Ferrozement: ausgelagert aus "Ich wollte auch gerne ein Schiff"

  • Frage :

    Kann man die Teite eigentlich auch mit Glasfaserhülle versehen?

    Der Weg ist das Ziel.
    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
    Jeder Alkoholismus mit einem ersten Glas.
    Jede Sucht mit einem ersten Mal.


    Jeden Abend ´nen Bier - Ganze Leben Alkoholiker


    Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewußt...


    Cetero credo Putin esse delendum.

  • Mit Glasfaserhülle kann man auch gleich ein GFK Boot bauen, oder nicht?

  • Gerd Fehlbaum war (zumindest vor ein paar Jahren noch) mit seiner Betonyacht "Liberty" weltweit unterwegs und ein großer Fan des Materials.

    Er hatte tolle Reiseberichte auf Geo veröffentlicht, ein paar Youtubevideos und auch einiges im Booteforum geschrieben.

    Die Reiseberichte auf Geo sind leider verschwunden.

    Gruß, Jörg!

  • Mich würde interessieren wieviel Prozent der hier aktiven Forums Mitglieder ein Boot, hergestellt aus diesem Werkstoff, es dem Sönke gleichtun würden, wenn sie ein gebraucht Boot erwerben möchten. Ich hätte da nicht daran gedacht.

    Gruß SY mona Willi

  • Cooles Teil. Glaube aber wir würden es nicht kaufen.

    Hätte zuviel Angst vor:

    - unwägbaren Troubles bei Reparaturen (Kran, Aufbocken etc)

    - das Material kann ich nicht einschätzen hinsichtlich evtl Probleme und Bearbeitungen/Materialien

    - Wiederverkaufsschwierigkeiten

  • Es erinnert doch eine ganze Menge an Hausbau...

    Du könntest Innenisolierung mit Steico und Lehmputz machen. :acute:

    Mit dem "Hausbau" liegst Du nicht weit weg auch von meinen Gedanken bei der Entscheidung: kaufen oder nicht.


    Derzeit ist Styrodur zur Isolierung vorzufinden. :winking_face:

    20221030_125419.jpg


    :kopfkratz: Auf Lehm bin ich noch gar nicht gekommen... Lehm bindet doch auch Feuchtigkeit :kopfkratz:

    .... da bräuchte ich dann ja keine Entfeuchter mehr aufstellen :frech:

    viele :Laie_47: -Grüße


    Sönke

  • Mich würde interessieren wieviel Prozent der hier aktiven Forums Mitglieder ein Boot, hergestellt aus diesem Werkstoff, es dem Sönke gleichtun würden, wenn sie ein gebraucht Boot erwerben möchten. Ich hätte da nicht daran gedacht.

    Hm....ich schätze mal..... eher die Wenigsten :Laie_22:


    Aber interessieren würde es mich auch!

    Auf der anderen Seite, wenn alle auch Interesse an einem Mezentdampfer (Meine Tochter Sagt nicht Zement sondern Mezent :winking_face: ) hätten, dann wären die (wenigen) auch noch teuer! :no_1:

    viele :Laie_47: -Grüße


    Sönke

  • Allein das Material würde mich nicht abschrecken. Der geringe Wiederverkaufswert spiegelt sich ja i.d.R. bereits im geringen Einkaufspreis wieder.


    Eher würde mich das hohe Gewicht stören. Das wird erst bei größeren Schiffen akzeptabel. So ca. 14 m LüA ist schon das unterste, bei dem man mit der Verdrängung in etwa an Stahlboote herankommt. Und die sind ja auch nicht grade leicht.


    Also wenn ich ein Schiff für eine Weltreise suchte und da ein Meter mehr nicht störte, könnte ich mir das schon vorstellen. Müsste dann aber gut in Schuss sein, weil das Refit ja bei größeren Booten immer gleich viel teurer wird (größerer Motor, Größere Segel etc. pp)


    Im September bin ich auf einem 15-m Ferrozement-Schiff in Nord-und Ostsee unterwegs gewesen. Das Schiff hatte altersbedingt einige Macken, aber der Ferrozementrumpf war daran nicht beteiligt.


