Ankerkralle für Chartertörns

  • Da musst du den Hersteller fragen. Ich interpretiere die Angaben so, dass das die maximale Dehnung ist, jedenfalls solange wir uns im Bereich der sicheren Arbeitslast bewegen.


    Klar, bei Erreichen der Bruchlast dehnt sich die Leine noch mal ordentlich :runner:.

    Gerade bei Liros geschaut - die geben nur an, dass die Arbeitsdehnung > 20% beträgt. Wäre auf jeden Fall mal interessant zu wissen, wie bei einem Festmacher das Spannungs-Dehnungs-Diagramm bis zum Point-of-no-Return aussieht... :whistle2:


    Was mir nicht so ganz klar ist: ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass man einen Festmacher auch zu dick wählen kann - sprich, dass dann auf Grund der großen Arbeits/Bruchlast bei geringen Belastungen keine ausreichende Dämpfung der Lastspitzen erfolgt. Wenn ich mir die von Dir zitierten Spannungs-Dehnungs-Diagramme von Liros so anschaue, schient das nicht der Fall zu sein. Denn im Anfangsbereich bei geringen Spannungen ist die Kurve etwas flacher als bei größeren Belastungen - sprich auch bei wenig Belastung wird der Festmacher erstmal ordentlich gedehnt.


    Siehst du das auch so?

    Viele Grüße
    Jens


    --

  • ... weshalb nimmst du in deinem Gepäck nicht einfach NUR die Ankerkralle mit und tüdelst das Teil dann beim ankern an einen Festmacher?


    Holger

    Holger

    SV RUNAWAY (Catalina 34) - gerne mal anklopfen, wenn ihr mich irgendwann irgendwo seht :smiling_face:

  • Jein, die Entlastung der Ankerwinsch ist ein positiver Nebeneffekt, aber die Hauptaufgabe eines Snubbers ist es, die Einleitung dynamischer Lastspitzen durch Böen oder Wellen in den Anker zu vermeiden oder wenigstens zu reduzieren.


    Solange noch Durchhang in der Kette ist, kann die Kette alleine die Lastspitzen aufnehmen. Da ist der Snubber in der Tat arbeitslos.


    Wenn die Kette aber schon durch den statischen Winddruck steif kommt und keinen nennenswerten Durchhang mehr hat, kann sie auch keine dynamischen Kräfte mehr aufnehmen. Dann erst greift der Snubber und rettet dir hoffentlich den Ankerhalt bzw. alternativ die Verankerung der Ankerwinsch.

    Hallo Michael, danke, das macht Sinn, wieder was gelernt! Stellt sich die Frage, ab welcher Leinenlänge bei welchem Leinentyp hier ein signifikanter Effekt eintritt. Aber das wird ja schon in den anderen Posts fleißig diskutiert.

  • warum eigentlich nicht einfach paar Ruckdämpfergummis in die KETTE?


    Die gibt es doch in versch. Ausführungen, man kann sie in die Leine oder eben in die Kette einfädeln. Statt LEINE plus RUCKDÄMPER plus KRALLE...

  • Moin zusammen,


    ich mag diese Kettenkrallen nicht. Wir haben ein Set mit Kralle an Bord und über Jahre auch immer mal wieder bei sanften Bedingungen im Revier eingesetzt.


    Schlußendlich durchgesetzt unter allen Bedingungen (vor allem Drehungen im Tidenrevier) hat sich die ganz simple Lösung für einer langen Dehnleine (bei uns 10m), dimensioniert in vergleichbarer Höhe der Bruchlast der Kette (bei uns 8mm Edelstahl), mit kleinem, eingeflochtenem zusätzlichen Ruckdämpfer versehen und über 2,5m mit Scheuerschutz ausgestattet.


    In unserem (bootspezifischen) Fall ist das Ende auf einer Rundöse, durch die eine Dyneema-Leine läuft, als Ankerpunkt, die die Last auf beide Bugklampen gleichmäßig verteilt.


    Ein fixer Softschäkel gibt die Möglichkeit, das Auge an einem Fall etwas von Deck anzuheben - sodaß ein leiser Schlaf gewährleistet ist :winking_face:


    Die Leine wird (in jeweils gewünschter, für die erwarteten Bedingungen passender) Länge mit zwei (!) Stoppersteks (gegenläufig) in die Kette eingebunden, nachdem der Anker bei meist 5-7 Kettenlänge (zu Stand lokalem HW) sehr gründlich eingefahren wurde. Das ergibt dann nach Ausgabe der Dehnleine bis Kettendurchhang) 7-10-fache max. Wassertiefe als final wirksame Kettenlänge + Durchhang.


