Bootskauf für die Ostseerunde 2024 - Ersteineigner für eine Saison?

  • Hallo,


    ich plane für den nächsten Sommer ca. 4–5 Monate Sabbatical zu organisieren und eine längere Ostsee-Fahrt auf eigenem Kiel zu unternehmen.

    In diesem Thread möchte ich meinen Plan und meine Überlegungen dazu beschreiben. Tut mir leid, wenn das etwas zu länglich wird, aber vielleicht ist es interessant für Leute, die ähnliche Flausen im Kopf haben. Vielleicht kann der eine oder andere alte Hase noch ein paar nützliche Anregungen beisteuern (oder mich zurechtrücken, wenn ich irgendwas völlig falsch einschätze).


    Zu meiner Person: Ich bin Ende 30, Jollensegler auf Binnengewässern seit der Kindheit, Seesegeln bisher nur auf Chartertouren und auch erst einmal als Skipper. Meine Erfahrungen sind also noch recht überschaubar, aber ich hoffe, dass das mit etwas Respekt vor der Sache und konservativer Routenplanung trotzdem machbar sein sollte.


    Das Vorhaben:

    Mittel bis langfristig möchte ich auf richtige Langfahrt gehen. Die Ostseerunde ist als "Testballon" gedacht, um Erfahrungen zu sammeln und mal in das "cruising life" hineinzuschnuppern.

    Ich lebe derzeit in der Mitte Deutschlands und denke, dass der dauerhafte Unterhalt eines Schiffes an der Küste für mich kein gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis bedeuten würde. Deshalb möchte ich ein Schiff für mehr oder weniger eine Saison anschaffen. Grob könnte der Ablauf so aussehen:

    - Gegen Ende der Saison ein passendes Schiff, inklusive Wasserliegeplatz für die Restsaison kaufen.

    - Noch ein paar mal segeln gehen, um das Schiff kennenzulernen

    - Einmal Winterliegeplatz bezahlen und ggf. über den Winter noch ein paar Verbesserungen vornehmen.

    - Nächstes Jahr mehr oder weniger direkt zum Saisonstart lossegeln (ohne einen festen Wasserliegeplatz für die Saison zu mieten)

    - Das Boot nach der Saison möglichst direkt verkaufen. Falls das nicht klappt, noch einmal Winterlager bezahlen und im schlimmsten Fall noch eine Saison darauf segeln. Wenn ich mich in das Schiff verliebe, werde ich evtl. doch zum "Dauereigner" .

    Ehrlich gesagt bin ich sehr unsicher, ob dieser Plan vernünftig ist, oder ob Langzeitcharter die bessere Alternative wäre. Ich vermute, chartern wäre Stressfreier und Risikoärmer, aber teurer. Ich hoffe wenigstens teurer :winking_face:

    Positiver Nebeneffekt: Ich sammle ein paar Erfahrungen, was es bedeutet Schiffseigner zu sein.


    Die Crew:

    Ich habe keine(n) Segelparter(in) der/die im nächsten Jahr für die komplette Saison verfügbar wäre. Dafür gibt es einige Bekannte, die Etappenweise mitfahren könnten. Die Rundreise würde also teils einhand, teils mit Crew stattfinden. Ich möchte es so organisieren, dass ich die ersten Wochen zusammen mit meinem bewährten Segelpartner starte und fleißig Einhandmanöver mit "Nothand" an Bord übe. Danach muss es dann alleine funktionieren.

    Bei der Route bin ich noch völlig offen. Es kann auch eine relativ kleine Runde werden. Die Ziellstellung ist: Ein schöner Sommer auf der Ostsee.


    Das liebe Geld:

    Ausreichende Rücklagen sind prinzipiell vorhanden. Trotzdem gilt die Devise: "So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig", denn ich spare noch auf größere Vorhaben. Derzeit versuche ich mir ein realistisches Bild zu machen, was so ein Vorhaben wirklich kosten würde.