    Nur: 28 t Verdrängung bei 15 m Rumpf, da braucht es schon ein paar Windstärken, bis man ins laufen kommt. Und bei Hafenmanövern mit einem Langkieler in dieser Größe ist man auch nervöser als mit einem gleich großen 10-t-Flossenkieler. Die auftretenden Kräfte sind doch beträchtlich höher.


    Ich habe die Hafenmanöver lieber den frischgebackenen Eigner fahren lassen und habe schlaue Ratschläge dazu gegeben :winking_face:


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Cooles Teil. Glaube aber wir würden es nicht kaufen.

    Hätte zuviel Angst vor:

    - unwägbaren Troubles bei Reparaturen (Kran, Aufbocken etc)

    - das Material kann ich nicht einschätzen hinsichtlich evtl Probleme und Bearbeitungen/Materialien

    - Wiederverkaufsschwierigkeiten

    Danke erstmal fürs Kompliment :smiling_face_with_smiling_eyes:

    Und es freut mich, dass Du sagst, Du würdest es nicht kaufen.


    Aber was soll beim kranen, Aufbocken passieren?? Ist wie bei jedem anderen Schiff auch...

    Und wenn Du damit z.B. meinst, dass der Beton durch die Auflagen eingedrückt werden kann??

    Naja, rostiger stahl gibt schneller nach :winking_face: War hier im Forum nicht jüngst auch ein Beitrag, wo GFK durch die Stützen leicht eingedrückt wurde? :kopfkratz:

    Und was das Material Zement/Beton betrifft...wenn man so mal überlegt, dann gibt es Staudämme, Brückenpfeiler, Steganlagen, Bodenplatten von Wohnhäusern.... und so weiter.... soooo unbekannt ist das ja nun nicht :professor:

    ...waren u.a. auch Gedanken, die mir bei der Entscheidung geholfen haben :winken:

    viele :Laie_47: -Grüße


    Sönke

  • Hallo Roman,


    das mit dem Preis ist schon richtig so.

    Ich persönlich denke auch beim Kauf nicht an den Wiederverkaufswert. auch gehe ich davon aus, dass sich der Markt in den nächsten Jahren wieder deutlich drehen wird.


    Da ich Quereinsteiger bin und das Segeln NICHT auf einer Jolle gelernt habe, ist das mit der Geschwindigkeit so eine Sache...

    ... ich kann gar nicht das Optimum aus einem Segelboot "rausholen".

    Das ist auch nicht mein bzw. unser Anspruch.


    Ich kann aber bei Drifter durchaus sagen, dass sie sich auch bei wenig Wind bewegt. Der Speed mag dann nicht jedem Reichen - uns aber schon. Sie kommt ja auch nur auf rund 22 to :tongue:


    Für uns ist es der erste (gemäßigte) Langkieler und ich habe auch vorher keine vergleichbaren Boote probiert.

    Nach den 4000 sm und einer Ostseerunde kann ich aber sagen, dass uns die Eigenschaften viel mehr zusagen als die modernen Charterschiffe, mit denen wir unterwegs waren.

    Ab der Staande Mastroute quasi ab IJmuiden haben meine Frau und ich (natürlich mit unserer Tochter) Drifter durchgängig alleine gehändelt - bis jetzt ohne Schäden zu verursachen.

    Uns ist natürlich bewusst, dass wir immer noch am üben und lernen sind! Und wir bis jetzt hatten auch keinen wirklich starken Wind beim An- oder Ablegen.

    Uns gefällt aber beim an/Ablegen die anfängliche Trägheit unseres Dampfers - die vertreibt nicht gleich b, so wie die modernen mit Kurzkiel.

