und nur 22 Beiträgen schon hin? Tststs… keine Ausdauer mehr, die jungen Leute.



    ________/)____|_____|________/)/)_______/)___________|_____|_________/)____

  • Wenn ich es richtig sehe, wird hier nach Großserienbooten aus den Baujahren 1985-2020 gefragt.

    Einige Gedanken zur Entwicklung in dieser Zeit (habe selbst bisher etwa 20 solcher Boote aus diesem Fertigungszeitraum gesegelt):

    1. wurden die Schiffe dahingehend „optimiert“, dass a) erkannte konstruktive Schwächen in neueren Modellen behoben werden und b) auf die (sich verändernden, z.T. erkannten, z.T. unterstellten) Eignerwünsche eingegangen wurde.

    2. wurde aber gleichzeitig mit noch größerem Aufwand der Produktionsprozess optimiert und die Fertigung kostengünstiger gestaltet.

    1. und 2. standen dabei nicht immer, aber oft im Widerspruch. Jede Werft, die überleben will, wird im Zweifel die Fertigungskosten senken wollen, wann immer sie glaubt, dass dadurch keine erkennbare Produktverschlechterung eintritt. Zwei Beispiele:

    - Die Riggs haben sich in dieser Zeit stark verändert. Einerseits sind sie bedienungsfreundlicher geworden (keine Backstagen mehr, kleinere Vorsegel und größere Großsegel usw.; bestimmte konstruktive Schwachstellen wurden eliminiert (Wanten heute außen angeschlagen und i.R. Masten auf dem Deck stehend – die älteren Konstruktionen litten unter Undichtigkeiten im Deck und waren teuer in der Fertigung). Gleichzeitig haben die neuen Riggs Nachteile (innenliegende Wanten erlauben eine variantenreichere Vorsegelgarderobe und erleichtern den Durchgang am Deck; durchgesteckte Masten – z.B. noch bei „normalen“ Beneteaus in den 1980ern üblich – erlauben besseren Riggtrimm).

    - Die Innenräume sehen heute ebenfalls völlig anders aus als früher: CNC-gefräste, leichte, eckige MFD-Platten in vielen verschiedenen Farbkombinationen haben die aufwendigen, früher meist sehr ähnlich aussehenden Schreinerarbeiten abgelöst, die man selbst noch in Bavarias aus den 1990er Jahren bewundern kann (Mahagonifurniere, Bootsbausperrholz). Der Innenausbau ist heute leichter, heller und großzügiger wirkend, dazu viel billiger herzustellen; die älteren Schiffe wirken dafür wertiger und sind oft seegerechter eingerichtet.


    Diese Entwicklung führt regelmäßig zu Enttäuschungen von Eignern, die auf neuere Modelle derselben Werft umsteigen: Man muss sich umgewöhnen und die Einsparungen bei den Fertigungskosten glaubt man an allen Ecken und Enden zu spüren und zu fühlen (und auf See sogar zu hören). Durch die geringeren Arbeitsstunden, die heute in ein Großserienschiff wandern, fallen manche Fehler und Probleme erst nach der Auslieferung auf, die ehedem früher entdeckt worden wären. Zu allem Überfluss ist eine Bavaria 38C heute nicht einmal billiger als eine (vergleichbaren Raum bietende) Bavaria 40 vor 20 Jahren – inflationsbereinigt! Wer aber heute eine 20/40 Jahre alte Bavaria kauft, bekommt halt ein 20/40 Jahre altes Schiff mit Teilen, die 20/40 Jahre den Elementen und dem Verschleiß ausgesetzt waren. Wer sich also mit den neueren Modellen und all ihren Nachteilen und Unschönheiten nicht anfreunden kann, die sich aus der optimierten Fertigung ergeben, muss sich wohl oder Übel entweder ein neueres Schiff aus der Kleinserie zulegen oder viel Geld in das Refit eines alten Schätzchens stecken (ich weiß von einer deutschen Yacht aus den frühen Neunzigern, in die fast 1Mio. € investiert wurde – so etwas geht allen Ernstes). Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob dem Threaderöffner eine Antwort gegeben werden kann, die ihm schmeckt. Ich kann mich zwar begeistern für die Entwürfe von Monhaupt (Bavaria) oder German Frers (Beneteau) und die tolle ursprüngliche Fertigungsqualität solcher alten Schiffe, aber es sind halt … alte Schiffe, in die man viel Geld versenken kann. Gleichzeitig wird man realistisch das Enttäuschungspotenzial einzuschätzen haben, wenn sich ein bisheriger HR-Eigner einen aktuellen Großseriendampfer zulegt – das kann kaum gut enden...

