Malö Yacht Erfahrungen

  • Hallo Forum,

    wir segeln nun seit einigen Jahren und haben immer auch verschiedene Boote getestet, wie Neptun, Beneteau First und verschiedene Bav., außerdem eine neue Beneteau Sun Odyssey 349. Segelreviere waren Ost- und Nordsee (-Inseln und Ijsselmeer) sowie das Mittelmeer. Also eigentlich eher geschützte Reviere. Trotzdem haben wir teilweise so heftige Bedingungen erlebt, dass ich nicht nur einmal gedacht habe, `nie wieder!´.

    Ein alter Seehase hat uns dann geraten einmal eine alte schwere Schwedin zu testen :-), unser Problem würde mit Sicherheit an den Leichtbaubooten liegen, die wir bislang so gesegelt sind.

    Da ich mittlerweile auch ziemlich verunsichert bin, segeln wir eigentlich nur noch bei sehr moderaten Winden. Damit geht aber bestimmt auch eine Menge gute Segelzeit verloren, weshalb ich nun auf der Suche nach einem solchen angepriesenen Boot bin.

    Mein Göttergatte hält mich mittlerweile für Größenwahnsinnig, da diese Boote definitiv nicht in unserer Preisklasse liegen. Besonders zur Zeit kommen Sie mir etwas überteuert vor. Aber zur Zeit wird eine Malö in Greifswald angeboten, die mir schon sehr nach einem / meinem Traumboot aussieht.

    Nun meine Frage, es handelt sich um eine Malö 36 - kann mir jemand etwas zu diesem Boot schreiben, hat jemand so ein Boot? Wie sieht es mit dem Teakdeck aus? Segeln diese Boote dann überhaupt auch bei Leichtwind, kennt jemand das angebotene Boot? Und letztendlich, wie ist denn nun der Unterschied bei Windstärke 4-6 BFt zu einer Bav 34 von 2008 (so ein Boot haben wir nämlich zur Zeit- und MJambo segelt damit immerhin quer über den Atlantik!) sind die Unterschiede bei Starkwind also gar nicht so groß, sondern es liegt schlicht an meinem fehlenden Segelkönnen?

    Grüße Silke

  • Uff...nicht leicht zu beantworten.

    Zunächst mal sind weder Nord- und Ostsee noch das Mittelmeer etwas, was ich als ein geschütztes Revier bezeichnen würde. Die Flensburger Innenförde mag ein geschütztes Revier sein, die Ostsee als ganzes sicher nicht.


    Grundsätzlich kannst du mit jedem Schiff überall und zu jeder Zeit in eine Situation kommen, in der du lieber in der Sahara Datteln anbauen möchtest.

    Die Kunst beim Segeln ist es zu vermeiden, in solche Situationen zu kommen, was Dank vielfältig verfügbarer Wettervorhersagen in der heutigen Zeit auch gar nicht so schwer ist.


    Ich kenne die Malö jetzt nicht direkt, aber wie alle Schwedinnen aus dem Orust Sektor gelten Malös als stabile und hochwertige Boote, die auch eine Mütze Wind abkönnen.


    Ich bin vor 10 Jahren von einem 35' Leichtwind Segler auf ein 46' Schwerwetter Schiff umgestiegen. Die Größe spielt dabei natürlich eine nicht unwesentliche Rolle, aber während früher das Segeln bei 20kn Wind schon recht sportlich und feucht war, erlebe ich es heute immer wieder dass ich feststelle, oh...6 Bft....hätte ich jetzt gar nicht so gemerkt wenn ich nicht auf die Anzeige geschaut hätte.

    Die Kehrseite ist, dass ich unter 3 Bft die Segel gar nicht hochzuziehen brauche.


    Was besser ist muss jede(r) für sich selbst entscheiden. Schaukeln tun sie bei Welle alle.

  • Jedes Schiff ist ein Kompromiss und ein Segelboot, das Schwerwind gut abkann und trotzdem bei schönem Wetter (halt meist Leichtwind) in die Gänge kommt, ist der hl. Gral... (wir glauben freilich, mit unserer Sunbeam dem ziemlich nahe gekommen zu sein :smiling_face: ).


