Bußgeld bei veralteten Seekarten?

  • Naja, da steht ja nichtmal amtliche Seekarten, das heisst ich muss nur einen Übersegler dabei haben... Und wer hier im Forum hat denn die nautischen Veröffentlichungen im Ausdruck dabei, das steht da nämlich...

  • Naja, da steht ja nichtmal amtliche Seekarten, das heisst ich muss nur einen Übersegler dabei haben... Und wer hier im Forum hat denn die nautischen Veröffentlichungen im Ausdruck dabei, das steht da nämlich...


    "mit Seekarten (...) zum Planen und zur Anzeige der Bahn des Schiffes für die vorgesehene Reise sowie zum Mitplotten und Überwachen der Schiffsposition während der gesamten Reise"

  • Ich bin kein Jurist und werde mich an einer solchen Diskussion nicht weiter beteiligen. Jedoch weise ich noch einmal auf den Beginn dieses Beitrags hin, in dem sich ein Skipper über eine Strafe für eine mitgeführte veraltete Papierseekarte beklagte. Dafür hat es sicherlich eine Rechtsgrundlage gegeben, sonst hätte ihn sicherlich ein Gesetzeshüter ihn nicht zur Kasse gebeten.

    Hier muss ich als TO widersprechen: Ich hatte mich nicht beklagt, sondern vom Hörensagen berichtet.

    Und die Frage war eben genau die, ob es eine gesetzliche Grundlage dafür gäbe.


    Für mich überzeugendes Fazit dieses Threads: nein, gibt es nicht. Das in dem genannten Fall verhängte Bußgeld wurde vermutlich wegen des Befahrens des Sperrgebiets verhängt.


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • erm, was habe ich denn in Post# 4 eigentlich geschrieben.


    Schiffssicherheitsverordnung (SchSV)
    § 13 Verhaltenspflichten

    Hier wird unter Punkt 2. Abs. a) darauf verwiesen:

    (1) Der Eigentümer eines Schiffes, das die Bundesflagge führt, hat dafür zu sorgen, daß

    1.bei wesentlichen Veränderungen am Schiff oder seiner Ausrüstung, die den - auch im Bauzustand - zugelassenen Zustand und insbesondere offenkundig deren Wirksamkeit oder Betriebssicherheit beeinträchtigen, unverzüglich die sachgemäße Instandsetzung veranlaßt, zur Wahrung der Zulassung der beeinträchtigungsfreie zugelassene Zustand wiederhergestellt und die zuständige Behörde unverzüglich davon unterrichtet wird,
    2.auf der Brücke stets folgende Unterlagen vorhanden sind:

    a)die für die jeweilige Seereise erforderlichen amtlichen Ausgaben von Seekarten und Seebüchern im Sinne von Abschnitt C.I.4 der Anlage 1; bei Sportbooten im Sinne der Sportbootführerscheinverordnung-See genügt es, wenn an Bord nichtamtliche Ausgaben mitgeführt werden.


    Quelle:

    § 13 SchSV - Einzelnorm (gesetze-im-internet.de)


    eigentlich solle laut diesem Gesetz klar sein dass Seekarten vorhanden sein müssen bei einem Schiff unter deutscher Flagge und wenn es sich um ein Sportboot handelt können das nichtamtliche "Sportbootkarten" sein. Darfst Du selbst berichtigen, trägst aber auch hier die Verantwortung, genauso wie wenn man ohne fährt, dabei dann etwas passiert.

    Mit amtliche Seekarten ist nicht der Maßstab (übersegler etc.) sondern von wem die Karte Herausgegeben wurde gemeint siehe hier: Amtliche Karte – Wikipedia


    Diese Verordnung wird meiner Ansicht nach nicht auf die Berufsschiffahrt oder Gewerblich genutzte Boote in irgend einer Weise beschränkt, jedenfalls finde ich diesbezüglich da nichts.......oder übersehe ich dort etwas?


    Edit: Und nun habe ich wieder einen Hinweis beim WSA gefunden der sich auf "nichtausrüstungspflichtige" Schiffe bezieht. Ohne dabei auf einen Konkreten Paragraphen oder ein Gesetz zu verweisen. Könnte also ein Ruderboot oder eine Segelyacht damit gemeint sein. BSH - Berichtigungsservice Karten


    Also, ich nehme es mal so, wer schon ohne Karte oder mit veraltetem Material losfährt sollte sich nicht auf unkenntnis bei der Waschpo berufen, sonst kanns teuer werden.

  • Diese Verordnung wird meiner Ansicht nach nicht auf die Berufsschiffahrt oder Gewerblich genutzte Boote in irgend einer Weise beschränkt, jedenfalls finde ich diesbezüglich da nichts.......oder übersehe ich dort etwas?

    Doch, wird sie , und zwar in der genannten Anlage 1 C.I. 4. da steht ausdrücklich:


    Bei Schiffen, die nicht Sportboote im Sinne der Sportbootführerscheinverordnung-See sind, müssen hinsichtlich der Seekarten, Seebücher und anderen nautischen Veröffentlichungen jeweils die neuesten amtlichen Ausgaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt....(Hervorhebung durch mich)


    Quelle: https://www.buzer.de/gesetz/2089/a29733.htm


    Eine entsprechende Vorschrift für Sportboote wird dort nicht genannt. Man könnte jetzt argumentieren, dass "nichtamtlich" auch "nicht berichtigt" bedeutet, da für Sportboote eben nirgends eine Berichtigung erwähnt wird.


    Da wird die Diskussion aber ein wenig akademisch: Natürlich bin ich auch der Meinung, dass es der guten Seemannschaft entspricht, immer auf den neuesten Stand berichtigte Karten dabei zu haben. Aber wer das tatsächlich im Sinne der o.g. Verordnung macht, der werfe den ersten Stein.


