Kreuzen im Fahrwasser Fehmarnsund

  • Ich erwarte nur, dass der Motorer Kurs und Tempo bei behält, ggf. wenn er nett ist noch 200 Umdrehungen drauf legt.

    Das kenne ich auch bei uns in der Peenemündung - ich verhungere an der FW-Kante fast und er wird in Lee neben mir so gar langsamer - aber nicht langsam genug um vor ihm zu kreuzen. Und auf die Aufforderung doch endlich wieder Gas zu geben kommt erst mal Unverständnis ...

  • Das geht nach meiner Meinung auch ohne das Manöver des letzten Augenblicks...

    Wenn ich auf mein Wegerecht bestehen will, bleibe ich auf Kurs und mache mit Schallsignalen deutlich, dass es auch so bleibt. Dann zur Not siehe oben.

    Viel angenehmer für beide Seiten ist ein deutliches und rechtzeitiges Kursändern, das dem segelnden Kollegen zeigt, man ist zum Ausweichen bereit.


    ...oder liege ich da falsch?

    Du hast "Vorfahrt", das erzeugt sogar eine Wartepflicht des Anderen!


    (Das habe ich aus dem nachstehenden Text abgeleitet, aber auch schon mal während der Segelausbildung gehört:


    Zur Abwicklung des Straßenverkehrs an Kreuzungen und Einmündungen gelten

    • in Deutschland: Vorfahrtsregeln
    • in der Schweiz und in Liechtenstein: Vortrittsregeln
    • in Österreich: Vorrangregeln

    Auf den Straßen gilt in den meisten Ländern mit Rechtsverkehr die Grundregel rechts vor links. Derjenige, der von rechts kommt, hat Vorfahrt (D), Vortritt (CH/FL) bzw. Vorrang (A), der andere ist wartepflichtig.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Vorfahrt )


    Die Konsequenz aus der Nettigkeit, im Einzelfall nicht auf der eigenen Vorfahrt (man beachte, dass im Gegensatz dazu die KVR nur "Pflichten" und keine "Rechte" kennt!) zu bestehen, könnte aber dazu führen, dass man nicht mehr "erkennbar dem Fahrwasser folgt" und seinerseits gegenüber Anderen die "Vorfahrt" verliert, auch wenn man das gar nicht beabsichtigt.


    Das ist natürlich kein Problem wenn nur Zwei unterwegs sind, kann aber komplex werden wenn richtig viel los ist.

    Welches Schallsignal nimmst du denn um darauf hinzuweisen?


    Ich habe schon Segler erlebt, die die Stirn (=Unkenntnis) hatten, unter Ausnutzung der gesamten Breite während der Windjammerparade in der Kieler Förde gegen den Verkehr aufzukreuzen. War interessant!


    Auch wenn viele Segler von dem hier Diskutierten keine Ahnung haben: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, die Regeln gelten unabhängig davon ob man sie kennt.


    So weit, so gut...aber: ich habe keine Ahnung ob es im Ausland vergleichbare Regeln gibt und wo ich das systematisch nachlesen könnte. Hinweise auf so etwas habe ich bisher noch in keinem Revierführer o.Ä. gefunden. Habt ihr dazu Tips, oder sind wir in D damit mal wieder einmalig?!

    Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
    Albert Einstein


    Und immer an die Musing denken! :acute:
    Nov. 2015: Ich habe meine Profilinformationen up-gedatet.

  • ....dass man nicht mehr "erkennbar dem Fahrwasser folgt" und seinerseits gegenüber Anderen die "Vorfahrt" verliert, auch wenn man das gar nicht beabsichtigt.

    Ist es nicht so, daß man nur die Pflicht aufgibt dem Fahrwasser zu folgen zumindest gegeüber dem betreffenden "Gegner"? Wie schon gesagt, es gibt keine Rechte sondern nur Pflichten. Der Begriff Wegerecht spielt nur in Regatten und beim beantragten Wegerecht eine Rolle.

  • Moin,


    zum Beleg einer Wartepflicht gegenüber vorfahrtberechtigten Verkehrsteilnehmern müssen wir nicht auf den Straßenverkehr zurückgreifen - § 25 SeeSchStrO regelt dies für Begegnungen in Fahrwassern auch.

    Wird gern durcheinandergebracht: Wegerecht und Vorfahrt. Beide Begriffe gibt es und sie unterscheiden sich en detail.