    Mit diesem Setup haben wir mehrfach länger andauernden Gewitter-Mist mit 46kn Windgeschwindigkeit ohne Vorkommnisse ertragen. In Sandboden ohne Schlieren des Ankergeschirrs, ohne Bruch von Leinen(n) oder Kette. So ankern wir im Wattenmeer ausschließlich & fahren sehr gut.


    Anbei noch ein Bildchen zur Veranschaulichung - aufgenommen vor 5 Minuten, während wir langsam trockenfallen …


    Mit Gruß von der MALA-Crew.

    64551AFA-A23E-43E9-8FB6-FF3EC6D59350.jpeg

    LG, STEPHAN!


    „… hütet Euch vor Sonder- und Spezialknoten ...“ [Simon Rebitschek]


  • das kann ich mir gerade nicht vorstellen. Magst du mir ein Bild malen/zeigen?

    Robulla

    Hi Saskia, klar, das mache ich gerne! Wir bleiben noch etwas liegen hier :smiling_face: - und beim nächsten Spaziergang zum Anker & dessen Kette halte ich für Dich kurz drauf, OK? ⛵️

    LG, STEPHAN!


    „… hütet Euch vor Sonder- und Spezialknoten ...“ [Simon Rebitschek]


  • warum eigentlich nicht einfach paar Ruckdämpfergummis in die KETTE?


    Die gibt es doch in versch. Ausführungen, man kann sie in die Leine oder eben in die Kette einfädeln. Statt LEINE plus RUCKDÄMPER plus KRALLE...

    Erkläre das doch bitte mal der Ankerwinsch, wie sie damit klarkommen soll.

  • Ja das tue ich gerne. Sinnvollerweise ist doch vor der Winsch ein Kettenstopper, der die Last aufnimmt, um die Winsch zu entlasten. Das gehört doch fest installiert...

  • Ok, ich versuche es anders. Grundsätzlich hat die Idee schon einen gewissen Reiz, auch wenn mir kein Ruckdämper für Ketten bekannt ist.

    In der Praxis ist das aber nur für kleine Boote ohne Ankerwinsch umsetzbar.


    Denn sobald in der Kette die Ruckdämpfer drin sind, kann die Kette nicht mehr über die Nuss laufen und es hat sich ausgewinscht.


    Es gibt zwar Ruckdämpfer für Leinen, die man auch nachträglich auf eine Leine klipsen kann (und mit etwas gutem Willen sicher auch auf eine Kette), aber die Dinger sind m.E. Spielkram ohne nennenswerte Wirkung.

    Und selbst wenn die was taugen würden, willst du die bei jedem Ankermanöver drauftüddeln und bei Anker auf wieder entfernen? Besonders das letztere stelle ich mir spaßig vor, wenn man nachts plötzlich den Ankerplatz wechseln muss.


    Es mag auf manchen Schiffen genug Platz zwischen Winsch und aufgeholtem Anker geben, um da einen vernünftigen Dämper einzubringen, aber damit hast du zwar eine Dämpfung am Anker, aber keine Entlastung der Beschläge an Bord.


    Den von dir angesprochen Kettenstopper findet man auf größeren Schiffen eher selten. Ich habe jedenfalls noch nie bewusst einen wahrgenommen.

    Üblich ist eine Sperrklinke an der Winsch, mit der man die Nuss blockieren kann. Aber auch da fehlt natürlich dann die Dämpfung schiffsseitig.


    Wie gesagt, auf kleinen Booten eine reizvolle Idee, aber da hat man eh meist Kettenvorlauf und Trosse, wobei dann die Trosse die Rolle des Schnubbers übernimmt.

  • … Hi Saskia, klar, das mache ich gerne! …

    Robulla :

    So, entschuldige die kleine Verspätung, wie Du weißt, war ich kurz etwas -ähm- immobil :winking_face: (wer zu bløde ist, verletzungsfrei eine Badeleiter runter ins Watt & wieder hoch zu krabbeln … 🙄). Naja.


    Aber jetzt, wie versprochen, - anbei noch ein Bildchen, wie wir unsere Anker-Dehnleine in die Kette einbinden.


