Schaden an einem Segelboot nach Grundberührung

  • Bei YT habe ich gerade ein Video gesehen, hier ist ein Segler in ein Sperrwerk gefahren und an einem Trempel aufgelaufen.

    So weit so gut , nur das ein Schiff danach nahe einem Totalschaden ist macht einen Nachdenklich.


    Ich möchte jetzt hier kein Bav Bashing denn ich glaube das kann einem bei jeder Werft passieren, trotzdem ist es heftig.


    Was haltet ihr von dem Fall?


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  • Zu diesem Fall kann man nichts sagen. Es ist schon heftig, dass das Schiff fast ein Totalschaden geworden wäre aber wir können uns doch auf Grund dieses Films kein Urteil erlauben.

    Weder zu dem Schaden noch zu eventuellen Rechtsstreitigkeiten. Wenn es laut Gutachten einen Vor- oder Strukturschaden gegeben haben soll und die Versicherung nicht alles bezahlt, werden die beiden bestimmt einen Rechtsbeistand zurate gezogen haben um nicht auf allen Kosten sitzen bleiben zu müssen. Vielleicht berichten Sie.

    sdw :Laie_22:





    Auf`m Boot :segeln: ist wie zu Hause auf`m Sofa (Entspannung) :segeln:

  • Dafür muss man ja schon mit ganz schön Schmackes auf den Drempel draufsemmeln. Ich kann mir gut vorstellen, dass die nicht mal wussten, was ein Drempel ist und wo so was zu finden ist. Beste Insieme-Bootsprofi-Gesellschaft.

  • Er sagt leider nicht, mit welcher Fahrt er auf den Drempel geknallt ist. Aber das ist schon der Worst Case: ein massives Betonhindernis, und ganz unten am Kiel. Daß das bei mehr als 3 Knoten zu massiven Schäden am Rumpf und auch der inneren Struktur (Spanten, Stringer, Innenschale gerissen bzw. abgelöst) führen kann ist in so einem Fall zu erwarten.


    Es gibt nur wenige Boote, die auf so etwas ausgelegt sind (Linjett z.B.) - bei den meisten Serienbooten der großen Werften würde das Schadbild wohl ähnlich aussehen.


    In diesem Fall geht es laut der Gutachter wohl zusätzlich um Vorschäden oder Fertigungsprobleme. Welche, das bleibt im Dunkeln. Ich könnte mir vorstellen daß die Verklebung der tragenden Struktur mit der Rumpfschale nicht perfekt, oder teilweise abgelöst, war. Ist aber Spekulation


    Fest steht nach seiner eigenen Aussage im Video: ursächlich war der Fehler des Skippers, beim falschen Wasserstand in die Schleuse einzulaufen. Und das sollte man unbedingt vermeiden, mit ein bißchen Rechnen und Kartenarbeit ist das nicht so schwer.

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    Autokorrektur ist grässlich!
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    Edited once, last by 88markus88 ().

  • Der Drempel im Lesumsperrwerk ist schon anderen zum Verhängnis geworden. Das Schadensbild (soweit man das in dem Video erkennen kann) ist absolut üblich bei derartigen Konstruktionen und würde bei jedem anderen Großserienboot ähnlich ausfallen.


    Warum das etwas reisserisch von "Totalschaden?" die Rede ist, erschließt sich mir nicht. Der Dampfer dürfte um 200.000 € versichert sein und die Reparatur kostet jedenfalls nur im fünfstelligen Bereich. Also ganz klar kein Totalschaden.


    Was den Vorschaden angeht ist das natürlich delikat. Inwieweit hat der Vorschaden (unterstellt es gibt ihn) zu einer Vertiefung des jetzigen Schadensbilds geführt? Da wird man vermutlich trefflich streiten können. Stichwort: Kaskoverfahren.


    Eine weitere Möglichkeit gibt es u.U. gegen die "Bootsprofis". Warum ist denen der Vorschaden nicht aufgefallen? Wurde hier bei der Begutachtung die Sorgfalt eher auf die Kameraführung als auf das Kaufobjekt gelegt?

    Das Ziel ist im Weg.

  • Schwierig. Ohne genaue Einzelheiten zu kennen, wird man das nicht beurteilen können.


    Als Werft würd ich mich da aber relativ entspannt zurücklehnen. Es scheint ja so, als wäre quasi die komplette Innenschale herausgebrochen. Da würd ich erstmal einen Bedienerfehler unterstellen.

    Vergleichbar mit meinem Golf, den ich mit Tempo gegen die Mauer setze und mich dann wundere, dass VW sich nix annimmt, wenn auch der Vorderwagen verdengelt ist und nicht nur die Stoßstange.

    Von nix kütt nix.

  • Wie schnell er war, würde mich auch mal interessieren.


    Da der Bug eintaucht, wenn man mit dem Kiel wo gegen fährt, sind die Kräfte nicht so hoch, wie man vielleicht denkt. Weis jemand, ob die Konstruktion für das Auftreffen auf ein Hindernis mit gewisser Geschwindigkeit ausgelegt werden muss (für CE)?

  • Bei der Besichtung der " Bootsprofis " wurde im vorderen Bereich des Schiffs auf ein Schaden hingewiesen .

    Stimmt. Hab mir das Video gerade angeschaut. Die Ablösung des Stringers vom Rumpfboden wurde bemerkt. "Es muss wieder überlaminiert werden!"

    Das Ziel ist im Weg.