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Aber das Seekarten (nichtamtlich reicht) an Bord sein müssen, ist mit der Schiffssicherheitsverordnung (SchSV) jetzt auch für nicht ausrüstungspflichtige Sportboote unstrittig, oder?

    Gooden Wind


    Hendrik

  • Das verstehe ich so.


    Was aber "nichtamtliche Seekarten" sind (gilt da der Shell-Atlas auch?), die Diskussion würde ich mir gerne sparen... :winking_face:


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Ich denke, dass es schwer ist den Begriff „auf aktuellen Stand berichtigt“ für nichtamtliche Karten zu definieren.

    Denn für diese Karten gibt es evt keinen Berichtigungsservice oder zumindest nicht in der Frequenz wie bei amtlichen Karten.

    Ich kaufe für die Karten die ich habe wenn ich nochmals in das Gebiet gehe ggf die neusten Berichtigungen, diese erscheinen meist einmal im Frühjahr.

  • Ich sehe aber immer noch nicht die Rechtsgrundlage für eine Ordnungswidrigkeit, was das Alter bzw. die Vollständigkeit der Karte angeht, wenn es hier bloß um nichtamtliche Karten geht. Dieser Umstand soll ja seitens der Vollzugbeamten bemängelt und mit einem Bußgeld belegt worden sein.

  • Als amtliche Karte wird eine von einer öffentlichen Institution (Amt, Behörde) in öffentlicher Aufgabe herausgegebene Karte bezeichnet. Amtliche Karten dienen der öffentlichen Daseinsvorsorge und Sicherheit und beruhen häufig auf einem Gesetz oder einer Verordnung. Sie werden entweder von der herausgebenden Institution selbst bearbeitet und hergestellt oder in deren Auftrag von einem Unternehmen der privaten Auftragskartografie erstellt.

    Quelle: Amtliche Karte – Wikipedia


    Ein Shell Atlas ist definitiv keine Seekarte, Seekarten sind, ob amtlich oder nicht, durch nummeriert und die Berichtigungen beziehen sich darauf.

    BSH - Berichtigungsservice Karten


    Da ja alles hier alte Seebären sind, ich habe gerade mal in den SKS Fragen nchgeschaut da fällt mir z.B. folgendes auf:


    Nummer 114:

    Was gehört zur navigatorischen Mindestausrüstung einer Yacht in Küstengewässern?

    Nennen Sie mindestens 6 Beispiele.

    Steuerkompass,Peileinrichtung,

    terrestrisches oder satellitengestütztes Funknavigationsgerät

    Log

    Lot

    Fernglas

    Barometer

    Weltempfänger für Rundfunk,

    Seebücher und auf den neuesten Stand berichtigte Seekarten für das zu befahrende Seegebiet

    Logbuch

    Uhr/Zeitmesser.

  • Ich denke, dass es schwer ist den Begriff „auf aktuellen Stand berichtigt“ für nichtamtliche Karten zu definieren.

    Denn für diese Karten gibt es evt keinen Berichtigungsservice oder zumindest nicht in der Frequenz wie bei amtlichen Karten.

    Du kannst jede nichtamtlich Karte in Papierform mit den Korrekturen auf den aktuellen Stand bringen, die man über das BSH einsehen oder herunterziehen kann. https://www.bsh.de/DE/THEMEN/S…sservice_karten_node.html

  • Nun stell sich die Fragen, ob ein festinstallierter Plotter plus ein separates Tablet mit aktuellem Kartensatz dieser Vorschrift genügt.

    Moin,


    nein.

    Egal wie viele Plotter, IPads, Laptops, etc. mit Seekarte Programmen Du mitfuehrst, sie entsprechen keiner ECDIS, so wie sie in der Verordnung erwähnt wird. Du musst weiterhin aktuelle Papierkarten mitführen.

    Große Sportboote gelten bis BRZ 149,9. Kann mir gut vorstellen, dass Jachten mit jenseits von BRZ 100 auch mit ECDIS (2 Stück wegen der geforderten Redundanz) ausgerüstet werden. Dann entfällt die Pflicht Papierkarten an Bord zu haben. Auch eine ECDIS muss gepflegt werden, bedeutet, auch die Karten einer ECDIS müssen regelmäßig upgedatet werden. Dieses geschieht über ein Abosystem und einer Internetverbindung.


    Zum Peilkompass: Fast alle Ferngläser, die wir so an Bord haben, sind mit einem Peilkompass ausgestattet. Somit haben wir auch schon eine Peileinrichtung laut der Verordnung an Bord.

    Wo es auf jeden Fall hapern wird, ist die Sache mit dem kompensierten Kompass (und der Kompensationstabelle).


    Jörg

  • Die Schnipsel ausschneiden und aufkleben kann ich nicht, da evt der Maßstab oder die Darstellung anders ist.

    Wenn du das der Exekutive so erklärst, haben die da sicherlich Verständnis für. Wäre sicher auch in allen anderen Lebensbereichen hilfreich... In den BfS sind alle relevanten Änderungen veröffentlicht. Wie diese in deine Seekarte gelangen, bleibt dir überlassen.


    Entschuldigt die Ironie, aber ich muss in diesem Thread reichlich den Kopf schütteln...

  • Es geht mir ja nicht um die praktische Umsetzung, das bringe ich hin LOL.

    Es geht darum, dass im Gesetz nichtamtliche Karten gefordert sind, aber eine Berichtigung soll dann amtlich sein? Durch das erlauben nichtamtlicher Karten ist halt auch die Aktualisierung unscharf.

    Wie kann ein Wapo die Aktualität einer nichtamtlichen Karte mal soeben an Bord beurteilen?