  • Ich sag nur, so viele Großserienboote fahren in der Charter, also kann nicht alles schlecht sein.

    sdw :Laie_22:





    Auf`m Boot :segeln: ist wie zu Hause auf`m Sofa (Entspannung) :segeln:

  • Ich glaube man kann das nicht an festen Jahreszahlen festmachen! Das ist / war eine Entwicklung!

    Großserienboote spiegeln immer eiin wenig den Zeitgeist wieder. Zudem sind die Vercharterer eine große Kundengruppe, die damit Geld verdient und sauer wird, wenn es Probleme gibt.

    Zudem ist der Plegezustand bei einem gewissen Alter wichtiger als die kleineren Änderungen der Bauqualität von einer Serie zur nächsten.

    Jüngerre Bote sind moderne, komplizierter, teilweise durchdachter und dünner,

    Alte sind schwerer, ruhiger, einfacher und durch die natürliche Auslese langlebiger


    Durch den Rumpf der Bawaria 30 der Stegnachbarin meines Freundes, kann man die Sonne sehen, bei seiner Contest aus den 70ern undenkbar

  • Welches Baujahr ist die Bavaria30. Ich habe auch eine Bavaria, Baujahr 2007, da ist nix mit Sonne zu sehen.

    sdw :Laie_22:





    Auf`m Boot :segeln: ist wie zu Hause auf`m Sofa (Entspannung) :segeln:

  • Hallo Zusammen,


    ich habe mir vor 2 Jahren eine Bavaria 320 Sportline, Baujahr 1994 gekauft.

    Wie ich finde ist diese Baureihe, jedenfalls für die 320er gesprochen noch sehr solide gefertigt.

    Gerade wenn man auf einige Details, wie z.B. die geformte Kante in der Kielaufnahme, oder den mit Kevlar verstärkten Rumpf im Vorschiffbereich, oder das Ruder- Gestänge betrachtet.

    Zumindest die 320er hat auch eine Zertifizierung nach dem Germanischen Lloyd, ich denke mal, dass dies auf alle Boote dieser Serie zutrifft.


    Als kleinen Nachteil empfinde ich höchstens, dass eher kleine Cockpit. Dadurch, dass diese Boote achtern auch wieder schmaler werden (nicht so wie heutzutage) fehlt da doch etwas Platz.

    Ein weiterer negativer Punkt ist die doch recht starken Planschgeräusche der Badeplattform, wenn man einen Liegeplatz hat, wo die Wellen von Achtern kommen. Hier kann es zu einer recht hohen Geräuschbelastung kommen.


    Ich habe mir im Netz mal die 370 und 390 Versionen angesehen, gerade die Lagoon- (Eigner-) Varianten dieser beiden Yachten finde ich doch sehr schön.


    Rund herum finde ich diese Baureihe von Bavaria sehr gut gelungen.

    Für mich verbindet sie tolle Segeleigenschaften mit nahezu dem Komfort der heutigen Serien, aber auch dem soliden Bau der älteren Generationen.


    Viele Grüße

  • Gibt es da Qualitätsunterschiede, also z.b Beneteau ist wertiger als Bavaria oder, oder, oder?

    Ich würde mir so etwas wie ein Pflichtenheft für's neue Boot machen und schauen, welches der angebotenen Boote am besten zum vorgegebenen Budget reinpasst. Wenn sich da einige Boote herauskristallisieren, würde ich mir im zweiten Schritt Gedanken zur Qualität, Robustheit und bekannten Problemen (Kiel fällt immer wieder ab :Mauridia_44:) machen und anschließend zuschlagen.


