Vorfahrtsregeln auf der Trave

  • Mit der Ausweichtpflicht des einen korreliert ja grundsätzlich die Kurshaltepflicht des anderen.....

    Eben.

    Das ist hier derart häufig Thema (bestimmt monatlich bis vierteljährlich), dass mir ehrlich gesagt etwas schleierhaft ist, wie man
    a) seit vielen Jahren in einem Forum wie diesem aktiv sein und

    b) glauben kann, die Berufsschiffahrt hätte per se Vorfahrt,
    selbst wenn man noch nie einen Blick in KVR/SeeSchStrO geworfen hat.

    Wenn man "so etwas vor vielen Jahren" mal gelernt hat, hat dies wohl meist mit dem Vorrang durchgehender Schiffahrt in Fahrwassern zu tun, insbesondere der Schiffahrt, die auf diese Fahrwasser angewiesen ist und das sind große Schiffe und große Schiffe sind meist Berufsschiffe und daher mag in der Erinnerung diese Vereinfachung herrühren - keine Ahnung, ist ja nur ein Erklärungsversuch.
    Ich würde jedoch ausschließen, dass in einem regulären Führerscheinkurs derartige Fehlinformationen verbreitet werden und wurden.

    Dem steht ja nicht entgegen, dass man für sich beschließt, der Berufsschiffahrt konsequent aus dem Weg zu gehen - was die sicherlich auch gutheißen würde. Jedoch nicht, und auch das wurde schon 999x durchgekaut, nachdem eine Begnungssituation bereits eingetreten und man selbst in die Rolle des Kurshalters geschlüpft ist. Dann führt das eigene Manöver im Zweifel nur zur Verunsicherung des anderen, verschlimmbessert also die Situation. Und ob eine Begegnungssituation eingetreten ist oder nicht, wird zudem immer aus zwei Perspektiven betrachtet: aus der eigenen und aus der des jeweils anderen Schiffes. Je größer und träger reagierend ein Schiff ist, desto früher wird man eine ausweichpflichtige Begenungssituation erkennen und entsprechend vorausschauend ausweichen - was Radar-/AIS-gestützt oftmals nur wenige Grad Kursänderung oder auch wie im Falle der fahrwasserquerenden Fähren sogar nur eine angepasste Geschwindigkeit (!!) ausmachen kann. Wenn dann zu einem späteren Zeitpunkt die Yacht anfängt, durch eigene plötzliche Manöver auf eine unerwartete Weise herumzuhampeln, nervt das im Zweifelsfall nur.
    Wenn man also der Prämisse folgt, der Berufsschiffahrt konsequent aus dem Weg gehen zu wollen, ist das nur in Fahrwassern simpel - man hält sich einfach draußen - im Seeraum hingegen ist das nicht ganz ohne und jedenfalls imho nicht einfacher, als den üblichen Ausweichregeln zu folgen.

    Oder etwas überspitzt: sich mit den Regeln nicht auseinandersetzen meinen zu müssen, weil man "den Großen" sowieso aus dem Weg geht, ist Selbstbetrug. IdR wird man auf dem Wasser vermutlich häufiger zu einem lästigen Problemfall, als einem selbst bewusst ist. Man kann so jahrzehntelang ohne eigene Lernkurve unterwegs sein - nicht gut...

    Gruß
    Andreas

  • Das ist hier derart häufig Thema (bestimmt monatlich bis vierteljährlich), dass mir ehrlich gesagt etwas schleierhaft ist, wie man
    a) seit vielen Jahren in einem Forum wie diesem aktiv sein und

    b) glauben kann, die Berufsschiffahrt hätte per se Vorfahrt,
    selbst wenn man noch nie einen Blick in KVR/SeeSchStrO geworfen hat.

    Wie weiter oben von Lerigau: bemerkt, könnte der Glauben aus Vermischung der Fahrregeln aus BinSchStrO und SeeSchStr0 kommen.


    Allerdings ist die Welt auch Binnen nicht so einfach. Binnen haben zwar Kkeinfzg. der Berufsschiffahrt generell Raum zu lassen, freifahrende Fähren müssen aber durchaus auf die durchgehende Schifffahrt, auch gegenüber Kleinfzg., Rücksicht nehmen. Nur nicht freifahrende Fähren haben gegenüber Kleinfahrzeugen Vorfahrt.


    Gruß

  • Ja. Aber was nützt es recht zu haben, wenn man zermalmt in Fetzen über den Seegrund treibt?