    Eine Möglichkeit…

    9063B975-E573-42AE-9851-EEA645B3FE90.jpg


    PS (augenzwinkernd):

    Da gibt es bestimmt aus anderer Sicht auch gute oder sehr gute Gründe, das alles ganz anders zu machen. :smiling_face: Und das ist fein & prima so, finde ich.


    Diese Variante funktioniert auf unserem Boot, in unserem Revier, wo Tide gegen Wind stehen kann & wird … und für unsere Bedingungen bei denen wir ankern - 100% fehlerfrei bisher.


    D.h. konkret - keine Knotenlöser oder Rutschen, kein Verklemmen oder Vertörnen in unseren Anker-Rollenführungen, hohe Dämpfung, auch bei sehr viel „Wetter-Druck“.


    🙂🙂

    LG, STEPHAN!


    „… hütet Euch vor Sonder- und Spezialknoten ...“ [Simon Rebitschek]


  • Diese Variante funktioniert auf unserem Boot, in unserem Revier, wo Tide gegen Wind stehen kann & wird

    ja, Ankern im Strom erzeugt seltsame Lagen.

    Unser Boot wird beim Ankern in Wind gegen Strom meist vom Wind nach Lee getrieben. Dort angekommen, wird das Boot vom Strom um 180 Grad gedreht, was dazu führt, dass die Ankerkette vom Bug in Richtung Heck führt. Muss man auf dem Schirm haben, wenn man sich Gedanken über die sichere Befestigung der Ankerkette macht.

    Mache ich üblicherweise wie folgt: Leine mit Ruckdämpfer und Ankerkralle an der Bugklampe befestigen und die Ankerkralle an die Kette hängen. Dann Kette weiter rauslassen, bis die Leine die Haltung übernimm. Dann die Kette aus der Bugrolle nehmen (um die Bugrolle vom Schwojen zu entlasten) und soweit durchhängen lassen, dass sich die Ankerkralle unter keinen Umständen raushängt.

    Diese Konstellation führt interessanterweise auch dazu, dass das Boot weniger schwojt. Liegt vermutlich daran, dass die Befestigung dann nicht mehr genau in der Mitte des Bootes (Bugrolle) liegt, sondern etwas seitlich (Bugklampe).

  • Diese Konstellation führt interessanterweise auch dazu, dass das Boot weniger schwojt. Liegt vermutlich daran, dass die Befestigung dann nicht mehr genau in der Mitte des Bootes (Bugrolle) liegt, sondern etwas seitlich (Bugklampe).

    Das ist eine spannende Beobachtung!

    Wir haben ja noch das zweite Set - mit Ankerkralle und Einzel- oder Doppelleine(n) auf die Klampe(n). Da können wir mal einen Strang weglassen - und schauen, ob wir das bei unserem Boot auch beobachten können. 👍 Danke!

    LG, STEPHAN!


    „… hütet Euch vor Sonder- und Spezialknoten ...“ [Simon Rebitschek]


  • mit Ankerkralle und Einzel- oder Doppelleine(n) auf die Klampe(n). Da können wir mal einen Strang weglassen

    würde ich mal probieren - in der Annahme, dass die Bugklampen so stabil sind, dass eine Einzelne ausreicht, um das Boot zu halten.


    Wichtig dabei: die Ankerkette muss mit mit reichlich Spiel rausgefahren werden, so dass sie schön locker an der Kralle hängt. Und zwar auch dann, wenn die Kette nach achtern zieht (wie ich oben beschriebe habe, kommt das bei unserem Boot im Tidenstrom regelmäßig vor) Sonst kann es passieren, dass die Bugrolle doch wieder die Spannung übernehmen muss und sich die Kette nach oben aus der Ankerkralle hebt. Das will man ja nicht...

    Gruß
    F28

  • Ich hab das bisher immer so gemacht, die Ankerkralle mit jeweils eins links, eins rechts auf die Bugklampen zu legen. Bzw weil mir das zu viel Gehampel war dann irgendwann nur noch auf eine Bugklampe.

    Allerdings ist das hart von der Kielform abhängig, wie das Boot sich in Strom/Wind stellt. Madame hier legt sich in den Strom und dann war's das. Wind versetzt dann nur noch seitlich. Ganz lustig, wenn sie neben der Mooringsboje "fährt"....

  • Ein paar Fragen hätte ich an die Segler, welche die Ankerwinsch mit einem Stopperstek entlasten.