    Eine wartendes kreuzendes Segelboot wird man im Alltag aber sicher nicht erleben - eher ein wegwendendes. Wobei: einen Aufschiesser fahren bis ein anderes vorfahrtberechtigtes Boot durch ist, kann man ja auch als "warten" interpretieren.

    Gruß
    Andreas

  • Sodann goldene Regel für alle Seiten: wenn es denn mal eng wird, dann immer am Heck. Nie knapp vor dem Bug eines anderen passieren wollen.

    Gruß
    Andreas


    Hierzu habe ich eine Frage: ich habe gelernt, dass man als Kurshalter (Fahrzeug mit Wegerecht?) immer in Kursrichtung des anderen Fahrzeuges ausweichen sollte (so, dass man quasi neben ihm herfährt) und eben nicht hinter seinem Heck durchgehen sollte. Hintergrund: falls das andere Fahrzeug doch noch ausweicht (hinter meinem Heck durch) - z.B. weil Jollen-Regatasegler, der sehr knapp vorbeifährt oder das Manöver eingeleitet wurde, aber erst mit zeitlicher Verzögerung für mich erkennbar - dann scheppert es so richtig.


    Wenn das andere Fahrzeug (bzw. dessen Schiffsführer) ebenfalls denkt Kurhalter/Wegerechtler zu sein und das selbe macht, dann fahren halte beide Schiffe voneinander weg und es passiert nichts - zumindest kein Crash.


    Wie seht Ihr diese Empfehlung - wird die noch gelehrt?


    Viele Grüße


    Jens

  • Als auf der Schlei sozialisierter Segler gebe ich dem kreuzenden Entgegenkommer auch Raum, wenn die Situation im engen Fahrwasser es erlaubt. Und das kann, wie schon ausgeführt durch Verlangsamen meines Boote sein, aber auch durch Wechsel der Fahrwasserseite. Nur die optische Kontaktaufnahme ist nicht immer einfach, denn der Kreuzende hat nur recht eingeschränkte Sicht nach vorn an seinem Vorsegel vorbei.

    Gruß, Klaus

  • Ok Klaus, das ist gutes Benehmen unter Segelkameraden. Aber du müsstest nicht. Was Du musst, ist: Fahre auf Deiner Fahrwasserseite rechts weiter, fahre weiter mit gleichem Tempo, tu das solange bis Du meinst, nun müsste ein Manöver des letzten Augenblicks sein, um die Kollision zu verhindern, zum B. ein Notstopp unter Motor. Was ich völlig verwirrend finde als Segler sind Leute, die plötzlich die Fahrwasserseite wechseln, den Speed gravierend verändern oder sonstwie nicht einschätzbar sind. Klar, es gibt eindeutige Signale für ich lass Dich durch. Tempo deutlich runter, oder Kursänderung so, dass er hinter mir durch geht, das erkenne ich schon.

  • nun müsste ein Manöver des letzten Augenblicks sein, um die Kollision zu verhindern, zum B. ein Notstopp unter Motor.

    Soweit würde ich es nie kommen lassen, Carsten. Ich sehe schon, wo der Entgegenkommer zur Wende gezwungen sein wird. Dann sehe ich halt zu, dass ich dort nicht zur gleichen Zeit bin. Und wie gesagt: alles nur, wenn die Umstände es erlauben. Jedenfalls mag ich nicht stur auf meinem Recht bestehen, wenn es auch eine kameradschaftliche Lösung gibt.

    Gruß, Klaus

  • Hierzu habe ich eine Frage: ich habe gelernt, dass man als Kurshalter (Fahrzeug mit Wegerecht?) immer in Kursrichtung des anderen Fahrzeuges ausweichen sollte (so, dass man quasi neben ihm herfährt) und eben nicht hinter seinem Heck durchgehen sollte. Hintergrund: falls das andere Fahrzeug doch noch ausweicht (hinter meinem Heck durch) - z.B. weil Jollen-Regatasegler, der sehr knapp vorbeifährt oder das Manöver eingeleitet wurde, aber erst mit zeitlicher Verzögerung für mich erkennbar - dann scheppert es so richtig.


    Wenn das andere Fahrzeug (bzw. dessen Schiffsführer) ebenfalls denkt Kurhalter/Wegerechtler zu sein und das selbe macht, dann fahren halte beide Schiffe voneinander weg und es passiert nichts - zumindest kein Crash.


