Refit nach Korrosion an VP SD120

  • Moin Moin,

    ich habe diesen Winter festgestellt, dass mein Saildrive offenkundig korrodiert. Die Ursache dürfte sein, dass die Elektrik vor meinem Besitz so umgebaut wurde, dass der Saildrive, Motor und Kiel über die Erdleitung verbunden sind. Ich habe eine Volvo Penta MD2010A bei dem der Motor elektrisch isoliert sein muss lt. Anleitung. Anbei ein paar Bilder:

    1674327902431.jpg
    Die Elektrische Anlage möchte ich nun wieder so zurückbauen, so dass die Isolierung des Motors wieder gegeben ist. Das wäre der einfachere Schritt.

    Jetzt wäre meine Frage, was empfehlt ihr, um das Saildrive zu refitten? Ich denke die Farbe muss runter, ich hatte gelesen, dass Abeizer keine gute Idee seien.

    Wie würdet ihr die Farbe entfernen, bzw. womit habt ihr gute Erfahrung gemacht insbesondere beim Saildrive?

    Womit mache ich danach den neuen Farbaufbau? Propeller Primer + Propeller Antifouling oder benötige ich noch mehr? [Alles muss Alu geeignet sein]

    Vielen Dank im Voraus

    Grüße

    Jan

  • Hast du vor, den SailDrive auszubauen? Ich würde ihn jedenfalls ausbauen und strahlen lassen . Das „tote“ Alu muß ja auch abgetragen werden… nach dem Ausbau kannst du auch die kritischen Dichtflächen der Manschette inspizieren. Krater mit Aluspachtel (Flüssigmetall) auffüllen . Dann über alles eine Alugrundierung und einen 2K Farbaufbau…

    Grüße Volker

  • Moin Volker,
    vielen Dank für deine Antwort. Eigentlich hatte ich das Saildrive vor 2 Jahren ausgebaut, um eine neue Manschette einzubauen. Damals sah das nicht so dramatisch aus :-/

    2k Farbaufbau habe ich speziell für Saildrives nocht nicht gesehen. Gibt es da ein Produkt?

    Grüße


    Jan

  • habe in NL öfters beobachtet, dass ein Saildrive neu mit Epoxy beschichtet wurde und zwar im eingebauten Zustand ... die Flächen sind ja nicht so groß, da bekommt man die Restfarbe und korridierte pulvrige Alu auch so ab (Drahtbürste, gibt es auch als Aufsatz für Bohrmaschinen). Die Krater mit Epoxy Spachtel ausfüllen und glätten, dann mit Epoxy drüber. Zum Aufhübschen kann noch eine Farbschicht drüber, Epoxy farblos ohne Kreide als Pigmentträger.

    ciao


    Andreas

  • Ich würde zweierlei machen:

    1. feststellen, warum der wirklich korrodiert ist. Es mag ja an der geänderten Verdrahtung gegen aber du schreibst selbst, dass es vor 2 Jahren weniger deutlich war. Es kann auch daran liegen, dass irgendwann anderes an deiner Elektrik geändert wurde/defekt ist und jetzt einen Kriechstrom erzeugt. Bedenke, ein Kriechstrom von 40 mA über 30 Tage frisst 10 g Aluminium, das ist keine schwarze Magie sondern einfache Elektrochemie. Sowas kann man auch einfach im Wasser messen mit einer Referenzelektrode. Frag rum, wer das lokal kann, sonst besorg dir eine Elektrode, ca 200 € und angesichts des Ärgers jetzt verschmerzbar. Wenn das jetzt nicht geht kannst du das auch sofort nach dem Kranen machen.

    2. den Saildrive würde ich ausbauen und strahlen lassen, dann neu Pulverbeschichten. Alles andere ist nur halber Kram, die Beschichtung mit Epoxy geht zwar drauf, es ist aber völlig unsicher, wie lange die hält. Auf keinen Fall Aluoberflächen mit Stahlbürsten behandeln, danach werden die Eisenreste in der Oberfläche rosten. Das muss unterbleiben.