    Unser Revier ist Kroatien im Sommer. Letztes mal beim Badestopp haben wir nur die Kette genutzt, das sah dann so aus auf 34 Fuß:
    pasted-from-clipboard.png


    Nächstes Jahr wollen wir auch mehr über Nacht ankern. Bei vorhergesagtem stärkerem Wind werden wir nicht ankern, aber es können immer mal Gewitterböen kommen.


    Als "Dehnungsleine" stehen Festmacher zur Verfügung, da anderes auf Charteryachten häufig nicht vorhanden ist. Zusätzliches Equipment möchte ich eigentlich nicht mitnehmen.


    1. Sehe ich das richtig, dass ihr den Stopperstek kurz vor der Ankerwinsch einbindet und dann noch ein paar Meter Kette rauslasst? D.h. lasst ihr die Kette inkl. Stopperstek beim Ausbringen und Einholen über die Bugrolle laufen?


    2. Hält eine Bugklampe das ganze Gewicht des Bootes aus, wenn ich einen Festmacher per Stopperstek an die Kette binde und auf einer Bugklampe belege?


    3. Wie lang würdet ihr den Festmacher machen, damit nicht nur die Ankerwinsch entlastet wird, sondern auch der Anker durch die Dehnung des Festmachers weniger Spitzenlast abbekommt?

  • Ein paar Fragen hätte ich an die Segler, welche die Ankerwinsch mit einem Stopperstek entlasten.

    😊 Na, das machen wir so.

    Bei uns …

    Zu 1.) 👍 Ja, genau so machen wir‘s.

    Zu 2.) Unsere Klampen sind sehr robust am Aluboot fest - aber das trauen wir uns ohne Not nicht. Eine Dyneema-Leine verteilt die Last auf zwei Bugklampen.


    Zu 3.) Bei uns 10m.

    LG, STEPHAN!


    „… hütet Euch vor Sonder- und Spezialknoten ...“ [Simon Rebitschek]


  • Hält eine Bugklampe das ganze Gewicht des Bootes aus, wenn ich einen Festmacher per Stopperstek an die Kette binde und auf einer Bugklampe belege?

    Das erwarte ich eigentlich von jeder Klampe, dass sie alleine das Boot sogar mit schiebenden Pferdchen halten kann. Sonst wird eindampfen in irgendwas kompliziert :winking_face:

  • Danke Stephan für die Info!

    Das erwarte ich eigentlich von jeder Klampe, dass sie alleine das Boot sogar mit schiebenden Pferdchen halten kann. Sonst wird eindampfen in irgendwas kompliziert

    Hier geht es ja nicht um ein Eindampfen mit gleichmäßiger Kraft, sondern um die Ruckbewegung, die entstehen kann, wenn das Boot beim Schwoien schlagartig abgebremst wird oder wenn es Schwell gibt.


    Beim Abschleppen wird ja auch empfohlen, die Last der Schleppleine auf mehrere Klampen/Winschen zu verteilen, obwohl sich eine Schleppleine dehnen kann. Im Prinzip ist die Belastung beim Ankern in Gewitterböen mit 8 Bft doch ähnlich? Es bringt ja wenig, wenn die Ankerwinsch zwar im Ankerkasten bleibt aber dafür die Klampe abreißt...


    Ich habe mal gerade gegoogelt und diese Werte für eine Dufour 350 gefunden.


    Laut anchorchaincalculator.com können extreme Kräfte auftreten, zumindest wenn keine Dämpfung im Spiel ist: Hier sind das bei 8 Bft. umgerechnet mehr als die 6.400 kg, die eine Bugklampe aushält (1 daN entspricht ca. 1 kg). Aber ob das in der Praxis auch so ist...?
    pasted-from-clipboard.png

  • Keine Sorge, die 8,7t hält eh kein Anker. Der ist schon lange ausgebrochen bevor deine Bugklampe reißt. Und deine Kette hat sich auch schon verabschiedet.

    Nimm mal selbst den einfachsten Snubber rein und die Welt sieht plötzlich ganz anders aus.


    MathiasW kann das wirklich sein, dass 0,1 kn Unterschied vor Anker die Last ohne Snubber von 1,4t (bei 0,6kn) auf 8,7t bringt? Das kommt mir extrem vor.

    Ich halte die Angabe für die Geschwindigkeit ohnehin für praxisfremd. Das kann doch keiner abschätzen. Kannst du das nicht aus einer Angabe der Böenstärke und der Wellenhöhe ableiten?