Rollenverteilung - Wie genau macht Ihr das?

  • Moin,


    aktuell wird ja gerade der Thread "Wer ist Schiffsführer" Wer ist Schiffsführer? von Sirrah intensiv diskutiert. Den Kommentar #127 von Seelebaumelnlassen fand ich auch sehr gut.

    Dabei stellt sich mir folgende Frage:


    Szenario: Ihr geht mit Freunden Segeln und seid der Skipper. Wie macht ihr die Rollenverteilung / Notrollenzuweisung ganz konkret?


    Welche Rollen verteilt ihr überhaupt: Skipper / Co-Skipper ... was wird sonst noch festgelegt? Man weiß ja vorher nicht, wer über Bord geht oder anders ausfällt...

    Wie verteilt ihr die Rollen? Per Akklamation mit einem Schluck Rum besiegelt oder schriftlich oder ... ?

    Ich komme mir ja doch blöd vor, gute Freunde ein Formular unterschreiben zu lassen (aber juristisch korrekt wäre es wohl). Wer macht so etwas?


    Vielen Dank für Eure Hinweise!

  • Schiffsführer wird festgelegt, mehr nicht. Ein Formular macht nichtmal der Verein auf dem Vereinsschiff.

  • Das kommt darauf an, mit wem ich unterwegs bin. Wenn ich mit zwei erfahrenen Kumpels losfahre, dann bin ich als Eigner zwar der Skipper (Schiffsführer ;-)), aber wir verteilen keine Rollen und jeder macht das, was gerade ansteht, von alleine, ggf kurze Absprache ("Verstell Du doch mal den Holepunkt, wenn wir beiden anderen die Wende gefahren haben...").


    Wenn ich mit einer Truppe Ahnungsloser unterwegs bin, dann mache ich eine Sicherheitseinweisung, bespreche mögliche gefährliche Situationen und lege fest, wer statt meiner die Entscheidungen final trifft, wenn ich ausfalle. Das schreibe ich dann auch so ins Logbuch. Unterwegs scheuche ich die crew mit autoritären Ansagen :drohen:

  • ...........


    Welche Rollen verteilt ihr überhaupt: ............

    Zu Beginn des Törns wird rein formal der Schiffsführer benannt, das ist Vorschrift.

    Aber dann kommt´s darauf an ....

    Mit erfahrener Crew werden keine Rollen verteilt, die anfallenden "Arbeiten" verteilen sich von selbst nach Vorlieben und Können. Es ist darauf zu achten, dass sie fair und nach Möglichkeit wechselnd verteilt werden.

    Ein unerfahrenes Team bedarf der präzisen Ansprache. Erst nach einiger Zeit zeigt sich, welche Vorlieben und Veranlagungen der (die ) Enzelnen haben. Danach soll sich deren Einsatz orientieren. Eine hierachischen Festlegung der Rollen vorab ist albern, schön zu sehen an den mit "Dienstgrad" bedruckten T-shirts: Crew, Smut, Skipper, ... . Nee, sowas braucht man nicht.


    Gruß Franz


    Den Beitrag hätte ich mir sparen können, ich schreibe einfach zu langsam :smiling_face:

    halber Wind reicht völlig

  • Bei manchen Threads bin ich froh, manchmal alleine segeln zu dürfen :winking_face:


    Im Eigeninteresse vereinbare ich mit demjenigen, der nach meiner Einschätzung am geeignetsten ist, mein Backup zu sein.


    In der Tat, eine gegenseite Vereinbarung über eine rechtlich nich zulässige Haftungsbeschränkung ergibt durchaus Sinn.


    In Vereinen ist derlei nicht immer erforderlich, weil sich die Haftungsbegrenzung oft schon in der Satzung, Nutzungsordnung o.ä. findet, meist aber stark veraltet und daher oft unwirksam

  • Frage eines Anfängers: Macht es nicht Sinn, Notrollen auch bei erfahrenen Crews zu verteilen? Sonst kümmern sich im Notfall mehrere um die gleiche Sache und dafür wird eine andere ganz vergessen?


    Ich bin dieses Jahr das erste Mal auf einem Chartertörn Schiffsführer mit einer teilweise unerfahrenen Crew. Klar ist, das meine Frau mit SBF See und ca. 400 sm Segelerfahrung den Co-Skipper übernehmen darf. Aber auch alles andere würde ich gerne vorab verteilen. Oder ist das zu theoretisch gedacht und wird in der Praxis tatsächlich nicht oder kaum geregelt?

    Gruß, Marc.

  • Du brauchst beides: Eine feste Rollenverteilung ist effizient, aber wenig flexibel. Ihr solltet also neben dem festgelegten Plan B (first choice) noch weitere Möglichkeiten durchsprechen, falls Plan B nicht durchgeführt werden kann.

  • An welche Notfälle hast Du denn gedacht und welche Rollen möchtest Du denn zuordnen?

    Im Zweifelsfall musst Du die ja doppelt besetzen, wenn ausgerechnet der MoB-Steuermann über Bord geht, kann die Rolle ja nicht wegfallen.