    Vor drei Jahren im Großen Belt: Halbwind, Strömung von hinten, die Kiste rennt mit beständig über 7.5 Knoten über Grund. Kurs auf Albuen. Voraus ein Riesenmonster von Kreuzfahrtschiff, mehrere Peilungen ergeben: Kollisionskurs. Ich halte unbeirrt auf Albuen zu, der soll mal ausweichen, denke ich, nur zwei Grad nach Backbord, dann luv ich etwas an und komm locker vor ihm vorbei. Tut er aber nicht. Im Fernrohr sehe ich die Besatzung, wie sie von oben versammelt mit Fernrohren auf mich herab sehen. Ich falle schließlich ab. Hochhauswand zieht an mir vorbei, wilde Schaukelei, Windschatten total.

  • Ja. Aber was nützt es recht zu haben, wenn man zermalmt in Fetzen über den Seegrund treibt?

    Regeln kennen bedeutet ja nicht, dass man sturköpfig bis zur letzten Konsequenz daran festhält. Wer das tut kennt die Regeln nicht!


    Die richtige Reihenfolge ist doch: Regeln kennen und situationsbewusst damit umgehen.

  • Regeln kennen ist gut. Rücksicht nehmen aber mindestens genauso gut. Bedeutet: Ich mach durch mein Verhalten klar, dass ich der Priwallfähre frei Fahrt gebe. Bedeutet auch, dass ich recht frech in größere Fahrwasser hinein halte und mir "erwünsche", dass die großen Pötte mich durchlassen, indem sie mit kleinen Kurskorrekturen auf mich reagieren. Wenn sie es nicht tun, kann ich immer noch abdrehen, oder Kurs anpassen. Meist sind sie aber so nett und reagieren freundlich.

  • Und wegen einem der sich nicht nach den Regeln verhält weichst Du jetzt immer den Großen aus? Das klingt merkwürdig, das würde bedeuten wenn ein LKW Fahrer Dein Auto schneidet, dann gehst Du ab jetzt immer davon aus das Dich ein LKW schneidet und hälst noch mehr Abstand zu den LKWs oder überholst die LKWs gar nicht mehr.

  • <...> an der Möhne gemacht. Die hießen BR und BK Schein <...>:paddeln:

    ... aber die (praktische)I Prüfung wurde an der Küste abgenommen, oder? (AFAIK war bis 1989 W-Berlin der einzige Ort "im Westen", wo BR binnen geprüft werden durfte.)

  • Paulest:


    Hm? Wie meinen?


    Hab ich das so unverständlich beschrieben?


    Einerseits: Ich lasse die Priwallfähre durch, weil ich es nett finde.

    Andererseits: Ich fahre etwas frech zum Beispiel Richtung Marstal ins große Fahrwasser hinein und spekuliere manchmal - wenn die Situation so ist - darauf, dass die Pötte mich durchlassen, indem sie minimale Kurskorrekturen vornehmen.

  • Ja. Aber was nützt es recht zu haben, wenn man zermalmt in Fetzen über den Seegrund treibt?


    Vor drei Jahren im Großen Belt: Halbwind, Strömung von hinten, die Kiste rennt mit beständig über 7.5 Knoten über Grund. Kurs auf Albuen. Voraus ein Riesenmonster von Kreuzfahrtschiff, mehrere Peilungen ergeben: Kollisionskurs. Ich halte unbeirrt auf Albuen zu, der soll mal ausweichen, denke ich, nur zwei Grad nach Backbord, dann luv ich etwas an und komm locker vor ihm vorbei. Tut er aber nicht. Im Fernrohr sehe ich die Besatzung, wie sie von oben versammelt mit Fernrohren auf mich herab sehen. Ich falle schließlich ab. Hochhauswand zieht an mir vorbei, wilde Schaukelei, Windschatten total.

    Lars, ohne die genauen Umstände/Kurse zu kennen: dünnes Eis!

    DK ist nicht D und eine SeeSchtrO haben die dort nicht, aber durch den Großen Belt führt ein bezeichneter Schiffahrtsweg und darin noch einmal ein gesonderter Weg für Schiffe mit großen Tiefgang und ich denke mal, der könnte als enges Fahrwasser im Sinne der KVR gelten. Und dann könnnte dort, falls auf Eure Begegnungssituation zutreffend, § 9 KVR gelten (Fettung von mir):


    b) Ein Fahrzeug von weniger als 20 Meter Länge oder ein Segelfahrzeug darf nicht die Durchfahrt eines Fahrzeugs behindern, das nur innerhalb eines engen Fahrwassers oder einer Fahrrinne sicher fahren kann.

    (...)

    d) Ein Fahrzeug darf ein enges Fahrwasser oder eine Fahrrinne nicht queren, wenn dadurch die Durchfahrt eines Fahrzeugs behindert wird, das nur innerhalb eines solchen Fahrwassers oder einer solchen Fahrrinne sicher fahren kann. Das letztere Fahrzeug darf das in Regel 34 Buchstabe d vorgeschriebene Schallsignal geben, wenn es über die Absichten des querenden Fahrzeugs im Zweifel ist.