  • Schwierig. Leider erfährt man aus dem Video technisch fast nichts. Klar wird es sich bemerkbar machen, wenn man mit x kn auf den Drempel draufknallt (FüG ist nicht genannt, 4 FdW + 2 Strom ist aber nicht unübllich). Aber mit Ausnahme dessen, dass es teuer ist, erfahren wir nichts. Und wenn ich sehe, wie (aufwändig und gut) Winkler den Rumpf gegen "Trampelspuren" abklebt (das habe ich auch als Eigner eines Holzbootes nicht in der Schönheit gemacht), wird alleine an "Begleitmaßnahmen" der eine und andere Schein zusammenkommen. Außerdem geht es bei einer professionellen Reparatur meist auch um das "Unsichtbarmachen" des Schadens. "Nur technisch" reparieren (Optik à la Fischkutterwerft) dürfte deutlich günstiger kommen.


    Die Vorgeschichte des Bootes und damit der Grund der Höhe des Schadens (Konstruktion, Fertigung, Vorschäden?) bleibt auch im Kontext mit den anderen Vids zu dem Boot (Bootsprofis, Überführungsvideo) unklar.


    Aber

    <...> das ein Schiff danach nahe einem Totalschaden ist <...>

    sehe ich hier nicht. Bei ca. 300k€ NP mit Ausstattung wird auch eine ältere deutlich mehr als die 60k€ bringen, die im Vid als Schadenshöhe genannt worden sind.


    P.S.: Bei meinem Beitrag gab es viel Zeit zwischen Anfang und Ende, da haben andere von euch schon viel Vergleichbares dazu geschrieben.

  • Da dürfte Eigenverschulden vorliegen. In einem Tiderevier ist nun einmal mit wechselnden Wasserständen zurechnen und daher sollte man in eine Schleuse mit einem Kielschiff nur bei Hochwasser einfahren. Da muss man schon von grober Fahrlässigkeit ausgehen und die Versicherung sollte die Regulier zu ihren Lasten ablehnen.

  • Ich könnte mir vorstellen daß die Verklebung der tragenden Struktur mit der Rumpfschale nicht perfekt,

    War das damals nicht auch das Problrem der Match Reihe?

    Und das sollte man unbedingt vermeiden, mit ein bißchen Rechnen und Kartenarbeit ist das nicht so schwer.

    Hatte er nicht beim Sperrwerk angerufen und gefragt?

    Die sollten doch den Wasserstand wissen, oder?

    Es scheint ja so, als wäre quasi die komplette Innenschale herausgebrochen

    Der komplette Kielhalteapparat, sogar an den Seiten ganz außen.

    Die Rumpfhaut war "abziehbar" und ist danach "zurückgeploppt".

    Die Eskalationsgeschwindigkeit muss dabei enorm gewesen sein, da die Risse alle sehr gerade und auch homogen um innere Kurven ohne "Haltelinien", an denen die Rissbildung Halt gemacht hätte, verlaufen.

    Also eher ein komplettes Versagen auf längerem / komplettem Abschnitt als ein Nach-Und-Nach Abreißen von vorne nach hinten.

    Das spräche zwar nicht gegen einen eventuellen Vorschaden, jedoch recht eindrücklich für einen systemischen Fehler.

    Und es macht einen eventuellen Vorschaden aufgrund eines äußerst geringen Ereignisses auch bereits wahrscheinlicher.

    Vergleichbar mit meinem Golf, den ich mit Tempo gegen die Mauer setze und mich dann wundere, dass VW sich nix annimmt, wenn auch der Vorderwagen verdengelt ist und nicht nur die Stoßstange.

    Eher, sofern sich die Sitze dabei aus ihren Verankerungen lösen, ohne vom Imprint eigentlich betroffen gewesen zu sein.

    Eben eine Halterung, deren Haltefunktion versagt, deren Struktur jedoch erhalten bleibt..

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    Cetero credo Putin esse delendum.

  • Es gibt nicht nur Hochwasser sondern auch noch Stauwasser. Dh. von Hochwasser bis einsetzen der Ebbe eine Stunde. Da muss man halt warten bis der Wasserstand passt. Auch kann man beim Schleusenmeister die aktuelle Durchfahrtstiefe erfragen.

    An den meisten Schleusen an/in Tidegewässer gibt es eine Messlatte an der Schleuseneinfahrt die die aktuelle Wassertiefe anzeigt.

    Auch dürfte die Aufprallgeschwindigkeit eine Rolle spielen. Bei dem Schaden gehe ich nicht von einer der Situation angemessenen Geschwindigkeit aus. Die Bauweise von Bav ist sicherlich nicht schlechter als die anderer Großserienproduzenten, aber bestimmt nicht so schlecht, dass sich das Schiff beim Auflaufe bei langsamer Fahrt fast zerlegt. Da muss schon reichlich viel zu viel Speed im Schiff gewesen sein.

    Gerade bei der Einfahrt und in der Schleuse ist umsichtiges Handeln mit einer mäßige Geschwindigkeit angesagt.

    Es gibt sogar Karten und Revierbeschreibungen die auf derartige Probleme/Besonderheiten hinweisen.

    Wenn man neu in der Sache Boot ist sollte man sich gut informieren. Gerade in Tidegewässer ist es zwingend erforderlich.

  • Ja, war auch einer meiner ersten Gedanken.

    Wer misst auch schon nach...

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  • Im Video sagte der Skipper, dass er nach Hindernissen, Schlick etc, in der Schleuseneinfahrt gefragt hat.
    Der Drempel ist ein Bauteil der Schleuse und daher kein Hindernis. Auch wird durch Beschilderung an Schleusen auf hochliegende Drempel hingewiesen.