Bavarias und andere Großserienboote

  • Aus meiner Erfahrung nach mehreren hundert Gebrauchtbootbegutachtungen möchte ich zwei Aspekte beisteuern:


    * Die Qualität der im Interieur verarbeiteten Materialien hat in den letzten Jahren in der Großserie nachgelassen. Dünnere Funiere (wenn überhaupt noch in Holz und nicht nur Holzpotik), kein oder billiger Kantenschutz, Beschläge aus dem Möbelbau (Korrosion!). Oberflächenvergütung oder -behandlung. Die Boote sehen neu oft sehr gut aus, sind aber oft nach kurzer Nutzung schon ziemlich mitgenommen.


    Gleiches gilt für Funktionalität und Ergonomie des Ausbaus, die bei den älteren Semestern oft besser durchdacht ist.


    * Neben der Bauweise, die sich bei den genannten Aspiranten auf einem bestimmten Standard bewegt, ist für mich die Qualitätsüberwachung beim Bau ein Kriterium, bei dem sich Unterschiede finden lassen. Hier gibt einerseits die Mehrzahl der Hersteller, die eine durchgehend verlässliche Qualität (im Rahmen des geforderten Preises natürlich) abliefern. Hier hat der Käufer selten mit echten Überraschungen zu rechnen. Dann gibt es leider einen Hersteller, der immer mal wieder für eine negative Überraschung gut ist. Stichwort: Serienstreuung. Da muss man wirklich genau hinschauen.

    Der Weg ist der Weg. Das Ziel ist das Ziel.

  • Jetzt überlegen natürlich alle angestrengt, welcher der eine Hersteller ist. :leise:

    Wenn ich segeln gehe ist das ein guter Tag!

  • ...also die Wallys sind schon sehr unterschiedlich gebaut :rolling_on_the_floor_laughing:

    Tauwerk von Lancelin® - die Marke der französischen Offshore Szene -

    nach Maß und mit Bearbeitung

    Beschläge aller Hersteller

    http://www.tauwerk-experten.de

  • Naja wenn ich unser Vereinsboot vergleiche mit meinem eigenen Boot, Vereinsboot eine Dehler 32 und mein Boot eine jeanneau von 1984 würde ich sagen das die Seetauglichkeit der Inneneinrichtung bei mir deutlich gegeben ist, bei der Dehler würde ich mich schon fragen wo ich mich festhalten soll...

  • Ja, so Ende der 80er, Anfang der 90er habe ich die Jeanneau-Boote als deutlich hochwertiger gebaut wahrgenommen, als etwa Bavarias. Wie das später war, kann ich nicht beurteilen.


    Später hatte dann die Lagoon-Serie von Bav. einen sehr guten Ruf (kenne ich nicht persönlich).


    Hängt also nicht nur vom Hersteller ab. Daneben kommt es bei so alten Booten auch mehr auf den Pflegezustand an, als bei 5 Jahre alten.


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Ich habe mich 2008 bewußt für ein Serienboot interessiert und mich für Bavaria entschieden. Die lag eigentlich sogar deutlich unter meinem Budget.


    Der Grund war die Erfahrungen, die ein Freund mit einer renomierten, dänischen Werft gemacht. Beim ersten neuen Schiff ist auf der Überführung nach Holland die Schraubenwelle vom Getriebe abgerissen. Maschien und Welle fluchteten nicht. War vor Texel in totaler Flaute und Nebel. War echt spannend.

    Beim 2.Mal (Der Freund war verliebt in das Design und die Segeleigenschaften) hat er ein größeres Schiff dieser Werft gekauft und nach Bacelona mit dem LKW transportieren lassen. Auf der Jungernfahrt nach Mallorca, wurde dere Dieseltank undicht. Des weiteren war eine große Fläche am Hauptschott versaut. Man hatte in der Werft wohl eine Baulampe zu lange darauf scheinen lassen.Es war dann versucht worden den Schaden weg zu schleifen, was natürlich eine rchtig große und tiefe Delle.

    Irgendwann hat man sich dann über die Anwälte geeinigt. Es waren sicher Montagsboote, aber auch ein Zeichen, dass die Qualitätskontrollen nicht funtionierten


    Mit meinem Boot gab nix zu reklamieren und ich bin heute immer noch zurfrieden.