    Wir empfinden das als echten Vorteil.

    Anfangs waren wir irritiert, dass uns immer wieder ein Bugstrahler (manchmal sogar ein Heckstrahlruder) angedichtet wird. Das liegt aber sicherlich daran, dass wir im Hafen beim Manövrieren viel mit der Maschine vor und zurück gehen - immer bedacht, den Radeffekt positiv zu nutzen.

    Und Schweißperlen auf der Stirn werde ich mit Sicherheit noch lange haben :winking_face:

    viele :Laie_47: -Grüße


    Sönke

  • Nur mal so aus Interesse: was ist denn der Vorteil / die Vorteile von Ferrozement? Preis? Bei der Stabilität kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Ferrozementboot stabiler als ein gleichschweres Stahlboot ist. Korrosion bzw. keine / weniger? Vielleicht auf den ersten Blick, aber wenn ich dran denke, dass durch kleinste Risse Salzwasser an die Stahlarmierung kommt und die anfängt zu rosten? Da klingt Osmose weniger schlimm. Bei den gängigen Materialien (Holz, GfK, Stahl) sind mir Vor-/Nachteile klar, aber hier?

  • Der wirklich günstige und mit leicht erlernbaren Gewerken in Eigenregie erstellbare Selbstbau.

    Damals zumindest

    Der Weg ist das Ziel.
    Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.
    Jeder Alkoholismus mit einem ersten Glas.
    Jede Sucht mit einem ersten Mal.


    Jeden Abend ´nen Bier - Ganze Leben Alkoholiker


    Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewußt...


    Cetero credo Putin esse delendum.

  • Vorteile, soweit sie mir bekannt sind:


    - Robust

    - Selbstbaugeeignet, auch für Rundspanter. Ist bei heutigen Gebrauchtbootpreisen nicht mehr so entscheidend, in den 70ern und 80ern war es das.

    - Einfach zu reparieren

    - Beton konserviert den Stahl

    - oft niedriger Preis, weil Selbstbau


    Nachteile:


    - Schwer, weil robust

    - oft kein perfektes Finish weil Selbstbau

    - Schäden (z.b. durch Korrosion) sind einfach zu verbergen (drüberputzen und lackieren)

    - Im Grunde können nur (ggf. gemäßigte) Langkieler gebaut werden, weil das Material zu spröde für Flossenkieler ist.


    Also m.E. sicher ein exotisches, aber je nach Einsatzgebiet (z.B. als Langfahrtschiff) nicht unbedingt ein schlechtes Beumaterial.


    Hängt halt, wie so vieles vom Verwendungszweck ab.


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Selbstbaugeeignet, auch für Rundspanter.

    Darauf wäre ich jetzt nicht gekommen. Da muss doch eine komplette Schale gebaut werden, oder nicht? Und dann kann ich doch gleich ein GfK-Boot bauen... Ok, GfK ist wahrscheinlich handwerklich anspruchsvoller als Ferrozement.

  • Nö, man braucht keine Form zu bauen. Es wird ein Spantengerüst aus (Rund-)Stahlrohren aufgestellt und ausgerichtet. Das wird dann in längs- kreuz- und quer-Richtung mit Moniereisen überspannt und diese wiederum mit mehreren lagen Maschendraht ("Kaninchenzaun). Da hinein wird dann der pastös eingestellte Beton mit Abziehkellen gedrückt. Das ganze muss in einem Zug "Nass in Nass betoniert werden. Man braucht also eine größere Anzahl an Helfern, die mit einer Kelle umgehen können und auch mal 14 Stunden durcharbeiten können, wenn es sein muss.


    Bei den meisten Kunststoff-Bauweisen hingegen braucht man eine Negativ-Form. Die ist wesentlich aufwendiger zu bauen.

    Am ehesten ähneln das RFK oder das wood-core- Verfahren der Ferrozement-Bauweise. Auch da wird ein formgebendes Element am Ende beschichtet.