    Die älteren Malös, die ich kenne (1980er/1990er), waren definitiv (jedenfalls angesichts ihrer Verdrängung und im direkten Vergleich zu unserer Sunbeam) etwas untertakelt und damit schlechte Segler bei wenig Wind. Mit zusätzlichem Bugspriet kann man denen aber zu mehr Segelfläche verhelfen (Code 0, Gennaker, Parasailor), die sie auch gut abkönnen.

  • Mit zusätzlichem Bugspriet kann man denen aber zu mehr Segelfläche verhelfen (Code 0, Gennaker, Parasailor), die sie auch gut abkönnen.

    ... diie aber auf Grund der (fehlenden) Streckung nicht unbedingt die Kreuzeigenschaften verbessern.

    Wenn einem die wichtig sind.

  • Das Erleben von heftigen Bedingungen auf See sollte zu Überlegungen führen, die in unterschiedliche Richtungen gehen: Der Erwerb eines neuen Bootes ist nur eine davon. Generell sind Bavaria 34 sehr seetüchtige Boote. Wie steht es um die Seemanschaft? Rechtzeitiges Reffen usw. Seewetterberichte ... Der Zeitfaktor: Kann ich mir leisten schlechtes Wetter auszusetzen? Anspruchshaltung: Überfordere ich mich durch überambitionierte Törnpläne?


    Grüße

    Karl

    Die besten Seemänner stehen an Land.

  • Trotzdem haben wir teilweise so heftige Bedingungen erlebt, dass ich nicht nur einmal gedacht habe, `nie wieder!´.

    ... bei Windstärke 4-6 BFt zu einer Bav 34 von 2008 ...

    Ich habe mal stark gekürzt, ich hoffe das ist in Ordnung.


    Entsprechen die genannten 4-6Bft den Bedingungen die Ihr als heftig erlebt habt?


    Gruß Ralf

  • Trotzdem haben wir teilweise so heftige Bedingungen erlebt, dass ich nicht nur einmal gedacht habe, `nie wieder!´

    zum Beispiel?


    sind die Unterschiede bei Starkwind also gar nicht so groß, sondern es liegt schlicht an meinem fehlenden Segelkönnen?

    ich würd sagen, nicht das fehlende Können, sondern das fehlende Vertrauen.


    Ein alter Seehase hat uns dann geraten einmal eine alte schwere Schwedin zu testen :-), unser Problem würde mit Sicherheit an den Leichtbaubooten liegen, die wir bislang so gesegelt sind.

    siehe oben, Vertrauen (ins Schiff)


    Man kann zu so einer Malö viel Vertrauen entwickeln, diese Art Boote sind so massiv, da quietscht und knatscht und verzieht sich nichts, egal wie hart man sie rannimmt. Das beruhigt ungemein.

    Aber dafür muss man sie auch mal hart rangenommen haben, daher siehe Frage Punkt 1.


    Zu unserer Rassy hatte ich so ein unbändiges Vertrauen, die war in meinen Augen quasi unzerstörbar.

    Das habe ich für die Omega, obwohl 50% größer, noch nicht so ausgeprägt.

    Da fehlen einfach noch diese manchmal speziellen Erlebnisse, die man durchstehen muss und hinterher weiss; "Guck mal, hält doch".

  • Also: Wenn Du 6Bft. am Ijsselmeer hoch am Wind meinst: Verstehe ich sehr gut, das ist höchst unangenehm. Die Bavaria ist jetzt auch nicht sooo schlecht in der Welle. Vielleicht hast Du einfach ein gesundes Risikoempfinden? Was Du mal versuchen könntest ist das Mitsegeln auf so einem Schwedendampfer. Hier im Forum gibt es viele nette Menschen, vielleicht nimmt Dich mal jemand mit bei etwas mehr Wind. Ansonsten finde ich braucht man viele Jahre bis man sich auf einem Boot bei mehr Wind sicher fühlt. Gutes Gelingen und viele Grüsse!!

  • YSine:

    Dir dürfte nur Übung fehlen und ggfls die richtige Technik in schwerem Wetter. Mit einem älteren Riss erkaufst Du Dir ganz andere Schräglagen und Geschwindigkeiten. Das muss einem gefallen. Leichtwind ist nur eine Frage der Segelgarderobe und mehr Segel verhilft auch schweren Booten zu mehr Geschwindigkeit. Langsamer als ein moderner Riss, den Du ja kennst, aber stehen musst Du nicht. Nur eben mehr Aufwand betreiben im Vergleich bei selbem Wind.