    Wenn es schnell gehen muss, macht das die Person vor Ort. Wenn bei Wasser im Schiff der Lecksucher erst vom Vorschiff nach unten muss und dort schon zwei sitzen, die aber die Lenzpumpe bedienen sollen ist das eher kontraproduktiv.


    Ich würde sage: Bei unerfahrener Crew: Skipper, Co-Skipper und der Rest erfolgt in der Situation. Im Notfall ist es m.E. nach wichtiger, dass Skipper und Co wissen was zu tun ist und dann schnell per Skippergeschrei einer konkreten Person sagen können was zu tun ist, als die Notrollenzuordnung vor Abfahrt.


    Es passiert im Realfall so wenig und es kann theoretisch so viel unterschiedliches passieren, dass die Fähigkeit des Skippers zu reagieren und koordinieren eher das Entscheidende ist.


    Ich war mal auf einem Törn, da hat der Skipper am ersten Abend 4 Stunden lang alle möglichen Notfallrollen zugeordnet. Von Feuer im Schiff bis zu versalzenem Essen. Hinterher waren alle platt, durcheinander und überfordert.

  • Schiffsführer versteht sich. Bei (Regatta-) Langstrecke mit mehr als 36h werden Wachführer eingesetzt, wenn die Wache mehr als 1 Person ist. Und auch so im Logbuch vermerkt, wie auch der Startzeitpunkt des Wachsystems. Damit ist der Wachführer nämlich jew. stellvertretend Schiffsführer während seiner Wachzeit.

    Zumindest bis man geweckt wird mit: "Houston, wir haben da ein ..."

    Ansonsten siehe oben

  • 4 Stunden lang alle möglichen Notfallrollen zugeordnet

    Es gibt ja im Netz einige Listen, die genau so detailliert als Vorlage dienen sollen. Ich finde die alles ziemlich realitätsfern.


    In (irgendeinem) Seminar wurde mal darauf hingewiesen, dass im Schadensfall - der gute Freund kehrt invalide vom gemeinsamen Segeltörn zurück - die Juristen sich aber auf genau so etwas stürzen. Das macht dem Skipper natürlich etwas Sorge oder Angst. Weder will er Freundschaft noch Privatvermögen riskieren, auch wenn die Chance für ein solches Ereignis sehr gering ist. Daher meine Eingangsfrage und verweis auf den anderen Thread: Wie macht ihr das Prozedere "Rollenverteilung" denn nun tatsächlich und ganz praktisch mit einer Crew bestehend aus guten Freunden (um es schön offen zu halten: mit gemischter Segelerfahrung... :-).

  • Ich würde sage: Bei unerfahrener Crew: Skipper, Co-Skipper und der Rest erfolgt in der Situation. Im Notfall ist es m.E. nach wichtiger, dass Skipper und Co wissen was zu tun ist und dann schnell per Skippergeschrei einer konkreten Person sagen können was zu tun ist, als die Notrollenzuordnung vor Abfahrt.


    [...]


    Ich war mal auf einem Törn, da hat der Skipper am ersten Abend 4 Stunden lang alle möglichen Notfallrollen zugeordnet. Von Feuer im Schiff bis zu versalzenem Essen. Hinterher waren alle platt, durcheinander und überfordert.

    So an irgendwas dazwischen hatte ich auch gedacht. Schiffseinweisung an alle ist klar und dann sollte situationsbedingt gehandelt werden. Da zwei Crewmitglieder noch nie auf einem Segelschiff waren, wird die Einweisung zwar etwas länger dauern, aber 4 Stunden sind auch mir eindeutig zu viel. So viel Bier kann ich gar nicht trinken, um meine Stimme zu ölen.


    Wichtig (wie auch schon geschrieben), dass Skipper und Co-Skipper grundsätzlich wissen, was wann zu tun ist. Ich rechne zwar nicht mit dem Schlimmsten, aber Manövrierunfähigkeit wg. gerissener Steuerkette und Motorbrand haben ich bzw. unser bisheriger Skipper schon gehabt (alles glimpflich ausgegangen).

    Gruß, Marc.

  • Unerfahren ist jeder, der ein ihm unbekanntes Schiff betritt. Somit macht es wenig Sinn, so einen als Leckagesucher oder Brandbekämpfer per Notrolle einzuteilen. Auch weiß ich doch garnicht, ob er diese Rolle ausfüllen kann.


    Bei unserem großen Schiff ist die Sache ganz einfach geregelt: Es gibt einen Skipper und einen Co-Skipper und auf die beiden fallen alle Notrollen.


    Grundsätzlich gibt es eine Sicherheitseinweisung, aber damit ist noch keiner in der Lage einen Notfall wirklich abzuarbeiten.


    Kommt es zu einem Notfall, der sofortiges zwingendes Handeln erfordert, muß der höchste zur Verfügung stehende Schiffsführer die Kräfte verteilen (Posten zuweisen) und Anweisungen geben. In der stillen Hoffnung, den Notfall damit zu erledigen, aber mindestens einzugrenzen.