    Die Kostenfrage führt direkt zum nächsten Punkt:


    Die Bootsauswahl:

    Ich schwanke zwischen zwei verschiedenen Ansätzen:

    Eher Boot als Schiff:

    Ein kleines leichtes Gefährt, das man mit einem Außenbordmotor bewegen kann. Damit würde es eine kleinere Tour werden. Kurze Etappen und Hafentage bei ungünstigem Wetter. Vielleicht durch die Dänische Südsee und dann etwas die schwedische Küste erkunden. Angeblich haben das schon Leute mit Variantas gemacht.


    Eher Schiff als Boot: Ein älteres Fahrtenschiff mit etwa 27 bis 30 Fuß und Dieselmaschine:

    Damit hätte man deutlich mehr Möglichkeiten und könnte auch anspruchsvollere Etappen planen. Das wäre mein Favorit, allerdings bereitet mir ein alter Diesel große Sorgen. Wenn das Schiff zu groß für Außenborder ist und der Diesel Probleme macht, könnte das den Segelsommer ernsthaft vermiesen. Ein gut ausgestattetes Schiff mit moderner Austauschmaschine wird leider recht teuer. Das würde ein größeres finanzielles Risiko bedeuten, falls ich das Schiff nicht gut verkauft bekomme.


    Derzeit durchstöbere ich Bootsportale und grüble, welches Boot passen könnte und wie viel Geld ich in die Hand nehmen möchte (oder ob ich das Vorhaben lieber sein lasse).

    In Schweden (auf Blocket.se) gibt es einige Albin Vegas mit Außenbordmotoren, die recht gepflegt aussehen und äußerst preisgünstig sind.

    Das hätte Vorteile:

    - simples, solides Fahrzeug

    - überschaubares finanzielles Risiko

    - den Außenborder könnte man zur Not einfach ersetzen


    Und fragwürdige Aspekte

    - lässt sich eine Vega mit Außenabortmotor noch vernünftig handhaben (bei Wind, Welle und ggf. Einhand)

    - aufwändigerer Bootskauf in der Ferne


    Soweit meine Überlegungen. Danke an jeden, der mein Geschreibe bis hier gelesen hat. Für sachdienliche Hinweise, Bootsempfehlungen oder Ähnliches bin ich dankbar!


    Beste Grüße

    Dalb

  • Hmmm, also wenn man so auf blocket herrumstöbert bekommt man den Eindruck, dass man wirklich zum Bootskauf nach Schweden fahren muss. Da lauern gerade Albin Cirrus und Ballad mit erneuerten Motoren zu verträglichen preisen.

    Ich weiß nicht ob es im Forum gerne gesehen wird, wenn man Bootsangebote zur Diskusion verlinkt?

  • Hmmm, also wenn man so auf blocket herrumstöbert bekommt man den Eindruck, dass man wirklich zum Bootskauf nach Schweden fahren muss. Da lauern gerade Albin Cirrus und Ballad mit erneuerten Motoren zu verträglichen preisen.

    Ich weiß nicht ob es im Forum gerne gesehen wird, wenn man Bootsangebote zur Diskusion verlinkt?

    Klar doch, haben wir öfter - sofern du hier nicht als Makler für deine Waew werben willst 😉


    Alternativ zu deinem Plan könntest du mal bei einem Vercharterer (z.B. PCO) anfragen, on eine Langzeitcharter möglich ist. Das wird sicher auch teuer, aber das Boot ist vermutlich in Ordnung, und du musst es nicht am Ende wieder loswerden.

    -----------------------------------------------------
    Autokorrektur ist grässlich!
    -----------------------------------------------------

  • Gegen Ende der Saison ein passendes Schiff, inklusive Wasserliegeplatz für die Restsaison kaufen.

    - Noch ein paar mal segeln gehen, um das Schiff kennenzulernen

    - Einmal Winterliegeplatz bezahlen und ggf. über den Winter noch ein paar Verbesserungen vornehmen.