    Grüße

    Eckart

  • Da ich selber ähnliche Gedanken vor und während meines Kaufvorganges über 2 Jahre hinweg auch immer wieder hatte,


    kann ich nachdem wir unser Boot letzten Herbst kaufen durften folgenden Artikel nur vollständig bestätigen.


    Stäbig, Wertig, Viel Gewicht und robust, Top-Fit, viel Laminat und GFK (noch wegen Handarbeit), (m)ein Schatz


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  • Und dann kommt ne Reinke raus. Super.

    Also bei mir nicht.

    Aber ich würde überhaupt gerne wissen aus welchem Grund man eine 31 HR gegen ein größeres Großserien-Boot eintauschen will. Kinder? Langfahrt? Mehr Boot als eine 31 HR braucht man auf der Ostsee eigentlich nicht wirklich, wenn man allein oder als Paar unterwegs ist. Man könnte sich evtl. ein schnelleres wünschen, aber wozu ein größeres mit wahrscheinlich (im Vergleich) enttäuschender Qualität?

    Ein Freund ist, wer Dich für gutes Schwimmen lobt, nachdem Du beim segeln gekentert bist.

    Edited once, last by steggano ().

  • Durch den Rumpf der Bawaria 30 der Stegnachbarin meines Freundes, kann man die Sonne sehen, bei seiner Contest aus den 70ern undenkbar

    ....wenn das ein ungestrichenes, handaufgelegtes Laminat ist, kannst Du auch durch 30mm Laminat das Licht sehen., auch z.B. bei einer alten Malö, die eigentlich als Qualitätsschiff bekannt ist. Also, die Sonne ist meiner Meinung nach kein Argument.


    LG Curt W.

  • Es heisst darum ja auch Glasfaser verstärkter Kunstoff. Wenn man sehr transparente klare Harze nähme wäre das Laminat durchsichtig.


    Warum will man weg von HR 31? Da fällt mir Vieles ein. Kellerschiff. Düster. Man will grösseren WC Raum, ggf. Dusche. Badeplattform. Leichtwindperformance. usw.

    Denn natürlich war früher nicht alles schlecht, aber alles gut auch nicht.

  • Spannend, dass sich die Legende mit dem "Laminat so dünn, dass die Sonne durchscheint" so hartnäckig hält.

    Leute, das Zeug heisst doch nicht ohne Grund Glasfaser und Glasharz.


    Als mein Vater sein wirklich hoffnungslos überdimensioniertes Boot (Rumpf mit blauem Gelcoat) ausgebaut hat,

    hatte er für die erste Saison noch keine Verkleidung eingebaut, nur Schotten und Kojen usw.

    Man konnte bei Sonnenschein beim Segeln die Bugwelle erkennen.


    Mal eine andere Variante (auch wenn nicht danach gefragt wurde):

    Man könnte sich ja auch in Skandinavien nach einem der zahlreichen Fabrikate umsehen,

    die hohe Qualität ohne HR-Zuschlag bieten.


    Von Scanner, Mamba, Contrast, Trio usw. bekommt man ja wertige Boote mit gemässigten Riss.

    Auch Maxi 999 oder 1000 oder 34 sind bestimmt ordentliche Boote.


    Nur ein Beispiel:

    Auf Udkik.dk wird gerade eine Puzzle 36 angeboten von 88. Standort Seeland.

    Das Boot ist so etwas wie ein kleiner Swan-Verschnitt mit Zweisalingrigg, Teakdeck von 2018 usw.

    Zum Preis wie manche HR29 in Deutschland.


    Holger

  • Warum will man weg von HR 31? Da fällt mir Vieles ein. Kellerschiff. Düster. Man will grösseren WC Raum, ggf. Dusche. Badeplattform. Leichtwindperformance. usw.

    Denn natürlich war früher nicht alles schlecht, aber alles gut auch nicht.

    Der TE hat das Boot ja mal so gekauft, da war es auch schon ein "Kellerschiff", und das sind die älteren normalen Großserienboote eigentlich auch, von Deckssalon war bisher nicht die Rede. Von schneller, auch bei Leichtwind, habe ich ja gesprochen, das könnte man wollen. Dann suche ich aber eher nicht nach Großserie in größer, sondern nach gleich groß (vom Volumen) aber anderes Konzept. Also z.B. nach deiner Winner oder nach einer Faurby etc.

    Ein Freund ist, wer Dich für gutes Schwimmen lobt, nachdem Du beim segeln gekentert bist.

  • Warum will man weg von HR 31? Da fällt mir Vieles ein. Kellerschiff. Düster.

