Schutzbrille Atemschutz Schutzausrüstung - Antifouling streichen und schleifen

  • Danke für die harten Fakten aus dem Arbeitsschutz.


    Zur Einordnung noch welche aus meinem Fachgebiet (Toxikologie): Diese "Maximalen ArbeitsplatzKonzentrationen" werden unter der Prämisse abgeleitet, dass der Arbeiter 8 h am Tag und 5 Tage die Woche exponiert wird. Unter diesen Bedingungen soll die MAK ein Berufsleben lang toleriert werden, ohne gesundheitliche Schäden zu verursachen.


    Die Lösemittelbelastung (2-5 mal die MAK) kann man also aus toxikologischer Sicht als wenig bedenklich ansehen, wenn man nur einmal im Jahr drei Stunden sein Unterwasserschiff streicht (aber natürlich ist keine Belastung besser als eine geringe).


    Bei den Schleifstäuben bin ich wesentlich unentspannter, weil die zum Teil (bei entsprechender Größe der Teilchen) in die oberen Atemwege und sogar (Teilchen < 3 µm) in die Alveolen gelangen können und sich dort ablagern...


    Insofern halte ich die FFP2-Masken schon für sinnvoll, wenn man schleift (beim Streichen bin ich bei Jürgen, da reicht eine OP-Maske und eine Schutzbrille)


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • also in mindestens 2 m Entfernung?

    Lies´ richtig: ... unmittelbar neben dem Mann .... also keine 2 Meter. Das ist ungefähr so wie bei Dir, wenn Du das Antifouling mit der einen Hand in der Lackierschale hältst während die andere rollt. Mit Sicherheit ist draußen bei Wind die Belastung geringer als in stehender Luft in der Halle. Bedenke aber, dass auch nach dem Aufbringen des AF die Fläche des U-Schiffs vor Deiner Nase noch ordentliche Mengen Lösungsmittel abgibt.


    Grüße Jürgen

  • Wenn man sich nach dem Schleifvorgang z.B. Unterwasserschiff mal die Filter einer getragenen Maske anschaut, dann erübrigt sich eigentlich jeder Arbeitsschutzhinweis. Dennoch gibt es Leute die sowas ignorieren.

    Die Folgeschäden kommen ja nicht plötzlich wie bei einer Verbrennung, sie kommen schleichend, abhängig wie oft oder intensiv solche Schutzmaßnahmen entfallen.

    Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben.
    Alexis Carrel

  • Siehe Bild links. Und damit habe ich mich sehr deutlich von den Holländern unterschieden,

    die - weil es kalt war - einen Pullover an hatten. Und Brillenträger halt noch ihre normale

    Brille auf. Wir werden sehen, wer länger lebt...

    Es schleift doch niemand trocken ohne effektive Absaugung?

    Und außerdem erwähnst Du nicht, ob die "Holländer" eine Staubmaske trugen.

    Ich sehe keinen Grund für eine geringere Lebenserwartung bei den Holländern, wenn sie nass oder mit aktiver Absaugung zugange waren.

    Gruß
    Andreas

  • An unsere Mediziner.So ein Werftarbeiter macht das ständig, ich einmal per Anno. Muss ich da echt so vorsichtig sein wie der Werftwilly? Ich gebe zu, bisher hab ich AF immer ohne Maske gerollt.

  • Siehe oben # 21: Nein, Du musst nicht genauso vorsichtig sein (schon allein weil für Privatleute kiene Arbeitsschutzvorschriften greifen wie bei der Berufsgenossenschaft - Zahlt Dir ja keiner ne Rente, wenn Du vorzeitig ausfällst).


    Sinnvoll ist es schon, aber (im Hinblick auf Lösungsmittel beim Streichen) kein Grund, panisch zu werden.


    EDIT: Bin kein Mediziner, sondern Naturwissenschaftler (Toxikologe), hoffe, das gilt auch :winking_face:


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Es schleift doch niemand trocken ohne effektive Absaugung?

    ...

    Es wäre schön, wenn alle das täten. Ein Blick in die Winterlager, sowohl Halle als auch Freilager, hier in Kiel belehrt Dich zumindest in Einzelfällen eines anderen.


    An unsere Mediziner.So ein Werftarbeiter macht das ständig, ich einmal per Anno. Muss ich da echt so vorsichtig sein wie der Werftwilly? Ich gebe zu, bisher hab ich AF immer ohne Maske gerollt.