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Darauf wäre ich jetzt nicht gekommen. Da muss doch eine komplette Schale gebaut werden, oder nicht? Und dann kann ich doch gleich ein GfK-Boot bauen... Ok, GfK ist wahrscheinlich handwerklich anspruchsvoller als Ferrozement.

    Nein, es bedarf keiner Schalung. Die Schiffsform wird mit Monierstäben gestaltet und die Zwischenräume mit feinerem Stahlgeflecht ausgefüllt. Als wichtigstes Werkzeug dient eine Stricknadel. Voraussetzung sind drei Arbeitsschichten geschickter und konditionell gestandener Bauhandwerker, vorzugsweise Verputzer. Der Fertigungsvorgang gestattet keine Unterbrechung. Außen an dem Stahlgeflecht streicht ein Werker mit dem Glättspan eine Sperrbetonmasse auf und im Inneren „filzt“ ein weiterer mit dem Reibbrett die durchgedrückte Masse eben. Jetzt kommt die Stricknadel in Spiel. Überall da, wo der Innenmann ein Mangel entdeckt sticht er mit der Stricknadel durch und der Außenmann drückt nach. Diese harte Arbeit verlangt nach einiger Zeit einen Schichtwechsel. Der Job ist nichts für Weicheier.


    Die Wandstärke ist unwesentlich dicker als die der dicksten Monierstäbe. Spitzenexemplare dieser Methode können ab 12 m mit Stahlyachten mithalten. Kein Wunder, Beton hat eine Dichte von ca. 2, Stahl eine von nahezu 8 kg/l.


    Dieser Text wiedergegeben aus dem Gedächtnis aus einem Baubericht aus den 70ern Jahren.


    Mit FC-Yachten ist es wie mit „Eigenbauten“, man schaut sie gar nicht an, weil sie überwiegend von Laien verbrochen wurden. Es gibt großartige Ausnahmen.



    Gruß Franz


    PS: Ich tippe einfach zu langsam :smiling_face:

    halber Wind reicht völlig

  • Der wirklich günstige und mit leicht erlernbaren Gewerken in Eigenregie erstellbare Selbstbau.

    Damals zumindest

    ich denke, das wird auch heute noch gelten :winking_face:

    Diese harte Arbeit verlangt nach einiger Zeit einen Schichtwechsel. Der Job ist nichts für Weicheier.

    Aber an diesem Punkt hapert es heute häufig. :winking_face_with_tongue:

    viele :Laie_47: -Grüße


    Sönke

  • Vielen Dank für die Erläuterungen. Dass es so funktioniert, darauf wäre ich nicht gekommen.

    Beton hat eine Dichte von ca. 2, Stahl eine von nahezu 8 kg/l.

    Ok, ich glaube ja, dass FC-Boote nicht sofort Auseinanderfallen :winking_face: Aber ob die Dichte ein gutes Argument ist? Man baut ja auch keine Boote aus Styropor, trotz der geringen Dichte :winking_face:

  • Damit sollte wohl nur ausgesagt werden, dass man die 4-fache Materialstärke einsetzen kann, bevor das Gewicht/ die Masse von Stahl erreicht ist.

    Meine Rechnung stimmt natürlich nicht ganz da im Beton ja auch wieder Stahl verbaut ist.


    Grüße

    ruhrpottsegler

  • Damit sollte wohl nur ausgesagt werden, dass man die 4-fache Materialstärke einsetzen kann, bevor das Gewicht/ die Masse von Stahl erreicht ist.

    Schon klar. Der Punkt hierbei ist aber, ob die dann auch dieselbe Stabilität wie bei Stahl erreicht wird. Alu ist auch leichter als Stahl aber bestimmte Bauteile (Boote zählen nicht dazu) sind aus Stahl leichter als aus Alu, weil Stahl "fester" ist. Habe ich gehört / gelesen, bin in dem Bereich kein Fachmann.