    - Nächstes Jahr mehr oder weniger direkt zum Saisonstart lossegeln (ohne einen festen Wasserliegeplatz für die Saison zu mieten)

    - Das Boot nach der Saison möglichst direkt verkaufen. Falls das nicht klappt, noch einmal Winterlager bezahlen und im schlimmsten Fall noch eine Saison darauf segeln. Wenn ich mich in das Schiff verliebe, werde ich evtl. doch zum "Dauereigner" .

    Es fehlt: Reparaturen. Vermutlich wir es äußerst schwierig ein Schiff zu finden, an dem du keinen Handlungsbedarf haben wirst. Insofern sollte das Kaufvorhaben die Zeit, die Möglichkeiten und das Budget für diese Aufwendungen berücksichtigen. Mach dich im Vorfeld damit vertraut, was du haben musst und was du als Nice2have gerne hättest. Gehe mehr auf Boote, die diese Punkte erfüllen, denn auf schicke Segeleigenschaften. Denn wenn auf 4K Euro noch 6k€ für Reparaturen und Ausrüstung on top kommen, dann ist der Vorteil des Auslandskauf schnell dahin.


    Und fragwürdige Aspekte

    - aufwändigerer Bootskauf in der Ferne

    Das ist einer der größten Brocken. Gehe davon aus, dass du nur im wirklich absoluten Ausnahmefall nach einer mehrstündigen Anreise ein Boot vorfinden wirst, das den Beschreibungen entspricht. Hinzu kommt die fehlende Erfahrung zur Einschätzung vor Ort. Wenn du dann tatsächlich sowas findest musst du überlegen, ob du noch einen Survey machen lassen möchtest. Den wirst du entweder bereits im Voraus planen müssen oder vor Ort organisieren. Ein im Voraus geplanter Survey schränkt dich uU darin ein, bei einer Peite 100km weiter das nächste Boot anzusehen. Schaust du dir hingegen mehrere Boote zB im Stockholmer Raum an, dann wirst du erst nach dem Entscheid den Gutachter bestellen können. Mit Glück ist der nach 2-3 Tagen verfügbar. In der Zwischenzeit musst du aber irgendwo schlafen, so du nicht mit einem Campingbus oder Kombi mit Schlafmöglichkeit anreist. Diese Kosten sind in Skandinavien aber echte Preistreiber und kommen on top.


    Einmal Stockholm und zurück im Flieger von DUS oder CGN ist nur mit längerem Vorlauf ein Schnapper. Kurfristige Buchungen sind dann wieder teuer. Gehe davon aus, dass du entweder einen 14tägigen Urlaub mit Rundreise für den Bootskauf verwendest oder mehrfach anreist.

    Und so läppern sich die Kosten und die Zeit läuft dahin. Und am Ende hast du viel Aufwand und die Sprachbarriere. Und das Schiff muss ja auch erstmal wieder nach D zurück, damit du es dort klarmachen kannst. Oer du lässt es in DK oder SE, dann muss es aber dort klargemacht werden. Was aber die allergrößte Hürde wird, wenn du davon keine Ahnung hast UND noch das Boot 700km entfernt liegt. Und was uns wieder zum Anfang bringt: "Es fehlt: Repraturen…"


    Grundsätzlich würde ich das Thema Bootskauf im Ausland nur mit viel Erfahrung angehen. Der Wiederverkauf ist unkalkulierbar. Falsches Boot zur richtigen Zeit, richtiges Boot zur falschen Zeit, falsches Boot zur falschen Zeit, richtiges Boot zur richtigen Zeit - die Chancen stehen da 3:1, dass du da gut raus kommst. Denn es hat ja einen Grund, worum die von dir favorisierten Schiffe so günstig sind. Und das, was du da reinsteckst, bekommst du nicht wieder raus. Wenn du dann 6K investiert hast, dann ist die Langzeitcharter die bessere Option.