    Natürlich kann man das Risiko herunterrechnen, wie weiter oben schon von Roman beschrieben. Dennoch beachte bitte den erheblichen Gehalt z. B. ziemlich toxischer Benzolderivate wie Xylol in Antifoulings. Hier im Sicherheitsdatenblatt von Shogun (das verwendest Du doch, oder?) ist der Gehalt mit 25-50 % angegeben. Der Gehalt wird dabei wohl eher im oberen Bereich angesiedelt sein und das gilt im Wesentlichen auch für alle anderen üblichen Antifoulings. Für viele in das Fettgewebe übertretende Lösungsmittel (wie z. B. Benzole, Azeton) wird gerade eine Neubewertung hinsichtlich ihrer Gesundheitsgefährdungen vorgenommen. Ob dann noch die bisherigen MAK weiter angenommen werden können, bleibt abzuwarten.


    Gleichwohl kommt es bei Benzolen relativ schnell zu einer Anreicherung im zentralen Nervensystem, das in dieser Hinsicht dem Fettgewebe gleichzusetzen ist. Hier bewirken Benzole eine "narkotische" Wirkung, die in der Initialphase typischerweise Kopfschmerzen hervorruft und bei längerer Expositionszeit bis zur Bewusstlosigkeit führen kann. Das sind die wesentlichen akuten toxischen Eigenschaften, die man natürlich durch gute Belüftung abmildern kann. Von einer chronischen hohen Belastung kann bei einmaliger Belastung pro Jahr nicht ausgegangen werden. Dennoch kommt es auch aus anderen Quellen zu einer chronischen Belastung mit Benzolabkömmlingen, z. B. durch Straßenverkehr, Zigarettenrauchen u.v.m., so dass man sich schon fragen muss, ob man dann nicht doch die zusätzliche Belastung vermindern/verhindern will. Daher benutze ich bei allem, was hohe Konzentrationen von Lösungsmitteln freisetzen kann, eine Maske mit FFP 3-Standard. Weitere Informationen zur Risikobewertung von Xylol gibt es z. B. hier.


    Grüße Jürgen

  • Hey Paulest: ,

    ach komm schon, du weisst doch, worum es hier geht. Wenn es für dich keine Option ist, mit FFP3 und Schutzkleidung zu schleifen, streichen - kurzum, dich zu schützen, ist es deine Entscheidung und ok.

    Allerdings finde ich die Fakten der hier anwesenden Naturwissenschaftler und Mediziner schlagend und einleuchtend.

    Wie man mit den bekannten Fakten umgeht, nun, das obliegt der Eigenverantwortung des Einzelnen.

    Möge nur niemand sagen, er hätte es nicht gewusst.


    LG Kirsten

  • Deshalb trägst Du beim Tanken Maske und Handschuhe?

    Nein, damit man das nicht muss, wurde 1998 der Benzolgehalt in Ottokraftstoffen auf 1% limitiert.


    Darüberhinaus gibt es Tankpistolen, die die Benzoldämpfe absaugen. Die sind aber (soweit ich weiß) nicht vorgeschrieben.

    Das ist war schon ein Thema, Benzol in Benzin.


    Schöne Grüße,


    Roman

    A ship in a harbour is safe, but that is not what ships are built for !

  • Nun, es macht zunächst sicher einen Unterschied, ob man in einer mehr oder weniger großen minderbelüfteten Halle oder gar in einer Garage sein U-Schiff rollt oder im Freilager bei 4 Bft.


    Ich frage Dich trotzdem zurück: Tankst Du eigentlich den ganzen Tag oder bist Du damit nicht auch in 2 Minuten fertig?
    Und findet Du den Vergleich bei näherem Hinsehen nicht auch blödsinnig?


    Das mit den Handschuhen ist gar nicht so verkehrt, wenn man sich an der Tanke nicht die Hände waschen kann.
    IdR badet man seine Pfoten jedoch nicht im Kraftstoff. Beim AF Auftragen dagegen kommt man beim Dosenöffnen/Schließen/Auftragen/Klebebandabziehen/Rollenwechsel/Überkopfstreichen schon gern mal in Kontakt mit dem Zeug, daher empfehlen sich Handschuhe von selbst.

    BTW: Andere Gegenden, andere Sitten. In unserem Winterlager habe ich seit Jahren niemanden mehr trocken das U-Schiff ohne Absaugung schleifen sehen. Ist ohnehin untersagt. In SH wohnen angeblich die glücklichsten Menschen. Vielleicht auch die Unbekümmertsten?

