Unterwasserschiff wieder aufhuebschen - Risse im Gelcoat? oder Topcoat?

  • Hallo zusammen,


    da ich noch nicht zu viel zu dem genauen Schadensbild im Netz finden konnte wollte ich euren Rat einholen. Es gab im Lis Forum ein aehnlichen Fall https://lis-klasse.de/forum/thread/2194-risse-im-gelcoat/ nur leider ohne Follow Up.


    Es geht um eine Hanse 488/12 Jolle mit Kajuete. Das Boot lag, so wie ich es vom vorherigem Eigner erfahren habe, von ca. April bis September im Wasser und dann in einer Halle. Dies jedes Jahr vermutlich seit den letzten 20 Jahren. Meines wissens wurde das Boot noch nie Lackiert. Ich habe den Rumpf gestern mit Reiniger gereinigt. An sich glaenzt das Weiss sogar noch sehr gut.


    Eins zu den Bildern - alles was Braun erscheint oder Schwarz ist noch Dreck oder so mini Algen welche nicht runter gingen. Lassen sich aber einfach abrubbeln.


    Jetzt zu den Problemen

    Problem 1 - Es gibt groebere Abplatzungen - mein Ansatz fuer diese waere gewesen

    1. Schleifen

    2. mit Gel Coat Spachtel spachteln

    3. polieren

    Ist der Ansatz hier Richtig?


    Problem 2 - es ueber den ganzen Rumpf, die Stelle im Wasser, verteilt kleine Risse wobei diese aus meiner Sicht eher oberflaechlich sind. Sind diese Risse Osmose bedingt?

    Bei manchen kann ich mit dem Fingernagel reingehen und das Fitzelchen Lack abhebeln. Die Weisse Schicht ist vlt nur einen Millimeter dick. Darunter kommt was Grünes zum Vorschein - erstmal wuerde ich sagen wie eine Farbe. Anhand der groeberen Abplatzungen vermute ich aber dass dies direkt Laminat oder Gelcoat ist (Siehe Bild vom Bug).

    Wobei hat man den GFK Gruen eingefaerbt oder ist das ein Primer (https://www.ott-yacht.de/service_osmosis3_de.html) und die Risse sind nicht im Gelcoat sondern nur in dem Anstrich?


    Als ich mal innen ins Boot geschaut habe (hinten am der Seitenwand unter dem Cockpit) und die Sonne drauf schien schimmerte es auch Gruen.

    Wie also vorgehen und ob ueberhaupt? Anschleifen und schauen wie tief man gehen muss?
    Komplett den Rumpf schleifen und dann versiegeln - nur mit was? Einem Topcoat und wenn ja welcher wuerde in Frage kommen?

    Meine Idee war auch das Boot auf den "Kopf" zu rollen und auf eine Holzstaenderung zu setzen um einfacher arbeiten zu koennen. Wie geht man am besten beim Schwertkasten vor? Einfach Schwert rausbauen, schleifen und dann mit einer kleinen Rolle mit Epoxy / Topcoat rollern?


    Ich hoffe meine Erklaerung macht sinn und ich habe die Begriffe richtig verwendet.

    Danke euch fuer die Tipps!

  • sbh488

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  • Ich kenne das Boot nicht, und weiß nicht, was du da für einen Aufbau hast. Wenn es jemand weiß, kann der vielleicht gezielter etwas dazu sagen.


    Im Bild 1664174016692 sind eindeutig Risse zu sehen. Das kann passieren, wenn das Material, vermutlich Gelcoat, zu sehr gedrückt worden ist. Das kann auf eine Schwäche des Materials hindeuten, muss es aber nicht.


    Es gibt den tollen Tipp in diversen Anleitungen, die Risse auszufräsen, um das reparieren. Ich würde direkt die ganze Fläche mit den Rissen bis zum GFK runterschleifen. Das heißt, du schleifst das weiße Material weg, bis du das glasige Polyester siehst. Sind im Polyester keine Risse, musst du nur das Gelcoat wieder aufbauen.



    Wenn in deinem Gelcoat nicht nur ein paar einzelne Schadstellen sind, dann kann es Sinn machen, den ganzen Rumpf abzuschleifen. Große Flächen machen kaum mehr Arbeit als viele kleine Reparaturstellen.

    Gute Schleifmaschine mit Staubsauger dran, grobe Schleifblätter (60 oder 80), Atemschutz !

    Edited once, last by Till ().

  • Soweit ich es nach den Fotos beurteilen kann, sieht es nach altem Lack auf Gelcoat aus, der jetzt anfängt abzuplatzen. Die typischen Haarrisse im Gelcoat heben sich nicht so ab / werfen sich nicht so auf. Lack auf Gelcoat ist nur für die Optik.

    Bei einer (vermutlich) älteren Jolle (mit geringem Zeitwert) wűrde ich einfach nichts machen und die Zeit, die für eine Überholung draufginge zum Segeln oder anderweitig sinnvoller nutzen.