    Denn es mag eine Langzeitcharter im ersten Moment teuerer erscheinen, wird dir aber im Endeeffekt eine Menge Sorgen abnehmen. Boot chartern, segeln, Boot wieder abgeben. Schau mal bei chartership.eu und frage, was es kosten würde, die Bianca 27 zu chartern. Die ist laut Belegungsliste dieses Jahr bisher nur 6 Wochen gebucht. Würde mich wundern, wenn die in 2024 plötzlich öfter gebucht würde.



    __/)_/)__(\___|___|_/)______(\_/)_____|___|__/)__(\ (\___

  • Das wären z.B. Kandidaten die für mich sehr interessant aussehen:


    - Eine Albin Cirrus mit Vetus Diesel von 201

    - Eine Ballad mit Nanni Diesel

    - Eine Ballad mit runderneuertem MD6a (was auch immer davon zu halten ist?)


    Die Ballad mit 30 Fuß ist mir schon fast etwas zu groß, allerdings wäre Klo im Schrank natürlich schöner als Klo unterm Bett :winking_face:

    Zur Frage Kaufen oder Saisoncharter bin ich auf diesen interessanten Thread gestossen. Irgendwie neige ich zum kaufen.

    Die Kontaktaufnahme auf Blocket scheitert leider an der Verifikation ohne schwedische Telefonnummer. Ich muss mich wohl mal im Bekanntenkreis nach Schweden umhören.

  • Ich würde es bei scanboat versuchen und erstmal in DK und an der schwedischen Westküste schauen. Wenn du ein Budget von 12K für das Boot hast, kommen entweder noch Sachen on top. Oder du gibst nur 7K für das Boot aus.

    Noch eines: Wenn du nicht weißt, ob du nach der Runde weiter Segeln möchtest, wäre ein weiterer Ansatz, dass du die Runde erst machst, wenn du das herausgefunden hast. Weil du dir sicher das Boot anders aussuchen wirst und sich DANN das Invest eines Kaufes eher lohnen wird.

    Beispiele:
    Omega 28
    Bandholm 27

    Nord 80 (hat eine Kuchenbude, was auf einer längeren Reise von unschätzbarem Vorteil ist weil du dann auch bei Regen im größeren Cckpit sitzen kannst)

    Shipman 28


    Schmankerl: Hurley 800 liegt in Zeewolde, dt. Eigner. Damit kannst du auch bei ziemlich viel Wind entspannt segeln.



    __/)_/)__(\___|___|_/)______(\_/)_____|___|__/)__(\ (\___

  • Meine Schätzung/Hoffnung war ungefähr so: Z.B. die oben verlinkte Cirrus für 7K plus 5K für Sachen die noch kommen und Das Schiff ggf. für ein paar K€ wieder verkaufen. Aber ich ahne, dass Saisoncharter vielleicht doch vernünftiger ist.

  • Kein Schiff ans Bein binden. Es sei denn, basteln macht dir genausoviel Spaß wie segeln.


    Überleg dir, wieviel Komfort du brauchst. Dein Boot ist so klein, dass es keine Pantry hat? Kein Problem. Mit dem gesparten Geld kannst du jeden Abend aus essen gehen. Oder du machst auf dem Camping-Kocher Onepotwonders. Oder beides.


    Bei Dir steht doch das Erlebnis während der Auszeit im Vordergrund.

    Von nix kütt nix.

  • berleg dir, wieviel Komfort du brauchst. Dein Boot ist so klein, dass es keine Pantry hat? Kein Problem. Mit dem gesparten Geld kannst du jeden Abend aus essen gehen. Oder du machst auf dem Camping-Kocher Onepotwonders. Oder beides.

    Es gibt schon kleine Boote die eine Pantry haben. Ich erinnere mich da an die Nadine 24. Aber deine Preisvorstellungen sind jenseits von Gut und Böse. Leg beim Kauf nochmal 10k drauf. Mir fällt kein Boot für unter 10k eine mit dem ich die Ostsee auf Langfahrt besegeln möchte. Vor allem haben solche Boote oft einen massiven Instandhaltungsstau. Mit Langzeitcharter kommst du ggf. wirklich günstiger weg.