    Und bei richtigem Scheisswetter unglaublich gemütlich. :relieved_face: Da kann kein heller moderner Ausbau mit noch so vielen Fenstern und Luken mithalten.

  • Ich war mal auf einer Bav 39 aus den 90 er Jahren die war super. Stabil, stäbig, nix hat geklappert. Tolles Schiff.

    Demgegenüber bin ich auf ner nagelneuen 36 er Bav von 2012 gefahren, da waren die Türen eher aus furnierter Presspappe, mal ganz abgesehen von den Spaltmaßen und Billigscharnieren aus dem Billigbaumarkt.

    OK, ich wusste es. Es geht gar nicht um ein Segelboot, sondern um einen schwimmenden Wohnwagen... Mir wäre der Innenausbau bzw. dessen Qualität sowas von egal, Hauptsache der Kahn segelt gut! Das auch die HaBavJeanBenes (auch die neuen) nicht sofort untergehen wurde ja schon geklärt.

  • Frage 100 Leute und du bekommst 100 grundverschiedene Antworten. Hinzu kommt, dass es DIE Bavarias oder Großserienboote auch nicht gibt. Da gab es im Laufe der Jahre bei allen Herstellern etliche Wechsel der Ausrichtungen.


    Nur 2 Beispiele:

    Die alten Bavarias (ich glaube so um oder vor 1990) wie z.b. die schon genannte Lagoon 390 hatten einen qualitativ hochwertigen Massivholzausbau, segelten aber eher nur mäßig. Die 390 war damals mein Traumboot aber leisten konnte ich mir nur eine 300. Für die galt aber im Prinzip das Gleiche.


    Vor ein paar Jahren hatte ich dann eine Bavaria 49 (2003). Übrigens mit tiefem Bleikiel, großer Segelfläche (ich meine um die 130m2), nur 11to Gewicht und einer optisch überaus gelungenen Linienführung (meine Meinung). Die würde heute als Performance Cruiser durchgehen. Sauschnell, gemütlicher Ausbau aber für fast 50 Fuß speziell im Cockpit auch recht eng und wegen dem geringen Gewicht auch recht weich.


    Also nur bei einem Hersteller und nur zwei Booten schon zwei extreme Gegensätze.

  • Der Ausbau ist ja nur ein Aspekt. Bei Großserie wird aber an vielem gespart, z. B. an der Größe der Winschen. Da ist dann die Enttäuschung groß, wenn man vorher ein Boot einer Qualitätswerft hatte.

    Gruß, Klaus

  • Also, ich seh' das so:


    Großserienboote sind weitgehend identisch mit meiner Comfortina. Sie haben den selben Volvo in der Bilge, das selbe Seldenrigg drauf, die selben Elvström- oder North- oder Sonstwassegel. Wasserpumpen, Lenzpumpen, Klos, Naviinstrumente, Decksluken, Relingstützen, Batterien .... alles das selbe. Also, wo sind die Unterschiede?


    Vielleicht die Verarbeitungsqualität? Hat man manchmal den Eindruck, aber nicht immer. Alte Bavs waren diesbezüglich erste Sahne. Vielleicht etwas beim Material gespart? Kann sein. Der Gewichtsvergleich bei gleichlangen Booten weist da manchmal darauf hin.


    Für mich der größte Unterschied ist: Bei Großserienbooten wird im Zuge der Fertigung vieles endgültig zulaminiert oder geklebt. Da kommt man an manches später nicht mehr ran, ohne erst mal etwas kaputt zu machen. Bei einer Comfortina ist nichts außer dem Hauptschott und dem Niedergangsschott einlaminiert. Alles, aber wirklich alles kann man ganz easy abschrauben und kommt dahinter an alles ran: Püttinge, Kabel, Wasserleitungen, Tanks, Winschenfundamente, Fallenstopper, Fallenorganizer - kurz: Überall. Das spart zumindest Kosten, ermöglicht aber auch das Selber-Machen ohne große Bootsbaukenntnisse.


    Achtung: Reine Privatmeinung!

  • .... alles das selbe. Also, wo sind die Unterschiede?

    Eben nicht dasselbe.


    Spischot-Blöcke an der X4°: Ronstan Orbit für 250 EUR das Stück

    Spischot-Blöcke an Großserie: Nicht vorhanden. Und wenn doch, dann Seldén Furzblöcke für 50 EUR das Stück.