    Aber das Entscheidende: Dir fehlt bisher das richtige Boot. Eines, das Dir das Vertrauen gibt. Das ist dann eine sehr individuelle Frage. Wenn das eine Malö ist, ist das eine Malö, egal, wie die segelt.

  • unser Problem würde mit Sicherheit an den Leichtbaubooten liegen, die wir bislang so gesegelt sind.

    Ja und nein. Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass sich ein eher mentales Problem nicht über die Materialwahl lösen lässt. Dass so eine Bavaria auch für schwere Bedingungen und weltweite Fahrt taugt ist ja bewiesen.

    Ich persönlich mag die Malös sehr, und von den ganzen Orust-Booten gefallen sie mir am besten. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird - sprich: die höhere Reffgrenze ist schlicht ein Resultat mangelnder Segelfläche. Mit passend (und rechtzeitig!) gerefften Segeln fährt unsere Dehler 35 SV wohl auch bei 25 kn Wind jeder Malö davon, auch am Wind. Damit ist man den unschönen Bedingungen weniger ausgesetzt.

    Meiner Meinung nach spricht nichts dagegen, eine Bavaria 34 gegen eine Malö 36 zu tauschen - wenn man denn die Malö schön findet. Mit 30 kn Wind kommen beide gut zurecht.

    Gruß

    Robert

  • YSine Robert hat recht, meine ich - mit einer Bav34 sind 6 Bft gut zu meistern. Dazu gehören:

    - die richtige Ausrüstung - da hapert es bei mancher Bav in der Grundausstattung

    - Übung - evtl. mal ein Schwerwettertraining buchen?

    - Vertrauen - kommt durch Übung und positive Erlebnisse dabei


    Meiner Meinung nach ist der Ansatz "ich habe auf meinem aktuellen Schiff Angst bei schwerem Wetter, also brauche ich ein anderes" problematisch. Ihe könnt damit reinfallen, wenn ihr eure Herangehensweise nicht anpasst. Andersrum wird eher ein Schuh daraus: rüstet euer Boot passend nach, und heuert jemanden an der euch damit in die Kunst des Schwerwettersegelns einführt - so könnt ihr das nötige Vertrauen aufbauen.


    Mit Ausrüstung meine ich: gute Beschläge, genügend grosse Winschen, besseres Tauwerk, ein 3. Reff im Gross, und Reffleinen dazu, die man ohne grosses Getüddel nutzen kann, eine kleinere Fock, evtl. am 2. Vorstag, ein (guter! - nicht ST2000, sondern EVO200) Autopilot etc. Nicht billig, aber günstiger als ein neues Schiff.

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    Autokorrektur ist grässlich!
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    Edited once, last by 88markus88 ().

  • Die Malö, die ich kenne, ist eine 39‘er aus dem Jahr 2000. Ganz tolles, sehr edles, super solides Schiff im Traumzustand. In diesem Jahr das erste Mal an den Püttingen undicht gewesen, was aber vom Bootsbauer Norman in der Toft-Werft sehr professionell behoben wurde.

    Die Segeleigenschaften sind für solch eine Art Boot ok. Es sind da halt mehr als 10 Tonnen in Fahrt zu bringen. Aber bei Wind und Welle wirklich seeeeeehr schön zu segeln. Kommode Schiffsbewegungen und weiches Eintauchen in die Welle.

    Das Boot kommt halt von Orust und ist für die dortigen Bedingungen gebaut. Längerer Kiel, Wellenantrieb, ordentlicher Skeg. Das ist alles super solide.

  • Malös sind tolle Schiffe. Aber man muss sich einfach klar sein, dass jedes Bootskonzept Vor- und Nachteile hat. Letztens in Medemblijk durfte ich bewundern, wein Eignerpärchen einer ich mein 36er Malo geschickt aber mit viel Leinenarbeit sich aus der Box gearbeitet hat. Kielprinzipbedingt erkauft man sich den einen Vorteil mit dem anderen Kompromiß...

  • So ganz ist mir noch nicht klar was das fehlende Vertrauen oder das mentale Unwohlsein ausgelöst hat. Waren es die Bewegungen des Bootes? War es die Krängung? Waren es Geräusche wie ein modernes Boot evtl. auf die Wellen klatscht anstatt durch sie hindurchzugehen?