  • Hallo,


    danke so weit für alle Antworten. Also ich fasse mal den allgemeinen Tenor zusammen:

    - Die angeblich gut gepflegten 27Fuß schiffe für unter 10K€ sind ohne größere Investitionen nicht für mein Vorhaben zu gebrauchen

    - Reparaturen und Instandhaltung werden erhebliche Kosten und Ärger verursachen

    - Mein Plan mit der Kurzzeitgegnerschaft ist eher eine etwas bekloppte Idee und Saison charter wird günstiger

    Schade eigentlich!


    Heart of Golds Hinweis mit der Anforderungsliste war gut und ist ja für Kauf und Charter gleichermaßen relevant. Mangels Erfahrung sind meine Anforderungen allerdings noch ziemlich allgemein.

    Die meisten Kielschiffe (0815 Charteryachten) auf denen ich bisher saß, fühlten sich für den Jollensegler in mir immer etwas zu langweilig an. Letzten Sommer bin ich auf einem Folkeboot um Usedom und Rügen gegondelt und war begeistert. Dynamisches Handling und damit viel Segelspass, aber trotzdem angenehmes Verhalten und sicheres Gefühl in Wind und Welle. Ich vermute was ich suche ist "relativ klassische Linien in halbwegs sportlich". Also S- oder V- statt U-förmige Spanten, nicht zu leicht und nicht zu breit. Allerdings etwas größer als ein Folkeboot. Davon erhoffe ich mir:

    - Eine kleine Pantry

    - Ein Klo (im Schrank)

    - Eine Tür zum Vorschiff, die man schließen kann, wenn der Mitsegler zu laut schnarcht.

    Also zusammengefasst: Ein solides robustes Fahrtenboot was gut segelt, ne Schippe Wind und Wellen abkann, ohne zu schiffig zu sein und das etwas mehr Komfort als ein Folkeboot bietet. Keine Rennzicke, kein schwimmender Wohnwagen und kein "Heavy-Displacement-Panzer". Nachdem was ich bisher gelesen habe, scheinen die alten Schweden vom den Herrn Norlin und Petterson da gut zu passen. Alternativvorschläge sind immer gern gesehen!

    Für September habe ich eine Maxi Fenix gechartert. Das wäre mein Traumboot für die Ostsee (Bin gespannt, ob die Fenix hält, was man verspricht).


    Langzeitcharter vs. Kurzzeiteigner:

    Irgendwie hatte ich gehofft, dass man mit ein paar Abstrichen bei Komfort und Alter (im Vergleich zur Fenix) die Bootseignerschaft für ein/zwei Saisons ausprobieren kann, ohne zu viel Geld in die Hand zu nehmen. Die vielen ~10K€ Boote in den Portalen wirken da sehr verlockend.

    Es kann gut sein, dass ich die Sache unterschätze. Ich glaube euch das, aber mir fehlt da echt die Vorstellung. Ich habe bisher nur Jollen besessen und vielleicht immer Glück gehabt, aber meine Erfahrungen waren durchweg positiv. Ein altes Boot das keinen Schönheitspreis gewinnt, aber mit solider Substanz, man segelt und pflegt es ne Weile, erneuert ein paar Sachen und verkauft es zum fairen Preis. Wenn man viel segelt kostet das pro Tag einen Bruchteil der Charterkosten. Ich müsste es die Restsaison erproben, über den Winter etwas aufhübschen und nächstes Jahr im Sabbatical wirklich 5-6 Monate segeln.

    Wenn es unterm Strich das gleiche, wie Chartern kostet, aber mehr Aufwand bedeutet, wäre es ok für mich. Das würde ich als nützliches Lehrgeld und Erfahrung verbuchen. Nur ein totaler Griff ins Klo wäre ärgerlich. Ist dieses Vorhaben wirklich so unrealistisch? Was Wäre ein realistischer Preis für ein 26-28 Fuß Schiff für so ein vorhaben?