    Gruß
    Andreas

  • Das mit dem Glücklichsein und sich keinen Kopf machen hängt zusammen und überhaupt, is ja as dat ist un dat kümmt allns as dat shall un överhaupt jümmers anners as du denkst und dat löpt sick ook jümmers wedder torecht.

  • Moin,

    Aus der Ölbranche kommend kann ich sagen, dass es fast seit Jahrzehnten eine Pflicht für eine Gasrückführung gibt (Bimsch) siehe auch https://de.m.wikipedia.org/wik…Cr%20Tankstellen,A%C3%9CE'%20abgek%C3%BCrzt)%20zur%20Pflicht


    Das hat sicherlich die Belastung durch Benzol im Tankvorgang weiter reduziert.


    Gruß

    Hobbit2

  • Ich habe beim Bau unserer Mystic sicher so einiges in dieser Hinsicht falsch gemacht.. ich hasse Masken aller Art, Zweifel aber absolut nicht an der Notwendigkeit.( ich würde das mit dem jahrelangen Nikotinkonsum gleichsetzen, bei dem ja den Beteiligten auch zu 99% klar ist was sie da tun) für mich sind die Infos oben jedenfalls Anlass genug, mir eine ordentliche Maske zu besorgen und sie auch zu benutzen. Meine Hoffnung ist dass die höherwertigen auch mehr Tragekomfort bringen…

    viele Grüße,
    Bodo

  • Aufgrund der beim Streichen der gängigen AF Farben freigesetzten u..a. Alkylbenzole (nicht Benzol als Reinsubstanz!) und sicher auch aliphatischen KW würde ich in einer Halle dringend raten nur mit Atemschutzmaske plus Aktivkohlevorsatz zu arbeiten. Kenne ich bei uns auf der Werft nicht anders. Die Lösungsmittelwolke steht dann direkt unter dem Schiff und diffundiert nur langsam aus dem Bereich. Ob da ein MAK Wert überschritten wird ist kaum zu ermitteln. Von daher halte ich den Bezug für wenig hilfreich.


    Man kann das leicht überprüfen:: Die eingeatmeten Lösungsmitteldaempfe werden nur langsam wieder vollständig und nur uber Stunden exhaliert, was auf relativ geringen metabolischen Abbau hindeutet. Personen mit sensiblen olfaktorischen Fähigkeiten riechen diese Lösungsmittel oftmals im Exhalat von “Verarbeitern”, bisweilen auch Abbauprodukte (je nach Lösungsmittel) der Lösungsmittel.


    Im Freien mag das alles obsolet sein. Eine Papiermaske jeder Art ist in jedem Fall obsolet, da sie gegenüber Dämpfen keinen Schutz darstellt und sich die Lösungsmittel im Freien schnell verteilen. Sie hilft aber aber gegen Farbspritzer, weswegen unbedingt auch eine Schutzbrille zu tragen ist. AF im Auge ist richtig schlecht….


    Benzol spielt in diesem Zusammenhang absolut keine Rolle. in keinem Fall ist im AF Benzol als Reinsubstanz enthalten ( immer < 0,1 %), sonst wäre das gesamte AF als krebserregend einzustufen! Der Vergleich zu Benzin ist irrelevant, da das Produkt trotz Begrenzung auf Max 1% Benzol als Inhaltsstoff richtigerweise als krebserzeugend f d Menschen eingestuft ist. Es darf lediglich,,wie schon genannt, in Tankanlagen nach BImSchVo mit Rückführung an Endkunden verkauft werden. Es darf auf keinen Fall für Reinigungszwecke verwendet werden.

  • Tolle (und auch sinnvolle) Diskussion

    Können wir dann noch einmal auf meine Frage zurückkommen?


    Welche Masken und Brillen könnt ihr empfehlen, wenn Antifouling geschliffen und gestrichen wird?

    Staubschutzbrille, insbesondere für Brillenträgen.


    Danke

    .
    ---
    Gruß Jan

  • Sundström Maske, Schutzbrille so dass sie bequem sitzt und ggf über einer Brille getragen werden kann. Ausprobieren im Baumarkt

    Gruß

  • Dann das gleiche noch mal von 3M probieren und das kaufen, was am besten passt.


    Grüße Jürgen