  • PS: Den Schaden auf dem letzten Foto würde ich mit Gelcoat- oder Epoxy-Spachtel (jedenfalls was "wasserdichtes") beheben, denn da ist das Gelcoat durch. Das Grüne ist nicht das GfK sondern eher Dreck im GfK.

  • Bild -692 sieht aus, als ob die Schale an der Stelle Druck bekommen hat, so sieht gesprungenes Gelcoat aus. Bei den andern Bildern sieht es eher danach aus, als ob sich Lack, Primer, Antifouling oder ähnliches Zeug ablöst. Einen ernsthaften Schaden konnte ich auf den Bildern nicht sehen, zu versuchen wie gut die Schicht am Boot hält lohnt sich sicherlich, es kann nur besser werden.

  • Meine Jolle hat auch ein paar solcher Pusteln, allerdings oberhalb der Wasserlinie innen und oben. Das GFK ist nur 2mm stark und das Gelcoat dünn. Das Wasser kam mehr von innen.

    Ich mach da nix.


    Grüsse

  • Danke für die Tipps und Meinungen. Ich werde die groben Stellen auf jeden Fall ausbessern und bei den Rissen schauen wie tief die gehen, an einer Stelle etwas abschleifen. Vielleicht ist es wirklich nur oberflächlich - die Hoffnung stirbt zu Letzt.


    Ich glaube dass das Grün eine art Primer ist und oder auf dem GFK denn wie gesagt könnte ich bei sonnen Einwirkung von innen sehen dass es grüne schimmert und das groß flächig.


    Wenn wer sonst noch das gleiche Schadens Bild hatte und oder andere Tipps hat gerne beitragen :smiling_face: ich bin um jegliche Meinung dankbar.

  • Moin,


    ich bin anhand der Fotos unsicher, meine aber, im Grundsatz drei verschiedene Schadensarten zu sehen.

    1. Bereits mehrfach angemerkt, die spinnennetzartigen Haarrisse: Oberfläche Gelcoat, Einwirkung mit einem stumpfen Gegenstand.

    Maßnahme: keine, Du kannst den alten Zustand kaum wiederherstellen. Jedoch im ÜW-Bereich gut polieren/wachsen, damit kein Wasser eindringen und Frost sie weiter aufsprengen kann.

    Zum Unterwasserbereich generell später.
    2. Diese komischen Rissen mit abblätternden Rändern: für Gelcoat untypisch. Das sieht nach einer fehlerhaft aufgetragenen nachträglichen Beschichtung/Anstrich aus. Maßnahme: kommt drauf an, ob Über- oder Unterwasserschiff. Überwasser: wenn nicht allzu auffällig, ggf. so lassen. Ansonsten beischleifen, feinspachteln und Yachtlack nach Farbton anmischen lassen, der möglichst genau die Umgebung trifft.
    3. Ruderschaden: der wurde schon einmal "repariert". Das grün durchschimmernde ist vermutlich ein Primer. Wenn der primer noch intakt ist, muss nur der Anstrich nach Feinschliff erneuert werden.

    Jetzt generell zu allen Unterwasserbereichen: die erhalten grundsätzlich eine andere Beschichtung/Oberfläche als der Überwasserbereich, jedenfalls wenn das Boot einen Wasserliegeplatz hat und nicht auf dem Trailer liegt und nur stundenweise zu Wasser kommt. Da musst Du eine Grundsatzentscheidung treffen. Auf einem Wasserliegeplatz ist auf dem gesamten U-Schiff nebst Ruderblatt eine wirksame Wasserdampfsperre erforderlich, sprich 4-5 Lagen Epoxidprimer + Antifouling. Und das auf einem sorgfältig verschlichteten und von allen abblätternden Altanstrichen befreiten Rumpf. Das Schadensbild könnte auch davon herrühren, dass das Boot mit einer ungeeigneten Beschichtung längere Zeit im Wasser lag.

    Gruß
    Andreas

  • Das ist 10facher Overkill.


    Kommt das Boot regelmäßig raus (spätestens nach 14 Tagen / 3 Wochen) entweder gar nichts machen, aus ästhetischen Gründen polieren und nichts weiter oder eben anschleifen, Vorstrich und Lack. 2K ist besser als 1K. (Verarbeitungshinweise penibel beachten)


    Liegt das Boot meistens im Wasser, würde Lack für Überwasser aufweichen und sich lösen. Als Schutz könnte (!) man eine UW-Grundierung streichen. Ggf. auf die letzte Schicht gleich eine Lage AF drauf, weil künftiges AF dann besser hält.

    Aber: Danach gibt es keinen Weg mehr zurück. Von AF auf Gelcoat ist mit vertretbarem Aufwand nicht machbar.


    Wenn das Boot nicht verkommen soll, ist es wichtig, dass es innen trocken ist und idealerweise auch belüftet. So dünnes Laminat, wie an diesen kleinen Booten, kriegt dann eigentlich keine Osmose. Es gibt einiges mehr, das man von 42 Fuß nicht 1:1 auf 4.20 m übertragen kann. Hydrolyse, die man oberflächlich beobachtet, nicht mit Osmose verwechseln.