    Ein Ranking nach Qualität wird es nicht geben, zumal "Qualität" von jedem anders gesehen wird: Der eine denkt ans Furnier, der andere an die Kojenmaße, der dritte an die Starkwindeigenschaften.

    Volker

  • Wirklichg eine schwierige Frage. Aber das Gute ist: du willst ein Gebrauchtboot. D. h. du wirst eines

    in der engeren Wahl haben, weil es optisch, preislich, von der Ausstattung und altersmäßig passt,

    und dann schaust du es dir an. Wenn du dann den Eindruck hast, dass es schlecht verarbeitet ist,

    suchst du weiter. Die Erfahrung wirst du selber machen müssen. Einfach mal alles selbst begutachten.

    Kostest aber unter umständen Zeit. Vor allem bei dem derzeit etwas spartanischem Angebot. Übrigens

    auch ein Grund, vielleicht nicht auf die eierlegene Wollmilchsau zu warten. Die kommt vielleicht nie.


    Zum Thema Amel: vor einigen Jahre habe ich auf der Boot eine besichtigt. Ich fand die Verarbeitung

    unter Deck grottig.

    Viele Grüße
    Jürgen (urlaubsreif - immer)

  • Kann ich gerade nicht rausfinden, ist aber nur leicht bei direkter Sonne und wenn es innen dunkel ist,

    Ist bei Dir der Kunststoff der Aussenhaut von innen direkt sichtbar (ohne Verkleidung / Stoff etc?? )

  • Durch die Spritzlaminate der 70‘er und 80‘er kannst du auch die Sonne sehen. Hält seit über 40 Jahren und wird auch weitere 40 überleben.

  • moin Arne

    im Wesentlichen schliesse ich mich den Ausführungen von Meeresfee an . Bei allen von Dir genannten Aspiranten musst du auf das souveräne Seeverhalten deiner HR 312 verzichten . Die logische Weiterentwicklung läuft meiner Meinung nach auf eine HR 34 , 342 oder 36 raus . Wenn du in hartem Seegang hoch am Wind das Krachen der flachen Vorschiffe ertragen möchtest und den einen oder anderen Sonnenschuss speziell bei den Franzosen gerne mitnimmst ist das egal . Es wird aber so sein und Dein gutes Gefühl ein wenig eintrüben . Alle von Dir genannten Boote leiden (häufig) in ihrer Struktur und durch die leichte Bauweise und ein richtig abgespanntes Rigg führt schon mal zu Problemen . Natürlich schwimmen die alle noch und bestehen auch 10 Jahre den harten Chartereinsatz - kann aber sein , das das dann eine weiche Möhre ist. Nun noch der Aspekt Speed - die sind natürlich alle schneller bei leichteren Winden ABER wenn es etwas mehr wird fängt schnell die Refferei an , wo du mit der HR ein Grinsen im Gesicht hast und die Unterschiede merkst . In dem Segment gibts aber auch gute Schwedinnen wie Albin - Norlin - Forgus - Linjet - Diva - usw .


    so sehe ich das


    handbreit


    Frank

  • Als Du Dir die HR 312 zugelegt hast, hättest Du für das gleiche Geld auch was Größeres bekommen. Dass Du Dich für das kleinere Schiff entschieden hast, hatte seine Gründe. Diese Gründe werden es Dir nicht ganz leicht machen eine Bavaria etc. zu kaufen.

    Hier im Forum gibt es eine Menge Segelkameraden/innen, die Bavarias und Hanses segeln und sehr zufrieden mit ihren Schiffen sind. Vielleicht mehr als ein HR-Eigner, der sich gerade mit seinem Teakdeck herumschlägt.

    Wenn ich vor Deiner Wahl stünde, würde ich einfach erstmal nach Booten schauen, die nach Rumpf, Rigg, Ausstattung zu Deinen Bedürfnissen passen und erst dann recherchieren, welche Qualitätsprobleme solche Boote haben können.