    Und möglicherweise würdest Du zu Fetzen zermalmt auf dem Meeresgrund liegen und hättest nicht mal Recht gehabt... :winking_face:

    Gruß
    Andreas

  • Die "freilaufenden Fähren" waren bisher nie ein Problem, sie passten ihr Fahrverhalten dem fließenden Verkehr an. Dh sie stoppten auf, verminderten die Fahrt oder legte erst ab wenn man durch war. Ich musste jedes Mal dort durch. und habe ihnen immer Raum gegeben.

    Auch die Ostseefähren sind kein Problem, denn sie sind auf die Fahrrinne angewiesen und "können" nicht ausweichen. Wer da nicht zurückhaltend fährt, ausweicht oder aufstoppt sollte sich ärztlich untersuchen lassen.

    Die Probleme auf der Untertrave sind die Touri-Bespaßungsdampfer. Sie missachte das Rechtsfahrgebot, drängeln trotz der Höchstgeschwindigkeit von 5 KN (Maritima), Überholen rechts (Hanse). Da hilft dann der weniger kostenfreie Zuspruch der WSP, man muss ich nur einfordern.

  • Die "freilaufenden Fähren" waren bisher nie ein Problem, sie passten ihr Fahrverhalten dem fließenden Verkehr an. Dh sie stoppten auf, verminderten die Fahrt oder legte erst ab wenn man durch war. Ich musste jedes Mal dort durch. und habe ihnen immer Raum gegeben.

    Fehlt da nicht ein Smiley oder sowas?

  • Die "freilaufenden Fähren" waren bisher nie ein Problem, sie passten ihr Fahrverhalten dem fließenden Verkehr an. Dh sie stoppten auf, verminderten die Fahrt oder legte erst ab wenn man durch war.

    Zumindest für die Weserfähren trifft das auch so zu. Wer das noch nicht kennt, kann auch gern zwischen Brake und Lemwerder üben :winking_face:

    Kompliziert wird das erst, wenn einige Freizeitkapitäne anfangen rumzueiern, Fahrt rausnehmen etc.


    VG

    Holger

  • Jetzt fehlt auch noch die Erklärung der Abkürzung....

    Und was für Kadetten?

    Egal, Lerigau postete direkt vor Dir. Anhand seines Postings im direkten Vergleich mit meinem Zitat aus dem Deinen kannst Du erkennen, weshalb ich bei Dir einen Smiley vermisste.

  • Und so stolz sind mir bisher die Seefahrtskenntnisse der lieben seefahrenden Bundesbürger kundgetan worden...

    Herzlichen Gruß - Peter Jc. :jugo:

  • Lars, ohne die genauen Umstände/Kurse zu kennen: dünnes Eis!

    DK ist nicht D und eine SeeSchtrO haben die dort nicht, aber durch den Großen Belt führt ein bezeichneter Schiffahrtsweg und darin noch einmal ein gesonderter Weg für Schiffe mit großen Tiefgang und ich denke mal, der könnte als enges Fahrwasser im Sinne der KVR gelten.

    Hab mir das gerade auf der Karte nochmal angeschaut. Der Tiefwasserweg war definitiv weiter westlich, Albuen schon recht nah. Aber evtl war das Schiff auf dem H - Weg unterwegs. Das könnte hinhauen. Vermutlich war es wohl so...

  • ... aber die (praktische)I Prüfung wurde an der Küste abgenommen, oder?

    Wenn ich mich recht erinnere wurde beim BR Schein keine praktische vorgenommen. Brauchte lediglich den Nachweis über 300 Seemeilen. Beim BK Schein erfolgte eine Prüfung im Wattenmeer. Außerdem waren 1000 Seemeilen erforderlich

  • BR in D ohne praktische Prüfung? Das wär ja so wie ein Jugoschein...

    Aber ich kanns nicht glauben. Ist die Prüfung im Hafen von Duisburg (gabs angeblich) schon schlimm.

    Herzlichen Gruß - Peter Jc. :jugo:

  • Wenn ich mich recht erinnere wurde beim BR Schein keine praktische vorgenommen. Brauchte lediglich den Nachweis über 300 Seemeilen. Beim BK Schein erfolgte eine Prüfung im Wattenmeer. Außerdem waren 1000 Seemeilen erforderlich

    Definitiv nicht, die 300sm waren Zulassungsbeschränkung und dann folgte praktische Prüfung!

    Gooden Wind


    Hendrik