    Wie seht Ihr diese Empfehlung - wird die noch gelehrt?

    Ob es gelehrt wird, weiß ich nicht - man sollte es allerdings beherzigen - als Manöver des letzten Augenblicks. Es ist etwas ganz anderes, wenn ich meinem "Kontrahenten" signalisieren möchte, dass er vorbei kann - da "ziele" ich deutlich hinter ihn ... naja ... so deutlich, dass ich nicht zu viel Höhe verliere ... und versuche Blickkontakt herzustellen.


    Als, das FW Kreuzender, habe ich nie Vorfahrt gegenüber einem Schiff, welches im FW dem FW folgt. Bedingung - das FW ist auch als solches erkennbar - sprich deutlich betonnt und nicht nur in Form von 1..2 Bojen am Ufer erkennbar.


    Die Vorfahrtsregel ändert sich natürlich sofort, wenn mir jemand neben einem FW entgegen kommt - da gilt dann im Zweifel KVR und das Motorschiff muss ausweichen - sprich ich bin da knapp neben dem FW relativ sicher ...

  • Ob es gelehrt wird, weiß ich nicht - man sollte es allerdings beherzigen - als Manöver des letzten Augenblicks. Es ist etwas ganz anderes, wenn ich meinem "Kontrahenten" signalisieren möchte, dass er vorbei kann - da "ziele" ich deutlich hinter ihn ... naja ... so deutlich, dass ich nicht zu viel Höhe verliere ... und versuche Blickkontakt herzustellen.


    Als, das FW Kreuzender, habe ich nie Vorfahrt gegenüber einem Schiff, welches im FW dem FW folgt. Bedingung - das FW ist auch als solches erkennbar - sprich deutlich betonnt und nicht nur in Form von 1..2 Bojen am Ufer erkennbar.


    Die Vorfahrtsregel ändert sich natürlich sofort, wenn mir jemand neben einem FW entgegen kommt - da gilt dann im Zweifel KVR und das Motorschiff muss ausweichen - sprich ich bin da knapp neben dem FW relativ sicher ...

    Danke, genau so sehe ich es auch.


    Bis auf „deutlich betonnt und nicht nur in Form von 1..2 Bojen am Ufer erkennbar.“ - da gibt es Fälle, wo das mit dem „deutlich“ sehr relativ ist.

  • Wenn ich durchs Fahrwasser motore und ein kreuzender Segler ist auf Kollisionskurs, mit anderen Worten er kämpft um jeden Meter Höhe, dann nehme ich Gas weg, und gebe ihm ein Zeichen dass er seinen Kurs beibehalten soll. Ich hatte deshalb schon mal eine heiße Diskussion mit einem Mitsegler. Ich habe ihn dann, auch wegen anderer Diskrepanzen, im nächsten Hafen rausgeschmissen.

  • Ja , Gas wegnehmen würde ich auch , Platz machen auch , entscheident ist die Kontaktaufnahme . Aber auch Segler müssen Rücksicht auf den Verkehr nehmen und sich nicht ihre eigenen Regeln nach ihren Interessen basteln . Diese Regel gilt nur wenn Gegenverkehr ist , sonst darf man ja das ganze Fahrwasser nutzen . Aber für alle gilt Leben und Leben lassen .

  • Die Regel hab ich nicht gemacht . Ich bin auch Segler , aber ich muss durch mein Verhalten andere nicht in Schwierigkeiten bringen .Das verstehe ich unter guter Seemanschaft . Abwegen ob das Risiko nicht zu gross ist gehört in meine Veranrwortung .

  • Dann sollte man es im Interesse der Sicherheit einfach bleiben lassen .

    Also wenn ich ein sehr enges FW habe, welches aber beiderseits genügend Wassertiefe hat, dann kreuze ich dies natürlich ständig - wohl wissend, dass JEDER im FW, der auf seinem Recht besteht, dieses von mir auch eingeräumt bekommt. Um Rügen herum werden sogar Regatten gesegelt, wo das Kreuzen im FW notwendig ist und keine Behörde hat sich je daran gestört - da gibt es einfach keine Sicherheitsbedenken.


    Schwierig wird es nur mit Skippern, deren Komfort-Begegnungs-Bereich sehr groß ist - sprich die schon bei 50m Abstand Herzrasen bekommen und bei 5..10m und trotz bestehendem Blickkontakt anfangen rumzubrüllen ...