  • Moin,

    bevor du zwischen Bootskauf und Langzeitcharter entscheidest, musst du die Kosten einer Langzeit Charter kennen. Ich kenne sie nicht, vermute aber, dass es nicht billiger wird. Je nach Schiff und Versicherung in der 8 - 9 Meter Klasse vielleicht ab Euro 1.500,00 im Monat? Die Hurley 800 oben sieht gut aus, Liegeplatz bis April 2024 und interessanter Preis.

    Wenn du ein gebrauchtes Boot kaufst bei dem alles wichtige funktioniert, Optik eher egal, kann dein Plan funktionieren. Für den Kauf musst du jemanden mit Ahnung haben, der für dich das Boot prüft.


    Tiekay

  • Ordentliches GFK-Folke oder IF-Boot. Ist technisch überschaubar und wirst Du nach Deinem Segelabenteuer auch wieder zu einem reellen Preis los.

    Die besten Seemänner stehen an Land.

  • Die angeblich gut gepflegten 27Fuß schiffe für unter 10K€ sind ohne größere Investitionen nicht für mein Vorhaben zu gebrauchen

    Das ist so nicht gesagt. Natürlich kann es durchaus das Schiff geben, bei dem alles passt, der Eigner viel gemacht hat nd jetzt schnell veraufen will/muss. Aber die Erfahrung zeigt leider, dass es das nur sehr selten gibt.

    Ich vermute was ich suche ist "relativ klassische Linien in halbwegs sportlich"

    Bei 26-26ft wäre als Alternative zum Folke zB eine Marieholm 28 oder das IF Boat möglich. Wenn du auf sehr sporlich gehen willst, dann ist zB auch eine Eygthene 24 eine interressante Option. Schon mehr ein Kleinkreuzer wäre zB die Spirit 28. Bedenke, dass 5-6 Monate etwas anderes sind, als 2 Wochen. Ich würde für ein halbes Jahr mehr auf Komfort setzen, denn auf anderes. Denn alle Reisen dieser Art haben gezeigt, dass die SeglerInnen dann doch gerne mal ein paar Tage an ein und der gleichen Stelle geblieben sind. Du bist nicht auf der Flucht und Meilen abzureißen und von Spot zu Spot zu hetzen ist vermutlich nicht das Ziel.


    Was Wäre ein realistischer Preis für ein 26-28 Fuß Schiff für so ein vorhaben?

    Von bis. Ich würde mit 8-10 kalkulieren. Und 2-4 in der Hinterhand. Und wenn du kaufst, dann keine Exoten. Die verkaufen sich nachher genau so schlecht wie jetzt.


    Nachtrag: Oder du machst einen Sprung nach oben und gehst auf die 30ft Abteilung. ZB eine Scampi 30



    __/)_/)__(\___|___|_/)______(\_/)_____|___|__/)__(\ (\___

  • Mein Rat wäre: Einfach mal die o.g. Boote besichtigen, probesegeln usw. Dann dürfte relativ schnell klar sein, ob das was wird oder nicht. Das Boot findet einen, nicht umgekehrt – oder eben nicht.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass der Plan aufgehen könnte, aber bei dem bisher Gesagten wird vielleicht unterschätzt, wie innig so eine Beziehung zu dem eigenen Boot früher oder später werden wird – das ist ein Riesenunterschied zu Charterschiffen. Sehr sehr skeptisch bin ich bei dem Plan, das Boot nach einer tollen Saison wieder zu verkaufen. So einfach wird das nicht gehen mit der Trennung :smiling_face: Ist aber auch nicht das Schlimmste.

