Bußgeld bei veralteten Seekarten?

  • (ist ja klar, unsere Plotterkarten genügen ja nicht den amtlichen Anforderungen)

    ich war in den letzten Monaten längere Zeit auf einem Berufsschiff unterwegs, die Brücke hatte für die meisten Seegebiete keinerlei Papierkarten mehr an Bord. Für einige Seegebiete z.B. rund Grönland gab es Papierseekarten, die zum Teil aus den 90ern des letzten Jahrtausend waren . Als ich erzählte, dass wir Hobbyfahrer angeblich immer die neuesten Papier-Seekarten an Bord haben müssten, haben die Seeleute laut gelacht.

    wer Verantwortung von sich weist,
    weist auch die Freiheit von sich.

  • ich war in den letzten Monaten längere Zeit auf einem Berufsschiff unterwegs, die Brücke hatte für die meisten Seegebiete keinerlei Papierkarten mehr an Bord. Für einige Seegebiete z.B. rund Grönland gab es Papierseekarten, die zum Teil aus den 90ern des letzten Jahrtausend waren . Als ich erzählte, dass wir Hobbyfahrer angeblich immer die neuesten Papier-Seekarten an Bord haben müssten, haben die Seeleute laut gelacht.

    Die haben ECDIS and Bord, sorry das kann man mit unseren Billig Plottern nicht vergleichen, hat einen vielfachen des Preises. Die Anlage muss zugelassen und die elektronischen Karten amtlich sein. Dazu müssen es zwei oder eine Doppealnlage haben. Zudem gilt das mit papierlos erst seit 2011

  • Die in der Sportschifffahrt üblichen digitalen Seekarten und Kartenplotter dürfen Papierseekarten (die zugleich eine gute Übersicht über das Seegebiet geben) ergänzen, diese aber nicht ersetzen.

    Juristisch deute ich das für mich: Papier-Karten ja, aber als Ergänzung dann aktuelle digitale Karten. Oder anders rum, je nach dem :winking_face:

    ist es schon verführerisch, da mal etwas zu schnippeln.

    Und das Sperrgebiet wird sehr genau überwacht,

    Naja, einige schnibbeln dort nicht nur, sondern fahren "wie früher" echt nahe an die Brücke. Die sind dann mitten im Sperrgebiet und das finde ich schon unnötig.


    VG

    Holger

  • Also zum Sperrgebiet in Hooksiel helfen keine aktuellen Seekarten, sondern wie bei vielen anderen kurzfristigen Änderungen die BfS. Die kann man sortiert nach Seegebiet per Mail abonnieren.

    Wichtiger als das im Frühsommer unbetonnt eingerichtete Sperrgebiet bei Hooksiel (Im Sommer haben sie sich zu zwei quasi unsichtbaren Tönnchen erbarmt) sind m.E. verloschene Tonnen in schwierigen Fahrwassern, was dort alles sehr gut kommuniziert wird. Das ist im Fall des Falles teurer... :smiling_face:

  • Die ausdrückliche Pflicht zum Mitführen aktueller Seekarten durch Sportboote kenne ich nur für die Westerschelde ( Par. 55 Scheepvaartreglement Westerschelde). Da werden auch aktuelle elektonische Seekarten als Alternative aufgeführt, mit der Betonung auf aktuell. Das wird bekanntermaßen auch kontrolliert.

  • Was Glück das die großen Sperrgebiete in der westlichen Ostsee entweder sehr gut betonnt sind, wie Todendorf, oder sich jeden Tag ändern wie im Fehmarnbelt, da wird man dann auch drumherum geleitet wenn man das nicht alleine schafft. Kein Bußgeld...

  • Als "Entschuldigung" brachte der Skipper vor, dass das ja gar nicht auf seinen Karten eingezeichnet wäre

    Das ist natürlich nicht besonders clever, wenn man keine aktuellen Karten hat. Und als erfahrener WaschPo hat man vermutlich eh schon einige "Begründungen" gehört und kann passend drauf reagieren, sinngemäß vielleicht "Tja, das macht dann 140,-, mit aktuellen Papierkarten wäre das nicht passiert" (in der netten Vermutung, dass dann der Segler natürlich nicht durchs Sperrgebiet gebrettert wäre).

