Schwerer Sturm auf Korsika

  • Mir ist klar, dass diese Konsequenzen das eine oder andere Mikro-Segelrevier im MM ab dem Hochsommer künftig in Frage stellen könnten.

    *) wird bei Annäherung einer Kaltfront durch hohe Wassertemperaturen begünstigt. Einige Meterologen/Klimaforscher sehen bei etwa 27° Wassertemperatur eine kritische Schwelle. Sie wurde in diesem Jahr vor allem im westlichen Mittelmeer um Balearen und Korsika bereits früh und mit Tendenz zu 30° überschritten.

    Ja das wäre keine gute Entwicklung, vielleicht sollte man bei den Vorhersagen auch die Wassertemperaturen beachten und ab 27 Grad und Schlechtwettervorhersage einen Hafenplatz einer vermeintlich sicheren Bucht vorziehen.


    Quote

    Dieses Phänomen tritt auf, wenn die in eine Front eingelagerten Gewitterzellen derart intensiv aufgeladen werden*), dass sie kleinräumig ein eigenes zyklonisches Windsystem entwickeln, quasi einen Mini-Hurrican. Auf dessen Vorderseite weht der Wind dann ziemlich entgegengesetzt zur eigentlichen (vorhergesagten) Windrichtung, die erst nach Durchzug des Zentrums der Zelle wieder eintritt.


    Ich fürchte aber, dass die Kleinräumigkeit dieser Zellen für einen geordneten Umzug dann schon keine ausreichende Zeit mehr lässt, weil sich die Zelle dann bereits zu sehr angenähert hat und einen die ganze Sch... im Zweifel kurze Zeit später draußen vor der Küste auf Legerwall erwischt.

    Das würde sich mit folgendem Video decken wo man sieht wie schnell die Front hereinbricht:
    18 Agosto 2022 - Corsica - vento a 87 nodi - barca a vela dufour 412 GL - Storm - YouTube

  • Du liebe Güte. Bin der Sprache nicht mächtig: welche Situation sehen wir da: hängen die an einer (zweitweise zu sehenden) Mooring und pendeln vom Wind getrieben derart weit nach beiden Richtungen oder läuft die Maschine zur Entlastung zusätzlich und sie können damit die Nase nicht im Wind halten und werden wechselnd quer gedrückt bis die Mooring sie wieder auffängt?

  • Das zweite Video ist ja absolut krass, wenn man den Sturm auf dem Wasser kommen sieht.....

    Gooden Wind


    Hendrik

  • Ja das wäre keine gute Entwicklung, vielleicht sollte man bei den Vorhersagen auch die Wassertemperaturen beachten und ab 27 Grad und Schlechtwettervorhersage einen Hafenplatz einer vermeintlich sicheren Bucht vorziehen.

    Sorry, wenn ich dich hier einer Illusion berauben muss, aber sichere Hafenplätze gibt es unter den hier diskutierten Bedingungen nicht.

    Die wenigsten Häfen sind gegen ALLE Windrichtungen geschützt. Meist gibt es eine Achillessehne. Und selbst wenn, heißt es noch lange nicht, dass die Stege das aushalten.


    Die Lieger in Gilleleje in DK vor ein paar Jahren fühlten sich bestimmt auch sicher, bis der Sturm den gesamten Hafen komplett zu Kleinholz verarbeitet hat, inklusive Stege und Boote.

  • Also bleibt als Vorbeugung einen Bootstyp zu wählen, der so einen unvorhersehbaren Orkan vielleicht etwas besser übersteht als z.B. ein Katamaran?

    Hallo,

    ich sah die Fotos und das Video. Sollte ich mich auf Grund des Gesehenen für einen Boots-Typ entscheiden,

    wäre es das Doppelrumpfboot. Die Einrumpfboote lagen zu Hauf im Sand und auf Felsen.

    Die Frage nach dem Bootstyp stellt sich nach einem solchem Sturm nicht.

    Und wenn doch, dann gibt es nur eine Antwort: U-Boot


    Reinhard

    Keiner und Nichts kann mich enttäuschen.
    Nur meine Erwartungen vermögen das.

  • Vielleicht doch? Ein Boot mit hohem Ballastanteil kommt dem U-Boot am nächsten, während der leichte Katamaran vom Wind einfach umgedreht wurde. Ich meine den aus dem Bericht in der "Yacht", nicht aus einem Video.

  • Sollte ich mich auf Grund des Gesehene für einen Boots-Typ entscheiden,

    wäre es das Doppelrumpfboot. Die Einrumpfboote lagen zu Hauf im Sand und auf Felsen.

    Die Frage nach dem Bootstyp stellt sich nach einem solchem Sturm nicht.

    Äm ja.
    Wie dem auch sein: In #1 waren ja zwei Links. Hier nochmal einer davon: KLICK

    Einfach an der Boje umgeweht zu werden; da wäre ich dann schon etwas beleidigt.

    Was die Interpretation der in der Gegend herumliegenden Boote anbelangt, so unter uns Statistikern:

    Wenn z. B. in der besagten Bucht sich neun von neun Kielschiffen und ein von ein Katamarenen auf dem Strand wiederfinden, dann sind das zumindest in dieser Stichprobe jeweils 100 % der zuvor dort ankernden Grundgesamtheit.
    Daher bitte nicht nur die Boote am Strand zählen, sondern vor weiteren Schlussfolgerungen einen Taschenrechner zu Hülfe nehmen.

    Gruß
    Andreas

  • wenn die in eine Front eingelagerten Gewitterzellen derart intensiv aufgeladen werden*), dass sie kleinräumig ein eigenes zyklonisches Windsystem entwickeln, quasi einen Mini-Hurrican

    Hallo Quallenschubser du hast einige interessante Überlegungen genannt. Das mit dem einen zyklonischen Windsystem verstehe ich entweder nicht oder es stimmt möglicherweise auch nicht. Ist das eine offizielle Erklärung von Meteorologen?