    Und ganz konkret:

    1. Für 4-5 Monate segeln würde ich mir mindestens zwei neue Segel gönnen (Groß und Vorsegel); diese Kosten muss man dann von vornherein abschreiben, denn davon wird man beim Verkauf kaum etwas wieder hereinholen. Für mich aber eher ein Argument für und nicht gegen den Bootskauf. Segeln mit ausgelutschten Segeln (typisch für Charterschiffe) wäre nicht meins. Und ein zerfetztes Großsegel legt Dich genauso an die Kette wie ein kaputter Motor.

    2. Motor: Bei der Schiffsgröße könnte man noch überlegen, einen Einbaudiesel zu nehmen (viel viel besser als AB in vielen Situationen), und zusätzlich einen kleinen AB als BackUp ans Heck zu hängen. Kostet nicht viel und rettet das Weiterkommen falls der Diesel schlappmachen sollte. Nicht alle Hecks sind dafür geeignet, deshalb wäre das evtl. ein zusätzl. Auswahlkriterium.

  • Vor 9 Jahren waren wir auch in der Situation, im Folgejahr einige Monate Zeit zu haben und haben auch ein Boot für eine Ostseerunde gesucht. Nach einigen Besichtigungen wurde klar, dass wir die Zeit möglichst vollständig zum Segeln nutzen und möglichst wenig reparieren wollen. Risikominimierung war also die Devise, und so haben wir ein nur 4 Jahre altes Boot gekauft. Wir konnten sofort los, und letztlich war das sehr preisgünstiges Segeln, da nix kaputt ging.

    Ach ja: ich tippe diesen Text aus dem Cockpit des Bootes, das wir uns damals gekauft haben....

    Gruß Robert

  • Wir hatten auch ältere Boote angesehen, aber dann eben befürchtet, dass wir einen nicht absehbaren Teil der freien Zeit mit Reparieren verbringen. Wenn ein Boot einen konkreten Mangel hätte wäre das kalkulierbar, aber die vielen kleinen und auch nicht so kleinen Mängel an einem 40 Jahre alten Boot sind es dann nicht mehr.

    Dazu kommt, dass sich die vielen kleinen Reparaturen und Investitionen bei einem alten Boot nur zu einem Bruchteil wertsteigernd auswirken dürften. Daher denke ich, dass gerade bei alten Booten die besten Exemplare trotz des höheren Kaufpreises die billigsten sind.

    Für das größte Einzelrisiko halte auch ich den Einbaudieselmotor.

    Gruß Robert

    Seminare und Workshops rund um die Yachttechnik

    Online auf blauwasser.de

  • Moin!

    Ich finde, Deine Überlegungen klingen alle erstmal nicht so schlecht.

    Wir sind zweimal für mehrere Monate mit einer Larsen 25 auf der Ostsee unterwegs gewesen in der Elternzeit mit unseren beiden großen Kindern (Die waren jeweils zum Törnbeginn 8, bzw 10 Monate alt) und auch wir haben es immerhin bis an die schwedische Westküste geschafft l.

    Wenn Dir Folkeboote gefallen, wäre ein Blick auf die GFK-Variante (If-Boote), die oben bereits erwähnt wurde, sicher einen Blick wert.

    Ich kann nur uterstreichen, was hier bereits zu Segeln und Motor gesagt wurde, beides sollte im bestmöglichen Zustand sein.

    Was außerdem meines Erachtens sehr wichtig ist bei einem so langen Törn auf einem kleinen Boot ist ein gutes Cockpitzelt aka Kuchenbude.

    Ich glaube, wir wären damals umgekehrt, wenn wir keines gehabt hätten.

    Eine gute Kuchenbude ist meist nicht ganz günstig, eine gebrauchte passende aufzutreiben ist schwierig, wäre also gut, wenn das Boot eine hätte.

    Außerdem möchte ich eher zum kleineren Boot raten, eine Fenix wäre vielleicht so die Maximalgröße nach der ich an Deiner Stelle schauen würde.

    Alle Manöver, vor allem einhand und im Hafen, werden einfacher und die Kosten sind deutlich geringer.