    Bei OSM ist das Sperrgebiet übrigens noch nicht eingezeichnet...


    VG

    Holger

  • Die ausdrückliche Pflicht zum Mitführen aktueller Seekarten ...

    gibts auch in Frankreich im Rahmen der allg. Ausrüstungspflicht - wobei verdachtsfreies, anlassloses Handschuhfachschnüffeln zumindest nicht tägliche Praxis ist.


    Praxis dagegen, dass ein Boot, das augenscheinlich ungeeignet sein könnte, überprüft und die Weiterfahrt ggf. untersagt wird. Es wird mit gewissem Augenmaß gehandhabt, obwohl man im allgemeinen bemüht ist, den besseren Preussen abzugeben.


    Wer gern kontrolliert wird, "weil er schließlich nichts zu verbergen hat", hat mit Deutschland als Urlaubsland offenbar einen guten Ort gewählt. Ich hatte mal Holland (dort in Friesland) einen Stegnachbarn aus der Nähe von Hamburg oder Bremen oder so ähnlich*. Wieso er ausgerechnet in Holland fahre? AW.: 1) ist hier immer Wasser da, wenn ich fahren will. 2) muss ich nicht alle Nase lang meine Papiere rauskramen, weil ich zum X-ten Mal in der Woche kontrolliert werde. Sein High-Score lag bei echten drei Vollkontrollen in einer Woche. (Himmel-Sakra...!)

    Wir waren uns einig, dass ein staatl. Gebilde seine Vorzüge hat, dass man aber auch unbehelligt bleiben möchte, solange man sich zumindest tagsüber so halbwegs an die wesentlichsten Gepflogenheiten hält.


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    * obwohl mir klar ist, dass das eine nicht Vorort des anderen ist

  • Wenn wie hier mehrmals erwähnt die Papierseekarten auf der "Brücke" sein müssen, also im Cockpit, dann würde ich eh fast jedes Mal Bußgeld bezahlen müssen, wer von euch fährt denn dauerhaft mit den Papierseekarten im Cockpit?

  • Die DGzRS hat vor ein paar Jahren mal einen gleich zweimal vom Schiet holen müssen.

    Der war mit einem Autokartenatlas in den Nordfriesischen unterwegs. :segeln:

  • Normaerweise fährt man da, wo es einem am besten gefällt. Wo es einem am besten gefällt, kennt man sich aus. Die Karte ist also in Sicherheit.

    Falls das anders sein sollte, hat man zwar eine Karte zur Hand, aber doch wohl so dass sie nicht kaputt geht.

  • ich war in den letzten Monaten längere Zeit auf einem Berufsschiff unterwegs, die Brücke hatte für die meisten Seegebiete keinerlei Papierkarten mehr an Bord.

    Ich lese diese Diskussion mit leicht nostalgischen Gefühlen; sie scheint mir sehr deutsch / nordwest-europäisch.


    Kruzifix' Darstellung, dass viele Berufsschiffer - Fischer ohnehin - gar keine Papier-Seekarten an Bord haben, habe ich oft erlebt. Ich selbst kann mich glücklich schätzen, weil ich ohne Bußgeld davon gekommen bin, denn ich besitze seit meiner Abreise aus den NL überhaupt keine Papierkarten samt Gerätschaft wie Dreieck und Zirkel mehr - ich wasche ja schließlich auch nicht mehr auf dem Waschbrett.


    Möglicherweise mag die Notwendigkeit in Nord- und Ostsee eine andere sein als auf meinen Routen ins und im Mittelmeer, aber ich bin mir sicher, mit Plotter (und ja, ich habe ein Backup-System, genauer gesagt zwei) zuverlässiger und genauer navigieren zu können als mit den Methoden vergangener Jahrhunderte. Bisher hat's geklappt.


    Unter dem Strich halte ich das sture Festhalten an Papierkarten - und sogar entsprechende Bußgelder - und das Navigieren auf dieser Basis für einen der vielen alten Zöpfen, die gerade bei Freizeitskippern gern geflochten werden: ME geeignet zum Gehirnjogging, aus Lust, aber nicht aus praktischer Notwendigkeit oder gar Sinnhaftigkeit. (Satire an: Aber die Ausbilder und alten Seelords müssen ja noch ihren entsprechenden Kenntnisstand pflegen und damit prunken. Satire aus!)