    Eine Gewitterzelle kann ja per se schon den Wind aus allen Richtung kommen lassen, dafür braucht kein zyklonartiges Minigebilde entstehen. "Lehrbuchmäßig" kommt der "Bodenwind" ja an jeder Stelle aus einer Gewitterzelle heraus. D. h. die Böen kommen immer vom "Mittelpunkt" der Gewitterzelle und können somit sind alle Richtungen jagen.


    Die vielen Anführungsstriche, weil das natürlich ein brutal chaotisches System mit vielen Verwirbelungen ist, die das ganze nochmal extrem komplex ablaufen lassen.

  • Naja, ein Boot mit Schwenkkiel (Ovni, Atlantic, Sirius, Southerly) wäre da wahrscheinlich ziemlich gut durchgekommen, aufgrund des Kiels nicht über Kopp und beim beachen hätte sich der Anhang einfach eingeklappt.


    Die hätten dann halt ziemlich trocken an Land (Strand vorausgesetzt und keine Felsen) gestanden, aber ansonsten wäre wenig passiert, solange keine Kollisionen stattgefunden haben.

    Gooden Wind


    Hendrik

  • Das Video habe ich gestern schon bewundert und es zeigt vor allem viele Boote die sich nicht adäquat auf das angesagte Wetter vorbereitet haben.


    Gruß

    Welche Möglichkeiten gibt es sich auf so eine Lage vorzubereiten?


    Quote

    Sorry, wenn ich dich hier einer Illusion berauben muss, aber sichere Hafenplätze gibt es unter den hier diskutierten Bedingungen nicht.

    Da hast du sicher recht, ich wäre aber in dem Moment dennoch lieber im Hafen, da ist zumindest die Chance heil vom Boot zu kommen etwas besser....

  • Hallo Robert, zunächst, nein, ich bin kein Meterologe. Ich wollte mit möglichst wenig Worten darstellen, dass sich um das Gewitter ein eigener Windwirbel bildet.
    Dieser entsteht durch die Corioliskraft der Erdrotation. Hierzu muss das Gewitter eine bestimmte Intensität erreichen, und die wird durch die Luftmassengrenze bzw. das starke Temperaturgefälle an der Kaltfront begünstigt. Dort gleitet die Kaltluft auf warme und feuchte Bodenluft auf. Das ist anders als in einem stationären Wärmegewitter, ein einseiter Effekt.

    Im Allgemeinen folgt der Wind ja den Isobaren der Bodenwetterkarte. Dass ein Kaltfrontdurchzug idR mit einem Rechtddreher verbunden und ist und die Windrichtung somit nicht konstant bleibt, ist allgemein bekannt und wird üblicherweise auch zutreffend vorhergesagt.
    Bei einem angekündigten Sprung z. B. von W auf NW würde man einen dazu passenden Ankerplatz wählen.


    Entstehen jedoch sehr intensive Gewitter (Superzellen), können diese ein eigenes Windsystem erzeugen. Und dann dreht der Wind vor Eintreffen möglicherweise auf SE zurück und damit haben die Ankerlieger nicht gerechnet.
    Mehr dazu z. B. hier KLICK und als Erklärung für den 18.8. bei Kachelmann hier KLICK, man beachte hier den Wirbel NW-lich Korsikas.
    Ebenso zu sehen ist jedoch, dass die Sturmereignisse im Verlauf des Frontdurchzugs regional unterschiedlichen Charakter hatten, d. h. nicht überall drehte der Wind zuvor derart weit zurück.
    Und genau das ist das Problem: wo genau (und ob) in einer derartigen Front Zyklone eingebettet sein werden, weiß vorher einfach niemand. Man kann nur - wie hier zuvor geschehen - vor dem Risiko warnen.

    Gruß
    Andreas

  • Welche Möglichkeiten gibt es sich auf so eine Lage vorzubereiten?

    Wähle einen Ankerplatz in der Dänischen Südsee. Da ist es so warm wie an der korsischen Küste vor 25 Jahren und über 30 kn wahren Wind zwischen Strynø und Marstal erzählt man noch seinen Enkeln.

    Ok, das klingt scherzhaft. Tatsächlich würde ich in dieser Gegend aus verschiedenen - u. a. auch diesen Gründen im Hochsommer bis Herbst schlichtweg nicht segeln, insofern mache ich mir die Antwort sehr einfach.

    Und richtig ist auch, dass das Wetter im Norden ebenfalls labiler wird. Aber die Großereignisse (Michael K nannte den Sturm mit Verwüstung Gilleleje vor einigen Jahren (+/-2015?), zuvor gab es einen ähnlichen in 1989) sind deutlich seltener, während sie im MM sich wohl, wenn mich nicht alles täuscht, in Richtung alljährlich einpendeln.

  • . . . wenn nun aber in der Bucht 10 Kat's und 10 Einrumpfboote gelegen hätten ?

    Mensch , wir können doch rumblödeln. Aber bitte vorher ansagen. Ich mache da gern mit.


    Reinhard

    Keiner und Nichts kann mich enttäuschen.
    Nur meine Erwartungen vermögen das.

  • Welche Möglichkeiten gibt es sich auf so eine Lage vorzubereiten

    Lazy Bag schließen, Rollvorsegel sichern, Außenborder an Bord nehmen, Dinghi an Deck verzurren oder besser unter Deck verstauen, Bimini zusammenklappen, Baum sichern ... und vor allem nicht so dicht aufeinander ankern.

    Beim Rest muss man halt abwarten und wie Michael vorschlägt beten.


    Gruß