  • Quallenschubser, das ist der Bug. Ruder ist aus Alu. Mit dem Gruen ist es auch meine Vermutung. Danke ich werde schauen ob ich das irgendwo am Boot nochmals bestaetigen kann.

    Die Jolle wird erstmal an Landliegen auf einem Trailer und dann nur Tageweise geslippt - morgens rein abends raus. Maximal vielleicht fuer eine Woche am Stueck im Wasser und derzeit ist auch nur Binnen geplant. Innen ist sie Trocken soweit ich das gut beurteilen kann.


    Danke Moderboot und auch an alle anderen. Das bestaetigt mehr und mehr meine Herangehensweise eher weniger zu machen bis auf die grossen Stellen.

  • wenn es wirklich gut durch- getrocknet ist, könntest du die Ritzen mit Owatrol Gelcoat Refrescher füllen. Dann ist da zumindest was (farbloses) drin. Schau auch, ob dein Boot von oben dicht ist und die Hohlräume sehr trocken sind.


    Grüsse

  • Das hört sich auch nach einem guten Ansatz an aber die kleinen Rissen sind am kompletten Rumpf. Ich denke fast das entweder zu lassen und nur die grossen Schadstellen auszubessern oder grossflaechig zu schleifen und dann mit Topcoat rollern.


    Noch eine Frage zum Topcoat: Es gibt Polyester und Epoxid Topcoat. Laut der Baubeschreibung wurde bei der Hanse auf Polyester gesetzt. Nach meinen Recherchen würde ich eher Epoxid verwenden da sich dieses besser verbindet als Poly auf Poly. Kann das wer bestätigen?

  • Was halt wirklich einfach zu verarbeiten ist, ist Polyester-Gelcoat.


    Damit kannst du 2 bis 5 Lagen Gelcoat mit der Rolle aufbringen. Das bleibt klebrig, und du kannst nach dem Härten einfach die nächste Lage aufbringen (ca 2 Stunden). Als letztes Topcoat. Das ist das Gleiche wie Gelcoat, nur dass es nicht klebrig bleibt, und dann schleifbar ist.

    Mindestens einen Tag warten, glatt schleifen, fertig.

  • Ich glaube da streiten sich auch die Geister drüber. Denke ich werde bei Poly bleiben und berichte wie es weiter geht. Danke für den Tip hab jetzt ein System von Nautipol gefunden was gehen sollte.

  • Auch wenn Dein Boot eher älter zu sein scheint, warum willst Du da jetzt anfangen zu pfuschen? Das kann man doch gleich ordentlich aufarbeiten.


    Gelcoat runter bis zum Laminat, austrocknen lassen und mit einem Epoxid ( ich hätte da keinen Primer, sondern ein Dickschicht Epoxid a la Relest Multicoat genommen ) beschichten, bei Bedarf glatt schleifen, dann einen UV Schutz drüber ( also z.B. ein Antifouling oder einen 2K Lack ) Das dauert nicht ewig und kostet keine Millionen.

  • 89er baujahr ist es. Pfusch soll es natuerlich nicht sein.

    Ich werde es mir anschauen wie viel ich schleifen muesste bei den Rissen.

    Wenn es viel ist werde ich auch in Richtung mehr schleifen als weniger tendieren. Aufgrund von nur Binnenrevier und Landliegeplatz halte ich derzeit erstmal Abstand vom Antifouling.

  • Man kann das auch lacken ... AF ist imho halt günstiger und unkomplizierter. Schadhaftes Gelcoat bringt Dich nicht weiter, entweder dran lassen ( was imho gepfuscht ist ) oder ab damit.


    Mit der Mirka und 40er Abranet bist Du an einem, max. zwei Tagen fertig. Vergiss nicht eine GUTE Schleifmaske zu tragen!

  • Mit der Mirka und 40er Abranet bist Du an einem, max. zwei Tagen fertig. Vergiss nicht eine GUTE Schleifmaske zu tragen!

    Es wird auch mit einem Gerät ein bisschen unter Mirka gehen. Für mich macht es auch keinen riesigen Unterschied ob Exzenter oder nur rotierend.


    Aber es wäre wirklich gut, ein Gerät mit Staubsaugeranschluss zu haben. Bei Gelcoat setzen sich auch normale Schleifblätter fast gar nicht zu.


    Und auf das Risiko hin, dass es langweilig wird: Atemschutzmaske. Ist ganz am Anfang ein bisschen komisch, aber irgendwann merkt man die kaum noch.



    Ein Kartönchen mit Einweghandschuhen solltest du für die Gelcoatarbeiten haben. Und es gibt Blistereinsätze für die Paletten (heißt das so?) wo das Gelcoat zum Rollen rein kommt. Dann hast du jedes Mal ein paar Handschuhe, einen Blistereinsätze und eine Rolle, die du wegwerfen musst, aber halt nicht mehr.