  • Die DGzRS hat vor ein paar Jahren mal einen gleich zweimal vom Schiet holen müssen.

    Der war mit einem Autokartenatlas in den Nordfriesischen unterwegs. :segeln:

    Wo lässt sich das denn nachlesen...oder ist das eine total Wahrhaftige Wahrheit wie der Hamster in der Mikrowelle? Die Geschicht wird so lange erzählt, weil es sich so schön anhört, irgendwann wird es zur Wahrheit, die keiner mehr anzweifelt...

    Grüßle aus dem Süden


    Maik

  • Wer gern kontrolliert wird, "weil er schließlich nichts zu verbergen hat", hat mit Deutschland als Urlaubsland offenbar einen guten Ort gewählt. Ich hatte mal Holland (dort in Friesland) einen Stegnachbarn aus der Nähe von Hamburg oder Bremen oder so ähnlich*. Wieso er ausgerechnet in Holland fahre? (...) muss ich nicht alle Nase lang meine Papiere rauskramen, weil ich zum X-ten Mal in der Woche kontrolliert werde. Sein High-Score lag bei echten drei Vollkontrollen in einer Woche. (Himmel-Sakra...!)

    Ich möchte das nicht anzweifeln und auch der Begriff "Seemannsgarn" wäre hier nicht ausreichend belegbar, steht aber im Raum.

    Als Elbsegler seit Jahrzehnten kann ich allerdings sagen: zwei anlasslose Kontrollen in meinem bisherigen Seglerleben auf eigenem Boot, beide in NOK-Schleusen anlässlich Nachwuchs-Schulung, davon letzte Kontrolle vor >10 Jahren. Und auch sonst kenne ich aus meinem Umfeld wenig Nachrichten über Kontrollen (auch der Zoll übt/schult gelegentlich im Hafen).
    Wenn Du also Seemannsgarn ausschließen kannst: derartige Kontrollen sind entweder außerordentlich asymmetrisch verteilt, oder der sich drangsaliert fühlende neigt möglicherweise zu einem außerordentlich auffälligen Fahrverhalten auf dem Wasser, was außergewöhnlich viele Kontrollen nach sich zieht.

    a) außergewöhnlich asymmetrisch verteilte Kontrollen

    b) Kollege mit außergewöhnlich auffälligem Fahrverhalten

    c) Seemannsgarn


    Wollen wir abstimmen?


    Gruß
    Andreas

  • Ihr müsst ja auch noch unterscheiden: Wasserschutzpolizei oder Küstenwache? Letztere patrouliert und kontrolliert ja in Nord- und Ostsee ausserhalb der 12-Meilenzone, also ausserhalb des Zuständigkeitsbereichs der WaPo. Die Küstenwache interessiert sich wohl eher für Schmuggel und Ähnliches.

    Wir hatten mal das Vergnügen von der Küstenwache aufgebracht zu werden, als wir von Rügen nach Ystad segelten. Aus dem Nichts kam ein Schlauchboot (das Mutterschiff weit entfernt durchs Fernglas eben noch an den Streifen erkennbar) und es wurde um Aushändigung aller wesentlichen Papiere gebeten (in den angereichten Apfelpflücker zu legen). Man werde das dann in Ruhe überprüfen.

    Auf meine Nachfragen: 1) "Wir haben sie schon letzte Nacht ankernd vor Rügen im Auge gehabt" und 2) "Sie sind bei uns auf dem Radar, wir finden sie wieder, segeln Sie ruhig weiter, wir kommen in ein oder zwei Stunden vorbei und bringen alles zurück."

    Da es sich um eine Überführung handelte und ich nicht der Eigner gewesen war wurde im Weiteren tatsächlich der Eigner in Berlin angerufen und es wurde alles gecheckt. An Bord wollten sie dann nicht mehr, alles in Ordnung und gute Fahrt! Keine Nachfrage wegen Karten oder Sicherheitsausrüstung. Das Wetter war durchaus eher rauh gewesen und wir trugen Westen und hatten lifelines bereit - das machte sicher eher einen seemännischen Eindruck als wenn wir in Badehose gelümmelt hätten.