  • Die an der Oberfläche sichtbaren Krater sind ja erst mal nur ein optisches Problem. Das funktionelle Problem entwickelt sich in den Dichtflächen der Manschette. Daher in jedem Fall den SailDrive raus und Manschette ausbauen. Nach der Inspektion der Flächen und Rekonstruktion kann ja die alte Manschette wieder rein…

    Grüße Volker

  • Wir hatten im letzten Jahr leider ein ähnliches Problem (am Yanmar SD) und auch sehr starke Korrosion. Es wurde (durch den Yachtservice) alles abgeschliffen und mit Epoxy wieder ausgebessert. Das konnte alles ohne Abbau des SD passieren. Es besteht Hoffnung, dass das Problem dauerhaft gelöst wurde. Sollte die Korrosion doch wieder auftreten, werden wir den gesamten Motor wechseln, da die Maschine bereits 20 Jahre alt ist und ein einzelner Saildrive im Verhältnis sehr teuer ist.

    Auslöser war vermutlich eine „unwirksame“ Anode. Wir sind im Jahr davor vom Süßwasser ins Salzwasser gewechselt….


    Hier mal ein Bild von unserem SD vor der Überarbeitung Saildrive (1).jpg

    Saildrive (2).jpg


    Gruß

    Peter

  • Ich würde nicht abwarten ob die Korrosion wieder auftritt sondern die Gründe suchen. Die folgt nämlich relativ simplen Gesetzmäßigkeiten, die man leicht überprüfen kann. Das ist sehr viel günstiger als zu schauen ob Teile des Antriebs, die tausende € neu Kosten, korrodieren.


    Gruß

  • Ich würde nicht abwarten ob die Korrosion wieder auftritt sondern die Gründe suchen. Die folgt nämlich relativ simplen Gesetzmäßigkeiten, die man leicht überprüfen kann. Das ist sehr viel günstiger als zu schauen ob Teile des Antriebs, die tausende € neu Kosten, korrodieren.


    Zumindest für meinen Fall scheint es klar zu sein. Die Anode war vollkommen unverbraucht. Grund war (mit großer Wahrscheinlichkeit) ein Belag, der sich gebildet hatte (noch im alten Revier) und der die Funktion der Anode verhindert hat.


    Gruß

    Peter

  • Hallo Zusammen,

    ganz vielen Dank für eure Antworten. Das Saildrive sah in dem Bereich der Maschette unter den Strömungslappen wie neu aus, als ich das ausgebaut hatte. [Ich überprüfe das aber nochmal einmal] Der Maschettenwechsel wurde von einer Fachwerkstatt durchgeführt. Ich hatte dort gefragt, ob es etwas zu beanstanden gäbe an dem Saildrive, was verneint wurde.


    ohlson38 Das mit der Stahlbürste ist ein guter Punkt. Ich hätte lieber eine Messingbürste benutzt aber das macht das Problem auch nicht besser. Klingt nach Abschleifen mit einem Schleifmop oder einer Tercoo Scheibe (die hat ja Hartmetall). Pulver beschichten klingt für mich sehr teuer?

    Ich hätte eine weitere Frage mein Saildrive besteht aus Aluminium, die Anode ist aus Zink [überlich für Salzwasser soweit ich weiß] allerdings ist Zink edler als Aluminium, nur Magnesium wäre unedler als Alumnium. Das heißt das eigentlich müsste ich Magnesium benutzen, um das Saildrive zu schützen. Ich denke das Zink sollt vermutlich eher den Bronzepropeller schützen. Habt ihr da eine Meinung zu? Ich denke darüber nach zu mindestens Aluminium benutzen [Ostsee/Kieler Bucht]

    Ich werde im trockenen Zustand nach der Aktion mal den Widerstand zwischen Kiel und Saildrive messen, das sollte dann hoffentlich hochohmisch sein. Ich befürchte aber das ich das SD ausbauen muss, um es richtig zu machen. Das blöde ist, dass mein Saildrive Fundament langsam kaputt geht und die 20Nm Anzugsmoment z.T. nicht mehr verträgt. Ich hatte ein Gewinde bereits mit einem Helicoil retten müssen und bin dementsprechend wenig interessiert, das wieder auszubauen :-/ [Jetzt sind alle Schrauben mit 20 Nm angezogen]


    SailingBalu vielleicht hatte ich letztes Jahr nicht ausreichend die Anode angeschliffen, vermutlich kommt das bei mir noch hinzu. Vielen Dank für deinen Bericht!