    Viel wichtiger ist und bleibt, daß die Schiffsführung ruhig bleibt, Skippergeschrei nützt nix und macht die Sache nicht besser. Bei unerfahrenen Mitseglnern überträgt sich die Ruhe des Skippers auch im Notfall auf die Crew und alles läßt sich geregelt klären.


    Gruß, christian

    "Nach vorn geht mein Blick, zurück darf kein Seemann schau'n!" (La Paloma, Hans Albers)

  • Um ehrlich zu sein, halte ich eine ausdrückliche Rollenverteilung auf einem Sportboot im realen Alltagsleben für überflüssig. Dies ergibt sich zumindest auf einem Sportboot von allein. Anders mag das auf größeren Booten und gewerblichem Ausflug erforderlich werden und auch sinnvoll sein. Dafür gibt es aber eine mehr als nur oberflächliche Sicherheitseinweisung zu Beginn für jedes Crewmitglied.

  • Szenario: Ihr geht mit Freunden Segeln und seid der Skipper. Wie macht ihr die Rollenverteilung / Notrollenzuweisung ganz konkret?

    Auf eigenem Boot: noch nie gemacht - der Eigner ist Skipper, es sei denn, er wünscht dies ausdrücklich nicht (mag vorkommen, habe ich aber noch nie erlebt). Wer da nun den "höchsten" Schein hat, ist vollständig wumpe.
    Auf fremdem (Charter-)Boot: Wird festgelegt, aber weitere Sub-Hierarchie nur bei größeren Crews. Faustregel: wenn Wachen eingeteilt werden, sollte klar sein, wer dann jeweils das letzte Wort hat. Auch da mag es Unterschiede geben. Bsp. Zwei befreundete Paare/Familien chartern zusammen einen großen Kahn und sind seglerisch auf Augenhöhe. De jure muss jemand den Skip geben. Ist der/die andere dann untergeordnet und muss mit der Vizeposition bedacht werden? Da sind Social Skills gefragt, wie weit man es damit treibt. Deine Frage enthielt den Zusatz "unter Freunden". Unter seglerisch gleichberechtigten Freunden wird es so sein, dass während des Törns der Skip selbigen nicht heraushängen lassen (muss).

    Bei einer zusammengewürfelten (größeren) Crew macht es jedoch mehr Sinn, dies zu besprechen und auch einen Co-Skip zu bestimmen. Möglicherweise bevorzugt die übrige Crew sogar eine klare Ansage.

    Gruß
    Andreas

  • .........Unter seglerisch gleichberechtigten Freunden wird es so sein, dass während des Törns der Skip selbigen nicht heraushängen lassen (muss).

    .........

    ... und in wirklich kritischen Situationen wird sich (vernünftigerweise) die natürliche Autorität durchsetzen und alles was da dampft und segelt wird froh sein das einer die Sache regelt.

    Kritisch sind nur Kompetenzgerangel von Herrn und Frau Wichtig.


    Gruß Franz

    halber Wind reicht völlig

  • Wir gehen einfach segeln mit Leuten die sich kennen.

    Und wenn einer keinen Bock mehr auf lenken hat gibt er an den ab der am meisten Lust hat.

    Kein Logbuch keine Notfallgespräche, einfach mal machen.

    Klar achtet jeder auf sich und die Anderen, aber hauptsächlich wird das Boot schnell gemacht und Spaß gehabt...


    Das war doch der Grund wieso wir das machen oder??

  • Kommt mal wieder darauf an.

    Wenn wir bei Damenwind von Laboe nach Eckernförde unterwegs sind, genau so.

    Wenn wir bei Starkwind nachts von IJmuiden nach Lowestoft segeln nicht unbedingt, dann habe ich schon nach fünf Minuten kein´ Bock mehr, die anderen aber auch nicht. Nicht immer ist laissez-faire eine Option. Bei verantwortungsvoller Crew wird das gerecht geregel, wenn nicht bedarf es einer klaren Ansage. Gut wenn dann der Skipper nicht nur nach dem "höchsten Schein", seinem sozialen Status oder oder andere unwichtiger Kriterien ausgeguckt ist.


    Gruß Franz

    halber Wind reicht völlig

  • Ich würde sage: Bei unerfahrener Crew: Skipper, Co-Skipper und der Rest erfolgt in der Situation. Im Notfall ist es m.E. nach wichtiger, dass Skipper und Co wissen was zu tun ist und dann schnell per Skippergeschrei einer konkreten Person sagen können was zu tun ist, als die Notrollenzuordnung vor Abfahrt.

    So mache ich es auch.

    Allerdings würde ich auch bei erfahrener Crew den Co-Skipper benennen, um Kompetenzrangeleien zu vermeiden.


    Viele Grüße


    Jens

  • Definiere doch mal rechtlich einen "Co-Skipper" wann haftet der wofür??


    Bei uns kann jeder alles von Trimmen bis Steuern, und jeder trägt seinen Teil dazu. Wenn einer etwas natürlich besser als die Anderen kann macht er das bis er müde wird, keinen Bock mehr hat in den Spi zu gucken oder Hunger bekommt oder Pinkel gehen muss...


    Flach ist bei Hierarchien immer besser als aufragend. Und wenn jemand lenken lernen will kann er das...