    Grüße

    Karl

    Die besten Seemänner stehen an Land.

  • Durch die Spritzlaminate der 70‘er und 80‘er kannst du auch die Sonne sehen. Hält seit über 40 Jahren und wird auch weitere 40 überleben.

    Das ist gut möglich, ich wollte das auch nicht als Qualitätsmerkmal verstanden wissen, obwohl das ggf. so rüberkommt,

    Die Dame ist mit dem Boot, so weit ich weiss, sehr zu frieden !

  • ...also wenn selbst Spritzlaminat kein Qualitätsmerkmal (für unterstes Qualitätsniveau) sein soll... Man kann natürlich besonders kleine Rümpfe im Spritzlaminatverfahren bauen, aber das hierbei der einzige Vorteil "Billig" ist, da sind wir uns doch einig, oder?

    Im Ernst: dickes Laminat ist nicht gleich gutes Laminat. Es ist sehr oft eher so, dass die dicken Laminate gemacht werden, weil man den Fertigungsprozess nicht gut beherrscht und sich damit auf die sichere Seite bringen will. Aber zu harzlastige Laminate sind schwer und spröde. Spritzlaminate sind für belastete Teile zu spröde, das funktioniert nur mit brutaler Überdimensionierung.


    Eine hochwertige (nicht zwingend teure Yacht) hat

    -einen gerechneten Laminatplan. Da wird man staunen, wer nicht einmal das hat.

    -höhere Gewebequalitäten an besonders belasteteten Teilen

    -höhere Harzqualitäten, zumindest in den äußeren Lagen

    -ein Rumpf im Vakuum-Infusionsverfahren ist herkömmlichen Laminaten überlegen, aber das wird schwierig zu finden sein bei älteren Schiffen.


    Aber Qualität zeigt sich auch bei Beschlägen, Anhängen und Installationen.

    - schlechte Beschläge nerven enorm. Das zu ändern ist selten wirtschaftlich zu machen

    - schlechte Ruderlager ebenso

    - ein unterdimensioniertes Rigg i.S.v. zu klein. Sehr häufig zu finden (werftseitig vorgerefft-man weiß ja nie) ist wirtschaftlich überhaupt nicht zu ändern

    usw.


    ... und erst jetzt kommt der Innenausbau. Wenn der nicht so dolle ist kann man da noch am Besten etwas tun.


    Es ist aber nicht immer pauschal zu sagen, die Werft baut immer gut und die immer schlecht. Da gibt es immer wieder Überaschungen in die eine oder andere Richtung, es gibt nur Tendenzen. An einem Baujahr kann man es auch nicht generell festmachen, weil mit einer neuen Yacht wird auch das Produktionsverfahren festgelegt. Selbst wenn die Werft neue Verfahren eingeführt hat, werden die bestehenden Typen mit dem bestehenden Verfahren bis zum Ende gebaut, weil man sonst i.d.R. die gesamte Konstruktion und Zertifizierung anfassen müsste.


    VG

    Thomas

  • Ich habe mich falsch ausgedrückt:

    Für mich war das Durchscheinen nicht das Merkmal ein Boot zu beurteilen.

    Ein Boot kann trotzdem für mich OK sein.

    Ist Durchscheinen = Spritzlaminat?

  • Ich würde mir so etwas wie ein Pflichtenheft für's neue Boot machen und schauen, welches der angebotenen Boote am besten zum vorgegebenen Budget reinpasst. Wenn sich da einige Boote herauskristallisieren, würde ich mir im zweiten Schritt Gedanken zur Qualität, Robustheit und bekannten Problemen (Kiel fällt immer wieder ab :Mauridia_44:) machen und anschließend zuschlagen.


    Ein Ranking nach Qualität wird es nicht geben, zumal "Qualität" von jedem anders gesehen wird: Der eine denkt ans Furnier, der andere an die Kojenmaße, der dritte an die Starkwindeigenschaften.

    Volker

    So würde ich es auch machen. Bei konkreten Kaufkandidaten dann noch einen Gutachter beauftragen.