    Edited once, last by JanDerKieler: Ein Beitrag von JanDerKieler mit diesem Beitrag zusammengefügt. ().

  • JanDerKieler

    Magnesium als Anodenmaterial wird idR nur innSuesswasser eingesetzt. Im Seewasser reicht Zink für den Schutz aus, die Potenzialdifferenz zw. Den verwendeten Zn und Al Legierungen ist idR ausreichend. Al bietet dann keinen besseren Schutz. Man sollte auch nicht wahllos ein zu hohes Potenzial mit Mg aufbauen, da das ebenfalls Schaeden zB am Rumpf auslösen kann. Genaueres kann man nur durch Messen ermitteln.

    Frage ist weiter ob die Zn Anoden neu waren oder auch ggf mit Stahlbuerste “aufgefrischt“ wurden. Dann wird dort ebenfalls Stahl eingebracht der die Anode deaktiviert. Folge, sie ist tot….

    Die verwendete Zn Anode muss natürlich widerstandsfrei mit dem Saildrive und Prop verbunden sein. Sitzt da ein isolierendes Gummilager zB im Pro benötigt der eine weitere Anode auf der Welle. Kann man an Land einfach messen.

    Gruß

  • ohlson38 ich hatte die Zinkanode letztes Jahr nur mit der Stahlbürste auf den Akkuschrauber gebürstet. Sie kam vor 2 Jahren neu, die Anode ist noch relativ vollständig, weshalb ich da nicht das Problem vermutet hätte. Ich messe das trotzdem mal durch. Vielen Dank für den Tipp.


    Eine Anode auf der Welle ist bei dem SD-120D noch nicht vorhanden.


    Die Anode werde ich in jedem Fall austauschen.

  • Die Aktivität der Anode bzw ihr Verhalten kannst du nur richtig im Wasser mit einer Referenzelektrode bestimmen lassen. Das ist im Versuch im Labor nicht so einfach zu simulieren, da du eine Anordnung brauchst due nur die zum Wasser zeigende Seite zur Messung bringt. Bevor ich das aufbaue kauf ich mir ne neue Anode….

    Gruß

  • Die Aktivität der Anode bzw ihr Verhalten kannst du nur richtig im Wasser mit einer Referenzelektrode bestimmen lassen. Das ist im Versuch im Labor nicht so einfach zu simulieren, da du eine Anordnung brauchst due nur die zum Wasser zeigende Seite zur Messung bringt. Bevor ich das aufbaue kauf ich mir ne neue Anode….

    Wie geht denn das?

  • Wie geht denn das?

    Was? Das Messen mit der Referenzelektrode oder damit die verbleibende Aktivität zubestimmen?. Letzteres erfordert sicher einen eigenen Versuchsaufbau und dürfte eher experimentell sein.

    Gruß

  • Man nutzt dazu eine sogenannte Referenzelektrode (Ag/AgCl), das ist ein gängiges Teil ähnlich einer pH Elektrode, wie im Chemieunterricht. Die wird an ein Multimeter angeschlossen, der andere Kontakt an dem zu messenden Metallteil (Seeventil, Propellerwelle, wenn sie verbunden ist etc). dann zeigt das Multimeter einen Wert ähnlich der Reihe der Elemente in mV je nach Metall von c - 200 bis - 1200 mV. Somit "hälst du dein Voltmeter ins Wasser",


    Da die Laborelektroden hochempfindlich aus Glas sind und gern zerbrechen gibts die auch in Metall oder Kunststoff für den Feldeinsatz. Details zB hier https://www.galvatest.eu/

    Meine stammt aus den USA, macht aber das Gleiche.

    Gruß