    Bei einer anderen Gelegenheit (auch wieder eine Überführung) bin ich von See kommend Swinemünde angefahren und hatte tatsächlich aufgrund veralteter Seekarten eine falsche Position für den Zoll eingetragen. Der inzwischen geänderte Standort deutlich weiter seewärts. Daran fuhr ich gemütlich vorbei und bekam: Einen Schuss vor den Bug! Muss man auch mal erlebt haben. Hin und angelegt, Belehrung und eine Überprüfung von Boot und Papieren kassiert, aber kein Bußgeld oder so.

    Wenn ich segeln gehe ist das ein guter Tag!

  • Wohltuend in DK - dort bin ich seit langem regelmäßig unterwegs und habe noch nie von kontrollierenden Behördenbooten etwas gesehen oder gehört. In S sehe ich sehr selten Waschpo und 1x wurde mein Perso (weshalb auch immer) im Hafen Ven kontrolliert.

    Bei uns patroullieren Küstenwache, Wasserschutzpolizei und ...? Tatsächlich wurde ich einmal vor 30 Jahren kontrolliert und musste 10 DM zahlen, weil ich ordnungswidrig keinen Maschinenkegel gesetzt hatte.

    Bei der ständigen Präsenz habe ich irgendwie den Eindruck, dass die sich Betätigungsnachweise schaffen. Vielleicht habe ich aber doch den falschen Eindruck?

    Ei jo

  • Ich möchte das nicht anzweifeln

    Ich wusste, dass Du sehr charmant sein kannst.

    1) es bezog sich v.a. auf die Ostsee und auf die Schlei. Die Nordsee mied er ja bereits, weil der Rhythmus Wasser da / Wasser weg nur schlecht zu seinen Geschäftszeiten passte.

    Erg. von mir bzw.einem Kameraden, der in berliner Gewässern ein Boot hat: auch dort nerven die Kontrollen.

    2) Fahrverhalten (?!) möglich. MwSt. auf erl. Geschwindigkeit, Auslegung des Techtsfahrgebots im Fahrwasser, Abgasanlage ... das alte Thema, Führerscheinkontrolle, Verdacht auf dies und das und jenes. Es geht wohl auch etwas nach Gesichtskontrolle.

    3) Sehr ähnliches wird nebenbei bemerkt auch hier im Forum allentalben berichtet. Man (be)fürchtet sogar, die WaPo würde in den Mast klettern um nachzugucken ob der Glühfaden quer oder horizontal verläuft.


    An Land, wo die meisten von uns doch etwas erfahrener sind, gibt es auch Gebiete, Strecken, Zeiten, die man meiden sollte, wenn man den Nachmittag nicht auf einem Parkplatz verbringen möchte, bis sie einen finden, der schon alle Buchstaben kennt.

  • Wollen wir abstimmen?

    b). (aber streiche "außergewöhnlich")



    das sture Festhalten an Papierkarten

    Naja, Schlagwort Sicherheit: Das ist halt der kleinste Nenner, der noch funktioniert, wenn Strom weg, GPS weg, usw. Seefahrt tut Not... die meisten Aussagen hier scheinen meinen Eindruck zu bestätigen: Die WaschPo kontrolliert nicht gezielt die Aktualität der Seekarten. Aber im Falle eines Falles muss es halt plausibel bleiben (siehe Eingangspost / Frage).


    VG

    Holger

  • Das Wetter war durchaus eher rauh gewesen und wir trugen Westen und hatten lifelines bereit - das machte sicher eher einen seemännischen Eindruck als wenn wir in Badehose gelümmelt hätten.

    Bei rauhem Wetter auf jeden Fall, bei Flaute und 30o vermutlich nicht.

    Das ist halt der kleinste Nenner, der noch funktioniert, wenn Strom weg, GPS weg, usw.

    möchte mal wissen wie oft das tatsächlich vorkommt. Man lese nur mal hier wie die Schiffe mit Batteriebänken, Solar etc ausgerüstet werden.


    Gruß Odysseus