  • Bootsanzeigen seit jeher und seit Jahren ständig beobachtend meine ich: Es wird mit eifrigem Suchen kein wirkliches Problem sein, ein Boot zu finden, das für dich und ein nur zeitweilig mitsegelndes weiteres Crewmitglied groß genug ist (ca. 26+x Fuß), das in der von dir genannten Preisregion bleibt und in einem sehr guten Zustand ist. Es wird aber eher ein Problem sein, ein solches Boot zu finden, das sich dann auch wieder zuverlässig leicht verkaufen lässt.


    Der günstigste Kauf ist in der Regel ein Boot, das der Voreigner sehr gut instandgehalten und gepflegt hat, bei dem viel erneuert wurde. Denn wie Robert völlig zu Recht schreibt ...

    Daher denke ich, dass gerade bei alten Booten die besten Exemplare trotz des höheren Kaufpreises die billigsten sind.

    ,,, kann der Verkäufer seine Investitionen nur zu einem Bruchteil über den Kaufpreis refinanzieren. Anderenfalls müsste das Boot derart teuer sein, dass der Markt den Kaufpreis nicht hergibt. Die Marktsituation hat sich nach Corona im Übrigen wieder beruhigt. Boote unterhalb der Komfort-Größe einer Ferienwohnung waren von dem Hype ohnehin nicht so betroffen.


    Deshalb sieht man zuweilen Boote, die (zumindest nach der aussagekräftigen Papierform) in einem hervorragenden Zustand sind, an denen viel erneuert wurde und bei denen der Angebotspreis trotzdem sehr moderat ist. Aber sie haben dann in aller Regel das Handicap, dass sie zu den nicht gefragten Typen zählen. Deshalb sind die Angebotspreise häufig von vornherein niedrig oder werden mehrfach reduziert (kaum höher als die Investitionskosten der letzten wenigen Jahre). Die Anzeigen stehen monatelang oder über ein Jahr in den Anzeigen, ohne dass das Boot verkauft wurde; oder sie tauchen nach einem halben Jahr wieder auf.


    Ein guter Kauf also, was den Zustand anbelangt. Aber du wirst das Boot am Ende deines Vorhabens wahrscheinlich genauso schwierig wieder los. Für einen Bootstyp, der leicht verkäuflich ist, wirst du beim Kauf selbst mehr ausgeben müssen, wenn es in gutem Zustand sein soll. Wenn der zuverlässig schnelle Wiederverkauf wichtig ist, wäre so einem Boot der Vorzug zu geben. Ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass du das Boot doch behältst, dürfte es auch ein weniger gefragter Bootstyp sein.


    Ein Boot, das noch mit einem Außenbordmotor bewegt werden kann, wäre dann ebenfalls ein wesentlicher Faktor, das Kostenrisiko zu reduzieren. Auch das spräche dafür, die angepeilte Bootsgröße möglichst im unteren Bereich zu suchen. Es sei denn, der Motor wurde gerade erneuert oder überholt (und zwar wirklich grundlegend überholt; solche Angaben sind oftmals arg euphemistisch und kritisch zu prüfen!).

    Edited once, last by Sunbeamer: Schreibfehler ().

  • ...........................


    Derzeit durchstöbere ich Bootsportale und grüble, welches Boot passen könnte ...........................


    Der Buchautor Jörn Heinrich war mit einer Jeanneau Sangria unterweg zur Recherche das Handbuchs

    https://www.amazon.de/K%C3%BCstenhandbuch-Baltikum-mit-S%C3%BCdk%C3%BCste-Finnland/dp/3892255369

    Das Hanbuch kann ich ebenso empfehlen wie das Boot.

    Das Boot wurde in sehr großer Stückzahl gebaut und ist auf Markt von "Schrott" bis "noch sehr gut" reichlich und preiswert vorhanden. Wir haben damit London und Thames Estuary abgeklappert. Es ist zuverlässig, nicht langsam und segelt gute Höhe (ex 1/4 ton)


    Erfolg und Glück bei der Suche

    Franz

    halber Wind reicht völlig