    Auf youtube gibt es ein schönes Video zum Vergleich zwischen verschiedenen Konzepten, Modern vs. älterem Langkieler. Dort sieht man das unterschiedliche Verhalten in der Welle aufgrund Gewicht, Rumpfform und Kieltyp. Hier: youtube


    Wir haben auch einen "Panzer". 8,90m und 4 to mit 41% Balastanteil. Unter 3 Bft geht nicht viel, aber bei der IJsselmeerwelle liegt sie halt viel ruhiger und spendiert mehr Vertrauen als eine Jeanneau gleicher Größe. Da spielt viel subjektives Empfinden eine Rolle. Auch eine Jeanneau kommt damit zurecht, keine Frage. Es ist mehr eine Komfortfrage und keine Frage, ob ein anderes Boot auseinanderfällt. Das tun die nämlich auch nicht.

  • Qualitativ sind die Malös alleroberstes Regal. Da wackelt auch nach 30 Jahren und mehr nichts. Die Wertstabilität ist sehr hoch.

    Das Seegangsverhalten ist im besten Sinne klassisch, also eher bedächtige Bewegungen, kein hartes Einsetzen. Das kann unter ruppigen Bedingungen genauso als komfortsteigernd empfunden werden, wie das tiefe Cockpit mit der festen Scheibe.


    Ich meine daher, dass die Malö 36 subjektiv bei schweren Bedingungen als angenehmer empfunden wird. Kehrseite der Münze sind etwas betulichere Segeleigenschaften. Da muss man abwägen. Als reiner Cruiser ohne Ambitionen an maximale Höhe und Surferlebnisse kann man damit leben.


    Die Teakdecks sind durchweg sehr haltbar, weil in den 90igern noch richtig gutes Urwaldholz verarbeitet wurde. Aber auch das kann nach über 30 Jahren an seiner Grenze angekommen sein. Das muss man genau anschauen.

    Das Ziel ist im Weg.

  • Vielleicht muss ich genauer erläutern, worauf ich mich beziehe, damit die Randbedingungen bei denen wir unterwegs waren klarer sind. Eine Auswahl:

    Wir waren z.B. in einem Borasturm auf dem Kvarner unterwegs, wir sind gegenan gefahren, unter Motor, mit vollem Gaspedal und 1 knoten speed, da wir uns nicht mehr getraut haben die Segel zu setzen, bzw. bei der Welle zu wenden.

    Auf der Ostsee sind wir mit voller Besegelung in einen Gewittersturm geraten, da wir die Segel niccht schnell genug herunterbekommen haben, wir hatten ein Boot ohne Backstagen, mit stark gepeilten Sallingen gechartert und waren Raumschots unterwegs. Das Großsegel war voll geöffnet und hat sich in den Sallingen verfangen. Zusätzlich hatte das Boot nur 1 Winsch! Also Leinengetüddel ohne Ende. Wir lagen fast Platt auf dem Wasser.


    Wir waren bei 5 in Böhen 6 Bft auf dem Ijsselmeer gegenan unterwegs - maximal gerefft - das ging, aber ich fand es schrecklich.


    Und auf dem Weg von Korsika nach Elba hatten wir einen Sonnenschuß, der war auch nicht von schlechten Eltern.

    Also alles mangelnde Segelerfahrung?! Oder passieren solche Erlebnisse nicht auf schwereren Booten? Vielleicht haben wir auch nur Pech?

  • vielleicht kann ja Phygos was zu den Unterschieden zwischen Malö zu einem neueren Schiff beitragen. Immerhin war er Besitzer einer Malö und ist jetzt Besitzer einer Bavaria.

    Also alles mangelnde Segelerfahrung?! Oder passieren solche Erlebnisse nicht auf schwereren Booten? Vielleicht haben wir auch nur Pech?

    Hmm., jedes Boot will den Bedingungen angemessen gesegelt werden, das schließt Routenwahl, Kurs zum Wind, Besegelung entsprechend der Wetter und Seegangsverhältnisse ein.

    Die genannten Beispiele zeigen mir eher, dass Ihr euch langsam an schlechte Bedingungen herantasten und Erfahrung gewinnen solltet als dass Ihr das Boot wechseln müsstet. Man darf bei einer Bora gerne auch mal frühzeitig in einer Ankerbucht oder im Hafen liegen und ein Gewitter kündigt sich meist frühzeitig an.


    Gruß Ralf